Autor Thema: Aug. 07 - Aug. 09: Amerikanische Frauen (Chopin, Jewett, Cather und Wharton)  (Gelesen 30819 mal)

Offline Steffi

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Hallo !


Ältere, klassische (?) amerikanische Literatur - dazu fiel mir bisher recht wenig ein. Als ich mich ein bißchen umgeschaut habe, stellte sich mir die Frage, welche Frauen haben die amerikanische Literatur Anfang des 20. Jahrhunderts beeinflusst.

Vier von ihnen habe ich in die engere Wahl gezogen und ich würde sie mir gerne in einem kleinen Leseprojekt nach und nach vornehmen. JMaria konnte ich ja dafür schon begeistern, es wäre aber natürlich schön, wenn wir auch noch ein paar andere Mitleser finden.

Es wären also:

1. Kate Chopin : Das Erwachen

Kate Chopin (1850-1904) schrieb mehr als 100 Kurzgeschichten und zwei Novellen. Die Mehrzahl ihrer Geschichten sind im Alltagsleben Louisianas angesiedelt, ihre Sprache ist einfach, direkt und zeigt dialektale Züge. Sie sind einfühlsame Porträts über einfache Menschen der Südstaaten (Kreolen, Cajuns, Schwarze und Weiße), sowohl aus dem ländlichen als auch dem städtischen Milieu. Kate Chopin beschreibt die Armut, den Analphabetismus und - die Gewalt.

Der Roman, der sie später berühmt machen sollte, The Awakening (dt. Das Erwachen), löste bei seinem Erscheinen, 1899, einen Skandal aus. Denn in dem Buch geht es um eine Frau der guten Gesellschaft, die sich mit den ihr auferlegten Einschränkungen nicht zufriedengeben will. (Quelle: wikipedia)


2. Sarah Orne Jewett: Das Land der spitzen Tannen

Sarah Orne Jewett (1849–1909)beschreibt präzise und einfühlsam den Alltag einfacher Menschen im US-Bundesstaat Maine. Mit leiser Melancholie registrierte sie den Verfall des alten Neuengland mit seinen Farmen und Seehäfen.

In „The Country of the Pointed Firs“ („Das Land der spitzen Tannen“. 1896) porträtiert sie die Isolierung und Einsamkeit eines verfallenen Seehafens sowie den einmaligen Humor der dort lebenden Menschen.  Auf die amerikanische Schriftstellerin Willa Cather (1876–1947) übte sie großen Einfluss aus.


3. Willa Cather : O Pioneers ! (dt: Neue Erde, Unter den Hügeln die kommende Zeit)

Zu Beginn ihrer Laufbahn orientierte sich  Willa Cather (1873 - 1947) in ihrer Schreibweise an Henry James, später aber wandte sie sich der heimatlichen Prärie zu, die sie in Romanen und Erzählungen zum Schauplatz der Handlung machte. 1923 gewann sie den Pulitzer Preis.

O pioneers! setzt sich mit der Problematik des Siedlerlebens in Amerika auseinander. Der Titel wurde einem Gedicht von Walt Whitman entnommen (Pioneers! O pioneers!) Cather erzählt von der Kraft und Ausdauer jener ersten Siedler, die es ermöglicht haben, das weite Land in Besitz zu nehmen. (Quelle:wikipedia)


4. Edith Wharton : Zeit der Unschuld

Wharton (1862 - 1937) schrieb Berichte über den Krieg für amerikanische Zeitungen. Sie reiste nur noch einmal nach Amerika, um 1920 den Pulitzer-Preis für The Age of Innocence entgegenzunehmen.

Whartons zentrale Themen waren soziale Konflikte, unterdrückte Sexualität, veraltete gesellschaftliche Strukturen und der Stand der Neureichen. (Quelle:wikipedia)


Gruß von Steffi
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Offline JMaria

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Re: amerikanische Frauen - Chopin, Jewett, Cather und Wharton
« Antwort #1 am: 16. Juli 2007, 09:38 »
Hallo Steffi,
Hallo zusammen,

und jetzt kommt der Überraschungseffekt  :breitgrins:
Steffi und ich werden recht bald mit dem Projekt beginnen. Wir haben noch ein bißchen Luft in und zwischen den Leserunden. Das Projekt begleitet uns sozusagen die nächsten Monate (auch neben anderen Leseprojekte wie Proust und Johnson).

