Hallo zusammen,
bin etwas eingespannt, deswegen muss ich mich kurz halten...

Wo liegt denn der genaue Unterschied zwischen den Bezeichnungen "The Golden Twenties" und "Jazz Age"?
Wie du schon festgestellt hast, meinen beide Begriffe den gleichen Zeitraum. "Jazz Age" bezieht sich vor allem auf das Lebensgefühl der jungen Generation - ihr Leben in Jazzclubs, ständige Parties, ihre Revolte gegen traditionelle Verhaltensmuster, etc. "Golden Twenties" bezieht sich nicht nur auf dieses spezielle, ekstatische Lebensgefühl sondern auch auf die wirtschaftliche und politische Situation des Amerikas der Nachkriegszeit. Der Begriff steht natürlich auch in Anlehnung an das viktorianische England, welches auch oft als "Golden Age" bezeichnet wird, wobei die schlechte soziale Situation idR ausgeklammert wird....
Gatsby - Tom
Tom und Gatsby sind selbstverständlich
die Kontrahenten im Buch. Ich verrate doch nicht zuviel wenn ich sage, dass Gatsby an Toms Frau Daisy interessiert ist; sie für sich gewinnen möchte? Daisy ist Gatsbys eigentliches Lebensziel - alles was er tut, tut er in der Absicht, sie zu gewinnen. (Mehr verrrate ich besser nicht....
Tom und Gatsby unterscheiden sich aber auch in ihrem Charakter komplett voneinander. Gatsby ist der "self-made man" (also
die Verkörperung des
amerikanischen Traums). Auch wenn er seinen Reichtum nicht auf ganz legalem Wege erhalten hat, so hat er doch tiefsitzende, ehrwürdige Wertevorstellungen.
Anders als Tom. Dieser hat seinen kompletten Reichtum geerbt. Er muss nicht arbeiten, sondern kann all seine Zeit damit verbringen, sein Geld auf den kopf zu hauen. Und er weiß, dass sein Reichtum ihm auch große Macht gibt. Das nutzt er rücksichtslos aus. Anhand von Tom schildert Fitzgerald die Dekadenz der amerikanischen Upper Class bzw. der Leisure Class, deren Vermögen und Einfluss ihr praktische Handlungsfreiheit einräumt. Das wird später im Buch sehr deutlich. Da heißt es an einer Stelle: "They were careless people, tom and Daisy - they smashed up things [...] then retreated back into their money [...] and let other people clean up the mess they had made". Sein moralischer Verfall zeigt sich aber schon im 1. Kapitel. einerseits durch die Erwähnung seine Affäre, andererseits durch seine Äußerung "civiliztion's going to pieces" und dem anschließenden Lob des Buches von einem Autor namens Goddard. Goddard ist die Verschmelzung von Grant und Stoddard - zweien sehr rassistischen amerikanischen Nationalisten. Das zeugt davon, das Tom nicht unbedingt ein Mann des Geistes ist - was ihn wiederum sehr von Gatsby unterscheidet. Seine fehlenden Intellekt ersetzt Tom durch physische Stärke. Nick beschreibt das sehr eindringlich: "It was a body capable of enormous leverage - a cruel body."
Interessante Anmerkung: In einem Brief an seinen Verleger Maxwell Perkins schrieb Fitzgerald über Tom Buchanan: "I suppose he's the best character I've ever done - I think he and [...] are the three best characters in American fiction in the last 20 years."
@Enigma: Was das “ If personality”-Zitat angeht, fällt mir folgendes ein. Gastby ist sehr stilvollendet und elegant in allem was er tut. Damit steht er absolut in Tradition eines Dandys á la George Brummel. Was ihn von diesem dann aber doch unterscheidet ist seine Gier nach der neuesten Mode (wird später deutlich) und seine Vorliebe für beinahe schon peinliche Anzüge... Doch genau wie der klassische Dandy, gibt sich Gatsby in seinen sonstigen Handlungen. Er ist stets der Mittelpunkt des Geschehen und dennoch umgibt ihn eine kühle Aura, die ihn unnahbar macht und die ihn letzten Endes in eine distanzierte Zuschauerrolle drängt. Ein Dandy möchte gefallen und mehr noch: auffallen. Er möchte sich aber auf keinen Fall die Blöße geben oder gar von anderen abhängig sein. Deswegen fällt es ihm schwer, soziale Bindungen zu intensivieren. Deswegen vermeidet er es auch Liebesbeziehungen einzugehen. Gatsbys Fall liegt so gesehen darin, dass er an seinem Traum (Daisy) festhält...
"Augen, deren Anstrich..."
Meine Erinnerung sagt, dieses Zitat bezieht sich auf ein überdimensionales Werbeplakat (Dr. Eckleburg) im so genannten "valley of ahses". Dieses Tal der Asche ist ein Symbol für den Verfall der Gesellschaft und der Moral; es ist das stärkste Symbol für die Dekadenz im ganzen Buch. Der auf dem Plakat abgebildete Dr. Eckleburg wacht über dieses Tal. Fitzgerald veranschaulicht hier, das Konsum, Geldgier, Kommerzdenken - die natürlich eng mit der Idee des amerikanischen Traumes verbunden sind - in der Vernichtung enden; der amerikanische Traum erhält dadurch etwas grundlegend Amoralisches und Schlechtes. Die verblasste Farbe des Plakats verstärkt den Eindruck der Vergänglichkeit (...einst war da mal etwas, was faszinierend wirkte - doch dieser Zauber ist verflogen, abgeblättert...)
Ich hoffe, das war einigermaßen aufschlussreich bzw. diskussionswürdig. Wie gesagt, bin ich gerade etwas eingespannt aber ich werde spätestens Montag wieder vorbei schauen...