Autor Thema: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg  (Gelesen 11044 mal)

Offline Leseratte4

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Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« am: 23. Juli 2007, 19:47 »
Tja, heute ist der 23.07.07.
Eigentlich habe ich noch nie Probleme mit einem Anfang gehabt. Bei diesem Buch schon. :redface:
Vielleicht sollte ich am Besten mit ein, zwei Sätzen die ersten Kapitel wiedergeben.

Hans Castorp, früh Vollwaise geworden, besucht für anfangs vorgesehene drei Wochen seinen Vetter in einem Sanatorium.
Zunächst fühlt er sich nur als Besucher und beobachtet/kommentiert von dieser Warte die Geschehenisse.

In Castorp`s Kindheit spielt sein Großvater eine große Rolle. Dieser ist sein Vorbild. Ich stelle mir diesen Großvater (er wird ja auch so beschrieben), als typischen Aristrokaten vor. Auf der anderen Seite spricht er aber auch mit seinem Diener platt. Soetwas gab es bestimmt nicht häufig. Er muss aber auch dominant gewesen sein. Der Sohn (Castorp`s Vater), wird als etwas weichlich beschrieben.
Auf jeden Fall wurde Hans in seinem Verhalten und seiner Art sich zu geben, tief von seinem Großvater geprägt.

Viele Grüße
Leseratte


...Dann sagte ein Lehrer: Sprich uns vom Lehren.
Und er sagte:
Niemand kann Euch etwas eröffnen, das nicht schon im Dämmern Eures Wissens schlummert.

Khalil Gibran
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Offline sandhofer

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #1 am: 24. Juli 2007, 07:06 »
Hallo zusammen!

Dies ist der Thread für Eure Leserunde zu Th. Manns Der Zauberberg.

Viel Spass!

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline sandhofer

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #2 am: 24. Juli 2007, 07:08 »
Hallo zusammen!

In diesem Thread sammeln wir interessante Links zu Thomas Manns Der Zaberberg oder Tipps zur Sekundärliteratur. Ich selber bin zur Zeit weit weg von Mann; es wäre also schön, wenn die Leserundenteilnehmer den Thread füllen würden. Später wird dieser Thread dann zusammen mit der Leserunde archiviert - beim Lesen stören aber solche Tipps gerne oder sie gehen in der übrigen Diskussion unter. Deshalb dieser Thread hier.

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Katharina89

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #3 am: 25. Juli 2007, 17:26 »
erfreulich, diese leserunde! ich lese den zauberberg schon seit längerem und bin gerade irgendwo in der mitte. was mir bei dem buch (durchaus positiv, denn ich liebe den stil von thomas mann) aufgefallen ist, ist, dass man keinesfalls zu sehr am inhalt hängen darf. der inhalt, die handlung selbst ist eher hintergründig und nur ein hilfsmittel der veränderung der stimmung und des geistigen wachstums, das sich im laufe des buches vollzieht. man muss den zauberberg und alle geschichten von hans castorp und seinem vetter einfach auf sich wirken lassen.
der zauberberg ist für all jene, die den stil von thomas mann mögen und sich nicht in extrem langen sätzen verlieren eine sehr gute lektüre.

Offline Leseratte4

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #4 am: 25. Juli 2007, 19:56 »
Hallo Katharina,
ich glaube, Du hast recht. Ich habe etwas Zeit gebraucht, mich auf das Buch einzustellen, da ich mir etwas anderes darunter vorgestellt habe. Von Thomas Mann selbst ist es mein erster Roman. Ich habe damals nur die Doku über die Mann-Familie gesehen und war von der Beobachtungsgabe dieses Mannes beeindruckt. Den "Zauberberg" habe ich mir irgendwie ironischer, direkter vorgestellt.
Ich möchte eine konkrete Frage stellen (eine von vielen): Ich verstehe das Verhältnis zwischen Castorp und Frau Chauchat nicht ganz. Da steckt etwas dahinter, was ich nicht begreife. Hans macht der Russin nicht auf normalen Wege den Hof. Sie erinnert ihn viel zu sehr an einen alten Schulkameraden. Was für ein Mensch ist Castorp in dieser Hinsicht? Er fühlt sich den Kirgisenaugen hingezogen aber was genau bedeutet das? Meint es vielleicht nur, daß er sich dieser Rasse hingezogen fühlt?

