Hallo zusammen,
ich denke, dass die zeitlich, örtlich und auch dialogisch springende Erzähltechnik der Mutmassungen, ausgedehnt auf die Personen-, Orte-, und Faktenvielfalt der Jahrestage die Leser(innen) schier überfordert hätte. Zumindest für mich muss ich das feststellen. In der Tat sind die Jahrestage viel faktenbezogener, da Johnson mit journalistischen Quellen arbeitete. Die Jahrestage sind überhaupt ein auf große Quellen- und Archivarbeit fußende Arbeit und einige Erzählstränge kommen mir journalistisch vor, oder sind sogar Kurzübersetzungen von journalistischen Beiträgen, besonders der alten Tante Times. Das kam in den Mutmassungen so nicht vor. Da wurde eben viel mehr gemutmasst... Personen und Orte aus Johnsons frühreren Jahren wurden weiterentwickelt in den Jahrestagen oder manchmal wurden sogar Kenntnisse über diese Personen bei den Leser(innen) vorausgesetzt. Aufgefallen ist mir dies, als ich parallel auch das Büchlein "Kleines Adreßbuch für Jerichow und New York - Ein Register zu Uwe Johnsons Roman", herausgegeben von Rolf Michaelis, sowie " "Ich überlege mir die Geschichte..." Uwe Johnson im Gespräch", herausgegeben von Eberhard Fahlke, las. Der erste Beitrag, noch vor dem 21. August 1967 will mir den gleichen Eindruck aufdrängen. Da werden gleich vorsorglich die Strände und Dörfer von New Jersey, New York, Jerichow, Rande, Ribnitz sorgsam durcheinandergewirbelt, tauchen Gesine, Jakob, Cresspahl wie beiläufig und bekannt hier und dort in den Erinnerungen auf, wird deutscher Rassismus gegen amerikanischen Rassissmus gehalten usw.
Grüße vom Schneckenleser,
FA