Autor Thema: aude ridere  (Gelesen 3788 mal)

Offline gantenbeinin

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aude ridere
« am: 1. Juli 2007, 10:42 »
.....obgleich speziell der deutsche Literaturliebhaber anscheinend Wissen zu wagen vorzieht.

Die im Meer und Gebirge entstandenen Titelsammlungen haben so viele verschüttete Erinnerungen geweckt und gleichzeitig neue Anregungen vermittelt, daß ich nun meine Hoffnungen auf ähnlichen Gewinn in diesem thread setze.

Ich denke primär an Prosa und dabei weniger an erfreutes Schmunzeln ob subtiler Witzigkeiten, denn an richtig befreiendes Lachen. Gibt es das in der deutschen Literatur überhaupt?
Mir fällt nur anglo-amerikanische ein. Voran mein heißgeliebtes "The Wrong Box" von R.L.Stevenson und Lloyd Osborne.
Ein Klassiker, der aber in der Übersetzung stirbt (sterben muß).
Pete McCarthys  "McCarthy's Bar" und etliches von Bill Bryson z.B. "A Walk in the Woods" sind nun keineswegs Klassiker, dafür aber....also ich unterdrücke das dabei unausweichliche Gelächter hymnisch zu adjektivieren, gesund aber ist es definitiv!

Neugierige Grüße
g.

Offline sandhofer

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Re: aude ridere
« Antwort #1 am: 1. Juli 2007, 12:45 »
Hi gantenbeinin!

Für Nicht-Lateiner? ;)

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline gantenbeinin

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Re: aude ridere
« Antwort #2 am: 1. Juli 2007, 14:14 »
Hi gantenbeinin!

Für Nicht-Lateiner? ;)

Grüsse

sandhofer

..........zu denen ich gehöre.
Aber ich dachte halt, im Klassikforum, ein bißchen abgewandelter Horaz kann nicht schaden :breitgrins:
Nach dieser Ermahnung aber, ganz folgsam: Die imperative Aufforderung Wissen zu wagen - aude sapere - habe ich mir erlaubt zum Wagen des Lachens umzubiegen - und sie wird hoffentlich Titelergebnisse zeitigen.

Oder wolltest Du mich etwa nur auf den Arm nehmen? :smile:

Rein bayrische Grüße
g.

Offline Knabe

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Re: aude ridere
« Antwort #3 am: 1. Juli 2007, 15:29 »
Ridete, puellae! Am meisten lach' ich wohl bei den Komödien Nestroys. Nur weiß ich gar nicht, was du unter "befreiendes Lachen" meinst. Ich glaube, das noch nie erlebt zu haben - ?
Nestroy: "Einen Jux will er sich machen"
Nestroy: "Das Mädl aus der Vorstadt"
Nestroy: "Die schlimmen Buben in der Schule"
...
Da hab' ich viel gelacht. Auch bei Ferdinand Raimund(die Wiener haben da etwas drauf!), und Gryphius - der schrieb auch zwei lustige Komödien(vor allem für Lateiner interessant).

Das ist wohl mein Geschmack von Humor, den ich Jean Paul oder Wieland vorziehe..

Lieben Gruß.

Offline gantenbeinin

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Re: aude ridere
« Antwort #4 am: 1. Juli 2007, 17:53 »
Nur weiß ich gar nicht, was du unter "befreiendes Lachen" meinst. Ich glaube, das noch nie erlebt zu haben - ?

Das ist ja schlimm :sauer: Vielleicht gibt es ein Gelächter-Gen und Du hast es nicht?

Wer was komisch findet, das ist natürlich sehr individuell. Ich z.B. finde Nestroy zum Lächeln bis Grinsen, aber nichts für hemmungsloses Gelächter und Jean Paul habe ich, zu meiner eigenen überraschten Enttäuschung, diesbezüglich gar nicht genossen, für meinen persönlichen Geschmack die Sottisen zu dick.
Mit der maritimen und alpinen Literatur ist das einfacher, Meer ist Meer und Berg ist Berg, aber lustig ist nicht gleich lustig. Weswegen sich hier wohl keine Titel-Kaskaden ergießen werden, wie es dort der Fall war. Ich hatte es schon befürchtet; daß mir so gar nichts Deutsches einfallen will, ist vielleicht doch nicht nur meiner Senilität geschuldet (puella :rollen:  :breitgrins:).
Aber, ich hoffe noch.

