Autor Thema: aude ridere  (Gelesen 3788 mal)

Offline JMaria

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Re: aude ridere
« Antwort #15 am: 3. Juli 2007, 13:43 »
Hallo zusammen,

Thomas Mann: Die vertauschten Köpfe.
Spielt in Indien. Sita heiratet den schmalnasigen Kaufmann Schridaman, doch ihre Augen wandern schon mal gern zu der schönen, starken Figur ihres Mannes Freund, namens Nanda, der allerdings im Gesicht ziegennasig aussieht. Auf einer Reise durch den Dschungel kommen sie an einem Tempel der Göttin Kali an und der Ehemann möchte beten. Er geht rein und enthauptet sich. Als der Freund des Wartens müde ist, geht er hinterher, sieht seinen Freund daliegen, wehklagt und enthauptet sich ebenfalls. Schließlich ist er sein bester Freund und er hatte nichts mit dessen Ehefrau.

Als die Ehefrau die Bescherung sieht, klagt sie laut „ das ist alles ihre Schuld“ (o.ä.) Da erscheint die Göttin Kali und sagt barsch, was sie sich einbildet, diese Männer haben sie IHR, Kali, geopfert! Nach einem Gespräch zwischen den beiden Frauen, gibt die Göttin nach und die Ehefrau darf die Köpfe wieder aufsetzen und Kali wird sie zum Leben erwecken. Doch in ihrer „Huschlichkeit“ vertauscht sie die Köpfe und der schöne Kopf ihres Mannes, wandert auf den schönen Körper des Freundes. So ein Zufall! ;-)

Bei der Geschichte musste ich ein paar mal lachen.

Viele Grüße
Maria
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Offline gantenbeinin

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Re: aude ridere
« Antwort #16 am: 3. Juli 2007, 20:35 »

Thomas Mann: Die vertauschten Köpfe.

Wieder völlig Unbekanntes. Klingt gut. Danke!

Der Bastelerfolg der "verhuschelten" Sita scheint mir nicht nur ein witziger Blick in die Tiefen unbewußt motivierten Handelns, sondern geradezu visionär. Die Hoffnungen Menschen optisch nach Wunsch zu gestalten, werden ja schon recht heftig, wenn auch noch nicht ganz so drastisch, in die Tat umgesetzt.
In diese Richtung geht auch schon die Überzeugungsarbeit im Gespräch, die der Friseur im Bäderhotel bei Achenbach leistet.
Gruß
g.

Offline Leibgeber

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Re: aude ridere
« Antwort #17 am: 3. Juli 2007, 22:19 »
Ich hatte natürlich auch mal Henscheids "Trilogie des laufenden Schwachsinns" gelesen.
Hochartifizielle Prosa. Bestes Klassisches Deutsch.

"Die Vollidioten", das war mir zu speziell. So 68er, Kommune etc., das war nie meine Welt.
An "Die Mätresse des Bischofs" kann ich mich seltsamerweise gar nicht mehr erinnern. Parodie auf den klassischen Bildungsroman?
(Man möge mich korrigieren.)

Was hängenblieb war "Geht in Ordnung ... sowieso ... genau"
Eine gnadenlos ätzend bösartige Provinzposse, Komik von der besten Sorte -
nämlich die, die irgendwann ins Grauen umkippt.
Über diese ganz alltäglich Geschichte über Einen, der da was verschusselt, eigentlich wohl "nur" eine Beziehung, letztendlich alles, und sich mitten im alltäglichen Leben, unter dem Gelächter seiner Mitmenschen, zu Tode säuft.
Und hängen blieben bis heute die hinreißenden Szenen im ANO-Teppichladen, glaub ich wohl, wo die immer abhängen und Sechsämtertropfen kippen ... das Gesöff gabs wirklich.

Ich hatte mir die edle gebundene 4-bändige Ausgabe gekauft, der vierte Band ist der Kommentar, nebenher natürlich eine Parodie auf Literaturkommentare.
Da wirds auch erklärt mit dem Teppichladen.
lat. ano = im Arsch.

Ich erinnere mich nicht, je sonst was von Henscheid gelesen zu haben.
DAS jedenfalls hat sich absolut gelohnt.
Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei.
(G. C. Lichtenberg)

Offline Zefira

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Re: aude ridere
« Antwort #18 am: 13. Juli 2007, 01:51 »
Ich weiß nicht, ob ich Gedichte von Robert Gernhardt nennen darf, weil es sich nicht um einen Roman handelt, aber ich habe bei keiner Lektüre so gelacht wie bei dieser (und ich kann normalerweise über Gedrucktes allenfalls schmunzeln). Ich weiß nicht, ob ich ihn hier zitieren darf, er ist ja leider, leider vor kurzem gestorben, aber die Wortspieltexte, die ich hier meine, sind zb hier: hier zu finden. Ich habe einen solchen Lachkrampf bekommen, dass meine Töchter aus ihren Zimmern ein Stockwerk höher herbeieilten, weil sie dachten, ich sei in ernsthaften Schwierigkeiten.

