Autor Thema: Emile Zolas Romanzyklen  (Gelesen 8551 mal)

Offline Poppea

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #30 am: 17. August 2010, 15:10 »
Hallo !

Germinal habe ich erst kürzlich als Hörbuch gehört und war sehr beeindruckt, sowohl vom Text als auch vom Sprecher. Das hat meine Zola-Lust wieder geweckt.
Auch "Das Werk", ein Roman über die Pariser Kunstszene (ein bißchen Vorbild war wohl Cézanne, mit dem Zola befreundet war) hat mir sehr gut gefallen, ebenfalls "Der Bauch von Paris".

Gruß von Steffi

Hallo Steffi,

so, jetzt wo ich wieder aus dem Schrank raus bin, in den ich verkrochen hatte, als ich dein Posting las und mir einiger Maßen sicher bin, dass es sich nicht um einen Scherz von BigBrother oder den kleinen grünen Männchen handelt, kann ich es Dir ja sagen:

Genau heute habe ich das Werk und einen neuen Germinal bekommen. .. Und fünf Minuten später, das Buch war gerade ins Regal gewandert, da lese ich Deinen Beitrag. 

Paranoid? ÜÜüühhch???? Nööö :redface:

Aber was für ein Zufall. Vielleicht sollten wir die alle mal zusammen lesen nächstes Jahr.

Liebe Grüße Poppea


@ Sir Thomas

Nach längerem Nachdenken komme ich zu der Erkenntnis, die Bücher Zolas immer erst im Nachhinein gern gelesen zu haben. Vielleicht komme ich deshalb immer wieder gern zu ihnen zurück. Das Lesen selbst ist zwar nicht zäh oder langweilig, aber der Text hat immer eine gewisse Sprödigkeit, die durch das Sujet wiederum wettgemacht wird. Der eigentliche Genuß liegt aber in der Erinnerung an das jeweilige Buch. Seltsam.

Offline Lauterbach

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #31 am: 17. August 2010, 17:41 »
Hallo,

Frage an die Zola-Experten, was kann man oder frau zum Einstieg empfehlen. Der (harte) Naturalismus/Realismus schreckt mich nicht, da
ich z.B. Alesxander Tisma sehr gern mag.
Bei den Franzosen bin ich sowieso ziemlich unterbelichtet, außer Maupassant den ich in meiner Jugend las, kenne ich da
kaum etwas.

Gruß, Lauterbach

Offline Lost

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #32 am: 17. August 2010, 17:46 »
Hallo,

Frage an die Zola-Experten, was kann man oder frau zum Einstieg empfehlen. Der (harte) Naturalismus/Realismus schreckt mich nicht, da
ich z.B. Alesxander Tisma sehr gern mag.
Bei den Franzosen bin ich sowieso ziemlich unterbelichtet, außer Maupassant den ich in meiner Jugend las, kenne ich da
kaum etwas.

Gruß, Lauterbach

An Germinal kommt man meiner Auffassung nach bei Zola nicht vorbei. Neben den viel besprochenen Büchern z.B. "Der Bauch von Paris", "Nana" ist "Geld" noch meine Empfehlung. Ein Experte bin ich aber nicht. Zola hat ein umfangreiches Werk hinterlassen.

Offline Steffi

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #33 am: 18. August 2010, 09:50 »
@ Sir Thomas

Nach längerem Nachdenken komme ich zu der Erkenntnis, die Bücher Zolas immer erst im Nachhinein gern gelesen zu haben. Vielleicht komme ich deshalb immer wieder gern zu ihnen zurück. Das Lesen selbst ist zwar nicht zäh oder langweilig, aber der Text hat immer eine gewisse Sprödigkeit, die durch das Sujet wiederum wettgemacht wird.

Ja, das finde ich gut ausgedrückt, "eine gewisse Sprödigkeit". Das ist es, was mich immer ein Weilchen davon abhält, zum nächsten Zola zu greifen. Allerdings mag ich diese detaillierten Beschreibungen des gewöhnlichen Alltags sehr und auch die Hoffnungslosigkeit bzw. die enttäuschten, unerfüllten Hoffnungen auf ein besseres Leben.

