Autor Thema: März 2008 - F. Scott Fitzgerald: The Great Gatsby / Der große Gatsby  (Gelesen 25154 mal)

Offline R2D2

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Hallo. Hiermit eröffne ich dann mal die Leserunde zu Fitzgeralds Gatsby. Im Übrigen lese ich das englische Original in der Penguin Popular Classics TB-Ausgabe.
Wer ist noch an Bord??  :schulterzuck:

Offline enigma

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Hier das englische Original in der Reihe "Penguin Popular Classics":

auch wenn meine Ausgabe von 1994 mit dieser ISBN-Nummer ein Cover mit einem Photo einer Detailansicht des Gemäldes "The Evening" von Delphin Enjolras trägt.

Die deutsche Fassung in der Übersetzung von Walter Schürenberg:


und die Hollywood-Filme zum Buch, die ich leider alle noch nicht gesehen habe:
1974: http://www.imdb.com/title/tt0071577/
1949: http://www.imdb.com/title/tt0041428/
1926: http://www.imdb.com/title/tt0016938/
« Letzte Änderung: 17. März 2008, 22:48 von enigma »

Offline enigma

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Re: Francis Scott Fitzgerald - The Great Gatsby (Der Große Gatsby)
« Antwort #2 am: 16. März 2008, 23:40 »
Ich bin auch an Bord. Und lese ebenso die Penguin-Ausgabe (s. Materialordner).

Ich habe gerade erst angefangen zu lesen und befürchte, dass ich - ebenfalls ein Newbie - hier in einer Leserunde das Englisch nicht einfach so runterlesen kann ohne Rücksicht darauf, ob ich jedes Wort verstehe. Am Rechner zu lesen ermöglicht ja benutzerfreundliches Nachschlagen einzelner Worte unter http://dict.leo.org, aber beim angenehmeren offline-Lesen ...

Übrigens wäre es schön, wenn sich noch jemand mit der deutschen Übersetzung zu unserer Runde gesellen würde. Dann könnten wir auch gelegentlich nachschauen, was der Übersetzer aus einigen besonderen Formulierungen des Originals gemacht hat.

Dionne

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Re: Francis Scott Fitzgerald - The Great Gatsby (Der Große Gatsby)
« Antwort #3 am: 17. März 2008, 12:50 »
Ich lese die deutsche Ausgabe aus der Bibliothek der Süddeutschen Zeitung.
Die Übersetzungsvergleiche würden mich auch interessieren! :)

Dionne

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Re: Francis Scott Fitzgerald - The Great Gatsby (Der Große Gatsby)
« Antwort #4 am: 20. März 2008, 14:33 »
Hallo ihr Lieben,

heute habe ich das erste Kapitel beendet und lese gerade in den ersten Seiten des zweiten Abschnittes.
Wie weit seid ihr gekommen?

Mr. Gatsby ist bislang nur am Rande aufgetreten, der Fokus lag bisher auf der Familie Buchanan und deren Beziehung zum Erzähler Nick.
Daher bin ich nun gespannt, wie er in diese Beziehung eingeflochten wird, vor allem im Bezug auf Daisy.
Was mir aufgefallen ist, das ist die Vergegenständlichung der Menschen, sowie die latent schwelende Dekadenz (im ursprüglichen Wortsinne).
Man merkt, dass die Menschen zwischen zwei Weltkriegen stehen.
Zu Beginn des zweiten Kapitels spricht Fitzgerald von "Augen, deren Anstrich lange nicht erneuert wurde" und von "düsterer Emsigkeit", die von Staubwolken verhüllt wird. Irgendetwas Bedrückendes liegt in der Luft. Ich habe das Gefühl, dass die bislang involvierten Menschen nicht ehrlich zu sich selber sind. Tom betrügt seine Frau, Daisy blüht erst in den Gerüchten, dem Klatsch über Nick auf.

Vielleicht kann R2D2 ja noch etwas mehr zu den Hintergründen und dieser Mentalität sagen? Du hast sicherlich mehr Hintergrundwissen als wir (zumindest ich) ;)

Ich bin gespannt auf eure Impressionen!
« Letzte Änderung: 21. März 2008, 23:25 von Dionne »

Offline enigma

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Re: Francis Scott Fitzgerald - The Great Gatsby (Der Große Gatsby)
« Antwort #5 am: 21. März 2008, 12:56 »
Daher bin ich nun gespannt, wie er in diese Beziehung eingeflochten wird, vor allem im Bezug auf Daisy.

