Halli, hallo,
Sehr weit bin ich ja noch nicht - aber einen ersten blondgelockten Jüngling habe ich schon kennengelernt.
da wären wir gleichauf, wenn du nicht inzwischen weitergelesen hast.
Ich lese also die dreibändige Ausgabe aus dem Deutschen Verlagshaus Bong & Co., die, wie giesbert freundlicherweise eruiert hat, von 1910/1912 stammt. Das kann, wenn ich Deckel- und Vorblattgestaltung so anschaue, hinkommen
. [...] Die Ausgabe bringt den vom Autor selber gekürzten Text der 5. Auflage - es scheint diese so etwas wie die Ausgabe letzter Hand gewesen zu sein, da ich keinerlei Hinweise darauf finde, dass die 6. Auflage, die Gutzkow noch erlebte, und zu der er ebenfalls noch ein Vorwort schrieb, dass diese 6. Auflage also nochmals verändert worden wäre.
Dies hat zumindest den Vorteil der näheren Zeitgenossenschaft zum Autor. Ich lese - wie wohl die meisten hier - die sehr schön aufgemachte Zweitausendeins-Ausgabe (1998, Hg. Thomas Neumann) mit eigenem Materialienband: In diesem steht vermerkt, dass auch diese Ausgabe auf derjenigen Reinhold Gensels fußt, die 1912 erschien und der wohl der Erstdruck von 1850/51 zugrundeliegt. Hier steht allerdings nichts davon, dass es zu irgendwelchen Kürzungen gekommen ist. Mein erster Eindruck nach Durchschau des Materialienbandes und Anlesens des Romans ist, dass hier ein sorgfältig edierter Text vorgelegt wurde, soweit das bezüglich des Standes der Gutzkow-Forschung möglich war.
Sue galt ja seiner Zeit als engagierter Sozialist, und seine Romane wurden weit diskutiert. (Während er heute ja den Ruf der trivialen Kolportage hat.) Sue und seine Romane scheinen so etwas wie eine Vorbildfunktion für Gutzkow gehabt zu haben. Die "titanischen" Figuren hingegen scheinen mir auf Jean Paul hinzudeuten.
Mal schauen ... Im Moment habe ich einen blondgelockten Jüngling, der eine alte Tempelherren-Kirche in sein Notizbuch zeichnet ...
Ich las das Vorwort von Pfingsten 1850, das meiner Ausgabe beigegeben ist, hatte danach aber nicht den Eindruck, dass Gutzkow Sue in jedem Sinne als Vorbild sieht. Vielleicht inhaltlich insofern, als er auch einen Querschnitt durch die Gesellschaft legen will und sozialkritisch ist, aber er betont mehrmals, dass sein überbordender Roman kein Tribut an die relativ neuen Möglichkeiten des Fortsetzungsromans in Zeitungen und damit an den Geldbeutel ist, sondern dass er gar nicht anders kann, wenn er sein thematisches Ziel verwirklichen will.
Auch hatte ich den Eindruck, dass er den Rezensenten und auch Lesern den Wind der Kritik ein wenig aus den Segeln nehmen will, da er wohl selbst den Eindruck hat, etwas über das Ziel hinausgeschossen zu sein.
Mal sehen, wie es nun weitergeht: Der Anfang ist schön breit und gemütlich angelegt und von der Personenkonstellation tatsächlich ein wenig "Jean Paulisch".
Nun schau ich mal, dass ich ein wenig vorankomme.
HG
finsbury
@ BigBen,
danke für die Einrichtung des Materialienthreads!