Autor Thema: Fritz Lang  (Gelesen 11459 mal)

Offline Friedrich-Arthur

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Fritz Lang
« am: 7. November 2007, 13:06 »
Für mich ist es schon erstaunlich, wie viele positive Artikel hier im Ausland über den östereichischen Filmemacher Fritz Lang erscheinen und seine Filme kann man mittlerweile fast an jeder Strassenecke kaufen. Die Besprechungen sind durchweg sehr gut bis begeistert. Beim nächsten Einkaufsbummel muss ich da unbedingt etwas in den Einkaufsbeutel verschwinden lassen. Vielleicht sollte ich mit dem expressionistischen Meisterwerk Metropolis beginnen? Oder gleich mit einer Box, die mehrere Filme enthält?

Es gibt ihn bei Amazon als Einzelfilm (dazu gibt es ein kleine Video)

oder in einer Fritz-Lang-Box.

Habt ihr diesen (oder andere Filme) von Fritz Lang schon einmal gesehen und was haltet ihr davon?

FA
« Letzte Änderung: 7. November 2007, 13:15 von Friedrich-Arthur »
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

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Offline Giesbert Damaschke

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Re: Fritz Lang
« Antwort #1 am: 7. November 2007, 14:09 »
Metropolis wird imho völlig überschätzt; sehr beeindruckende Massenszenen, ein ganz und gar grauenhaftes, kitschig verlogenes, durch und durch reaktionäres Drehbuch. Den als "expressionistisches Meisterwerk" zu feiern, ist eine Beleidigung für Caligari & Co.

M ist dagegen wirklich gut, der Film hat bis heute seine Wirkung nicht verloren und wird, anders als Metropolis, nicht unfreiwillig komisch; Mabuse hab ich als gut in Erinnerung, aber das wil nicht viel heißen.

Die NL: auch hier imposante Szenen, aber ein alberner Fafnir und viel Pappmaschekitsch.
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline Sir Thomas

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Re: Fritz Lang
« Antwort #2 am: 7. November 2007, 19:45 »
"M" ist der einzige Lang-Film, den ich neben "Metropolis" und dem wesenlich späteren "Tiger von Eschnapur" gesehen habe. Ich gebe meinem "Vorredner" Giesbert Recht, würde allerdings noch weiter gehen und "Metropolis" nicht nur als "reaktionär", sondern nahezu als faschistisch bezeichnen. Allerdings entbehrt der Streifen nicht einer gewissen Faszination, was ihn letztlich sehr zwiespältig macht. Mit "M" ist man allerdings auf der sicheren Seite. Dieser Film ist meiner Meinung nach zusammen mit Murnaus rund 10 Jahre älteren "Nosferatu" das Beste, was das deutsche Kino vor 1945 zustande gebracht hat.

Es grüßt

Sir Thomas

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Fritz Lang
« Antwort #3 am: 7. November 2007, 21:06 »
Der "Tiger von Eschnapur"! Richtig, wie konnte ich den vergessen. Zusammen mit dem "indischen Grabmal". Hab ich als Kind gesehen, da werden Erinnerungen an Sonntagnachmittag und Streuselkuchen wach. Und an eine Szene, in der die Leprakranken eine Treppe hinaufkriechen und die weiße Frau bedrohen. Gewissermaßen eine Zombie-Szene.

Werden wohl ein ziemlicher Mist gewesen sein, die beiden Filme.

Es gibt übrigens eine schöne Szene in Woody Allans "Take the money and run", in der ich immer eine Anspielung auf Fritz Lang gesehen habe. Ein Banküberfall soll als scheinbare Filmaufnahme getarnt werden. Dazu hat man extra einen Profi aus Dt. angeheuert, der "Fritz" heißt, sich fürchterlich benimmt und genau so angezogen ist, wie der jugendliche Held in "Metropolis".

(Jetzt hab ich doch mal gegooglet -: scheint nicht nur mir so zu gehen: To pull the heist off, they decide to disguise themselves as filmmakers making a movie on robbing a bank. They hire a director, who has a Fritz Lang look and attitude. (http://www.davegunn.com/tmar.html)
 
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline Friedrich-Arthur

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Re: Fritz Lang
« Antwort #4 am: 7. November 2007, 23:20 »
Danke giesbert und Sir Thomas, da habt ihr mich ja vor einem möglichen Fehlkauf bewahrt. Also wenn ich denn mit "M" auf der sicheren Seite liege, dann werde ich meine Augen entsprechend offenhalten. Wie es manche Filme dennoch schaffen faszinierend zu sein und Klassiker zu werden, obwohl sie es nicht dürften bzw. sollten...

M - Eine Stadt sucht einen Mörder hat ja eine wirklich besondere Handlung und scheint mir ein außergewöhnliches Zeitdokument zu sein, wenn WIKIPEDIA nicht zuviel versprochen hat. Sicher ist er kein Sonntagnachmittags-Streuselkuchen-Film...

