Autor Thema: Juni 2008 - Th. Mann: Der Tod in Venedig  (Gelesen 19355 mal)

Offline thopas

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Juni 2008 - Th. Mann: Der Tod in Venedig
« am: 14. Juni 2008, 11:40 »
Hallo zusammen,

ich eröffne schon mal den Thread für unsere morgen startende Leserunde.

Der Tod in Venedig war bei mir einst Schullektüre (anno 1993), deshalb habe ich auch eine entsprechend alte Ausgabe, die sogar mit Bleistiftnotizen versehen ist (allerdings nicht besonders ausführlich...). Auf die Angabe von Seitenzahlen werde ich dann wohl besser verzichten  :smile:.

Ich freue mich schon auf unsere gemeinsame Lektüre und auf viele interessante Diskussionen.

Viele Grüße
thopas

Offline thopas

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Juni 2008 - Th. Mann: Der Tod in Venedig
« Antwort #1 am: 14. Juni 2008, 11:52 »
Hallo zusammen, ich habe für den Start schon mal ein paar Links zusammengesucht.


Zu Thomas Mann:

Das Thomas-Mann-Portal (www.thomasmann.de)

Thomas Mann (Wikipedia)


Noch ein paar weitere Wikipedia-Artikel:

Die Familie Mann

Der Tod in Venedig

Die Verfilmung von Luchino Visconti (1971)

Dekadenzdichtung


Viele Grüße
thopas

Offline Telemachos

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Re: Thomas Mann - Der Tod in Venedig
« Antwort #2 am: 14. Juni 2008, 13:40 »
Ich freue mich auch schon. Ich habe die Novelle auch schonmal gelesen, allerdings ist vieles verschütt gegangen, sodass ich relativ "unbefleckt" lesen kann.

Danke übrigens schonmal für die Links bei den Materialien.

Offline picco

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Re: Thomas Mann - Der Tod in Venedig
« Antwort #3 am: 14. Juni 2008, 15:58 »
So, ich bin auch bereit. Ich habe heute die Fischer-Taschenbuchausgabe gekauft. Und jetzt bin ich mal gespannt, ob mir das gemeinsame Lesen Spaß macht.
Von Thomas Mann habe  ich bisher nur die 'Buddenbrooks' und den 'Zauberberg' gelesen. Beides ist schon ewig her und ich erinnere mich nur noch schemenhaft.
Das Buch, wenn es zugeklappt daliegt, ist ein gebundenes, schlafendes, harmloses Tierchen, welches keinem etwas zuleide tut. Wer es nicht aufweckt, den gähnt es nicht an. Wer ihm die Nase nicht gerade zwischen die Kiefer steckt, den beißt es auch nicht.
Wilhelm Busch

Offline thopas

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Re: Thomas Mann - Der Tod in Venedig
« Antwort #4 am: 14. Juni 2008, 19:04 »
Schön, daß du das Buch noch rechtzeitig bekommen hast, picco. Ich habe die Buddenbrooks vor ca. 10 Jahren mal gelesen, den Zauberberg habe ich auch mal in Angriff genommen (da war ich, glaube ich, noch auf der Schule) aber nach der Hälfte dann abgebrochen. Den möchte ich auf jeden Fall irgendwann nochmal ganz lesen...

Aber jetzt steht ja erst mal Der Tod in Venedig auf dem Plan  :smile:.

Viele Grüße
thopas

Offline Evelyne Marti

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Re: Thomas Mann - Der Tod in Venedig
« Antwort #5 am: 15. Juni 2008, 01:50 »
Hallo zusammen

Ich hab mir vor nicht allzu langer Zeit die Gebundene Fischer-Ausgabe gekauft. Die Novelle beginnt auf Seite 9 und endet mit Seite 139. Stimmt das mit der Fischer-Taschenbuchausgabe überein?
« Letzte Änderung: 15. Juni 2008, 01:52 von Evelyne Marti »

Offline Sir Thomas

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Re: Juni 2008 - Th. Mann: Der Tod in Venedig
« Antwort #6 am: 15. Juni 2008, 09:11 »
Hallo, thopas,

vielen Dank für die Materialsammlung.

Zum Thema "Dekadenzliteratur" habe ich eine Ergänzung. Mario Praz, ein italienischer Anglist, hat in den 30er Jahren ein interessantes Buch mit dem Titel "Liebe, Tod und Teufel - Die schwarze Romantik" geschrieben. Darin stellt er die These auf, dass die Dekadenzliteratur der Höhepunkt einer Entwicklung war, die mit Miltons "Lost Paradise" (und dessen "Sympathy for the Devil") begann und über Autoren wie de Sade, die Spätromantiker (Lord Byron, E. A. Poe, E.T.A. Hoffmann) und Baudelaire zu den eigentlichen Décadents des Fin de siècle (J.K. Huysmans, O. Wilde, T. Mann) führte. Gemeinsame Klammer all dieser so unterschiedlichen Autoren sei die Beschäftigung mit den morbiden und z.T. lasterhaften Nachtseiten der menschlichen Seele. Auch Todessehnsucht und der Tod selbst (der als Versuchung in unterschiedlicher Gestalt daherkommt) sind Praz zufolge wichtige Dekadenz-Motive.

