Hallo zusammen!
Ja doch, jetzt bin ich "drin"

- im Text nämlich. Einerseits sicher dank der Tatsache, dass mit dem Krieg, den Picrochole, der Nachbar, anzettelt, ein bisschen "Äggschen" in die Story kommt. Das Ganze will mir allerdings schon noch wie ein disparater Haufen an Motiven erscheinen:
- der Krieg als strategisches Phänomen, von einem Militärhistoriker erzählt (Thukydides kam mir sofort in den Sinn)
- ein Fürstenspiegel, der uns in der Gestalt der beiden Riesen vorgehalten wird - hier greift Rabelais eindeutig auf Erasmus zurück
- Satire, die über Karl V. ausgeleert wird
- Kritik am Klerus und der Heiligen- und Reliquienverehrung
- der Topos des Riesen, der Unmengen frisst und säuft, und, wenn er pisst, gleich eine halbe Armee des Gegner damit ertränkt
- Motive der klassischen Heldenepik
- hin und wieder lässt Rabelais auch den Arzt durchschimmern
- da wird auch mal ganz versteckt über den freien Willen räsonniert (bezugnehmend auf Erasmus' Schriften gegen Luther)
Und ich weiss nicht, was ich jetzt noch vergessen habe. Sicher gibt es Teile, die ich weniger notwendig finde; und wenn dann wieder so ein räsonnierender Teil kommt, kaum hat die Handlung Fahrt aufgenommen, schüttle ich auch schon mal mein geistiges Haupt ...

Ich bin kein Freund von Aufzählungen (wie Sandhofer), weshalb mich etwa das Arschwisch-Kapitel eher genervt hat. Insgesamt ergeht's mir ein wenig wie Zola (auch mit der Hoffnung), ansonsten wird's wohl nix werden mit den 1350 Seiten.
Nachdem ich mir die vollständige Ausgabe von Rabelais' Werken gekauft habe, werde ich sie jetzt auch von A-Z durchlesen; da bin ich stur. Und so schlecht finde ich ihn bis dato auch nicht

. Die von Dir monierte Szene z.B. finde ich wissenschaftsgeschichtlich bzw. wissenschaftstheoriegeschichtlich interessant, indem es den scholastischen Umgang mit dem Experiment persifliert, wo einfach planlos drauflos experimentiert wurde, während jetzt mit den neuen Lehrern von Gargantua planvolles Handeln angesagt ist, auf allen Ebenen.