Gruß
g.

Offline Knabe

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Re: aude ridere
« Antwort #5 am: 1. Juli 2007, 20:46 »
Aha - ein lautes Auflachen ohne Aufhörenkönnen, ja, das hatte ich in Bezug zur Literatur doch gehabt, und zwar im Theater, nicht beim Lesen: "Elisabeth II." von Thomas Bernhard.

Von Martial gibt es übrigens solches:
"Plora, si sapis, o puella, plora!" ("Weine, wenn du klug bist, o Mädchen, weine!") ;)

Lieben Gruß.

Offline sandhofer

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Re: aude ridere
« Antwort #6 am: 2. Juli 2007, 06:53 »
Hallo zusammen!

Ähnlich wie Knabe kann ich - alleine im stillen Kämmerlein mit meinem Buch - nicht lauthals lachen. Auch nicht vorm TV-Apparat, selten im Kino. Es braucht für mich ein Gegenüber aus Fleisch und Blut, uber das und mit dem ich lachen kann.  :zwinker:

Grüsse

sandhofer
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Offline finsbury

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Re: aude ridere
« Antwort #7 am: 2. Juli 2007, 08:45 »
Hallo gantenbeinin und alle,


Mir fällt nur anglo-amerikanische ein. Voran mein heißgeliebtes "The Wrong Box" von R.L.Stevenson und Lloyd Osborne.
Ein Klassiker, der aber in der Übersetzung stirbt (sterben muß).

wie schön, endlich jemand, der meinen Geschmack in dieser Beziehung teilt. Mein nick stammt ja auch daher. Allerdings bin ich viel zu faul, um den Roman auf Englisch zu lesen und habe ihn auch in der deutschen Übersetzung mehrfach gelesen und dabei fast Tränen gelacht.
Merkwürdig, dass Stevensons andere Werke zwar zwischendrin auch ganz lustig, aber in keiner Weise vergleichbar sind. Muss wohl an seinem Schwiegersohn Lloyd Osbourne liegen. Die beiden sollen laut dem Nachwort in meiner Ausgabe noch ein gemeinsames Werk geschrieben haben. Es ist mir aber noch nicht über den Weg gelaufen!

Um beizusteuern zum Thread: Ich finde, einige Romane Fontanes, z.B. Frau "Jenni Treibel" oder auch das frühe Werk "Vor dem Sturm" haben feine Schmunzelstellen und auch die "Buddenbrooks", der "Felix Krull" und der "Zauberberg" von Th. Mann erfreuen mit viel schöner Ironie. Genauso wie Jean Paul, da kann ich deine Meinung, dass das zu dick aufgetragen sei, nicht teilen, gantenbeinin.
Insgesamt gibt es in der deutschen Literatur wenig Schenkelklopfer (vielleicht Ludwig Thoma?), aber so humorlos - wie verschrieen- ist sie durchaus nicht.
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline gantenbeinin

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Re: aude ridere
« Antwort #8 am: 2. Juli 2007, 10:09 »

wie schön, endlich jemand, der meinen Geschmack in dieser Beziehung teilt. Mein nick stammt ja auch daher. Allerdings bin ich viel zu faul, um den Roman auf Englisch zu lesen und habe ihn auch in der deutschen Übersetzung mehrfach gelesen und dabei fast Tränen gelacht.
Merkwürdig, dass Stevensons andere Werke zwar zwischendrin auch ganz lustig, aber in keiner Weise vergleichbar sind. Muss wohl an seinem Schwiegersohn Lloyd Osbourne liegen. Die beiden sollen laut dem Nachwort in meiner Ausgabe noch ein gemeinsames Werk geschrieben haben. Es ist mir aber noch nicht über den Weg gelaufen!