Hallo zusammen,

diese Beziehung scheint in der Tat im Zentrum zu stehen, in der Kurzdarstellung hinten auf dem Buchdeckel steht: "For there was only one person Jay Gatsby sought to impress. She was Daisy Buchanan ..."

Und weiter: "As Gatsby pursues shady deals and his doomed obsession with Daisy, F. Scott Fitzgerald distills the essence of the Jazz Age ..."

Den Begriff Jazz Age hat wohl Fitzgerald selber geprägt - für die Zeit zwischen dem 1. Weltkrieg und dem Börsencrash (1918-1929), und "The Great Gatsby" von 1925 ist genau mittendrin. Von wann stammt eigentlich die deutsche Übersetzung?

Ganz vorne im "Chapter I", im Absatz vor dem Sternchen, kommt Gatsby das erste mal kurz vor und es heißt von ihm:

Zitat von: Fitzgerald, TGG, p. 8
If personality is an unbroken serious of successful gestures, then there was something gorgeous about him, some heightened sensitivity to the promises of life, as if he were related to one of those intricate machines that register earthquakes ten thousand miles away.

Wie liest sich diese merkwürdige Definition von personality / Persönlichkeit auf Deutsch?

Die Sprache von Fitzgerald ist an manchen Stellen wirklich sehr schön, sehr bildlich. Die Stelle hier gefällt mir im ersten Kapitel am besten:

Zitat von: Fitzgerald, TGG, p. 14
We walked through a high hallway into a bright rosy-coloured space, fragilely bound into the house by french windows at either end. The windows were ajar and gleaming white against the fresh grass outside that seemed to grow a little way into the house. A breeze blew through the room, blew curtains in at one end and out the other like pale flags, twisting them up toward the frosted wedding-cake of the ceiling, and then rippled over the wine-coloured rug, making a shadow on it as wind does on the sea.

The only completely stationary object in the room was an enormous couch on which two young women were buoyed up as though upon an anchored balloon. They were both in white, and their dresses were rippling and fluttering as if they had just been blown back in after a short flight around the house. I must have stood for a few moments listening to the whip and snap of the curtains and the groan of a picture on the wall. Then there was a boom as Tom Buchanan shut the rear windows and the caught wind died out about the room, and the curtains and the rug and the two young women ballooned slowly to the floor.


Was mir aufgefallen ist, das ist die Vergegenständlichung der Menschen, sowie die latent schwelende Dekadenz (im ursprüglichen Wortsinne).

Ja, Du magst recht haben, mir kam es zuerst eher irgendwie umgekehrt vor, nicht gerade wie eine "Vermenschlichung von Gegenständen", aber doch so, als ob Gegenstände ein gewisses Verhalten zeigen: das stöhnende Bild, der gefangene, absterbende Wind. Mag etwas überinterpretiert sein.


Zu Beginn des zweiten Kapitels spricht Fitzgerald von "Augen, deren Anstrich lange nicht erneuert wurde" und von "düsterer Emsigkeit", die von Staubwolken verhüllt wird.

Könntest Du mal den ganzen Satz abschreiben, bitte? Ich fange nämlich gleich das zweite Kapitel an. ("gleich" heißt nicht unbedingt "heute noch" :-)

Im vorletzten Absatz der ersten Kapitels bin ich an einer Stelle hängengeblieben, die mir leichte sprachliche Schwierigkeiten macht:

Zitat von: Fitzgerald, TGG, p. 27
The wind had blown off, leaving a loud, bright night, with wings beating in the trees and a persistent organ sound as the full bellows of the earth blew the frogs full of life.

Der Satz hat es in sich.
« Letzte Änderung: 22. März 2008, 00:57 von enigma »

Offline enigma

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Zitat von: Fitzgerald, The Great Gatsby, p. 19
'Civilization's going to pieces,' broke out Tom violently. 'I've gotten to be a terrible pessimist about things. Have you read "The Rise of the Coloured Empires" by this man Goddard?'

Nein, hatte ich nicht, aber inzwischen das hier: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Rising_Tide_of_Color_Against_White_World-Supremacy

Dionne

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Re: Francis Scott Fitzgerald - The Great Gatsby (Der Große Gatsby)
« Antwort #7 am: 21. März 2008, 21:54 »
Huhu Enigma,


danke für den Hinweis bzgl. des  "Jazz Age".
Wo liegt denn der genaue Unterschied zwischen den Bezeichnungen "The Golden Twenties" und "Jazz Age"?
Zeitlich überschneidet das sich ja..

