Autor Thema: November 2007 - Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield  (Gelesen 15025 mal)

Offline Leibgeber

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 477
There are an hundred faults in this Thing, and an hundred things
might be said to prove them beauties. But it is needless.


Ich eröffne die Lesrunde zum “Vicar of Wakefield” mit dem gewollt bescheidenen Beginn des Werkleins.

Meine Ausgabe ist:

Der Landprediger von Wakefield. Eine Erzählung angeblich von ihm selbst verfaßt.
Motto auf dem Titelblatt: Sperate miseri, cavete felices
Deutsche Bibliothek in Berlin, ohne Jahresangabe.
Impressum: Für die Deutsche Bibliothek herausgegeben von Otto Knapp.
Druck der Spamerschen Buchdruckerei, Leipzig.
255 Seiten. In Frakturdruck.


Ich werde außerdem relativ parallel im englischen Text mitlesen.

Und weiter als bis zu dieser Vorrede, und bis zur Klärung der von gantenbeinin angefragten Redewendung bin ich bisher auch nicht gekommen.

Den Beteiligten wünsche ich viel Freude.

Leibgeber
 
Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei.
(G. C. Lichtenberg)

Offline Leibgeber

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 477
November 2007 - Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #1 am: 1. November 2007, 00:28 »
Ich kann hier nicht viel mehr posten als das Übliche.

Wikipedia Deutsch
http://de.wikipedia.org/wiki/Oliver_Goldsmith

Wikipedia English
http://en.wikipedia.org/wiki/Oliver_Goldsmith
http://en.wikipedia.org/wiki/The_Vicar_of_Wakefield

Beide Artikel kommen mir nicht gerade ausgebaut vor.
Wir, die Beteiligten, könnten ja eine Mitarbeit am deutschsprachigen Eintrag in Erwägung ziehen. :wink:

Ich lese zur Zeit:
Encyclopedia Britannica, 11th ed. 1911:
http://www.1911encyclopedia.org/Oliver_Goldsmith

Im englischen Wikipedia-Beitrag ist übrigens u.a. auf eine Goldsmith-Biographie von Washington Irving verlinkt. War mir nicht bekannt, dass der eine geschrieben hatte.

LG
Leibgeber
Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei.
(G. C. Lichtenberg)

Offline xenophanes

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1894
    • christian köllerer.net
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #2 am: 1. November 2007, 09:29 »
Hallo!

Leider ist meine englische Ausgabe aus den USA noch nicht angekommen, es kann aber nicht mehr lange dauern.


CK


Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #3 am: 1. November 2007, 09:50 »
Hallo zusammen!

Danke, Leibgeber, für die Eröffnung der Threads.

Ich lese folgende Ausgabe:

The

Vicar of Wakefield

by

Oliver Goldsmith

with a Preface by

Austin Dobson1)

and

Illustrations by

Hugh Thomson

London

Macmillan & Co

and

New York

MCMXXVII
2)

1) Das Vorwort geht allerdings nur auf die verschiedenen illustrierten Ausgaben des Vicar ein. Im übrigen ist diese Ausgabe sehr hübsch und reichlich illustriert.
2) Um genau zu sein: der 8. Nachdruck der 2. Auflage von 1891. (Die erste Auflage fand 1890 statt)



Ich habe die ersten beiden Kapitel gelesen. Im ersten wird die Familie vorgestellt, im zweiten die Heirat des ältesten Sohnes geplant und zum Platzen gebracht. Letzteres durch zwei voneinander unabhängige (oder doch nicht?) Phänomene: einerseits einem ungetreuen Kaufmann, der das kleine Vermögen des Landpfarrers veruntreut, andererseits durch die Dickköpfigkeit des Landpfarrers, der für absolute Monogamie plädiert und so den Vater der Braut vor den Kopf stösst, der zwar auch Geistlicher ist, aber in vierter Ehe lebt. Ist hier eine Spitze gegen theologisch-moralische Dispute der Geistlichkeit gemeint?