@Sir Thomas: Nicht alle Schriftsteller können einem gefallen. Thérèse Raquin halte ich auch für einen seiner schwächeren Romane, Germinal kenne ich nur als Lesung, was mir gefallen hat, allerdings dieses kämpferische Milieu ist nicht unbedingt mein Fall. Am liebsten mag ich von Zola die Romane, die in Paris spielen, (Der Bauch von Paris, Paradies der Damen, Das Werk, Der Totschläger, Nana - das sind die, die ich bisher gelesen habe) dessen Atmosphäre wunderbar beschrieben wird, mit den oft starken Frauen, den vielschichtigen Charakteren und den kleinen Alltagsträumen. Germinal hat ja schon wieder ein größeres Ziel vor Augen.

Besonders in "Der Totschläger" fallen mir die vielen, kleinen, aber ausführlichen Beschreibungen auf: die Hochzeit, wenn man nicht mal das nötige Geld dafür hat, der Besuch im Louvre, die Feier eines Namenstags, die Arbeit im Waschhaus und in der Schmieden, die sozialen Beziehungen in einem großen Mietshaus. Ich lese das gerne, aber ich verstehe auch, wenn einem das zu trivial und zu viel ist.

@Lauterbach: Ich las zum Einstieg "Nana", würde aber "Der Totschläger" oder "Der Bauch von Paris" zu Anfang empfehlen. Alle Romane der Rougon-Macquart sind in sich abgeschlossen, wobei natürlich das Lesen in der Reihenfolge auch nicht zu verachten ist, weil dann die verwandschaftlichen Verhältnisse und die Persönlichkeitsentwicklung noch zusätzlich eine Reiz ausmachen.

So ist z.B. Nana  die Tochter der Gervaise, die im "Totschläger" die Hauptperson ist und man erfährt nebenbei, unter welchen Umständen sie aufwächst und kann dann in "Nana", zwei Bände weiter, dies in die Beurteilung miteinfließen lassen.

@Poppea: Ja, das ist schon wirklich ein fast unheimlicher Zufall. "Das Werk" habe ich inzwischen auch schon gelesen - viel Spaß dabei !

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline Sir Thomas

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #34 am: 18. August 2010, 11:40 »
"Nana" steht schon etwas länger auf meiner Liste. Es ist bestimmt interessant, wie Zola mit dem Mythos (Edel-)Prostituierte umgeht. Bei Balzac spielen diese Damen eine große Rolle (Glanz und Elend der Kurtisanen), Dumas' Schmachtfetzen "Die Kameliendame" widmet sich ihnen ausschließlich, und auch Flaubert hat den "leichten Mädchen" in der Person Rosanettes (Éducation sentimentale) ein literarisches Denkmal gesetzt. Wenn man Dumas (dem Jüngeren) glaubt, waren die käuflichen Geliebten aus dem Pariser Gesellschaftsleben des 19. Jahrhunderts nicht wegzudenken.

Es grüßt

Tom

Offline Lauterbach

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #35 am: 18. August 2010, 12:52 »

@Lauterbach: Ich las zum Einstieg "Nana", würde aber "Der Totschläger" oder "Der Bauch von Paris" zu Anfang empfehlen. Alle Romane der Rougon-Macquart sind in sich abgeschlossen, wobei natürlich das Lesen in der Reihenfolge auch nicht zu verachten ist, weil dann die verwandschaftlichen Verhältnisse und die Persönlichkeitsentwicklung noch zusätzlich eine Reiz ausmachen.

So ist z.B. Nana  die Tochter der Gervaise, die im "Totschläger" die Hauptperson ist und man erfährt nebenbei, unter welchen Umständen sie aufwächst und kann dann in "Nana", zwei Bände weiter, dies in die Beurteilung miteinfließen lassen.


Gruß von Steffi

Danke Steffi  für die Hinweise,
dann werde ich demnächst wohl "Der Totschläger" oder "Der Bauch von Paris" in Angriff nehmen.