Die deutsche Übersetzung stammt von W. Schürenberg und ist 1953 erschienen, also mit deutlicher zeitlicher Distanz.

Im Deutschen wurde "personality" direkt mit "Persönlichkeit" übersetzt. Das klingt etwas windschief, finde ich. ;)
Dafür wurden aus den "machines" die "Instrumente", was ich präziser finde.

Der erste Absatz deiner Lieblingsstelle ist mir auch positiv aufgefallen. Hier kommt die Bildlichkeit wirklich sehr gut zum Vorschein.
Was ich schön finde, ist, dass Bildlichkeit hier keineswegs Blumigkeit ist, sondern diese kulturelle Dekadenz angenehm unterstreicht.

Der Satz mit den Augen und dem Anstrich lautet im Ganzen:
"Die Augen jedoch, deren Anstrich lange nicht erneuert wurde und die von Sonne und Regen etwas verblasst sind, brüten nach wie vor über der feierlichen Düsternis dieser Schutthalde".


Leider werde ich wohl erst wieder am Montag zum Weiterlesen kommen.
Bislang gefällt mir das Buch sehr gut.
« Letzte Änderung: 27. März 2008, 12:03 von Dionne »

Offline enigma

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Re: Francis Scott Fitzgerald - The Great Gatsby (Der Große Gatsby)
« Antwort #8 am: 22. März 2008, 01:08 »
Hallo Dionne,

habe gerade "Aviator" im Fernsehen gesehen, der mit einigen passenden Szenen aus den "wilden Zwanzigern", den "roaring twenties" anfing.

Würdest Du bitte die beiden Sätze ("If personality ..." und "The wind had blown off, ...") auf Deutsch mal aufschreiben? Den zweiten verstehe ich nicht ganz, und beim ersten schiene mir "instruments" zu harmlos, nüchtern, wo doch "machines" viel bedrohlicher, dunkler klingt ...

Offline enigma

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Am 24. März, Ostermontag, läuft "Der große Gatsby" von 1974 um 23:40 im Bayerischen Fernsehen.

Offline R2D2

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Re: Francis Scott Fitzgerald - The Great Gatsby (Der Große Gatsby)
« Antwort #10 am: 22. März 2008, 13:23 »
Hallo zusammen,

bin etwas eingespannt, deswegen muss ich mich kurz halten... ;-)

Wo liegt denn der genaue Unterschied zwischen den Bezeichnungen "The Golden Twenties" und "Jazz Age"?

Wie du schon festgestellt hast, meinen beide Begriffe den gleichen Zeitraum. "Jazz Age" bezieht sich vor allem auf das Lebensgefühl der jungen Generation - ihr Leben in Jazzclubs, ständige Parties, ihre Revolte gegen traditionelle Verhaltensmuster, etc. "Golden Twenties" bezieht sich nicht nur auf dieses spezielle, ekstatische Lebensgefühl sondern auch auf die wirtschaftliche und politische Situation des Amerikas der Nachkriegszeit. Der Begriff steht natürlich auch in Anlehnung an das viktorianische England, welches auch oft als "Golden Age" bezeichnet wird, wobei die schlechte soziale Situation idR ausgeklammert wird....


Gatsby - Tom

Tom und Gatsby sind selbstverständlich die Kontrahenten im Buch. Ich verrate doch nicht zuviel wenn ich sage, dass Gatsby an Toms Frau Daisy interessiert ist; sie für sich gewinnen möchte? Daisy ist Gatsbys eigentliches Lebensziel - alles was er tut, tut er in der Absicht, sie zu gewinnen. (Mehr verrrate ich besser nicht....:-))

