Autor Thema: Lew N. Tolstoi  (Gelesen 5290 mal)

Offline xenophanes

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Lew N. Tolstoi
« am: 5. Mai 2007, 13:47 »
Hallo!

Nachdem die Suche nach "Tolstoi" im Forum nur wenig ergiebig war, ergreife ich die Initiative.

Ich begann vor einiger Zeit seine Erzählungen wieder zu lesen und plane auch eine Zweitlektüre von "Anna Karenina". Zusätzlich würde ich gerne etwas über Tolstoi lesen (Biographien / Monographien), womit ich zum Kern der Sache komme:

Irgendwelche Empfehlungen zu Büchern über Tolstoi?


CK


Offline scheichsbeutel^

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #1 am: 5. Mai 2007, 14:25 »
Irgendwelche Empfehlungen zu Büchern über Tolstoi?

Dich vor Zweig zu warnen hieße wahrscheinlich Eulen nach Athen tragen. Eine ganz üble Biographie ist die von Schklowski,  passabel die Rowohlt Monographie von Janko Lavrin. Von Mereschkowski gibt es einen langen Essay über Tolstoi - Dostojewski, der trotz der christlich-nationalen Haltung des Autors eine fundierte Kenntnis der beiden Dichter verrät und selbst dort, wo man ihm unbedingt widersprechen möchte, immer noch anregend wirkt. Fürs Auge mit Dokumenten und Fotos das Insel-Taschenbuch "Tolstojs letzte Jahre" (= it 1040).

Grüße

s.

Offline xenophanes

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #2 am: 5. Mai 2007, 14:52 »
Dich vor Zweig zu warnen hieße wahrscheinlich Eulen nach Athen tragen. Eine ganz üble Biographie ist die von Schklowski,  passabel die Rowohlt Monographie von Janko Lavrin. Von Mereschkowski gibt es einen langen Essay über Tolstoi - Dostojewski, der trotz der christlich-nationalen Haltung des Autors eine fundierte Kenntnis der beiden Dichter verrät und selbst dort, wo man ihm unbedingt widersprechen möchte, immer noch anregend wirkt. Fürs Auge mit Dokumenten und Fotos das Insel-Taschenbuch "Tolstojs letzte Jahre" (= it 1040).

Die Rowohlt Monographie kenne ich bereits, weshalb eine klassische "größere" Biographie nützlich wäre. Ansonsten danke für die Warnung.

CK


Offline Zola

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #3 am: 7. Mai 2007, 09:29 »
Irgendwelche Empfehlungen zu Büchern über Tolstoi?

Direkt nicht, aber seine Tagebücher sind sehr aufschlußreich und interessant zu lesen. Habe sie bisher noch nicht am Stück gelesen (was ich aber noch vor habe), sondern nur direkt aus dem Index Begriffe nachgeschlagen oder die Zeiträume, während der er bestimmte Werke verfasste, gelesen.

Offline xenophanes

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #4 am: 7. Mai 2007, 09:51 »
Direkt nicht, aber seine Tagebücher sind sehr aufschlußreich und interessant zu lesen. Habe sie bisher noch nicht am Stück gelesen (was ich aber noch vor habe), sondern nur direkt aus dem Index Begriffe nachgeschlagen oder die Zeiträume, während der er bestimmte Werke verfasste, gelesen.

Danke. Welche Ausgabe? Vermutlich gibt es nur eine ...

CK


Offline Zola

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #5 am: 7. Mai 2007, 10:55 »
Danke. Welche Ausgabe? Vermutlich gibt es nur eine ...

Winkler-Verlag (ca. 1200 Seiten), ist so viel ich weiß als Lizenz von Rütten&Loening (DDR) erschienen. Beide Ausgaben gibt's nur noch antiquarisch.

Offline busfahrer

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #6 am: 11. Juli 2007, 19:05 »
Hallo miteinander erstmal!  :breitgrins:

Um meinen Einstand hier zu feiern werde ich erstmal diesen Thread wiederbeleben, ich habe mir naemlich gestern Anna Karenina bestellt, da ich schon soviel gutes - nein, begeistertes - darueber gehoert und gelesen habe.