Viele Grüße
Leseratte
« Letzte Änderung: 25. Juli 2007, 20:00 von Leseratte4 »
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Offline Sir Thomas

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #5 am: 25. Juli 2007, 21:26 »
Ich verstehe das Verhältnis zwischen Castorp und Frau Chauchat nicht ganz. Da steckt etwas dahinter, was ich nicht begreife. Hans macht der Russin nicht auf normalen Wege den Hof. Sie erinnert ihn viel zu sehr an einen alten Schulkameraden. Was für ein Mensch ist Castorp in dieser Hinsicht? Er fühlt sich den Kirgisenaugen hingezogen aber was genau bedeutet das? Meint es vielleicht nur, daß er sich dieser Rasse hingezogen fühlt?

Liebe Leseratte,

das Techtelmechtel Hans Castorp/Mme. Chauchat resp. Pribislav Hippe wird von vielen Interpreten als Anspielung Manns auf eigene homosexuelle Neigungen interpretiert, denn es scheint tatsächlich jener Mitschüler zu sein, dem Castorps Zuneigung mehr als der kirgisenäugigen (soviel wie schlitzäugig) Mme. Chauchat (aus dem frz., wörtlich übersetzt bedeutet der Nachname "heiße Katze") gilt.

Viele Grüße und noch viel Spaß beim Erklimmen der Höhen des zauberhaften Berges!

Sir Thomas 

Offline Leseratte4

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #6 am: 26. Juli 2007, 18:55 »
Hallo Sir Thomas,
vielen Dank für Deine Erläuterung. Ich hatte auch schon mit soetwas spekuliert, wollte allerdings erst sicher sein.
Heute bin ich am Ende des fünften Kapitels angelangt, Thema Karnevall. Bei der Konversation Castorp/Chauchat hatte ich auch ein wenig den Eindruck, daß die Chauchat abstrakt noch mehr verkörpert. Will Castorp aus seiner Erziehung und seinen bürgerlichen/deutschen Normen ausbrechen? Diese ganze Rubrik "Karnevall" ist für mich bis jetzt das interessanteste - auch vom Aufbau her. Ich habe das Gefühl, das Castorp/Mann mit sich selber in`s Reine kommen will.
Aber Madame Chauchat reist ab, bevor Castorp einen anderen Weg einschlagen kann als der, der ihm vorgeschrieben ist.
Das, was die Chauchat für sein Innenleben ist, scheint Settembrini (übrigens meine Lieblingsfigur) für die äußerlichen Erklärungen zu sein. Er gibt immer die treffendsten Bemerkungen über den äußeren Schein ab.

Gruß
Leseratte
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Khalil Gibran
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Offline Rolf53

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #7 am: 26. Juli 2007, 21:26 »
Sorry  Leute, meine Frau ist plötzlich verstorben. Ich werde in der nächsten Zeit nichts mehr schreiben.

Bitte entschuldigt mich!

Rolf

Offline JMaria

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #8 am: 27. Juli 2007, 10:34 »
Sorry  Leute, meine Frau ist plötzlich verstorben. Ich werde in der nächsten Zeit nichts mehr schreiben.

Bitte entschuldigt mich!

Rolf

mein Beileid, Rolf.

Maria
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Offline Leseratte4

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #9 am: 27. Juli 2007, 11:36 »
Auch mein Beileid.

Leseratte
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Khalil Gibran
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Offline Fuu

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #10 am: 27. Juli 2007, 16:10 »
Aufrichtige Anteilnahme und ich wünsche dir alle Kraft, die du jetzt brauchst.

