Autor Thema: Haarsträubendes in der Literatur...  (Gelesen 921 mal)

Freund Hermann

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Haarsträubendes in der Literatur...
« am: 4. März 2010, 22:10 »
Um diesem unqualifizierten Beitrag etwas mehr Substanz zu verleihen: Betrachtet man sich beispielsweise Erzählungen wie solche von Kafka, scheint dort eine Auseinandersetzung mit etwas nicht in Worte zu fassendem stattzufinden. Auch jetzt bei Gogol scheinen mir die Mileuschilderungen derart überspitzt, was dann in diesen "haarsträubenden" Dialogen gipfelt, in denen Tschitschikow die Kaufverträge für die toten Seelen abschließt. Weiß zufällig jemand, weshalb in dieser Zeit in Russland soviele Leibeigene gestorben sind? Es schien sich ja alles in einem erbärmlichen Zustand zu befinden. Was vielleicht zu schildern auf dem Wege realistischer Erzählweise unmöglich war. Deshalb hier die Frage:
Kennt ihr andere Beispiele, wo über haarsträubende Zustände auf den verschiedensten Gebieten berichtet wird?

:rollen:

MfG
« Letzte Änderung: 5. März 2010, 08:26 von Freund Hermann »

Offline Gronauer

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Re: Haarsträubendes in der Literatur...
« Antwort #1 am: 5. März 2010, 08:50 »
Ja, mir fällt von Herman Melville "Weißjacke" ein, wo die Zustände in der amerikanischen Kriegsmarine in der Mitte des 19. Jahrhunderts thematisiert werden. Längere Abschnitte darin enthalten ein flammendes Manifest gegen die damals üblichen barbarischen Prügelstrafen mittels der gefürchteten "neunschwänzigen Katze" und gegen die Willkür, mit der sie verabreicht wurde. Angeblich - allerdings historisch nicht restlos verbürgt - soll dieser Roman unmittelbar dazu geführt haben, dass der Kongress die Prügelstrafen in der Marine kurzerhand verbot.

Und nochmals Melville: "Israel Potter" beschreibt recht drastisch das Elend, den Schmutz und die Armut im damaligen London - und das Unwesen der Presstrupps, die gewaltsam die Besatzungen der Kriegsschiffe rekrutierten.
« Letzte Änderung: 5. März 2010, 08:57 von Gronauer »

Freund Hermann

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Re: Haarsträubendes in der Literatur...
« Antwort #2 am: 5. März 2010, 08:53 »
Melville scheint ein interessanter Autor zu sein, so oft dieser in letzter Zeit hier genannt wurde. Werde mich demnächst einmal kundig machen.

MfG
F. Hermann

Offline Sir Thomas

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Re: Haarsträubendes in der Literatur...
« Antwort #3 am: 5. März 2010, 09:16 »
Melville scheint ein interessanter Autor zu sein, so oft dieser in letzter Zeit hier genannt wurde. Werde mich demnächst einmal kundig machen.

Du wirst es nicht bereuen, soviel sei versprochen.

Viele Grüße

Tom

Offline sandhofer

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Re: Haarsträubendes in der Literatur...
« Antwort #4 am: 5. März 2010, 20:45 »
Kennt ihr andere Beispiele, wo über haarsträubende Zustände auf den verschiedensten Gebieten berichtet wird?

Eugène Sue, Victor Hugo, Emile Zola, Karl May (ja, im Ernst!), Charles Dickens, Mark Twain ...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline finsbury

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Re: Haarsträubendes in der Literatur...
« Antwort #5 am: 6. März 2010, 10:15 »
... Feuchtwangers "Wartesaal-Trilogie" und weitere Antifa-Romane und -erzählungen wie von Kisch, Plivier, Valtin usw. Upton Sinclair: Öl! über die amerikanischen Zustände Beginn 20. Jh., desgleichen Sinclair Lewis; bei den älteren deutschsprachigen z.B Ulrich Bräkers "Der  alte Mann im Tockenburg",  und selbst in der römischen Antike findest du bei den Satirikern viele haarsträubende Zustände in der Kritik, ja man kann bis zu Äsop zurückgehen und weiter ...
Letzten Endes ist eine der wichtigsten Aufgaben der Literatur auch immer das Zeigen auf unhaltbare gesellschaftliche Zustände gewesen ...

finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)