Ich hoffe nur dass in der Uebersetzung nicht allzuviel von Tolstois Zauber verloren geht, ich spreche leider kein russisch.

Wie sind eure Meinungen zu Anna Karenina denn?

Gruesse, busfahrer

Offline Zola

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #7 am: 12. Juli 2007, 11:55 »
Hallo Busfahrer,

mir hat "Anna Karenina" sehr gut gefallen. Obwohl ich den Roman erst einmal gelesen habe, gehört er auf jeden Fall zu meinen Lieblingsbüchern. Ich fand an dem Buch besonders interessant, dass man spürt wie Tolstoi während des Schreibens den geplanten Handlungsablauf änderte. Irgendwann geht es gar nicht mehr um die Karenina und die mit ihr zusammenhängende Ehebruchsgeschichte und ich bin mir sicher, dass das anfangs so von ihm nicht geplant war. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, bekomme ich eigentlich große Lust das Buch bald nochmals zu lesen  :zwinker:

Viele Grüße,
Zola

Offline JMaria

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #8 am: 12. Juli 2007, 12:01 »
Wie sind eure Meinungen zu Anna Karenina denn?

Gruesse, busfahrer

Hallo
die Geschichte und Entwicklung zwischen Kitty und Lewin fand ich am Schönsten darin.

Viele Grüße und willkommen im Forum
Maria
Aktuell:

Offline Vult

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #9 am: 14. Juli 2007, 10:09 »
Hallo,

in meiner Jugendzeit, lang ist es her, das verschlang ich Tolstoi in vielen langen Lesenächten, dann folgten Tschechov, Puschkin, Dostojewski, und und und ..., dann die "Modernen" wie Bulgakow, Gorki (den ich durchaus für einen begnadeten Erzähler halte), Babel (einer der mir Merkwürdigsten) und viele, viele andere.

Aber nun bin ich doch wieder zu Tolstoi zurück gekehrt und wurde nicht enttäuscht.
In diesem Mann wohnte eine ungewöhnliche Kraft, schwer zu begreifen.

Liebe Grüße

Vult

Offline xenophanes

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #10 am: 14. Juli 2007, 16:51 »
Hallo!

Wie sind eure Meinungen zu Anna Karenina denn?

Die erste Lektüre habe ich in bester Erinnerung. Plane mein Urteil innerhalb des nächsten Jahres durch ein zweiten Versuch zu überprüfen.


CK


Offline Gnorry

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #11 am: 17. September 2007, 22:13 »
Hallo,

da ich ein paar Meilen einzulösen habe, überlege ich,
mir die Erzählungen Tolstois anzuschaffen. Soviel ich weiß,
gibt es sowohl vom Diogenes-Verlag (EUR 69,00; 6 Bände)
als auch vom Insel-Verlag (EUR 35,00; 5 Bände)
eine Taschenbuchkassette, in der seine Erzählungen zusammengefasst sind.

Meine Fragen:

Kennt Ihr eine der beiden Ausgaben?
Sind sämtliche Erzählungen enthalten?
Wie sind die Übersetzungen?
Gibt es die Insel-Ausgabe auch irgendwo gebunden?

Ich kenne bisher nur den Band "Meistererzählungen" aus dem Diogenes-Verlag.

Muss mich nach Dostojewskij doch mal mit Tolstoi beschäftigen...

Offline xenophanes

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #12 am: 16. Dezember 2007, 14:47 »
Hallo!

Zwei umfangreiche Artikel anlässlich einer neuen Übersetzung von "War and Peace":

http://www.newyorker.com/arts/critics/atlarge/2007/11/26/071126crat_atlarge_wood

http://www.nybooks.com/articles/20810


CK


Offline finsbury

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Auferstehung
« Antwort #13 am: 17. Januar 2010, 12:34 »
Hallo,

