Hallo Lena,
wie schön, das ich dich neugierig auf Hofmann machen konnte. Ja, Hofmann hat nur großartige Sachen geschrieben, getriebene, atemlose.
Um dir und allen anderen, die sich vielleicht doch mal mit ihm beschäftigen wollen, Appetit auf ihn zu machen, hier ein Zitat aus seiner Novelle Der Austritt des Dichters Robert Walser aus dem Literarischen Verein:
"Da er mich nicht ruhig ansehen kann, kann ich ihn auch nicht ruhig ansehen.
Das ist aber sein Porträt.
Ein hagerer Fünfziger in einem braunen Anzug und mit einem fast eckigen Kopf. Wegen seiner hastig und billig und stellenweise rücksichtslos dicht am Schädel hin geschnittenen, also verschnittenen Haare. Hohlwangig, mit steiler, vielleicht etwas verquerer Nase. Das Kinn gespalten, als sei mit einem schweren, leicht angespitzten Gerät von unten her wiederholt in dieselbe Kerbe geschlagen worden. Und als ich ihm in der von Küchenschwaden durchzogenen Dunkelheit die Hand hinhalte, macht er, ehe er einschlägt, mit den Händen eine hilflose und, so habe ich mir das sofort zurechtgelegt, sich für den Anblick, den er bietet, gleichsam entschuldigende Bewegung.
Ich habe sofort den Eindruck gehabt, daß sich in dem Menschen etwas Unheilvolles, vielleicht eine heimliche Tragödie abspielt, aber das habe ich nicht gesagt."
Viele Grüße und vielleicht bis bald
Die Leserin