Gruß, Lauterbach

Offline JMaria

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #36 am: 18. August 2010, 14:32 »
Hallo,

mein erstes Buch von Zola war "Das Paradies der Damen" .
Von ihm heißt es, dass er der erste Kaufhausroman der Weltliteratur sei. Beinhaltet sogar eine zarte Liebesgeschichte und ist somit ein etwas gemässigter Zola, könnte man sagen, wenn auch darin sein nüchterner Stil zu tragen kommt. Ernüchternd auch die Arbeitssituations der Frauen in der Welt des modernen Konzept des Kaufhauses.

Kann ich Zola-Anfängern empfehlen.

ungelesen habe ich noch "Das Werk" und "Nana" .

@Steffi,
danke für den Hinweis, dass es im "Todschläger" u.a. um die Mutter von "Nana" geht. Ich glaube, hier halte ich die Reihenfolge besser ein.


Edit:
mein Gedächtnis.   :redface:
Mein erster Zola war ebenfalls "Thérèse Raquin".  Gerade fällt es mir wieder ein.
Doch "Paradies der Damen" ist mir besser in Erinnerung geblieben. Obwohl  das in Thérèse Raquin erwähnte Nähgeschäft in dieser dunklen Unterführung etwas sehr unheimliches hatte.
 

Grüße von
Maria
« Letzte Änderung: 18. August 2010, 14:47 von JMaria »
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Offline Poppea

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #37 am: 18. August 2010, 14:52 »
Hallo,

mein erstes Buch von Zola war "Das Paradies der Damen" .
Von ihm heißt es, dass er der erste Kaufhausroman der Weltliteratur sei. Beinhaltet sogar eine zarte Liebesgeschichte und ist somit ein etwas gemässigter Zola, könnte man sagen, wenn auch darin sein nüchterner Stil zu tragen kommt. Ernüchternd auch die Arbeitssituations der Frauen in der Welt des modernen Konzept des Kaufhauses.


Die Geschichte ist übrigens die Geschichte der in Frankreich sehr berühmten Kaufhauskette Le Bon Marché. Zolas Roman gehörte früher zur Schullektüre in Frankreich, ich weiß leider nicht, ob das heute noch so ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Le_Bon_March%C3%A9

Es ist mein liebster Zola. Die Geschichte ist Zeugnis der Herkunft unserer modernen Konsumtempel. Allzuleicht vergessen wir, wieviel Tante-Emma-Läden unserem großen Supermarkt zum Opfer gefallen sind, wie Einzelhändler zum Beispiel heute darunter leiden, dass jede Marke ihren eingenen Shop in einem Shoppingcenter eröffnet, die vorher z.B. alle im "KofferhausXY" unter einem Dach geführt wurden....

« Letzte Änderung: 21. August 2010, 13:54 von Poppea »

Offline Steffi

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #38 am: 20. August 2010, 08:41 »

Danke Steffi  für die Hinweise,
dann werde ich demnächst wohl "Der Totschläger" oder "Der Bauch von Paris" in Angriff nehmen.

Gruß, Lauterbach

Viel Spaß - und lass bitte hören, wie es dir gefallen hat !

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline finsbury

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #39 am: 21. August 2010, 10:02 »
Hallo,

von Zola las ich bisher "Thérèse Raquin", "Germinal", "Nana" und "Die Erde". Obwohl sehr düster und herunterziehend fand ich "Germinal" und "Die Erde" am eindrucksvollsten. Ersterer Roman behandelt das Schicksal einer Bergarbeiterfamilie, der andere das harte und erbarmungslose Leben von Bauern. Beide Lektüren sind schon so lange her, dass ich die Handlungsdetails vergessen habe, aber einzelne Szenen sind mir sehr eindrücklich im Gedächtnis geblieben. "Die Erde" ist auch heute noch ein Lehrstück dafür, wie materielle Interessen das Verhältnis von Familienmitgliedern zerstören kann.


finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline JMaria

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #40 am: 22. August 2010, 09:03 »
Die Geschichte ist übrigens die Geschichte der in Frankreich sehr berühmten Kaufhauskette Le Bon Marché.

