Autor Thema: August 2007 - Uwe Johnson: Jahrestage  (Gelesen 35079 mal)

Offline Friedrich-Arthur

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #105 am: 18. Januar 2008, 22:11 »
Danke Maria, dass du mich ein wenig heranlesen lässt an den gegenwärtigen Stand der Leserunde!

Ich habe einige Leseabende zu diesem Buch eingelegt, aber zeitliche Wunder waren nicht zu vollbringen...

Was du andeutetest mit deinem Beitrag wird auch in Uwe Johnsons Eintrag vom 13. Dezember 1967 gut dargestellt: das Zurechtfinden Heinrich Cresspahls im Hitlerdeutschland zwischen der blutigen Machtergreifung des Östereichers und seiner „nationalsozialistischen Revolution“ und dem sich vorbereitenden Krieg dieser Diktatur. Es ist eine Zeit der trügerischen Ruhe und Verblendung. Johnson stilisierte (und übertrieb vielleicht absichtlich) mit diesem Beitrag als eine Zeit, in der sich noch „leben und auskommen ließ“, in der der Jude Semig freundschaftlich mit Cresspahl umgehen konnte, nicht behelligt wird bei deren gemeinsamen Fahrten im Auto, sogar bei den Tannebaums eingekauft wird (wenn auch spärlich), der Hitlerjugend Streiche gespielt werden konnten, die wirtschaftliche Lage sich erholte, der SPD ein Schnippchen geschlagen wurde... Kein Wort vom gären des Untergrundes...

Der Beitrag schließt am Ende mit den Worten:

Zitat
…Cresspahl hatte sich anfangs nur in guter Haltung in ein Leben in Deutschland schicken wollen. Nun hatte sich herausgestellt, daß es so schlimm nicht war. Mit solchen Kollegen war doch gut umgehen, Bier trinken, über Maschinen und Material und Arbeiter reden, den Nazis Schabernack spielen, leben eben. War das doch...

Cresspahl befindet sich sozusagen mit seiner Familie im Auge des Orkans und das drohende Unheil wird mit dieser Verharmlosung so vorbereitet, dass die böse Überraschung und die Entladung des Donners um so heftiger folgen wird. Dennoch hat der ganze Beitrag des Tages 13.12.1967 etwas zutiefst beklemmendes.

Was ich auch bewundere ist die Lebendigkeit, die Johnson Gesine und Marie einschrieb und wie er die Figuren in der pulsierenden Metropole New York und die geschichtlichen Zeitläufe einwebte, als ob alles wirklich so war (oder hätte sein können) und auch heute noch zo überzeugend und frisch wirkt. Wie der Marie zwischen Kind und Erwachsenwerden pendeln läßt ist sehr schön beschrieben und unterstreicht die Lebendigkeit gerade von Marie. Langsam kann ich mich auch an den Figurenkosmos des Werkes gewöhnen.

Es bleibt ein faszinierendes Buch!

Grüße, FA

« Letzte Änderung: 18. Januar 2008, 22:19 von Friedrich-Arthur »
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

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Offline JMaria

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #106 am: 22. Januar 2008, 15:12 »
 
Zitat
…Cresspahl hatte sich anfangs nur in guter Haltung in ein Leben in Deutschland schicken wollen. Nun hatte sich herausgestellt, daß es so schlimm nicht war. Mit solchen Kollegen war doch gut umgehen, Bier trinken, über Maschinen und Material und Arbeiter reden, den Nazis Schabernack spielen, leben eben. War das doch...

Cresspahl befindet sich sozusagen mit seiner Familie im Auge des Orkans und das drohende Unheil wird mit dieser Verharmlosung so vorbereitet, dass die böse Überraschung und die Entladung des Donners um so heftiger folgen wird. Dennoch hat der ganze Beitrag des Tages 13.12.1967 etwas zutiefst beklemmendes.

 

Hallo Friedrich-Arthur,
das obige Beispiel ist schon sehr bezeichnend dafür wie gern der Mensch eingelullt sein will!
Ich werde mir den 13.12.1967 nochmals zu Gemüte führen.

Ich weiß jetzt nicht, in welchem Landesteil du lebst, bei uns im Süden wird derzeit im Radio (SWR) an das Jahr 1968 erinnert als "Das Jahr der Veränderung" unter dem Motto "Die Welt vor 40 Jahren".

