Seine Bilder sind Meisterwerke der altniederländischen und spätmittelalterlichen Feinmalerei und lassen handwerklich viele Kunstwerke hinter sich.
kürzlich war ich in der Londoner Nationalgallerie, um mir die Ausstellung
Renaissance Faces: van Eyck to Titian anzuschauen. Dort hing auch van Eycks "
Arnolfini-Hochzeit", sicherlich ein schönes Beispiel für die "Feinmalerei". Die Farben des Originals sind übrigens deutlich "farbiger" als der doch etwas zu bräunlich verwischte Grundton des verlinkten Bildes ahnen lässt. Das grüne Kleid ist viel heller grün, das rote Bett auch kräftiger. Solche Bilder im Original zu sehen, ist schon einen Billigflug wert.
Beeindruckender fand ich allerdings Tizians Portrait von
Papst Paul III. und zwar wegen seiner Augen. Auf dem Bild hier sieht man sie nur ungenau, im Original in der Londoner Gallerie auch nur aus der gebotenen Entfernung, aber vor einem Jahr sah ich das Bild im Palazzo Crepadona in Belluno, in der Ausstellung "
Tiziano. L'ultimo atto". Der Palazzo ist kein Kunstmuseum, sondern eine Art Rathaus, die Bilder von Tizian standen in einem Obergeschoss, das niedrige Decken hatte, nicht viel mehr als 2 Meter hoch, auf dem Fußboden an die Wände gelehnt. Der herrliche Effekt war, dass ich Papst Paul in Augenhöhe und mit praktisch Null Zentimeter Abstand in die Augen sehen konnte. Es war phantastisch: die kugelrund aussehenden, wirklich fast 3-dimensionalen Augäpfel, die farbschiillernde Iris, die schwarzen Pupillen und der geradewegs auf mich gerichtete Blick - wie im richtigen Leben. Aus einer italienischen Privatsammlung gab es noch das Portrait einer Frau mit Kind und ebenso schönen Augen (das Bild finde ich leider nicht im Internet). Seitdem versuche ich allen Portraitbildern in die Augen zu schauen, und was ich so erkennen kann: kein Maler kommt an Tizians Augen heran. Viele Bilder - auch die berühmter Vorgänger in der Londoner Gesichter-Ausstellung - schauen schief schielend oder ausdruckslos irgendwohin und haben nicht mehr als schwarze Löcher im Auge (wobei es natürlich sein kann, dass die Portraitierten tatsächlich so stierten).
Die Ausstellung, die
weitere Bilder von van Eyck zeigt, läuft noch bis 18. Januar 2009.