Die Erzählung geht jedenfalls offensichtlich gleich in medias res.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Leibgeber

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 477
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #4 am: 1. November 2007, 11:42 »
...............
im zweiten die Heirat des ältesten Sohnes geplant und zum Platzen gebracht. Letzteres durch zwei voneinander unabhängige (oder doch nicht?) Phänomene: einerseits einem ungetreuen Kaufmann, der das kleine Vermögen des Landpfarrers veruntreut, andererseits durch die Dickköpfigkeit des Landpfarrers, der für absolute Monogamie plädiert und so den Vater der Braut vor den Kopf stösst, der zwar auch Geistlicher ist, aber in vierter Ehe lebt. Ist hier eine Spitze gegen theologisch-moralische Dispute der Geistlichkeit gemeint?
Denk ich mal doch, ja.
Zumal die Sache zu Beginn des Kapitels genauer ausgeführt wird.

I published some tracts upon the subject myself, which,
as they never sold, I have the consolation of thinking are read
only by the happy Few. Some of my friends called this my weak
side; but alas! they had not like me made it the subject of long
contemplation. The more I reflected upon it, the more important
it appeared.


Mr. Primrose, der Prediger für die paar Auserwählten, scheint überhaupt ein recht bigotter Patriarch zu sein. :wink:

Die geplatzte Heirat ist dem Vater der Braut ja auch keineswegs unrecht, denn wenn das Vermögen weg, ist der Wert des Bräutigams doch sehr gemindert.
Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei.
(G. C. Lichtenberg)

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #5 am: 1. November 2007, 12:26 »
Ist hier eine Spitze gegen theologisch-moralische Dispute der Geistlichkeit gemeint?
Denk ich mal doch, ja.

Hm ... ich hatte das Buch immer in der Kategorie "sentimental" abgelegt. Könnte sein, dass da sehr viel Satire (mit) drin liegt ...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Leibgeber

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 477
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #6 am: 1. November 2007, 13:20 »
Hm ... ich hatte das Buch immer in der Kategorie "sentimental" abgelegt. Könnte sein, dass da sehr viel Satire (mit) drin liegt ...

Ich hatte das seinerzeit bei der Erstlektüre auch so abgelegt.
Vielleicht war ich da noch nicht alt und abgeklärt genug für Ironie?   :redface:

Mein Englisch ist ja nicht gar so fit.
Musste nachlesen, was Primrose bedeutet.
Primel bzw. Schlüsselblume.

Wenn das alles ernst gemeint wäre, hätte er dem Vicar vielleicht auch einen ernsthafteren Namen verpasst?
Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei.
(G. C. Lichtenberg)

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #7 am: 2. November 2007, 09:29 »
Unterdessen bin ich am Schluss von Kapitel 4. Hm ... eine schillernde Lektüre, wahrhaftig. Ich bin mir in vielen Momenten nicht so sicher, ob das nun von Goldsmith im Ernst gemeint war oder ob's gut versteckte Satire ist. Dieser Ich-Erzähler scheint mir doch ein wahrer Pflock zu sein. Aber vielleicht trage ich auch Swift und Sterne einerseits, eine aufgeklärtere Haltung gegenüber Orthodocie in jeder Form andererseits an den Text heran.

Jedenfalls liest es sich sehr süffig, finde ich ;).

Die Figuren allerdings, mit Ausnahme des Ich-Erzählers und der Bekanntschaft am Wegesrand noch (?) sehr farblos gezeichnet.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline xenophanes

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1894
    • christian köllerer.net
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #8 am: 2. November 2007, 09:37 »
Jedenfalls liest es sich sehr süffig, finde ich ;).

Ich werde am Wochenende zu lesen anfangen, "notfalls" meine deutsche Ausgabe.