Mit den "Jahrestagen" sind wir also ganz aktuell dabei   :winken:

Herzliche Grüße
Maria
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Offline xenophanes

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #107 am: 9. Februar 2008, 16:39 »
Hallo!

Habe heute endlich den 2. Band angefangen: Ein langsames Lesetempo ist geplant.


CK


Offline Friedrich-Arthur

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #108 am: 9. Februar 2008, 18:28 »
Hallo Johnsonfreunde und –freundinnen,
hallo Maria und xenophanes,

Ich liege hoffnungslos mit der Lektüre zurück, bin angekommen Heiligabend 1967. Zum Glück ist die Lesegeschwindigkeit der Leserunde nicht so hoch zur Zeit, was aber dem 2. Band entspricht…

Einige kleine Bemerkungen:

Ich habe bei Lesen des 16. Dezember 1967 einmal mehr feststellen können, wie selbstverständlich und nebenbei Johnson wichtige Personen und Handlungen aus seinen anderen Romanen einflocht. An diesem Tag wurde ganz beiläufig auf Handlungen aus



geschrieben. Es tauchen Hauptmann Rohlfs und Dr. Blach aus der Erinnerung Gesines auf, die ja auch in diesem Roman, gemeinsam mit ihrem Vater Hauptperson war. Auch die Handlungen gehen von den Mutmassungen über die Jahrestage weiter. Vielleicht sind die Jahrestage als ein Abschluss eines Lebenswerkes und Erzählkosmos zu sehen, der alles noch einmal zusammenfasst…

Der 18. Dezember 1967 ist ein Beweis, wie gründlich Johnson über die deutsche Geschichte recherchiert hat, welch ein Detailwissen er darüber besaß und wie klar seine Stellung und Einsicht war. Ich lerne so vieles Neue von diesem Buch und vertraue den Angaben Johnsons. Dieser Tag lehrt mich die Unwahrheit des Sprichwortes “Eine Krähe kratzt der anderen kein Auge aus.” oder besser noch, das die hitlerschen Krähen ohne Vergleich in der Geschichte sind…

Am 20. Dezember beginnt für Heinrich Cresspahl ein neuer Lebensabschnitt, er beteiligt sich an den Kriegsvorberietungen der Nazis und an dem Krieg, den er nicht wollte, am Komplex Jerichow Nord…

Später mehr…

Grüße, FA
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Offline xenophanes

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #109 am: 21. Februar 2008, 12:07 »
Hallo!

Ich habe nun bald die Häfte des zweiten Bandes gelesen und bin chronologisch Mitte Februar 1968 angelegt.

Seltsamerweise gefällt mir dieser Band deutlich besser als der erste Teil und habe nicht wirklich eine plausible Erklärung dafür. Jedenfalls lese ich im Moment mit deutlich weniger Vorbehalten als früher. Was mir am Anfang dieses Bandes aufgefallen ist: Johnson gibt sich vergleichsweise leserfreundlich und wiederholt eine Reihe an wichtigen Kontextinformationen, die eigentlich aus dem ersten Teil schon bekannt sind.

Mir kommen die Tageseinträge auch qualitativ deutlich einheitlicher vor (im Sinne einer hohen Qualität).

CK

Offline xenophanes

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #110 am: 21. Februar 2008, 19:13 »

P.S. Besonders eindrücklich, dicht und düster finde ich die Gegenüberstellung der Vietnam Greuel (u.a. durch Beschreibung der inzwischen ikonographischen Fotos) und den Jerichower Ereignissen 1938. Das ist ausgezeichnet gemacht.

Offline xenophanes

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #111 am: 23. Februar 2008, 17:45 »
Hallo!

Ich konnte mein angekündigtes langsames Lesetempo leider  :breitgrins: nicht durchhalten, und habe nun die zweite Hälfte des zweiten Bandes sehr zügig beendet. Ich werde mich in absehbarer Zeit noch ausführlicher darüber verbreiten, jetzt nur so viel: Ich fand diesmal alle Handlungsebenen und deren Verschränkung auszeichnet gelungen. Werde das Werk nun sicher komplett lesen.

Bevor ich allerdings den nächsten Band angehe, will ich noch eine andere Tetralogie abschließen und den vierten Teil der Joseph-Romane lesen.