Viele Grüße
Maria 
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Offline Sir Thomas

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Re: amerikanische Frauen - Chopin, Jewett, Cather und Wharton
« Antwort #2 am: 16. Juli 2007, 16:24 »
Ihr Lieben!

Interessante Sache! Obwohl ich nicht mitmischen werde, erlaube ich mir einige Ergänzungen zum oben angeführten Katalog US-amerikanischer Autorinnen:

1. Carson McCullers (1917 - 1967), berühmt durch "Das Herz ist ein einsamer Jäger" (1940)
2. Taylor Caldwell (1900 - 1985), ihr wohl berühmtestes Buch ist "Einst wird kommen der Tag" (1939, engl. Titel "Dynasty of Death"), ein wenig trivial, aber nicht unspannend ...
3. :breitgrins: Nur der Vollständigkeit halber: Margaret Mitchell (1900 - 1949) mit ... na was wohl: "Vom Winde verweht" (1937) - ein Buch, das besser ist als sein Ruf!

Es grüßt

Sir Thomas

Offline Wolf

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Re: amerikanische Frauen - Chopin, Jewett, Cather und Wharton
« Antwort #3 am: 17. Juli 2007, 20:14 »
Hallo Steffi und Maria,

Euer Projekt klingt ja gar nicht mal so uninteressant. :breitgrins:
Deshalb habe ich mir heute "Das Erwachen" von K. Chopin und "Das Land der spitzen Tannen" von S. O. Jewett antiquarisch bestellt und hoffe, daß ich die Bücher bald in Händen halte. Ich würde dann zumindest diese beiden Romane mitlesen. :-)

Schöne Grüße,
Wolf

Offline Manjula

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Re: amerikanische Frauen - Chopin, Jewett, Cather und Wharton
« Antwort #4 am: 18. Juli 2007, 06:43 »
Hallo Steffi und JMaria,

dieses Projekt klingt wirklich reizvoll – ich würde gern mitmachen. Von den genannten Autorinnen kenne ich leider noch keine, aber das wird sich ja ändern.

Ihr Lieben!

Interessante Sache! Obwohl ich nicht mitmischen werde, erlaube ich mir einige Ergänzungen zum oben angeführten Katalog US-amerikanischer Autorinnen:

1. Carson McCullers (1917 - 1967), berühmt durch "Das Herz ist ein einsamer Jäger" (1940)
2. Taylor Caldwell (1900 - 1985), ihr wohl berühmtestes Buch ist "Einst wird kommen der Tag" (1939, engl. Titel "Dynasty of Death"), ein wenig trivial, aber nicht unspannend ...
3. :breitgrins: Nur der Vollständigkeit halber: Margaret Mitchell (1900 - 1949) mit ... na was wohl: "Vom Winde verweht" (1937) - ein Buch, das besser ist als sein Ruf!

Es grüßt

Sir Thomas

Hier habe ich immerhin schon 2 von 3 gelesen – das verbessert meine Bilanz ungemein :zwinker:

Liebe Grüße
Manjula



"Kunst soll keine Schulaufgabe und Mühseligkeit sein, keine Beschäftigung contre cœur, sondern sie will und soll Freude bereiten, unterhalten und beleben, und auf wen ein Werk diese Wirkung nicht übt, der soll es liegen lassen und sich zu andrem wenden."

Offline Steffi

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Re: amerikanische Frauen - Chopin, Jewett, Cather und Wharton
« Antwort #5 am: 18. Juli 2007, 07:50 »
Hallo zusammen !


@Sir Thomas: Interessant, deine Ergänzung. Ich kenne keines der drei Bücher (nur den Film  :rollen:), McCullers hatte ich mir aber schon mal vorgemerkt.

