Nun muss ich mal wieder ein bißchen von Zola schwärmen:
Im Moment lese ich nämlich gerade "Der Totschläger", Band 7 aus dem Les Rougon-Macquardt-Zyklus. Seltsamerweise brauche ich immer eine Weile, bis ich mich für einen neuen Zola-Roman entscheide, irgendwie traue ich ihm immer nicht, dass mich das Thema gefangennimmt. Und doch, sofort bin ich drin in der Pariser Welt Mitte des 19. Jahrhunderts, den engen, schmutzigen Gassen, den eitlen, lebenshungrigen, tüchtigen, mitleidigen, eifersüchtigen, phantasielosen, hoffnungsfrohen, desillusionierten, frechen Menschen, diesmal mit dem Wäschermädchen Gervaise, mit bescheidenen Hoffnungen auf ein glückliches Leben. Gervaise, die Mutter der berühmteren Nana (Band 9) kann dieses Glück jedoch nicht halten, auch aufgrund des umgreifenden Alkoholismus der Männer.
Ich bin immer wieder verblüfft, wie Zola doch in jedem seiner Charaktere noch die winzigste menschliche Regung aufspüren und schildern kann, dazu, trotz der Hoffnungslosigkeit und des Elends, der akribischen Alltagsbeschreibungen z.B. der Arbeitsvorgänge in einer Wäscherei, einer ärmlichen Hochzeit und den Lebensumständen, die Schönheit des Augenblicks und des kleinsten Glücks aufspürt.
Gruß von Steffi