Tom und Gatsby unterscheiden sich aber auch in ihrem Charakter komplett voneinander. Gatsby ist der "self-made man" (also die Verkörperung des amerikanischen Traums). Auch wenn er seinen Reichtum nicht auf ganz legalem Wege erhalten hat, so hat er doch tiefsitzende, ehrwürdige Wertevorstellungen.
Anders als Tom. Dieser hat seinen kompletten Reichtum geerbt. Er muss nicht arbeiten, sondern kann all seine Zeit damit verbringen, sein Geld auf den kopf zu hauen. Und er weiß, dass sein Reichtum ihm auch große Macht gibt. Das nutzt er rücksichtslos aus. Anhand von Tom schildert Fitzgerald die Dekadenz der amerikanischen Upper Class bzw. der Leisure Class, deren Vermögen und Einfluss ihr praktische Handlungsfreiheit einräumt. Das wird später im Buch sehr deutlich. Da heißt es an einer Stelle: "They were careless people, tom and Daisy - they smashed up things [...] then retreated back into their money [...] and let other people clean up the mess they had made". Sein moralischer Verfall zeigt sich aber schon im 1. Kapitel. einerseits durch die Erwähnung seine Affäre, andererseits durch seine Äußerung "civiliztion's going to pieces" und dem anschließenden Lob des Buches von einem Autor namens Goddard. Goddard ist die Verschmelzung von Grant und Stoddard - zweien sehr rassistischen amerikanischen Nationalisten. Das zeugt davon, das Tom nicht unbedingt ein Mann des Geistes ist - was ihn wiederum sehr von Gatsby unterscheidet. Seine fehlenden Intellekt ersetzt Tom durch physische Stärke. Nick beschreibt das sehr eindringlich: "It was a body capable of enormous leverage - a cruel body."
Interessante Anmerkung: In einem Brief an seinen Verleger Maxwell Perkins schrieb Fitzgerald über Tom Buchanan: "I suppose he's the best character I've ever done - I think he and [...] are the three best characters in American fiction in the last 20 years."

 
@Enigma: Was das “ If personality”-Zitat angeht, fällt mir folgendes ein. Gastby ist sehr stilvollendet und elegant in allem was er tut. Damit steht er absolut in Tradition eines Dandys á la George Brummel. Was ihn von diesem dann aber doch unterscheidet ist seine Gier nach der neuesten Mode (wird später deutlich) und seine Vorliebe für beinahe schon peinliche Anzüge... Doch genau wie der klassische Dandy, gibt sich Gatsby in seinen sonstigen Handlungen. Er ist stets der Mittelpunkt des Geschehen und dennoch umgibt ihn eine kühle Aura, die ihn unnahbar macht und die ihn letzten Endes in eine distanzierte Zuschauerrolle drängt. Ein Dandy möchte gefallen und mehr noch: auffallen. Er möchte sich aber auf keinen Fall die Blöße geben oder gar von anderen abhängig sein. Deswegen fällt es ihm schwer, soziale Bindungen zu intensivieren. Deswegen vermeidet er es auch Liebesbeziehungen einzugehen. Gatsbys Fall liegt so gesehen darin, dass er an seinem Traum (Daisy) festhält...

"Augen, deren Anstrich..."

Meine Erinnerung sagt, dieses Zitat bezieht sich auf ein überdimensionales Werbeplakat (Dr. Eckleburg) im so genannten "valley of ahses". Dieses Tal der Asche ist ein Symbol für den Verfall der Gesellschaft und der Moral; es ist das stärkste Symbol für die Dekadenz im ganzen Buch. Der auf dem Plakat abgebildete Dr. Eckleburg wacht über dieses Tal. Fitzgerald veranschaulicht hier,  das Konsum, Geldgier, Kommerzdenken - die natürlich eng mit der Idee des amerikanischen Traumes verbunden sind - in der Vernichtung enden; der amerikanische Traum erhält dadurch etwas grundlegend Amoralisches und Schlechtes. Die verblasste Farbe des Plakats verstärkt den Eindruck der Vergänglichkeit (...einst war da mal etwas, was faszinierend wirkte - doch dieser Zauber ist verflogen, abgeblättert...) 




Ich hoffe, das war einigermaßen aufschlussreich bzw. diskussionswürdig. Wie gesagt, bin ich gerade etwas eingespannt aber ich werde spätestens Montag wieder vorbei schauen...
« Letzte Änderung: 22. März 2008, 14:09 von R2D2 »

Offline R2D2

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Am 24. März, Ostermontag, läuft "Der große Gatsby" von 1974 um 23:40 im Bayerischen Fernsehen.

Mist! Den Sender empfange ich nicht....  :sauer:

Dionne

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Und ich habe keinen Fernseher, sehr schade! :(
Trotzdem danke für den Hinweis!

Dionne

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Re: Francis Scott Fitzgerald - The Great Gatsby (Der Große Gatsby)
« Antwort #13 am: 22. März 2008, 15:49 »
@R2D2
Danke für deine aufschlussreichen Gedanken und die Klärung der Begriffe "Jazz Age" und "Golden Twenties"!
Du bist indessen wahrscheinlich schon mit dem Buch durch, oder?