Kopfverbandgrüße
Zefira

Offline JMaria

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Re: aude ridere
« Antwort #19 am: 16. Juli 2007, 15:02 »

Thomas Mann: Die vertauschten Köpfe.

Wieder völlig Unbekanntes. Klingt gut. Danke!

Der Bastelerfolg der "verhuschelten" Sita scheint mir nicht nur ein witziger Blick in die Tiefen unbewußt motivierten Handelns, sondern geradezu visionär. Die Hoffnungen Menschen optisch nach Wunsch zu gestalten, werden ja schon recht heftig, wenn auch noch nicht ganz so drastisch, in die Tat umgesetzt.
In diese Richtung geht auch schon die Überzeugungsarbeit im Gespräch, die der Friseur im Bäderhotel bei Achenbach leistet.
Gruß
g.

Hallo Gantenbeinin
ja, und das Ergebnis war schon genial inszeniert *grins*
Am Ende sah Aschenbach wie der greise Geck aus, den er bei seiner Überfahrt nach Venedig noch so verabscheute.

Viele Grüße
Maria
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Offline JMaria

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Re: aude ridere
« Antwort #20 am: 16. Juli 2007, 16:51 »
Ich weiß nicht, ob ich Gedichte von Robert Gernhardt nennen darf, weil es sich nicht um einen Roman handelt, aber ich habe bei keiner Lektüre so gelacht wie bei dieser (und ich kann normalerweise über Gedrucktes allenfalls schmunzeln). Ich weiß nicht, ob ich ihn hier zitieren darf, er ist ja leider, leider vor kurzem gestorben, aber die Wortspieltexte, die ich hier meine, sind zb hier: hier zu finden. Ich habe einen solchen Lachkrampf bekommen, dass meine Töchter aus ihren Zimmern ein Stockwerk höher herbeieilten, weil sie dachten, ich sei in ernsthaften Schwierigkeiten.

Kopfverbandgrüße
Zefira

Hallo Zefira

danke für den Spiegel-Artikel, den ich noch nicht kannte. Ich lese und höre sehr gern die Gedichte von Robert Gernhardt. Ich habe das Fischer-Taschenbuch „Lichte Gedichte“.

Ich kann dir das Hörbuch „Spaßmacher – Ernstmacher“ empfehlen. Man kann hier seine letzte Live-Sendung vom 6. April 2006 hören. („Bilden Sie einen Satz mit Pervers“ ...
Ja, meine Reime sind recht teuer, per Vers bekomm ich tausend Eier.)

Kennst du Robert Gernhardt auch als Maler? Ich finde seine Illustrationen zum Buch
„Das Randfigurenkabinett des Doktor Thomas Mann total schön. Im Spiegel gibt es 4 Fotos daraus zu bestaunen:

http://www.spiegel.de/fotostrecke/0,5538,PB64-SUQ9MTA4MjcmbnI9NA_3_3,00.html

Gruß Maria
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Offline gantenbeinin

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Re: aude ridere
« Antwort #21 am: 16. Juli 2007, 19:18 »
Ich weiß nicht, ob ich Gedichte von Robert Gernhardt nennen darf,

Hallo Zefira,

dann riskier ich mal ein Gernhardt Zitat, zum Thema Dichten:

Ich leide an Versagensangst, besonders wenn ich dichte
Und diese Angst, die machte mir manch schönen Reim zu schanden.

Gruß und Danke für die schönen Links :smile:
g.

Offline Zefira

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Re: aude ridere
« Antwort #22 am: 16. Juli 2007, 21:49 »
Maria, danke für die tollen Links, der Geck aus "Tod in Venedig" ist einfach hinreißend - den tät ich nicht von der Bettkante stoßen  :eis:

Robert Gernhardt scheint, wie ich, eine Affinität zu Hasen zu haben - oder kommt es mir nur so vor, dass in vielen seiner Gedichte Hasen vorkommen? Jedenfalls zitiere ich auch mal meinen Lieblingsreim aus "Bilden Sie mal einen Satz mit ...":

Garant
Der Hase trägt den Kopfverband,
seitdem er an die Wand garant.

Das war ein schwerer Schlag für mich. Ich lag auf dem Sofa und gackerte, ich wälzte mich vom Sofa auf den Boden und gackerte, ich trommelte auf den Boden und gackerte, und meine Töchter kamen garant und wollten mir einen Eisbeutel auf den Kopf legen. Ich war dem Tode nah.

Ich nehm mir jetzt einen zur Brust, auf den Robert.