@Wolf und Manjula: Hurra - ich freue mich, dass ihr mitlest  :klatschen:

Die Bücher sind auch nicht sooo dick und ich glaube, dass gerade die Beschreibung des Alltagsleben ein großes Thema der amerikanischen Literatur ist - angefangen von Mark Twain oder Thomas Wolfe.

Gruß von Steffi
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Offline Steffi

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Re: amerikanische Frauen - Chopin, Jewett, Cather und Wharton
« Antwort #6 am: 1. August 2007, 12:10 »
Hallo zusammen !

Ich möchte mal einen Terminvorschlag machen - ihr habt doch schon alle zumindest das erste Buch:  Kate Chopin : Das Erwachen ?

Wie wäre es mit kommendem Sonntag oder Anfang nächster Woche ?

Gruß von Steffi
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Offline JMaria

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Re: amerikanische Frauen - Chopin, Jewett, Cather und Wharton
« Antwort #7 am: 2. August 2007, 09:56 »
Hallo zusammen !

Ich möchte mal einen Terminvorschlag machen - ihr habt doch schon alle zumindest das erste Buch:  Kate Chopin : Das Erwachen ?

Wie wäre es mit kommendem Sonntag oder Anfang nächster Woche ?

Gruß von Steffi

Hallo zusammen,
hallo Steffi,

wäre für mich okay :-)

Viele Grüße
Maria
Aktuell:

Offline Manjula

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Re: amerikanische Frauen - Chopin, Jewett, Cather und Wharton
« Antwort #8 am: 2. August 2007, 12:37 »
Hallo zusammen,

ich habe das Buch eben bestellt und hoffe, dass es bis Anfang nächster Woche da ist.

Liebe Grüße
Manjula
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Offline Wolf

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Re: amerikanische Frauen - Chopin, Jewett, Cather und Wharton
« Antwort #9 am: 2. August 2007, 16:38 »
Hallo zusammen,

von mir aus können wir zum genannten Termin anfangen. Das Buch habe ich zwar noch nicht, weil das betreffende Antiquariat kurz nach meiner Bestellung Urlaub machte, aber ich habe mir "The Awakening" aus dem Netz heruntergeladen und auf meinen Taschencomputer übertragen. Dann lese ich es eben als E-Buch. :-)

Den zweiten Roman, "Das Land der spitzen Tannen" von S. O. Jewett, besitze ich inzwischen in einer Manesse-Ausgabe von 1961 (Übersetzung von Elisabeth Schnack).

Schöne Grüße,
Wolf

Offline Steffi

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Re: amerikanische Frauen - Chopin, Jewett, Cather und Wharton
« Antwort #10 am: 4. August 2007, 12:36 »
Hallo !

Schön, dass ihr so kurzfristig dabei seid !!

Zitat
Das Buch habe ich zwar noch nicht, weil das betreffende Antiquariat kurz nach meiner Bestellung Urlaub machte,
Oh, wie dumm ! Naja, der Urlaub kann nicht ewig dauern  :zwinker:

Ich werde dann am Montag anfangen.

Liebe Grüße von Steffi
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Offline Steffi

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Hallo zusammen !

Ich habe gestern abend noch begonnen und ein paar Seiten gelesen.

Vor allem fällt mir der bisher sehr knappe, distanzierte Stil auf. Kurze Sätze ohne viele Metaphern und Beschreibungen, trotzdem ist man gleich in der schwülen Südstaatenatmosphäre, die sich durch das Verhalten des Ehemanns sehr abkühlt. Die äußere Realität (heiß) steht somit im Gegensatz zur inneren Realität (kalt).

Gruß von Steffi
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Offline Steffi

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August 2007 - Kate Chopin: Das Erwachen
« Antwort #12 am: 6. August 2007, 09:22 »
Hallo !