Hallo Michael (nicht Morris, nehme ich an):smile:

Die Einführung zu meiner Ausgabe beginnt   - Perhaps no book boasts worshippers more utterly devoted to it than "The Wrong Box". They regard themselves as an elect body; they quote the book to each other in and out of season; they look with pity on those who have never read it and with ineffable scorn on those who having read it do not enjoy it.
So isses!
Osborne war St.s Stiefsohn und sie schrieben außerdem noch "The Wrecker" and "The Ebb Tide" gemeinsam, die ich aber beide nicht kenne.

 Eben habe ich Martin Mosebachs "Nebelfürst" beendet - auch ein Beispiel von sehr subtilem Witz in der deutschen Prosa und es gibt davon sicher viel (Tucholsky, Bierbaum, etwas Nachdenken würde noch mehr befördern). In der englischen aber ist auch das häufiger anzutreffen- die Pickwick Papers, viel bei Jane Austen, ich glaube auch bei Goldsmith. Das alles ist aber nicht gelächtertauglich und jemals "auf deutsch" so gelacht zu haben, wie z.B. als Wrong Boxer, daran kann ich mich nicht erinnern.
Manche Pauschalierungen nationaler Typika scheinen doch nicht so falsch zu sein, deshalb mein "aude".
Was kann man machen? "Nothing but sympathise", said Michael.

Liebe Grüße
g.

p.s. Du solltest doch mal das Original lesen. Ich schwöre, es lohnt sich!

Offline sandhofer

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Re: aude ridere
« Antwort #9 am: 2. Juli 2007, 10:20 »
[...] auch ein Beispiel von sehr subtilem Witz in der deutschen Prosa und es gibt davon sicher viel (Tucholsky, Bierbaum, etwas Nachdenken würde noch mehr befördern). In der englischen aber ist auch das häufiger anzutreffen- die Pickwick Papers, [...]

Die Pickwick Papers aber erst weit in der zweiten Hälfte. Der Beginn ist gröbstes Vaudeville, der Schluss larmoyant wie so vieles von Dickens, bis er dann zum Alterspessimismus fand ...
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Offline Regina

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Re: aude ridere
« Antwort #10 am: 2. Juli 2007, 21:00 »
Albert Vigoleis Thelen fällt mir noch ein. Wieland und Bierbaum wurden ja schon genannt.

Offline Leibgeber

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Re: aude ridere
« Antwort #11 am: 2. Juli 2007, 22:45 »
Albert Vigoleis Thelen fällt mir noch ein.

Unbedingt!!  "Die Insel des zweiten Gesichts", das ist großartig!

Weil ich den Namen eben schon mal aufschrieb: Ludwig Tieck, einiges von den Lesedramen, bspw. "Der gestiefelte Kater" und "Blaubart".

Grabbe, "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung".

Laut lachen tu ich übrigens auch nicht. In den eigenen 4 Wänden.
Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei.
(G. C. Lichtenberg)

Offline gantenbeinin

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Re: aude ridere
« Antwort #12 am: 3. Juli 2007, 00:11 »
Laut lachen tu ich übrigens auch nicht. In den eigenen 4 Wänden.
Wo kommt denn nur immer das "laut" her? 
Heftiges Gelächter ist sicher nicht geräuschfrei, aber "laut"? Dagegen bin ich massiv und zwar genau dann, wenn es außerhalb der eigenen vier Wände stattfindet.:breitgrins: :breitgrins:

Für mich hat sich der thread schon gelohnt: Albert Vigoleis Thelen - noch nie gehört. Ließe sich dazu noch ein bißchen was sagen?
Gruß
g.

Offline sandhofer

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Re: aude ridere
« Antwort #13 am: 3. Juli 2007, 06:45 »
Albert Vigoleis Thelen - noch nie gehört. Ließe sich dazu noch ein bißchen was sagen?

Ein Autor, der auch immer noch auf meiner virtuellen Liste steht: http://www.vigoleis.de/  :winken:
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Offline Steffi

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Re: aude ridere
« Antwort #14 am: 3. Juli 2007, 09:53 »
Spontan fällt mir Thackeray ein. Schon der Gedanke an den "Jahrmarkt der Eitelkeit" entlockt mir ein Lachen. Die Figuren sind einfach wundervoll.

Von "The Wrong Box" hab ich noch nie was gehört, scheint ja in Bezug auf Lachen ein Treffer !

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi