Hallo zusammen,
endlich habe ich, natürlich in letzter Minute vor Ablauf der Ausleihfrist, das Nachwort des Vikars nochmals gelesen (Oxford Classics Taschenbuch). Dessen Autor schreibt, dass gerade die scheinbare Kunstlosigkeit (um falsche Erwartungen zu wecken) auf Satire hinweise. Vor allem im 2. Teil werden die gängigen literarischen Genres und Moden "unterminiert?" ("to subvert them"). Er nennt es eine ...deliberate confusion of almost every literary "type" that flourished in the period.
Anders als in anderen Werken wird der Leser nicht gewarnt. Aber warum sollte man den Erzähler ernst nehmen, wenn er von Anfang an als inkonsistent, unlogisch und scheinheilig entlarvt wird?
Ein erster Witz ist schon, dass er sich Vicar of Wakefield nennt. Denn erstens lebt er nur gerade 10 Seiten lang dort, und zweitens ist der Ort überhaupt nicht bukolisch, sondern in der Nähe einer heruntergekommenen (ehemals Militär-) Stadt.
Als erste Beschreibung von englischem häuslichem/ländlichem Leben (z.B. Beginn 5. Kap.) wurde das Buch offenbar geschätzt, ebenso aus moralischen Gründen: man sah es als Beispiel für Trost und Erbauung durch Religion.
Herzliche Grüsse, Maja