Hallo zusammen!
Es scheint, als ob in letzter Zeit ein Mythos des "ungelesenen Klassikers" gepflegt oder aufgebaut wird.
Witiko ist fast immer auf der Liste (
Der Nachsommer wird offenbar weniger gern genommen

), ebenso
Der Mann ohne Eigenschaften, Ulysses, Finnegans Wake, A la recherche du temps perdu - m.a.W. die zum klassischen bürgerlichen Bildungskanon gehörenden Gross-Werke.
Don Quijote ist dann eher eine Ausnahme bei solchen Aufzählungen.
Das sind - will mir scheinen - dann imer so Werke, die der/die durchschnittlich Belesene nicht gelesen hat, aber dem Namen nach kennt und tendenziell sogar eher
noch nicht gelesen hat, bzw. durchaus als in seiner/ihrer Reichweite stehend emfpindet; der/die Belesenere aber hat diese Werke zumindest einmal gelesen und fühlt sich so in seinem/ihrem Ego als Leser/in bestärkt.
Was Jung ebenso wie Löffler beiseite schieben, gar nicht erst erwähnen, sind die wirklich ungelesenen Klassiker, die z.T. grundlegend sind für unsere literarische Kultur: die alten Griechen (vielleicht mit Ausnahme von Homer), die alten Lateiner (wer hat Vergils
Aeneis von A bis Z gelesen? - Ich nicht.), die Spätantike und die frühe Neuzeit ...
Doch weil hier wohl die meisten echte Lücken verspüren (die auch nicht so einfach zu schliessen sind wie die eines nicht-gelesenen
Ulysses!), schweigen die Literaten schamhaft ...