Mit stillem Gruß, Karin (Fuu)
Richte nicht, damit du nicht gerichtet wirst...ja, wenn man aber einander nicht richten soll, haben die Menschen nichts, um sich zu unterhalten.
                       Maxim Gorkij

Offline Monolith

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #11 am: 28. Juli 2007, 09:48 »
Auch mein Beileid und meine aufrichtige Anteilnahme.

Monolith

Offline mir

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #12 am: 28. Juli 2007, 11:33 »
Ebenso: mein Beileid.

Zur Lektüre:
Ich komme nur langsam voran mit der Lektüre, dann entfalten, wie ich finde, Sprache und Text ihre Wirkung am eindringlichsten in diesem Werk.

Ich wollte etwas zu den Motiven anmerken: was immer wieder im Text zirkuliert sind Gedanken über Raum und Zeit.
Es dürfte kein Zufall sein, dass die Entstehungsjahre des Zauberbergs in eine Zeit fallen, in der die Welt gebannt auf die (immer unglaublicher werdende) Physik starrt, Albert Einstein zum ersten "Superstar" wird und man sich den Kopf über die Zukunft und ihren Fortgang zerbricht.
Was ebenso ankling im Text sind Grenzen, Grenzsituationen; da wird Traum und Wirklichkeit balt verwechselt, bald sind sie fliessend, bald separiert; oder aber Körper und Seele, Psychosomatik oder eine strikte Trennung; Unbewusst - Bewusst; es finden sich ausserordentlich viele Gegensatzpaare.
Was mich beschäftigt ist sein heisser Kopf (ich bin erst im dritten Kapitel), ich frage mich ob es u.a. mit dem russischen Pärchen und den Frauenzimmern zu tun hat, ob es die erste (bewusste) Konfrontation mit der Welt der Sexualität ist... ?

-mir
je ne veux pas travailler, je veux fumer.
- Apollinaire

Offline Leseratte4

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #13 am: 28. Juli 2007, 19:12 »
Hallo mir,
interessante Theorie. Aber woher kommt es dann, daß alle "Temperatur" haben? Ich setze es mit Absicht in Anführungsstriche denn für mich ist das in dem Sinne kein Fieber - dafür ist es einfach zu wenig / und das ständig???
Aber vielleicht ist das auch gerade ein Hinweis auf die prüden Umgangsformen hinsichtlich der Sexualität.
Deinen Hinweis hinsichtlich Einstein finde ich sehr wichtig und auch folgerichtig.

Viele Grüße
Leseratte
















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Offline pithana

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Re: Juli 2007 - Th. Mann: Der Zauberberg
« Antwort #14 am: 29. Juli 2007, 14:01 »
Hallo,

Auch ich finde das "surreale" auf dem Zauberberg besonders faszinierend. Alles ist anders, die Zeit, der Tod nimmt die Selbstverständlichkeit des Lebens ein, und ich denke, auch der ständige "heiße Kopf" ist ein Ausdruck dessen. Einerseits ist die Luft da oben eben anders und der Kreislauf wird angeregt, zum anderen ist ein Fieberzustand auch immer eine Art Traum- oder Visionszustand, nur dass er hier nicht kurz und heftig stattfindet, sondern dauerhaft, gleichsam schleichend, bis er alle im Griff hat, sie in der Zauberwelt untergehen und solange im Sanatorium eingesponnen bleiben, bis sie sterben. Es ist ja auch auffällig, dass jeder, der in das Sanatorium kommt, und sei es zu Besuch, sofort "krank" wird, bzw. eine Diagnose bekommt - und dann tatsächlich erkrankt. Das geht nicht nur Castorp so, sondern bspw. auch dem Bruder des mexikanischen Patienten. Das Sanatorium scheint also kein Haus zu sein, das heilt, sondern das krank macht und auf Dauer tötet, und das eben diejenigen, die dekandent, schwach oder wie man es sonst nennen mag, genug sind, um sich von der Atmosphäre des Nichtstuns und der Krankheit längere Zeit festhalten zu lassen.

Grüße,
Thana
"Ich schwöre ihnen, meine Herrschaften, dass zuviel Bewußtsein eine Krankheit ist, eine richtige, regelrechte Krankheit." Dostojewskij