Gut, dass es dieses Forum und euch Forengeister gibt, da kann ich mich besser erst beraten lassen, bevor ich Anschaffungen tätige.

Grüße, FA
« Letzte Änderung: 7. November 2007, 23:26 von Friedrich-Arthur »
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Offline BigBen

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Re: Fritz Lang
« Antwort #5 am: 8. November 2007, 09:00 »
Lang hat übrigens mit "Die Frau im Mond" den ersten wissenschaftlichen Science Fiction Film gemacht.

Ich gebe meinem "Vorredner" Giesbert Recht, würde allerdings noch weiter gehen und "Metropolis" nicht nur als "reaktionär", sondern nahezu als faschistisch bezeichnen.

So würde ich das nicht sehen. Der Film ist sicher vom Zeitgeschmack beeinflußt, transportiert aber auch dieses unangenehme Gefühl einer hochtechnisierten, taylorisierten Welt.
"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

Offline Sir Thomas

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Re: Fritz Lang
« Antwort #6 am: 8. November 2007, 09:17 »
Hallo, Ihr Lieben,

ich habe noch einmal über "Metropolis" nachgedacht. Friedrich-Arthur: Von einem glatten "Fehlkauf" würde ich nicht sprechen, denn immerhin handelt es sich um einen Film von großer visionärer Kraft und um einen Meilenstein der Filmhistorie. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es nicht der Beste Lang-Film ist und dass man ihn mit einiger Vorsicht genießen sollte.

Es grüßt

Sir Thomas

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Fritz Lang
« Antwort #7 am: 8. November 2007, 12:03 »
Danke giesbert und Sir Thomas, da habt ihr mich ja vor einem möglichen Fehlkauf bewahrt.
je nun - kennen sollte man "Metropolis" wohl schon. Wenn sich eine günstige Gelegenheit ergibt. Aber wenn ich die Wahl hätte zwischen Metropolis und M: Würde ich wohl immer M wählen.

Ich hab Metropolis allerdings nur 1x gesehen (M so um die 4, 5x), aber das hat mir gereicht. Ich war nach dem Film schon verärgert und fühlte mich ziemlich verarscht. Dieser Unfug also war der berühmte Film "Metropolis". Ts. Natürlich hat der Film großartige Momente, aber insgesamt ist er imho ziemlich unerträglich. Immerhin: da weiß ich mich einig mit dem zeitgenössischen Rezensenten in der "Weltbühne" (dessen Rezension ich bei Gelegenheit mal raussuchen kann).
« Letzte Änderung: 8. November 2007, 12:07 von giesbert »
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline Sir Thomas

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Re: Fritz Lang
« Antwort #8 am: 8. November 2007, 12:26 »
Immerhin: da weiß ich mich einig mit dem zeitgenössischen Rezensenten in der "Weltbühne" (dessen Rezension ich bei Gelegenheit mal raussuchen kann).

Hallo Giesbert,

das wäre ganz entzückend, im voraus "bedankt"!

Sir Thomas

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Fritz Lang
« Antwort #9 am: 10. November 2007, 01:40 »
Ich hab schon mal irgendwo größere Partien abgetippt, aber das find ich jetzt nicht mehr. Egal.

Also: Die "Metropolis"-Rezension in der "Weltbühne" stammt von Axel Eggebrecht und erschien am 18. Januar 1927 (wer den Reprint hat: S. 115 f. im 1927-Band).

Eggebrecht kleidet seine Rezension in das Gewand eines Vorabdruckes aus einem Filmlexikon aus der Zukunft (nämlich aus dem Jahr 2003 - das ist heute schon wieder Vergangenheit. So geht's).

Darin heißt es etwa:

Zitat
Im Kleinsten aktuell wie ein Zeitungsschreiber, mangelten ihm selbst für die industrielle Technik seiner Zeit der grundlegenden Begriffe, so daß er Nöte und Probleme konstruierte, die damals längst überwunden waren. ... Wie sehr irrt er in der proletarischen und selbst in der kapitalistischen Psychologie! ... Um die Zukunft zu beleben, unter der er sich nichts vorstellen kann, beschwört er die Symbole der Vergangenheit. ... Schön gestellt sind die Massen, hunderte von überraschenden Ausschnitten hat er sich ausgedacht ... Das hielt man damals für Film. Eine Unmenge sonderbarer Maschinengebilde ließ er erbauen, unter denen weder er selbst, noch irgend wer sich etwas vorstellen konnte, dekorative Werte: das war das Bild seiner Zukunft. Die Menschen aber in der Wunderstadt waren genau dieselben unklaren, theatralischen, verlognen, unweisen und unpraktisch bekleideten Menschen seiner eigenen Zeit.
« Letzte Änderung: 10. November 2007, 01:45 von giesbert »
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Offline Giesbert Damaschke

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Re: Fritz Lang
« Antwort #10 am: 10. November 2007, 01:45 »
btw - "M" wird dann von Rudolf Arnheim (mit kurzen abschätzigen Spitzen gegen "Die Frau im Mond" und "Mabuse") gelobt (Bd. 1931, S. 730)
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Offline Friedrich-Arthur

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Re: Fritz Lang
« Antwort #11 am: 10. November 2007, 15:54 »
Danke giesbert!