habe nun diesen Ordner ausgegraben, um über Tolstois letzten Roman "Auferstehung" zu schreiben. Da insgesamt nicht so sehr viel zu Tolstoi geschrieben wird, muss man vielleicht nicht zu jedem Werk einen Extra-Ordner öffnen.
In der "Auferstehung" geht es nicht um Christus, und eigentlich auch - bis jetzt, ich bin mit dem ersten Drittel der Lektüre fertig - nicht um Religion, sondern um die Wiederentdeckung ethischer Prinzipien, die die beiden Protagonisten des Romans, Fürst Nechljudow, aus dessen Perspektive bisher hauptsächlich geschrieben wird, und Katjuscha Maslowa, die von ihm "verführt" und danach zur Prostituierten wird, verdrängt haben.
Nechljudow, ein reicher Großgrundbesitzer in den Dreißigern, ist in seiner Jugend reformerischen und demokratischen Ideen zugeneigt und teilt das ihm damals zugefallene relativ kleine väterliche Erbe unter den dort lebenden Bauern auf. Während der Militärzeit jedoch verfällt er in den typischen Lebensstil der reichen Adligen und verliert seine Grundsätze, auch nachdem er das wesentlich beträchtlichere Erbe seiner Mutter angetreten hat. Als er eines Tages als Geschworener an einem Mordprozess teilnimmt, erkennt er in der fälschlich Angeklagten Maslowa das ehemalige Dienstmädchen seiner Tanten, Katjuscha, in das er als junger Mann sehr verliebt war und das er dann später, schon während seiner Militärzeit und unter dem Einfluss des genusssüchtigen Lebensstils seiner Klasse, mehr vergewaltigt als verführt hat. Reue überkommt ihn nun, als er erkennt, dass ihm Katjuscha nun als Prostituierte in dieser misslichen Lage wiederbegegnet. Aufgrund zahlreicher Unfähigkeiten der beteiligten Personen wird die Maslowa zur Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt.
Nechljudow versucht das Urteil kassieren zu lassen und besucht die Verurteilte im Untersuchungsgefängnis. Er will sie aus ihrer Lage befreien und sogar heiraten. Obwohl also bereits zu seinen früheren Prinzipien zurückgekehrt, sieht ihn Tolstoi dennoch nicht als vollständig geläutert, denn er genießt zu sehr den Gutmenschen in sich.
Katja Maslowa wird bisher nur wenig aus eigener Sicht geschildert, aber es wird klar, dass sie sich mit ihrer Situation als Prostituierte abgefunden hat und die Triebgesteuertheit der Männer zu ihrem Vorteil ausnutzt, ohne dabei allerdings ins Kriminelle abzurutschen.
Die erste Begegnung zwischen beiden Protagonisten verläuft daher für Nechljudow enttäuschend, der das offene und liebenswerte Mädchen seiner Jugendzeit nicht mehr in ihr wiederentdecken kann.
Soweit bin ich in der Handlung bisher. Tolstoi würzt diese mit scharfen Angriffen auf die verlogene Justiz, die Sinnlosigkeit von Militarismus und den hedonistischen und skrupellosen Lebensstil der herrschenden Klasse.
Dabei bleibt der Roman gut lesbar; Im Gegensatz zum Beispiel zu Rolf Vollmann, der die späten Werke Tolstois ablehnt, weil er in diesen angeblich zu viel predigt, kann ich das für diesen Roman nicht bestätigen. Tolstoi legt den Finger genau auf die Wunden, die diese Gesellschaftsform scheitern ließen. Dass er dabei manchmal vielleicht etwas überzieht, finde ich nicht so schlimm.
Wunderbar gelungen sind die Szenen im Geschworenenzimmer und im Frauengefängnis, die Tolstoi zu breiten Schilderungen exemplarischer VertreterInnen städtischer Lebenskreise ausbaut.
Im Moment komme ich aus beruflichen Gründen  langsam voran,  freue mich aber an jeder Seite!

finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline JMaria

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Re: Lew N. Tolstoi
« Antwort #14 am: 20. Januar 2010, 14:02 »
Hallo finsbury,

danke für deine ersten Eindrücke. Man kommt nicht umhin deine Begeisterung zu bemerken. Ich freue mich nun sehr auf das Buch.
Ich habe die Diogenes Ausgabe; aus dem russischen von Ilse Frapan mit einem Nachwort von Stefan Zweig.

Gruß,
Maria
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