Hallo zusammen,
1941 kam Annemarie Schwarzenbach nach Belgisch-Kongo und verweilte dort 10 Monate. Sie kam u.a. auch im "Herzen der Finsternis" an und zwar in dem Handelsposten Lisala, von wo auch das "Grauen" in Joseph Conrads Roman begann. Sie war unterwegs nach Molanda, das war insgesamt ein Weg von 1200 km den Kongo hinauf, der zu bewältigen war u.a. mit Dampfboot und Auto. Allerdings mußte sie 12 Tage in Lisala ausharren, bis sie ein Auto fand:
Es ist sehr schwer, aber man kann nicht genau sagen, warum. Es ist, daß man keinerlei Schutz hat vor der Berührung mit der nackten Erde, dem wuchernden Dschungel, dem ewigen Wasserlauf des Kongo, dem Bleidach des Himmels, der schwülen Nacht, die unmerklich in den nächsten Tag übergeht. Und der Tag gleitet auch ganz still, es wird rasch wieder dunkel, und man weiß nur, daß man müder wird. (Kleines Kongo-Tagebuch...)
Am 22. Juli 1941 fuhr sie weiter nach Molanda:
Erst als wir gleich hinter der Anhöhe von Lisala von der Waldpiste aufgenommen wurden und die düstere, feuchte, luftlose Dämmerung des Dschungels sich über uns schloß, begriff ich, in welcher unnatürlichen Bedrückung der Mensch in diesem grünen Gefängnis leben müsse - gefangen, zugedeckt, wie auf einem Meeresgrund, die Augen gefangen an den immer gleichen Wänden starrenden Grüns. (Beim Verlassen Afrikas, S. 22).
In der Zeit schreibt sie ihr wohl bedeutendstes Werk "Das Wunder des Baums" das bisher noch nicht erschienen ist.
Ich dachte, das ist vielleicht ganz interessant, da gerade über eine gemeinsame Leserunde "Herz der Finsternis" diskutiert wird. Es wird leider nichts darüber gesagt, ob sie das Buch von Joseph Conrad kannte.
Gruß
Maria