Hallo alle zusammen,
ich habe Eure spannende Diskussion eben erst entdeckt und den Zeitungsartikel gelesen.
Ich schiele gern mal auf Bestsellerlisten. Ich finde, was viele mögen, muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Ich sehe die als Anreiz und Vorschlag, keinesfalls als verpflichtend. Ich kaufe ohnehin selten etwas, versuche es auszuleihen, da auf den Listen gewöhnlich nur HCs stehen. Ich wüsste übrigens gern, wie viele der Bestseller auch tatsächlich von den Käufern gelesen werden.
Die verschiedenen Kanones sehe ich ählich. Es kommt immer darauf an, wer sie warum erstellt. Und vor allem, wie man damit umgeht. Sicherlich gibt es Leute, die sich sklavisch daran halten möchten, um sich gebildet fühlen zu können. Aber ist das die Mehrheit? Und kann man einen Kanon wirklich "abarbeiten"? Ich wage das zu bezweifeln. Ich muss gestehen, dass ich gern ankreuze, was ich kenne, aber damit hat sich der sportliche Ehrgeiz auch schon erledigt.

Neulich habe ich die Leseempfehlungen eines Germanisten ausgedruckt, den ich in guter Erinnerung habe. Er zählt zu den wenigen Profs, die wirklich Lust machen können auf Bücher. In der Rubrik "englische Literatur" war bei ihm u.a. Agatha Christie zu finden und unter "amerikanischer" sogar Donald Duck.
Der Aspekt des "Mitredens", fällt bei mir völlig weg. Die "Vereinsamung" (etwas übertrieben formuliert, aber im Kern wahr) kenne ich nämlich nur zu gut. Aber das bezieht sich nicht nur auf Klassiker, sondern z.B. auch auf meine Krimi-Leidenschaft. Ich habe in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass mein Hobby von Nicht-Lesern entweder als purer Luxus beurteilt wird oder ich ehrfürchtig in die Intelektuellenecke gestellt werde.
Denn oft höre ich z.B. den Satz "
Ich hätte
dafür aber keine Zeit" oder "Wie kann man nur so viele Bücher besitzen?!" (Nebenbei: Es sind gar nicht übermäßig viele, und die Hälfte davon brauche ich beruflich.) Würde ich jedes WE Berge besteigen oder stundenlang heimwerken, bekäme ich das nicht zu hören. Das wäre ja nach außen hin als Aktivität erkennbar. Ich habe nie mit meinem Bücherbestand angegeben oder mich abfällig über die Lieblingsbeschäftigungen anderer geäußert, ich hetze nicht gegen das Fernsehen oder das Internetsurfen (mache beides gern), und doch kommt es immer wieder zu solchen Reaktionen. Was glaubt Ihr: Warum haben LeserInnen immer noch ein solches Image?
Schon lange, bevor der Begriff "Literatur-Kanon" durch die Medien geisterte, fragte mich mein Schwager, der nur ganz selten ein Buch liest, was ich ihm empfehlen könne, was man denn gelesen haben sollte? Das kam von ihm ganz allein. Manche Menschen haben offenbar das Bedürfnis, in der Hinsicht ein bisschen an die Hand genommen zu werden. Aber: Was soll man antworten, wenn unvermutet an den eigenen missionarischen Eifer appelliert wird? Ich habe spontan gesagt: Homer, die Bibel, Shakespeare.
Gruß, Fevvers
@ Steffi: Kann es sein, dass die Schule Dir die Klassiker verleidet hat? Bei mir war es so. Es hat Jahre gedauert, bis ich gern Schiller oder Frisch gelesen habe. Auch ich mag am liebsten Buchhandlungen, in denen nicht nur die Autoren mit hohen Verkaufszahlen ausliegen. In der Mayer'schen Buchhandlung in Köln bspw. stand das Klassikerregal neben den TB-Neuerscheinungen, die Klassiker-Bestseller neben den TB-Bestsellern.