Autor Thema: Emile Zolas Romanzyklen  (Gelesen 8562 mal)

Offline Steffi

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #15 am: 2. Juni 2008, 08:19 »
Hallo Maria,

Immerhin kommen die Beiden zusammen. Ich habe so den Verdacht, dass dieser Roman darin vermutlich eine Ausnahme ist.

Naja, ein winziges Glück sei den beiden gegönnt - gibts ja auch im wirklichen Leben.  :zwinker: Es ist schon sehr lange her, dass ich den Roman gelesen habe - ist es nicht so, dass die Anziehung der beiden daraus rührt, dass sie eben beide gierig sind ?

Gruß von Steffi
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Offline Steffi

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #16 am: 2. Juni 2008, 08:24 »
Hier noch der Rougon-Macquart Stammbaum (französisch).

Und hier Stammbaum mit ausführlicheren Personenbeschreibungen und Hinweis auf die jeweiligen Romane (französisch).

Gruß von Steffi
« Letzte Änderung: 2. Juni 2008, 08:30 von Steffi »
Gruß von Steffi

Offline JMaria

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #17 am: 2. Juni 2008, 09:18 »

Naja, ein winziges Glück sei den beiden gegönnt - gibts ja auch im wirklichen Leben.  :zwinker: Es ist schon sehr lange her, dass ich den Roman gelesen habe - ist es nicht so, dass die Anziehung der beiden daraus rührt, dass sie eben beide gierig sind ?

Gruß von Steffi

gierig - das passt!  :breitgrins:
danke für den Stammbaum, den kann ich demnächst gut gebrauchen.

noch eine Frage:
"Nana" gehört nicht zum Zyklus?

Gruß
Maria

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Offline Zola

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #18 am: 2. Juni 2008, 15:51 »
noch eine Frage:
"Nana" gehört nicht zum Zyklus?

Doch, es ist Teil 9.

Eine Auflistung des Zyklus findest Du z.B. bei Wikipedia.

Ich stehe gerade vor Teil 12.







Madeleine

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #19 am: 2. Juni 2008, 17:39 »
Zolas Romanzyklen zu lesen, wäre ja auch eine ganz vortreffliche Idee.

Aber wie soll man das alles schaffen, wenn einen täglich 8 Stunden Arbeit (und mehr) vom Lesen abhalten?
Ich werde mir die Bände jedenfalls vormerken.

Liebe Grüße, Madeleine

Offline finsbury

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #20 am: 2. Juni 2008, 20:12 »
Hallo,
von Zola kenne ich den  frühen Roman "Thérèse Raquin", dann von dem eigentlichen Romanzyklus "Germinal", "Die Erde" und "Nana": Ich finde alle diese Bücher sehr eindrucksvoll, am besten gefielen mir "Germinal" und "Die Erde", beides überzeugende Darstellungen der "kleinen Leute " in all ihrem Elend, ihren Gemeinheiten und ihrer Größe. Keine sehr leicht fallende Lektüre, aber sehr lohnend!

HG
finsbury
« Letzte Änderung: 3. Juni 2008, 20:28 von finsbury »
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline Zola

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #21 am: 3. Juni 2008, 08:42 »
habe kürzlich "Das Paradies der Damen" gelesen. Ich glaube, das ist in der Serie einer seiner gemäßigten Romanen, wenn es um den hier genannten harten Realismus geht. Die Geschichte hat mich fasziniert.

Ich war im Mai in Paris und bin sogar extra durch die Straßen gelaufen in denen das "Paradies der Damen" und der Vorgängerroman "Ein feines Haus" spielen. Die Straßen sind viel kürzer und schmaler, als sie mir vorgestellt hatte. Auch der "place gaillon" ist ziemlich klein.

In Lissabon hat übrigens jemand in kleinem Stil Octave Mourets Laden nachgebaut (auf französisch heißt er "au bonheur des dames"). Das ist mir schon vor ein paar Jahren aufgefallen:


Offline Sir Thomas

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #22 am: 3. Juni 2008, 08:59 »
"Thérèse Raquin"

... ist bislang meine einzige Zola-Erfahrung, die mich nachdenklich gemacht hat.

Obwohl ich nichts gegen den harten Naturalismus / Realismus (den Zola mit seinem Landsmann Flaubert teilte) habe, finde ich Hugo und Balzac sehr viel lesenswerter, weil sie nicht so nüchtern und kalt sind, sondern Geschichten mit Herzblut und Emotionen erzählen. Das Schicksal der Thérèse Raquin hingegen hat mich nicht sehr berührt, weil Zola hier erstmals seinem Credo gefolgt ist, die menschliche Seele und deren Leidenschaften quasi "naturwissenschaftlich" schildern zu müssen (was m.W.n. ein Hauptanliegen der Naturalisten war).

Interessanter Ansatz, aber nicht ganz meine Welt ...

Grüße an die Zola-Gemeinde

Sir Thomas     

Offline Steffi

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #23 am: 3. Juni 2008, 09:35 »
Hallo Sir Thomas,
hallo zusammen !

Thérèse Raquin halte ich für eines der schwächeren Bücher - zumindest von den Romanen, die ich bereits gelesen habe. Es war ja sozusagen das erste Ausprobieren seines Stils und die Personen sind noch nicht so subtil geschildert und es steht auch kein gesellschaftskritisches Thema im Mittelpunkt. Gerade  diese Verknüpfung zwischen menschlichem Schicksal und der Gesellschaft gefällt mir aber besonders. Bei Zola darf man auch nicht vergessen, dass die Personen nicht unbedingt "lebensfähig" sind, ich glaube, dass sie mehr als Prototypen angelegt sind.

