Hallo zusammen,
Ich las „Der grosse Weber von Kaschmir“. Es ist Laxness erster Roman, den er als 23jähriger schrieb. Eine Geschichte mit verschiedenen Stilmitteln, u.a. wird vieles in Briefen erzählt.
Einem jungen Mann, Stein Ellidi, wird Island zu eng und zieht in die weite Welt hinaus.
In der Nacht bevor er weg geht, spricht er mit seiner Jugendfreundin Dilja über seine prächtige Zukunft. Er möchte ein Dichter werden, ein Dichter des Volkes. Auch ist er auf der Suche nach der Wahrheit und einer Vollkommenheit und meint sie im Katholizismus zu finden. Hier steckt wohl viel Autobiographisches im Roman. Laxness verlies das ihm enggewordene Island und trat dem Katholizismus bei.
Doch seine Suche nach dem Sinn des Lebens richtete sich nach verschiedenen Richtungen aus (Buddhismus, Kommunismus...). Lüge und Wahrheit kann man nicht konkret von einander abgrenzen. Gibt es überhaupt eine Wahrheit? Das ist eines der hervortretenden Themen in der Geschichte. In späteren Romanen hält sich Laxness doch eher zurück, wenn es um Religion geht.
Im „Weber von Kaschmir“ meint der Protagonist, dass nur die Askese zum Gipfel der Reinheit und des Ruhmes führen kann. Wenn man den Ausführungen folgt, dann drängt sich dem Leser allerdings den Eindruck eines egozentrischen jungen Mannes auf, der unfähig ist zu lieben. Trotzdem sind seine Meinungen zu Religion, Gesellschaft, Ehe, Moral, frech und zugleich überheblich zu lesen, manches ist sogar prophetisch. Der Roman kam 1927 heraus und darin wird bereits die Befürchtung eines weiteren Krieges gesagt.
Will sie aus dem, was geschieht, keine Lehre ziehen? Verschließt sie ihre Ohren vor dem Weltkrieg, der so unmissverständlich von der Unfruchtbarkeit des Bruderschaftsgedankens in einer auf Krieg zwischen den Menschen aufgebauten Gesellschaft spricht? Sieht sie nicht, dass sie zweitausend Jahre lang Violine spielte, während Rom brannte? Oder will sie darauf warten, dass die christlichen Welt sich dem Teufel verschreibt, mit einem noch schrecklicheren Krieg als dem Weltkrieg?
Doch damit diese hitzigen Diskussionen über die Vollkommenheit dem Leser nicht zuviel werden, ist da noch das Mädchen Dilja. Sie ist ein erdverbundenes Mädchen, das sich einbildet Stein Ellidi zu lieben und einen Schwur tätigt, der ihr später noch schwer zu schaffen machen wird. Sie ist das Volk und der einzelne Mensch mit all seinen Fehlern und Stärken.
Ein Roman mit viel Symbolik. Stein Ellidi, dessen Vorname Härte anzeigen soll, zerbricht an seinen hohen Erwartungen ein Dichter des Volkes zu werden und isoliert sich.
Ich mag es, wenn von Kapitel zu Kapitel ein symbolischer Bogen gespannt wird. In diesem Roman habe ich das gefunden. Laufend werden Himmelsrichtungen im Text miteinbezogen. Ihn zieht es nach Westen, Osten, Süden. Im Norden allerdings ist Dilja. Mir kam ein Vers von Klabund in den Sinn, der gut dazu passt:
Süden: meine Sehnsucht!
Norden: mein Heimweh,
Osten: meine Hoffnung,
Westen: mein Ziel.
Ich finde „Der große Weber von Kaschmir“ ist ein hochintelligentes Werk und wichtig um die nachfolgenden Werke und Laxness besser verstehen zu können, doch blieb mir vieles darin fremd und schwer verständlich.
Viele Grüße
Maria