Interessant, dass Fitzgerald Tom zu einem der besten Charaktere erklärt.
Auch sehr aufschlussreich finde ich, dass Fitzgeralds eigener Niedergang erst nach der Veröffentlichung des "Great Gatsby" begann.
Das hat irgendwie etwas Ironisches.


@Enigma
Die deutschen Übersetzungen lauten:
1. "Wenn allerdings Persönlichkeit nur eine ununterbrochene Kette großartiger Gesten ist, dann ging von ihm etwas Strahlendes aus, eine hochgradige Empfindlichkeit für die Verheißungen des Lebens, als hätte er Kontakt mit einem jener verzwickten Instrumente, die auf zehntausend Meilen ein Erdbeben registrieren."
Ich muss dir recht geben, dass "machines" viel gewaltiger wirkt. Allerdings finde ich "Instrumente" viel feinfühliger und auf eine andere Art ebenso bedrohlich. Vielleicht, weil man "Instrumente" gerne mit dem medizinischen Bereich assoziiert und dadurch das Abhängigkeitsverhältnis stärker hervor gehoben wird. ;)

2. Das wurde relativ frei übersetzt:
"Der Wind war ganz abgeflaut. Man hörte jetzt die Geräusche der hellen Sommernacht , das Flügelschlagen in den Bäumen und den anhaltenden Orgelton der Frösche, als blase die Erde selbst mit tiefem Dröhnen ihnen neues Leben ein."
Leider muss ich sagen, dass mir die deutsche Übersetzung überhaupt nicht gefällt.
Das "loud" wurde unterschlagen und aus "beating" wurde Flügelschlagen, was der Situation ihre Naturgewalt nimmt.



Das, was R2D2 über Tom schreibt, zeigt sich sehr stark im 2.Kapitel. Gestern Abend habe ich es fertig gelesen.
Ich finde, diese Gesellschaft bei Toms Freundin erinnert sehr stark an ein Gelage, was wiederum die kulturelle Dekadenz reflektiert. Man feiert sich selbst und die vermeintliche eigene Großartigkeit. Dieses Selbstinszenieren wird noch durch den anwesenden Fotographen unterstrichen und die im Raum stehende Frage, "aus wem er noch etwas machen könne".
Überrascht hat mich allerdings, dass sich der ansonsten relativ beherrschte Erzähler ebenso von der Ausgelassenheit hat mitreißen lassen. Ich hätte von ihm eher eine distanziertere Position erwartet.
Auch erfährt man Näheres über Gatsby, nämlich, dass er wohl mit Kaiser Wilhelm verwandt sein soll. Genau weiß das allerdings keiner und ich denke, dass diese Aussage auch eher aus Neid getroffen wurde.

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Francis Scott Fitzgerald - The Great Gatsby (Der Große Gatsby)
« Antwort #14 am: 22. März 2008, 19:42 »
Die deutschen Übersetzungen lauten:
1. "Wenn allerdings Persönlichkeit nur eine ununterbrochene Kette großartiger Gesten ist, dann ging von ihm etwas Strahlendes aus, eine hochgradige Empfindlichkeit für die Verheißungen des Lebens, als hätte er Kontakt mit einem jener verzwickten Instrumente, die auf zehntausend Meilen ein Erdbeben registrieren."

"Wenn Persönlichkeit ein Zusammenspiel geglückter Gesten ist, dann hatte er etwas Zauberhaftes an sich, eine erhöhte Empfindsamkeit für die Verheißungen des Lebens, so, als wäre er mit einem raffinierten Gerät verbunden, das ein Erdbeben aus zehntausend Meilen Entfernung registriert." (Üb. Bettina Abarbanell, Diogenes 2006)

Zitat
2. Das wurde relativ frei übersetzt:
"Der Wind war ganz abgeflaut. Man hörte jetzt die Geräusche der hellen Sommernacht , das Flügelschlagen in den Bäumen und den anhaltenden Orgelton der Frösche, als blase die Erde selbst mit tiefem Dröhnen ihnen neues Leben ein."

"Der Wind war abgeflaut und einer lauten, hellen Nacht gewichen, erfüllt von Flügelschlagen in den Bäumen und einem anhaltenden Orgelton aus dem Blasebalg der Erde, der den Fröschen Leben einblies." (Üb. Bettina Abarbanell, Diogenes 2006)


Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/