Autor Thema: amerikanische Literatur  (Gelesen 18479 mal)

Offline thopas

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #30 am: 26. Januar 2008, 12:48 »
Hallo zusammen!

Ich hole diesen Ordner mal hervor, da ich gerade White Noise von Don DeLillo gelesen habe. Dieser Autor wurde hier noch nicht genannt und ich kannte bisher auch nichts von ihm. DeLillo wird als einer der besten amerikanischen Gegenwartsautoren bezeichnet und in einem Atemzug mit Thomas Pynchon, Cormac McCarthy und Philip Roth genannt. Außerdem gilt er als ein postmoderner Autor - was immer das so genau heißen soll.

Zu Beginn ist dieses Buch eine akademische Satire und schildert das Leben der Patchworkfamilie des Collegeprofessors Jack Gladney in einer amerikanischen Provinzstadt. Nach einem Chemieunfall, bei dem der Ort evakuiert werden muß, wird bei Gladney und seiner Frau die permanente Angst vor dem Tod immer stärker und allumfassender; sie lähmt beide in ihrer Existenz, jedoch auf unterschiedliche Weise.

Themen dieses Romans sind die Konsumgesellschaft, die allgegenwärtigen Medien, die anscheinend völlig sinnlose Existenz in einer Gesellschaft, in der keiner mehr weiß, was genau seine Ziel oder Wünsche sind, oder was ihn selbst überhaupt ausmacht.

Das Buch liest sich ganz angenehm, fast im Plauderton berichtet der Ich-Erzähler Gladney banale und weniger banale Ereignisse während eines Collegejahres. Man erfährt von seinen Ängsten und versteht, was ihn bedrückt, obwohl es für mich nicht immer nachvollziehbar war. Ganz schlüssig bin ich mir noch nicht darüber, ob man dieses Buch gelesen haben muß. Und was da dran nun genau postmodern ist, ist mir auch nicht ganz klar. Das liegt aber wohl daran, daß für mich der postmoderne Roman nicht ganz greifbar ist, obwohl ich immer mal wieder versuche, da endlich durchzublicken...

Nach den begeisterten Meinungen zu Cormac McCarthy, werde ich als nächsten amerikanischen Roman wohl etwas von ihm lesen. Bin schon sehr gespannt!

Viele Grüße
thopas

Offline Sir Thomas

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #31 am: 11. April 2008, 11:29 »
Bei den Amerikanern bin ich neben Cormac McCarthy in letzter Zeit zufällig über Jonathan Franzen gestolpert, der ja mit "Korrekturen" so etwas wie ein Wunderwerk des frühen 21. Jahrhunderts abgeliefert haben soll (wird von der FAZ mit den "Buddenbrooks" verglichen). Kennt jemand dieses Buch oder etwas Anderes von diesem Autor?

Gespannt wartend, mit lieben Grüßen

Sir Thomas

 

Offline josmar

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #32 am: 11. April 2008, 17:23 »
Hallo!

Ich habe mir den Ordner gerade auch noch einmal angeschaut, ist ja doch interessant!

Zu Jonathan Frantzen kann ich nichts sagen; leider!

Anführen wollte ich William Gaddis; "Die Fälschung der Welt"; vor einiger Zeit von mir mit Elan begonnen, nunmehr jedoch erst einmal zur Seite gelegt! Ein "gewaltiges" Werk, jedoch für meinen Geschmack zu wenig zugänglich, vielleicht  später in einer anderen "Stimmung".

Gruß
josmar

Offline Leserin

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #33 am: 11. April 2008, 23:29 »
Franzen halte ich für überschätzt (wie auch De Lillo und Thomas Pynchon), seine "Korrekturen" kenne ich nicht, aber "Die 27ste Straße" und "Schweres Beben" haben in mir keinen Eindruck hinterlassen. William Gaddis schätze ich sehr, besonders "Die Erlöser". Überhaupt sind die englischsprachigen Autoren, was die Gegenwartsliteratur angeht, meine absoluten Favoriten (diese Meinung habe ich im Forum wohl schon mehrmals geäußert, aber man kann für seine "Lieblinge" ja nie genug werben.)

Gruß von der Leserin

Offline xenophanes

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #34 am: 12. April 2008, 12:06 »
Bei den Amerikanern bin ich neben Cormac McCarthy in letzter Zeit zufällig über Jonathan Franzen gestolpert, der ja mit "Korrekturen" so etwas wie ein Wunderwerk des frühen 21. Jahrhunderts abgeliefert haben soll (wird von der FAZ mit den "Buddenbrooks" verglichen). Kennt jemand dieses Buch oder etwas Anderes von diesem Autor?