Du schriebst auch schon einmal vom Film Das Cabinet des Dr. Caligari, der von Robert Wiene regissiert wurde. Dieser soll ja laut Wikipedia ein "Horrofilm" und gleichzeitig ein "expressionistischer Mailenstein der Filmgeschichte" sein... bei Amazon.de kann man diese Ausgabe finden

Kannst du darüber auch noch genauer berichten?

Auch auf die Gefahr hin, dass dies kein "reiner" Lang-Ordner mehr sein wird, ließe sich ja die Diskussion auf Filme der 20er Jahre, des deutschen filmischen Expressionismus usw. erweitern.

Und auch Dr. Mabuse wurde hier vergleichend und als Referenz erwähnt... laut Amazon.de gibt es gleich mehrere Mabuse-Filme...

Ich habe diese Filme bisher noch nicht gesehen, geschweige denn besessen und bin sehr neugierig auf sie geworden.

Auf jeden Fall noch einen schönen Samstag!

Grüße, FA


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Re: Fritz Lang
« Antwort #12 am: 14. November 2007, 01:10 »
Kannst du darüber auch noch genauer berichten?
Über diese DVD nicht, ich hab den Film mehrfach im Fernsehen gesehen und 1x im "Studentenkino". Neben "Nosferatu" einer der stärksten Eindrücke von Filmen aus der Zeit.

Caligari ist nach US-Recht überigens "frei", ich hab ihn auf meinem iPod (mit englischen Untertiteln, aber das ist ja wurscht), man konnte ihn mal bei Google Video herunterladen, seit der Übernahme von Youtube gibt es diese Möglichkeit wohl leider nicht mehr.

An die Mabuse-Filme habe ich nur sehr verwaschene Erinnerungen, die Nachkriegs-Mabuses sind eine Art bessere Wallace-Filme. Wohl durchaus sehenswert, und sei's als zeitgeschichtliches Dokument.

Vom Roman rate ich allerdings dringend ab. So einen Scheiß habe ich lange nicht gelesen. Ich hab das Buch gegen Ende immer wütender durchblättert und schließlich ins Regel gepfeffert. Was für ein verlogener Dreck! Da stimmt nichts, absolut nichts. Das ist noch nicht mal als KrimiSchund goutierbar, das ist einfach nur Müll.

Und für alle, die es noch nicht wissen: "M" ist als Nr. 98 im Rahmen der generell empfehlenswerten "SZ-Cinemathek" erschienen. Kostet knapp 10 Euro. Das Geld ist gut angelegt.
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Offline xenophanes

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Re: Fritz Lang
« Antwort #13 am: 14. November 2007, 08:03 »
Hallo!

Caligari ist nach US-Recht überigens "frei", ich hab ihn auf meinem iPod (mit englischen Untertiteln, aber das ist ja wurscht), man konnte ihn mal bei Google Video herunterladen, seit der Übernahme von Youtube gibt es diese Möglichkeit wohl leider nicht mehr.

http://www.archive.org/details/DasKabinettdesDoktorCaligariTheCabinetofDrCaligari

CK


Offline Giesbert Damaschke

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Re: Fritz Lang
« Antwort #14 am: 18. November 2007, 01:40 »
Und für alle, die es noch nicht wissen: "M" ist als Nr. 98 im Rahmen der generell empfehlenswerten "SZ-Cinemathek" erschienen. Kostet knapp 10 Euro. Das Geld ist gut angelegt.
Ich hab ihn mir heute noch mal angesehen und möchte die Empfehlung für "M" nachdrücklich unterstreichen. Den Film muss man kennen, der hat bis heute wirklich nichts von seiner Kraft eingebüßt (trotz der Neigung zu Dialogen im Leitartikelstil).

Und die SZ-Edition scheint die derzeit beste Version zu sein, rekonstruiert und neu digitalisiert. Die ergänzten Szenen sind allerdings ohne Ton. (dh ich vermute mal, dass es sich dabei um die rund 500 Meter Film handelt, um die das Ausgangsmaterial aus anderen Kopien ergänzt wurde.)

Jedenfalls: Sehr empfehlenswert. (Und man weiß dann auch gleich wieder, was für ein Schmuh "Metropolis" ist.)
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