Bei Balzac sind mir dann die Emotionen schon wieder zu viel, ich empfand mich da mehr als Zuschauer während ich bei Zola die Emotionen selber in mir spüre. Ich habe allerdings nur Eine Frau von dreißig Jahren und Ein Junggesellenheim von Balzac gelesen.

Gruß von Steffi
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Offline Sir Thomas

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #24 am: 3. Juni 2008, 09:42 »
Thérèse Raquin halte ich für eines der schwächeren Bücher ...

Hallo Steffi,

welches Zola-Werk ist Dein persönlicher Favorit? Es fällt mir schwer, aus dem Riesenfundus gezielt das eine oder andere auszuwählen.

Liebe Grüße

Sir Thomas

Offline finsbury

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #25 am: 3. Juni 2008, 20:33 »
Hallo,

Zola ist nicht immer kalt. In "Germinal" kann man sehr wohl seine Sympathie für die ausgebeuteten Bergarbeiter spüren ebenso wie seine Empörung über den hemmungslosen Kapitalismus jener Zeit. Für mich bisher das eindrucksvollste Werk Zolas.
Ich denke, auf amerikanischer Seite und zu späterer Zeit ist "Germinal" am ehestens Upton Sinclairs Werk entgegenzusetzen.

HG
finsbury
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Offline Steffi

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #26 am: 4. Juni 2008, 09:00 »
Hallo !

Germinal habe ich erst kürzlich als Hörbuch gehört und war sehr beeindruckt, sowohl vom Text als auch vom Sprecher. Das hat meine Zola-Lust wieder geweckt.
Auch "Das Werk", ein Roman über die Pariser Kunstszene (ein bißchen Vorbild war wohl Cézanne, mit dem Zola befreundet war) hat mir sehr gut gefallen, ebenfalls "Der Bauch von Paris".

Zitat
Ich denke, auf amerikanischer Seite und zu späterer Zeit ist "Germinal" am ehestens Upton Sinclairs Werk entgegenzusetzen.

Wobei ich "Der Dschungel" von Sinclair noch etwas düsterer bzw. erschütternder empfand - oder vielleicht bin ich mit den Jahren abgestumpft ? Fatal finde ich ja, dass man vorher denkt, dass diese schlimmen Zustände ja überholt sind, aber beim Lesen merkt man, dass es leider so aktuell wie vor über 100 Jahren ist.

Gruß von Steffi
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Offline Sir Thomas

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #27 am: 4. Juni 2008, 10:34 »
Fatal finde ich ja, dass man vorher denkt, dass diese schlimmen Zustände ja überholt sind, aber beim Lesen merkt man, dass es leider so aktuell wie vor über 100 Jahren ist.

Ja, die Karawane ist weiter gezogen - nach Osteuropa, Russland, China, Afrika ...

Viele Grüße

Sir Thomas

Offline Steffi

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #28 am: 17. August 2010, 09:53 »
Nun muss ich mal wieder ein bißchen von Zola schwärmen:

Im Moment lese ich nämlich gerade "Der Totschläger", Band  7 aus dem Les Rougon-Macquardt-Zyklus. Seltsamerweise brauche ich immer eine Weile, bis ich mich für einen neuen Zola-Roman entscheide, irgendwie traue ich ihm immer nicht, dass mich das Thema gefangennimmt. Und doch, sofort bin ich drin in der Pariser Welt Mitte des 19. Jahrhunderts, den engen, schmutzigen Gassen, den eitlen, lebenshungrigen, tüchtigen, mitleidigen, eifersüchtigen, phantasielosen, hoffnungsfrohen, desillusionierten, frechen Menschen, diesmal mit dem Wäschermädchen Gervaise, mit bescheidenen Hoffnungen auf ein glückliches Leben. Gervaise, die Mutter der berühmteren Nana (Band 9) kann dieses Glück jedoch nicht halten, auch aufgrund des umgreifenden Alkoholismus der Männer.

Ich bin immer wieder verblüfft, wie Zola doch in jedem seiner Charaktere noch die winzigste menschliche Regung aufspüren und schildern kann, dazu, trotz der Hoffnungslosigkeit und des Elends, der akribischen Alltagsbeschreibungen z.B. der Arbeitsvorgänge in einer Wäscherei, einer ärmlichen Hochzeit und den Lebensumständen, die Schönheit des Augenblicks und des kleinsten Glücks aufspürt.

Gruß von Steffi
« Letzte Änderung: 17. August 2010, 10:00 von Steffi »
Gruß von Steffi

Offline Sir Thomas

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #29 am: 17. August 2010, 12:03 »
Hallo Steffi,

Nun muss ich mal wieder ein bißchen von Zola schwärmen:

Obwohl ich sehr frankophil bin, konnte ich mich für Zola bislang nicht richtig erwärmen. Nach "Therèse Raquin" (eher mittelmäßig, die Verteidigung des Romans im Vorwort der 2. Auflage ist interessanter als das Buch selbst) habe ich es mit "Germinal" versucht und war ebenfalls wenig begeistert. Es mag an den geschilderten, mir fernen Milieus liegen (ein Grund, warum ich Sues "Mystères ..." schnell aufgegeben habe), auch der Stil Zolas will sich mir nicht als sonderlich aufregend erschließen. Irgendwie schade, aber nicht zu ändern.

Schöne Grüße

Tom