Meine Meinung:

http://www.koellerer.de/q3-2002.html#040802

CK

Offline Sir Thomas

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #35 am: 12. April 2008, 18:05 »
Meine Meinung:

http://www.koellerer.de/q3-2002.html#040802

CK

Sehr aufschlußreich, danke für den Hnweis!

Sir Thomas

Offline Sir Thomas

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #36 am: 12. April 2008, 18:08 »
Franzen halte ich für überschätzt (wie auch De Lillo und Thomas Pynchon)

Das deckt sich mit der Kritik von xenophanes. Ich lass dann mal die Finger davon, der SUB ist ohnehin auf Eiffelturmhöhe angewachsen ...  :breitgrins:

Herzliche Grüße

Sir Thomas

Offline Steffi

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #37 am: 12. April 2008, 18:51 »
Hallo !

Von Cormac McCarthy habe ich inzwischen "Die Straße" gehört. Ein sehr intensiver Roman, was mich ein bißchen am Schluß gestört hat, ist das fast schon religiöse Festhalten am Guten und schließlich sozusagen ein Happy End. Es soll vielleicht Hoffnung geben, aber das war mir zu plakativ.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline Leserin

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #38 am: 12. April 2008, 20:19 »
Hallo Steffi,

wenn du schreibst, "gehört", meinst du etwa, du hast "Die Straße" nur gehört ( gelesen von dem Oberraunzer und Knarzer Christian Brückner?), nicht selbst gelesen? Das wär schade.
Über dieses Buch ist schon so viel geschrieben worden (ganz wunderbar von Ulrich Greiner in der "Zeit"), darum möchte ich nur noch sagen, dass ich es für ein begnadetes Buch halte, eines von denen, die man weiter in sich trägt. Das hoffnungsvollste Buch, das ich seit vielen Jahren gelesen habe ( er hat es ja schließlich auch für seinen Sohn geschrieben). Ein erschütterndes Alterswerk, das von den großen Themen der Menschheit handelt, von Liebe, Abschied und Tod, von dem was vergeht und von dem was bleibt. Eine Liebeserklärung an das (so zerbrechliche) Leben.

Die Leserin

Offline Giesbert Damaschke

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #39 am: 13. April 2008, 12:34 »
Faulkners "Light in August" wurde neu übersetzt, die Welt zeigt sich sehr angetan:
http://www.welt.de/welt_print/article1894477/Der_verwahrloste_Klassiker.html
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline klassikfreund

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #40 am: 14. April 2008, 16:54 »
Faulkners "Light in August" wurde neu übersetzt, die Welt zeigt sich sehr angetan:
http://www.welt.de/welt_print/article1894477/Der_verwahrloste_Klassiker.html


Danke für den Hinweis, habe mich schon gewundert, dass die großen Blätter dieses Buch bisher noch nicht rezensiert haben.

Gruß, Thomas

Offline sandhofer

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #41 am: 16. April 2008, 07:53 »
Hallo zusammen!

Ich habe mir erlaubt, zwei nicht direkt das Diskussionsthema "amerikanische Literatur" betreffende Diskussionsfäden abzutrennen:

Bücher hören vs. Bücher lesen

und

Warum werden Klassiker immer mal wieder neu übersetzt?

Nix für Ungut, aber ich finde beide neuen Diskussionen sehr interessant und befürchte, in diesem Fremdthread gehen sie unter.  :winken:

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline obie1

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #42 am: 17. April 2008, 10:23 »
Hallo,

hier meine Favoriten:

Fitzgerald: Der große Gatsby
Ph. Roth: Sabbaths Theater
E. A. Poe: Werke
Melville: Moby Dick

Gruß,
Thomas

Gute Wahl!  Die find ich auch toll.  Super!

Offline mombour

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #43 am: 15. September 2008, 09:33 »
Hallo,

Als ich gestern die Nachricht gehört habe, der amerikanische Schriftsteller David Foster Wallacesei am 12. September verstorben, (Selbstmord), habe ich mich sehr erschrocken, denn ich habe vor langer Zeit seinen Kurzgeschichtenband "Kurze Interviews mit fiesen Männern" sehr gerne gelesen.

In einem Referat über "Empathie" (2003) habe ich eine Textstelle aus den Stories verwenden können:

Zitat von: mombour zitiert Wallace in einem Referat
Der amerikanische Schriftsteller David Foster Wallace erzählt in einer short story von einer Frau, die in die Gewalt eines Sexualverbrechers gerät. Mit fast übermenschlichem Einsatz von Empathie gelingt es der Frau, ihr Leben zu retten. Sie schlüpft in die Rolle eines psychologischen Beraters.