Prost Robert,
Zefira

/edit: O Gefahr. Ich fang schon wieder zu kichern an. Was hat es nur mit diesem Vers auf sich?
« Letzte Änderung: 16. Juli 2007, 21:52 von Zefira »

Offline modern_millie

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Re: aude ridere
« Antwort #23 am: 9. Dezember 2007, 20:11 »
Bill Bryson bringt mich auch zum lachen.

Auf deustch fällt mir Max Goldt ein. Bei einigen seiner - wie nennt man die? - äh--Kleinode musste ich auch laut lachen. Haargenau mein Geschmack. Wiglaf Droste hat mich auch schon zum lachen gebracht.
Vorgemerkt habe ich derzeit ein Buch, bei dem ich schon den Titel so lustig fand "Du bist Deutschland. Ich bin einkaufen" von Fritz Eckenga. Hab ich aber noch nicht bestellt.

und um nochmal auf die Engländer zu kommen:

P.G. Wodehouse!!! "Alter Adel rostet nicht" (= The code of the Woosters) ist meiner Meinung nach sein Glanzstück. Situationskomik & engl Understatement hoch 10. Ich habe mich da in eine regelrechte Rage gelesen, war völlig übedreht..ein bißchen so wie auf Speed - nur gesünder und lustiger : )

Grüßchen,

Millie
« Letzte Änderung: 9. Dezember 2007, 20:19 von modern_millie »
Ich lese gerade "Liebe Deinen Nächsten" von Erich Maria Remarque

Offline modern_millie

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Re: aude ridere
« Antwort #24 am: 20. Dezember 2007, 03:58 »
habe nochmal gegoogelt und es tatsächlich im Netz gefunden:

(Leider ist alles in Großbuchstaben. Dabei brüllt Herr Goldt ganz gewiß nicht, wenn er vorliest. Er hat eigentlich eine schöne Vorlesestimme.)

"DREI BETTLÄGERIGE UKRAINISCHE TINGELTANGELTÄNZERINNEN" von Max Goldt

ZWÖLF VARIATIONEN EINES MÖBELPACKERWITZES

ES GIBT WITZE, DIE VORNE BESSER ALS HINTEN SIND. DA ES FÜR GESETZMÄßIG GEHALTEN WIRD, DASS DIE SCHLUßPOINTE DEN HÖHEPUNKT EINES WITZES BILDET, WERDEN SOLCHE WITZE VOM PUBLIKUM NICHT RECHT GESCHÄTZT. ICH HALTE DIES FÜR EINEN FEHLER.

IN EINER ALT-BERLINER HUMOR- UND ANEKDOTENSAMMLUNG FAND ICH EINEN WITZ, DER WIE FOLGT BEGINNT: "IN DER STRAßENBAHN ERREGT EINE FRAU MIT EINEM GROßEN, FEUCHTEN KRANZ DAS MIßFALLEN IHRER NACHBARIN." WAS DIE MOLESTIERTE MITREISENDE NUN ZU DER FRAU MIT FEUCHTEM KRANZ SAGT, IST LEIDER ZU LANGWEILIG, UM HIER WIEDERGEGEBEN ZU WERDEN. ES IST SCHLIEßLICH VERGNÜGLICH GENUG, SICH AUSZUMALEN, WIE EINE FRAU MIT EINEM GROßEN, FEUCHTEN KRANZ IN DER STRAßENBAHN SITZT!

MAN SOLLTE SICH BEI JEDEM WITZ ERNSTHAFTE GEDANKEN MACHEN, OB ES NICHT AMÜSANTER SEIN KÖNNTE, IHN NICHT ZU ENDE ZU ERZÄHLEN. EIN LIEBLINGSWITZ MEINER TEENAGERJAHRE ENDETE Z.B. SO: "FRAGT DAS EINE: WIE GEHTS DENN SO? ANTWORTET DAS ANDERE: ACH, GANZ GUT, ICH KANN SCHON WIEDER URAN LASSEN:" DIES IST EINE SCHLAFFE SCHLUßPOINTE, ABER DER WITZBEGINN WAR SUPER: "ZWEI ATOMKRAFTWERKE, VON DENEN EINES LANGE KRANK WAR, SITZEN IM BAUM UND STRICKEN." SAGT DAS PUBLIKUM: "WENN MAN SCHLECHTE, ALTE WITZE VERKEHRTHERUM ERZÄHLT BEKOMMT, WIRD EINEM SCHLECHT." ENTSCHULDIGUNG, MACH ICH NIE WIEDER.

VOR EINIGER ZEIT ENTDECKTE ICH IN EINEM ABREIßKALENDER EINEN WITZ, DER MICH FESSELTE:

hier weiterlesen: http://www.bieri.de/www.bieri.de/literatur.html
Ich lese gerade "Liebe Deinen Nächsten" von Erich Maria Remarque