CK


Offline xenophanes

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #112 am: 13. Mai 2008, 21:59 »
Hallo!

Habe jetzt den Flug nach Florida genutzt, um die ersten hundert Seiten des dritten Bands zu lesen. Johnson setzt das hohe Niveau des zweiten Bandes fort, eine Lesefreude.

(Und ein wohltuender Kontrast zur unglaublichlich hohen Dichte an Künstlichkeit, Kitsch und Kommerz hier in Orlando).

CK


Offline Friedrich-Arthur

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #113 am: 13. Mai 2008, 23:18 »
Hallo xenophanes,

ich bin leider von der Arbeit und anderen Verpflichtungen von der Lektüre (nicht nur der Jahrestage) abgehalten worden. Ich werde aber versuchen, mich wieder zu disziplinieren und anzuschließen. Deine lobenden Worte machen mich neugierig und auf jeden Fall ist es ein Buch, dass trotz seines Umfanges die Lesezeit entlohnt und ausgelesen werden muss und will.

Ich bin schon neugierig auf deine Beiträge.

Ich bin dann mal weg zu meinen "Jahrestagen", sie liegen ja auf dem Nachtschränkchen.

Gute Reise!

FA
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Offline xenophanes

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #114 am: 29. Juni 2008, 21:54 »
Hallo!

Mein kurzes Fazit zum dritten Band:

"Langsam las ich den dritten Teil von Johnsons Tetralogie. Der ersten Band ließ mich skeptisch zurück, vom zweiten war ich sehr angetan. Dieser setzte nun das positive Leseerlebnis fort. Auf der Jerichow-Handlungsebene wird die unmittelbare Nachkriegszeit beschrieben, speziell der Beginn der russischen Besatzung und damit der neuen Diktatur. Cresspahl verliert die Gunst der neuen Macht, wird als Bürgermeister von Jerichow abgesetzt, und landet dann längerer Zeit im Gefängnis und in einem Gefangenlanger. Die Zustände im Lager beschreibt Johnson schmerzend realistisch, inklusive der sadistischen Spiele der (immer noch) deutschen Aufseher.
Die fiktiven Tagebuchaufzeichnungen umfassen den Zeitraum von April 1968 bis Juni 1968 und sind damit ausführlicher und deutlich länger als früher. Wie bisher wird der Leser via New York Times mit den politischen Ereignissen konfrontiert, wo erneut der Krieg in Vietnam und die Turbulenzen in der CSSR eine herausragende Rolle spielen. Letzteres Thema wird noch dadurch verstärkt, dass Gesine in Ihrer Bank mit einem Kreditprojekt für die CSSR beschäftigt ist."


Offline BigBen

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Re: August 2007 - Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #115 am: 30. Juni 2008, 07:31 »
Das Archiv der Times ist jetzt komplett frei zugänglich.
"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

Offline Friedrich-Arthur

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #116 am: 18. Juli 2008, 19:46 »
Hallo xenophanes,

bis zum dritten Band habe ich es nicht geschafft bisher, aber seit drei Tagen durch Krankeit ans Bett gefesselt, machte es mir möglich, mich durch fast drei Monate vorwärtszulesen durch dieses monumental-epische Werk. Es ist für mich einfach von Vorteil, dabei größere Blöcke zu lesen, denn erst so erkenne ich die Leistung und die Kraftanstrengung, mit der Johnson dieses Werk geschaffen hat. Sicher gibt es sehr oft wechselnde Perspektiven und sprunghafte Übergänge, aber dennoch haken die Haupterzählstränge nicht und kommt es zu keinen Wiederholungen und wird meine Ansicht immer weiter gefestigt, dass es ein sehr ausgewogenes und sehr gut recherchiertes Werk ist. Mir waren einige Charakterstudien und Beschreibungen dabei besonders gelungen erschienen, wie die Beschreibung Pfarrer Niemöllers und seines Schicksals (26.01.1968), Bürgermeisters Friedrich Jansen und seiner politischen Denkweisen (31.01.1968), der Vorfall vor dem Geschäft der Tannebaums (15. und 21.02.1968), der Tod von Lisbeth Cresspahl (18. und 19.02.1968), Pastor Brüshavers und die Stellung der Kirche im Dritten Reich (22.02. und 1.03.1968), die Nazivergangenheit und die Nicht-Aufarbeitung davon in der Bundesrepublik (28.02. und 3.03.1968), die Europaverbundenheit von Ms. Ferwalter (28.02.1968), Hans Magnus Enzensbergers und der politisch-gesellschaftlichen Moral in der Bundesrepublik der 1968er, die von Bobziens und Wollschläger (1.03.1968), die Verwicklungen Cresspahls mit England (2.03.1968), die Paepkes (8.03 und 18.03.1968), ein Slum in New York (9.03.1968) und immer wieder über den Versuch der Demokratisierung des tschechoslovakischen Sozialismus, die 1968er Jahre und den Zustand des Sozialismus in dieser Zeit. Darüber hinaus wird ein sehr nachvollziehbares Bild des Viet-Nam-Krieges gezeichnet... Die getrennten Erzählstränge wurden dabei immer konsequent weiterverfolgt, es gibt mehrere unterschiedlich dicke rote Fäden durch das Werk, die sich regelmäßig verknoten und dann wieder einzeln weiterlaufen...

