@ Sir Thomas
Nach längerem Nachdenken komme ich zu der Erkenntnis, die Bücher Zolas immer erst im Nachhinein gern gelesen zu haben. Vielleicht komme ich deshalb immer wieder gern zu ihnen zurück. Das Lesen selbst ist zwar nicht zäh oder langweilig, aber der Text hat immer eine gewisse Sprödigkeit, die durch das Sujet wiederum wettgemacht wird.
Ja, das finde ich gut ausgedrückt, "eine gewisse Sprödigkeit". Das ist es, was mich immer ein Weilchen davon abhält, zum nächsten Zola zu greifen. Allerdings mag ich diese detaillierten Beschreibungen des gewöhnlichen Alltags sehr und auch die Hoffnungslosigkeit bzw. die enttäuschten, unerfüllten Hoffnungen auf ein besseres Leben.
@Sir Thomas: Nicht alle Schriftsteller können einem gefallen. Thérèse Raquin halte ich auch für einen seiner schwächeren Romane, Germinal kenne ich nur als Lesung, was mir gefallen hat, allerdings dieses kämpferische Milieu ist nicht unbedingt mein Fall. Am liebsten mag ich von Zola die Romane, die in Paris spielen, (Der Bauch von Paris, Paradies der Damen, Das Werk, Der Totschläger, Nana - das sind die, die ich bisher gelesen habe) dessen Atmosphäre wunderbar beschrieben wird, mit den oft starken Frauen, den vielschichtigen Charakteren und den kleinen Alltagsträumen. Germinal hat ja schon wieder ein größeres Ziel vor Augen.
Besonders in "Der Totschläger" fallen mir die vielen, kleinen, aber ausführlichen Beschreibungen auf: die Hochzeit, wenn man nicht mal das nötige Geld dafür hat, der Besuch im Louvre, die Feier eines Namenstags, die Arbeit im Waschhaus und in der Schmieden, die sozialen Beziehungen in einem großen Mietshaus. Ich lese das gerne, aber ich verstehe auch, wenn einem das zu trivial und zu viel ist.
@Lauterbach: Ich las zum Einstieg "Nana", würde aber "Der Totschläger" oder "Der Bauch von Paris" zu Anfang empfehlen. Alle Romane der Rougon-Macquart sind in sich abgeschlossen, wobei natürlich das Lesen in der Reihenfolge auch nicht zu verachten ist, weil dann die verwandschaftlichen Verhältnisse und die Persönlichkeitsentwicklung noch zusätzlich eine Reiz ausmachen.
So ist z.B. Nana die Tochter der Gervaise, die im "Totschläger" die Hauptperson ist und man erfährt nebenbei, unter welchen Umständen sie aufwächst und kann dann in "Nana", zwei Bände weiter, dies in die Beurteilung miteinfließen lassen.
@Poppea: Ja, das ist schon wirklich ein fast unheimlicher Zufall. "Das Werk" habe ich inzwischen auch schon gelesen - viel Spaß dabei !
Gruß von Steffi