"Sie zwingt sich, nicht zu weinen oder zu flehen, sondern nur ihre durchdringende Fokussierung zu gebrauchen, um zu versuchen, sich empathisch in die Psychose des Sexverbrechers, seine Wut und Angst und seine psychischen Qualen einzufühlen, und sagt, sie stellt sich vor, wie ihr Fokus bei dem Mulatten den Schleier der Psychose durchdringt und mehrere Schichten von Wut und Angst und Selbsttäuschung durchbohrt, um unter dem ganzen psychotischen Zeug auf die Schönheit und das Edle der wahren menschlichen Seele zu stoßen und so eine auf Mitgefühl basierende Beziehung zwischen ihren Seelen aufzubauen, und sie fokussiert ganz intensiv das Profil des Mulatten und sagt ihm leise, was sie in seiner Seele gesehen hat, und sie besteht darauf, dass das die Wahrheit sei."

In solch einer lebensbedrohlichen Situation seinen evtl. Mörder empathisch ins Gesicht zu sehen, verlangt ungeheure Kräfte ab, die nur wenige aufbringen könnten, und in einer solch akuten Situation einen therapeutischen Gang bei solch einem Verbrecher zu bewirken ist aüßerst bedenklich, weil dazu viel mehr Zeit erforderlich wäre.  In geraffter Form vermittelt uns aber der Autor sehr schön den Weg des gesprächspsychotherapeutischen Prozesses. Die Frau in der Rolle des Beraters lenkt ihre Aufmerksamkeit auf die Gefühle des Klienten (durchdringt mehrere Schichten von Wut und Angst) und wirft einen Blick auf das therapeutische Ziel, die volle Entfaltung des Verbrechers, damit er die Schönheit und das Edle seiner wahren Seele erkennen kann.
Die erste Reaktion des Verbrechers ist folgende:

"...der Mulatte hinterm Lenkrad hörte nach und nach auf mit seinem dämlichen Gequatsche und verfiel in angespanntes Schweigen, als ob seine Gedanken mit irgendetwas beschäftigt waren...er fühlte die zarten Anfänge jener Beziehung zu einer anderen Seele, nach der er sich stets gesehnt und die er natürlich im tiefsten Innern seiner Seele gleichzeitig gefürchtet hatte". -  An dieser Stelle beginnt der Verbrecher ganz sachte,  seine eigenen Gefühle zu reflektieren.

DieTaktik der Frau ist auf die Kernschwäche des Psychopathen gerichtet, der unfähig ist, auf jede konventionelle seelenentblößende Beziehung einzugehen. Dieser Verbrecher kann nur durch Gewalt und Mord eine Beziehung zu seinem Opfer herstellen, er will die absolute Kontrolle über sein Opfer haben, Macht über dessen Ängste und Schmerzen wie ein Gott.  Das einfühlende Verstehen der Frau bringt ihn sehr ins schleudern, weil sie ihm seine einzige Möglichkeit, eine Beziehung herzustellen, wegnimmt. Er verliert seine gewaltbereite Macht über sie, gerät in innere Konflikte, bekommt selber Angst und Weinkrämpfe, er  fällt in die Rolle des Opfers. Foster Wallace erzählt von der Frau, es hätte ihr fast das Herz gebrochen wie sie gemerkt hat, dass ihr Fokussieren und ihre Beziehung dem Psychopathen viel größere Qualen bereitet haben als er ihr jemals hätte zufügen können.  Hier hat Empathie über rohe Gewalt gewonnen.

Ich war damals sehr angetan von der Lektüre, die sehr viel auf Psychologie aufbaut. Allerdings muss man sich auf die Fußnoten im Text gewöhnen.

Liebe Grüße
mombour

Offline JMaria

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Re: amerikanische Literatur
« Antwort #44 am: 15. September 2008, 09:51 »
Hallo,

Als ich gestern die Nachricht gehört habe, der amerikanische Schriftsteller David Foster Wallacesei am 12. September verstorben, (Selbstmord), habe ich mich sehr erschrocken, denn ich habe vor langer Zeit seinen Kurzgeschichtenband "Kurze Interviews mit fiesen Männern" sehr gerne gelesen.

 

Hallo mombour

die Nachricht habe ich heute morgen im Netz gelesen. Ich kenne noch nichts von dem Autor, doch muß er sehr wortgewaltig schreiben, wenn er u.a. mit James Joyce verglichen wird. Sein großes Werk "Infinite Jest" soll noch in diesem Jahr in deutsch erscheinen (lt. Spiegel online).

Gruß
Maria
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