Zuerst der Eintrag bei Wikipedia: Kate Chopin

Der Text in englisch: The Awakening

Material über "Das Erwachen" : study notes

Gruß von Steffi
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Offline Wolf

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Re: Kate Chopin - Das Erwachen
« Antwort #13 am: 6. August 2007, 13:52 »
Hallo Steffi, hallo zusammen,

ich habe gestern auch schon zu lesen angefangen und habe jetzt die ersten fünf Kapitel hinter mir - das sind genau 10,30% des Textes, wie mir der E-Book-Reader auf meinem PDA anzeigt. :-)

Interessehalber habe ich dann gleich mal in meinem papiernen Atlas nachgeschlagen, ob da die Insel "Grand Isle" zu finden ist: dort fand ich sie tatsächlich, wenn auch nicht so detailliert wie bei "Google Earth". ;)

Zitat von: Steffi
Die äußere Realität (heiß) steht somit im Gegensatz zur inneren Realität (kalt).

Zum Thema "heiß" fällt mir die Szene mit dem Fieber ein, das Ednas Mann bei einem ihrer beiden Kinder entdeckt haben will, und wo er seine Frau ganz gelassen und kühl an ihre Mutterpflichten erinnert. Er erscheint da als ein eher leidenschaftsloser Mann, was sich in dieser Szene auch in seiner Redeweise widerspiegelt ("He talked in a monotonous, insistent way"). Alles in allem wird die Ehe in den ersten Kapiteln zwar als einigermaßen harmonisch geschildert, es gibt keine größeren Auseinandersetzungen und keinerlei Mißtrauen, man achtet sich gegenseitig, aber von einer leidenschaftlichen Liebe ist da nicht viel zu sehn. Bezeichnend ist die Stelle im ersten Kapitel, wo angedeutet wird, daß Mr. Pontellier seine Frau gar nicht so sehr als einen geliebten Menschen betrachtet, sondern eher als einen wertvollen Besitz ("as one looks at a valuable piece of personal property").

Schöne Grüße,
Wolf

Offline JMaria

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Re: Kate Chopin - Das Erwachen
« Antwort #14 am: 7. August 2007, 14:17 »
Hallo zusammen,

Zitat von: Steffi
Die äußere Realität (heiß) steht somit im Gegensatz zur inneren Realität (kalt).

Diverse Gegensätzlichkeiten fielen mir ebenfalls auf. Bei Nacht weint sie, obwohl sie noch nicht weiß warum, bei Tag sieht alles wieder normal aus.

Sinnlichkeit von außen - die Verbindung mit der Natur: die Hitze, das Meer ... Die Stimme des Meeres spricht zur Seele. Die Berührung des meeres aber ist sinnlich, sie umschließt den Körper in sanfter, fester Umarmung. Ein schönes, erotisches Bild. Doch auch gefährlich, denn die Zwillinge spielen auf dem Klavier ein Duett aus "Zampa". In meinen Anmerkungen heißt es, dass Zampa eine romantische Oper von Louis Hérold ist und handelt vom Selbstmord eines unglücklichen Liebhabers durch Ertrinken im Meer!

Der Gegensatz zu dieser Sinnlichkeit ist Mr Pontellier, der als Kreole keine Eifersucht kennt und auch keine Sinnlichkeit ausstrahlt. Passt das zum Bild eines Kreolen? Ich dachte immer diese Mischung an spanischem und französischem Blut ist sehr explosiv ;-)

Zitat von: Wolf
Zum Thema "heiß" fällt mir die Szene mit dem Fieber ein, das Ednas Mann bei einem ihrer beiden Kinder entdeckt haben will, und wo er seine Frau ganz gelassen und kühl an ihre Mutterpflichten erinnert.

ja, das war seltsam. Ich glaube, das tat er nur, weil er bemerkte, dass seine Kinder nicht so ein Verhältnis zur Mutter haben und umgekehrt, wie die anderen Mütter mit ihren Kindern. Seine Kinder laufen nicht zur Mutter um sich trösten zu lassen. Ich sehe darin doch eine gewisse Unsicherheit des Mannes gegenüber seiner Frau.

Mir gefallen die Beschreibungen und der Stil der Schriftstellerin sehr gut.

Viele Grüße
Maria
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