Zola (Nick eines Forenmitgliedes) erwähnte auch, dass in Lisabon das Kaufhaus "au bonheur des dames" nachgebaut wurde.
Hier im Thread auf der Seite 2 hat er ein Bild dazu gepostet.

http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,2153.15.html
(etwas runterscrollen).

Grüße von
Maria



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Offline Sir Thomas

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #41 am: 25. August 2010, 10:02 »
Aus Emile Zolas „Manifest“ des literarischen Naturalismus (1868, Vorwort zur 2. Auflage seines Romans „Thérèse Raquin“:

„Ich habe in diesem Roman Temperamente studieren wollen und nicht Charaktere. … Ich habe Gestalten gewählt, die allmächtig von ihren Nerven, und ihrem Blut beherrscht werden, keinen freien Willen besitzen und zu einer jeden Handlung ihres Lebens von dem Verhängnis ihres Leibes gezwungen werden. Sie sind menschliche Tiere, nichts weiter. … Eine Seele fehlt vollständig … Ich hoffe, man versteht allmählich, daß mein Ziel vor allem ein wissenschaftliches gewesen ist. … Man wird sehen, daß jedes Kapitel die Erforschung eines merkwürdigen Falles der Psychologie bedeutet. … Ich habe einfach an zwei lebenden Körpern die zergliedernde Arbeit vorgenommen, welche Chirurgen an Leichen vornehmen.“

Das ist naive Wissenschafts- und Fortschrittsgläubigkeit des 19. Jahrhunderts, soziologischer Positivismus und Materialismus übertragen auf die Literatur! Nun habe ich eine etwas genauere Idee, warum ich mit Zola nicht warm werden mag …

Knut Hamsun, dessen „Mysterien“ ich derzeit mit Staunen lese, hat sich mit der Ästhetik und Poetik Zolas auseinandergesetzt („Mysterien“ war nicht zuletzt so etwas wie ein Gegenentwurf zum Naturalismus) und schließlich befunden, dass es sich dabei um „Quacksalberdichtung“ handele.

Viele Grüße

Tom

Offline Steffi

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #42 am: 25. August 2010, 14:09 »
Hallo Tom,


Das ist naive Wissenschafts- und Fortschrittsgläubigkeit des 19. Jahrhunderts, soziologischer Positivismus und Materialismus übertragen auf die Literatur! Nun habe ich eine etwas genauere Idee, warum ich mit Zola nicht warm werden mag …


Was allerdings nicht ausschließt, dass die Personen Zolas durchaus ein Abbild lebender Personen sein könnten. Zola sah sich wohl als Aufdecker psychologischer Fallstudien, was ihm schon irgendwie gelingt.

Inwieweit der freie Wille wirklich frei ist, müsste man diskutieren, bei Zola sind die Temperamente abhängig von ihrer Umgebung, ihres Standes und ihrer Erziehung und dadurch eben bedingt frei. Ich würde sagen, dass diese äußeren Zwänge nach wie vor sehr stark sind und kann auch die Handlungen der Personen Zolas nachvollziehen.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline scheichsbeutel^

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #43 am: 25. August 2010, 14:49 »
Wir hatten hier einen Leserundenversuch zu Zolas Nana. Ich kann weitgehend die Einschätzung Sir Thomas' teilen, auch wenn Steffi durchaus Recht hat: Die Tatsache, dass eine solche positivistisch-materialistische Konzeption den Figuren zugrunde liegt schließt eine differenzierere Darstellung nicht aus. Allerdings vermochte ich eine solche nicht zu entdecken. Mir scheint, als ob Zolas Bedeutung eine nur noch literaturhistorische wäre.

Grüße

s.

Offline Sir Thomas

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Re: Emile Zolas Romanzyklen
« Antwort #44 am: 25. August 2010, 15:09 »
Wir hatten hier einen Leserundenversuch zu Zolas Nana.

Das macht nicht gerade Lust auf mehr ... Vielleicht sollte ich Nana und Herrn Zola endgültig streichen.

Mir scheint, als ob Zolas Bedeutung eine nur noch literaturhistorische wäre.
   
Mit dieser These wirst Du bestimmt auf Widerstand stoßen, wenn auch nicht von meiner Seite.  :zwinker:

LG

Tom