CK


Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #9 am: 2. November 2007, 11:00 »
Die Figuren allerdings, mit Ausnahme des Ich-Erzählers und der Bekanntschaft am Wegesrand noch (?) sehr farblos gezeichnet.

On second thought: Ich möchte "farblos" in "schematisch" ändern ...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Maja

  • Gast
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #10 am: 2. November 2007, 12:40 »
Zitat von: sandhofer
On second thought: Ich möchte "farblos" in "schematisch" ändern .
...was ja sehr für die Interpretation als Satire spricht.

Gruss, Maja

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #11 am: 2. November 2007, 13:39 »
Zitat von: sandhofer
On second thought: Ich möchte "farblos" in "schematisch" ändern .
...was ja sehr für die Interpretation als Satire spricht.

Eben ;).
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Leibgeber

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 477
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #12 am: 2. November 2007, 17:10 »
Die Figuren allerdings, mit Ausnahme des Ich-Erzählers und der Bekanntschaft am Wegesrand noch (?) sehr farblos gezeichnet.
On second thought: Ich möchte "farblos" in "schematisch" ändern ...

Auftritt in Kapitel 5 ja auch schon der Nächste:
Der Grundbesitzer, Geck, Verführer, übrigens auch mit einem sozusagen "sprechenden" Namen, den man glatt als Gegenstück zu dem der primeligen Hauptperson auffassen könnte.

Es findet sich auch gleich im 1. Kapitel so ein Hinweis auf die Klischeekiste:

Our second child, a girl,
I intended to call after her aunt Grissel; but my wife, who
during her pregnancy had been reading romances, insisted upon her
being called Olivia. In less than another year we had another
daughter, and now I was determined that Grissel should be her
name; but a rich relation taking a fancy to stand godmother, the
girl was, by her directions, called Sophia; so that we had two
romantic names in the family; but I solemnly protest I had no
hand in it.


Der Name Grissel (Griseldis), viel verwendete literarische Figur seit Boccaccio, Inbegriff der Dulderin, wird also der einen wie der anderen Tochter versagt.
Olivia und Sophie krieg ich nicht so auf die Reihe, Richardson ist das nicht.
Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei.
(G. C. Lichtenberg)

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #13 am: 3. November 2007, 13:00 »
Kapitel 5 und 6

Ja, der Verführer ... Tatsächlich auch eine Figur fixfertig aus der Schemenkiste. Unterdessen bin ich wieder der Meinung, dass hier weniger Satire als schriftstellerische Ökonomie am Werk waren. Hingegen gibt es immer wieder so nette Kleinigkeiten, die ich als satirische Spitzen aufzufassen geneigt bin. Und dazwischen die ländlich-idyllischen Momente, z.B., wenn der Kleine dem Besuch den Stuhl herbeischleppt (in meiner Ausgabe mit einer entsprechend idyllisch-niedlichen Vignette noch unterstützt).
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline xenophanes

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1894
    • christian köllerer.net
Re: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield
« Antwort #14 am: 3. November 2007, 16:19 »
Hallo!

Der Name Grissel (Griseldis), viel verwendete literarische Figur seit Boccaccio, Inbegriff der Dulderin, wird also der einen wie der anderen Tochter versagt.
Olivia und Sophie krieg ich nicht so auf die Reihe, Richardson ist das nicht.

Die Geschichte Griseldis wird später ja dann auch den Kindern erzählt ...

Ich las inzwischen die ersten sechs Kapitel der deutschen Ausgabe. Zur Satirefrage habe ich mir noch kein endgültiges Bild gemacht. Meine (DDR) Ausgabe aus dem Jahr 1959 ist von Ilse Buchholz übersetzt.

Jetzt werde ich vom Bücher lesen zum Bücher tragen übergehen: Fünf neue Billys in der Wohnung. Als erstes wird Goethe zwangsumgezogen und brutal von Schiller getrennt  :breitgrins:

CK