Die Ironie, die Johnson gebraucht, bekommt bei den von ihm beschriebenen Geschichtsmassen einen eigenartig bitteren Beigeschmack. Die Geschichtsmassen machen einen sehr gründlich recherchierten Eindruck und sind sehr ausgewogen in dem Werk dargestellt/zusammengestellt...

Es ist einfach erstaunlich, in wievieler Hinsicht und Art die Auswirkungen des Nazistaates auf die Menschen war und in wie unterschiedlicher Art sie ihn selbst wiederum stützten. In diesem Nazistaat schien es kaum privates Leben zu geben. Das Schicksal des Einzelnen und auch vieler war diesem Staat völlig gleichgültig. Wie Johnson immer wieder bemerkte, Nazi-Deutschland wurde von Verbrechern regiert... 

Pastor Brüshaver sprach einiges bei seiner Predigt für Lisbeth Cresspahl aus, aber die Beschreibungen Johnsons von Jansen, Paepkes und vielen anderen geben ein viel breiteres und variierteres Bild. Johnson erinnert aber auch an die Wiederstände, die es auch in Nazi-Deutschland gegen das Nazi-Regime gab. Auch dies bedachte Johnson mit einem sehr breit gefächerten Gesamtbild...

Soweit ein Eindruck von den letzten fast drei von mir durchlesenen Monaten der Jahrestage...

Ich werde morgen weiterlesen...

Grüße an dich und die Mitlesenden dieser Leserunde,

FA
« Letzte Änderung: 18. Juli 2008, 19:55 von Friedrich-Arthur »
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

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Offline xenophanes

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #117 am: 12. Oktober 2008, 09:32 »

Nur kurz die Bitte, diese Runde noch nicht zu archivieren. Plane immer noch, Band 4 zu lesen  :winken:

CK


Offline xenophanes

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #118 am: 21. Dezember 2008, 19:29 »
Hallo!

Band 4 begonnen, auch diese Leserunde wird ein Ende nehmen  :zwinker:


CK


Offline xenophanes

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Re: Uwe Johnson: Jahrestage
« Antwort #119 am: 28. Dezember 2008, 17:36 »
Hallo!

Die gut ersten hundert Seiten des vierten Bands sind gelesen und mir drängt sich die Feststellung auf: Johnson wird von Band zu Band besser. Nachdem die Lektüre der einzelnen Bände nun einige Zeit auseinander liegt, will ich das nur mal als Hypothese in den Raum stellen. Was ist Eure Meinung dazu?

Ich finde, er meistert die unterschiedlichen Handlungsstränge immer souveräner und wird auch stilistisch vielfältiger. Vergleichbares zum fulminanten ironischen Porträt der Mrs. Carpenter etwa gab es früher nicht, zumindest nicht in dieser Schärfe. Überhaupt scheint mir Johnson ironischer und sarkastischer zu werden.

Die problematische Tagebuchform für seinen ästhetischen Zweck thematisiert er (soweit ich mich erinnere zum ersten Mal) explizit:

Zitat
Wie dies keins ist [nämlich ein Tagebuch; CK], aus anderen Gründen: hier macht ein Schreiber in ihrem Auftrag für jeden Tag eine Eintragung an ihrer Statt, mit ihrer Erlaubnis, nicht jedoch für den täglichen Tag.
[2. Juli 1968]

CK