Abgesehen davon, dass ich den geistigen Volten des Herrn Praz nicht immer zu folgen vermochte, finde ich seine These interessant genug, um sie hier kurz zu erwähnen.

Viele Grüße und einen schönen Sonntag!

Sir Thomas     

Offline picco

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Re: Thomas Mann - Der Tod in Venedig
« Antwort #7 am: 15. Juni 2008, 09:14 »
Hallo Evelyne,

Die Novelle beginnt auf Seite 9 und endet mit Seite 139. Stimmt das mit der Fischer-Taschenbuchausgabe überein?

Ja, genau wie im Taschenbuch.

LG
picco
Das Buch, wenn es zugeklappt daliegt, ist ein gebundenes, schlafendes, harmloses Tierchen, welches keinem etwas zuleide tut. Wer es nicht aufweckt, den gähnt es nicht an. Wer ihm die Nase nicht gerade zwischen die Kiefer steckt, den beißt es auch nicht.
Wilhelm Busch

Offline thopas

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Re: Juni 2008 - Th. Mann: Der Tod in Venedig
« Antwort #8 am: 15. Juni 2008, 10:46 »
Hallo Sir Thomas,

vielen Dank für den Hinweis, das klingt ganz interessant. Von Mario Praz habe ich einmal ein Essay gelesen, das in meinem Penguin-Band "Three Gothic Novels" enthalten war. Die Gothic Novels behandlen ja auch Themen, wie den Tod und die Nachtseite der menschlichen Seele. Ich werde mich mal nach dem Buch umsehen.

Viele Grüße
thopas

Offline thopas

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Re: Thomas Mann - Der Tod in Venedig
« Antwort #9 am: 15. Juni 2008, 11:09 »
Hallo Evelyne,

Die Novelle beginnt auf Seite 9 und endet mit Seite 139. Stimmt das mit der Fischer-Taschenbuchausgabe überein?

Ja, genau wie im Taschenbuch.

LG
picco

Dann ist meine Ausgabe wohl doch nicht so verschieden (obwohl sie ein kleineres Format hat). Bei mir geht der Text von Seite 9 bis 140.

Mir gefällt der Anfang der Erzählung immer ganz gut; wie Aschenbach zum Aumeister spazieren geht (übrigens auch heute noch ein schöner Biergarten am nördlichen Ende des Englischen Gartens) und dann vor dem Eingang zum Nordfriedhof auf die Straßenbahn wartet. Dabei ist mir wieder eingefallen, daß ich noch nie auf dem Nordfriedhof war, obwohl ich doch über 25 Jahre in München gewohnt habe. Beim nächsten München-Besuch muß ich da mal hinschauen...

Das erste Kapitel ist ja schon sehr symbolträchtig. Und es enthält auch schon die "Leitfigur", den Todesboten, in Gestalt des Wanderers. (Schade, daß ich mir damals bei der Schullektüre nicht mehr Notizen gemacht habe...)

Beim zweiten Kapitel hingegen tu ich mir jedesmal schwer. Da lese ich dann drüber und habe nachher nicht viel verstanden. Irgendwie wird das nie besser, egal wie oft ich Der Tod in Venedig lese. Aber danach wird es ja Gott sei Dank wieder handlungsorientierter  :smile:.

Viele Grüße
thopas

Offline Sir Thomas

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Re: Thomas Mann - Der Tod in Venedig
« Antwort #10 am: 15. Juni 2008, 12:31 »
Beim zweiten Kapitel hingegen tu ich mir jedesmal schwer.

Hallo, thopas,

das zweite Kapitel dient hauptsächlich der Charakterisierung und Beschreibung Aschenbachs, der - so habe ich gelesen - nach dem Wiener Komponisten und Operndirektor Gustav Mahler modelliert sein soll.

Aschenbach wird uns als preußischer Pflichtmensch mit calvinistischem Arbeitsethos vorgestellt. Ein großer Geist, der weniger durch Genialität als durch hartes Ringen Ergebnisse erzielt. Wieviel Thomas Mann in Aschenbach enthalten ist, wird seit knapp einem Jahrhundert immer wieder gefragt.

Ich kann leider mit Euren Seitenangaben (und Ihr mit den meinigen) nichts anfangen, weil ich die zweibändige Ausgabe sämtlicher Erzählungen T. Manns als Grundlage nutze.

Eine Sache, die mir sofort auffiel, möchte ich Euch nicht verschweigen: "Der Tod in Venedig" ist eine der meist analysierten deutschen Novellen, weshalb es mir schwer fällt, einen neuen und originellen Gedanken zu entwickeln. Ich habe das Gefühl, bislang ausschließlich Bekanntes wiederkäuen zu können.

Wie geht es Euch diesbezüglich?

Viele Grüße

Sir Thomas

Offline Sir Thomas

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Re: Juni 2008 - Th. Mann: Der Tod in Venedig
« Antwort #11 am: 15. Juni 2008, 12:34 »
... