Hallo Jaqui und Sir Thomas,
auch ich lese die SZ-Ausgabe, da können wir uns ja sogar auf Einzelstellen hinweisen

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Sehr weit bin ich noch nicht, inzwischen auf S. 64.
Mir gefällt der Roman bisher sehr gut, Jaqui, und ich finde ihn auch leicht zu lesen. Allerdings hat er eine düstere, um nicht zu sagen, hoffnungslose Atmosphäre, wie du, Sir Thomas, es gut mit dem Trakl-Zitat auf den Punkt gebracht hast.
Nun, Mme. Londe erscheint mir neben der kühlen Kalkulation auch durchaus triebgesteuert, denn wie anders kann man ihre pathologische Neugier, der sie sogar ihren Geschäftserfolg unterordnet, sonst nennen? Dafür ist sie bereit, auf finanziellen geschäftlichen Erfolg zumindest zum Teil zu verzichten: Sie lässt anschreiben, um ihre Kunden zu halten und sich durch Demütigungen und Kenntnis der Hintergründe das Gefühl von Macht zu verschaffen.
Guéret dagegen, ein noch unglücklicherer Mensch. Und seine Frau, die hat mein volles Mitleid. Gerade ihre guten Seiten sind es, die ihren Mann abstoßen, ihr Fleiß, ihr Verzichten auf Vorwürfe, wenn sie sieht, dass er das nicht haben kann ... .
Glaubt ihr, dass Green es intendiert, dass man Guerét abstoßend findet, obwohl er einem auch wieder leid tut? Dieses Getriebene und gleichzeitig so Demütige gegenüber Angèle und den Grosgeorges (ein herrlich sprechender Name) ist ätzend, gleichzeitig aber so intensiv dargestellt, dass ich dennoch mit ihm fühle.
Und nun Mme Grosgeorge, eine Megäre von antiken Ausmaßen! Wie sie gleichzeitig Hauslehrer und Sohn bloßstellt und den Sohn bestraft, da läuft es mir kalt über den Rücken. Das kann Green wirklich gut: mit wenigen Attributen und Details die Persönlichkeit eines Menschen vor Augen stellen: schon allein die Beschreibung der Frisur. Sie färbt nicht - steht also selbstbewusst zu ihrem Alter und Aussehen - im Gegensatz zu Mme Londes - zeigt aber durch die Sorgfältigkeit der Frisur, dass sie alles voll im Griff hat.
Nun wurde mir gerade Ms Grosgeorge vorgestellt, und es scheint so, als wolle er Guerét mithilfe des neu gekauften Bildes (köstlich, ausgerechnet dem Genuss hingegebene Prälaten) zum Laster verführen!
Euch einen schönen Brücken- oder Arbeitstag, für mich ist er das letztere.
HG
finsbury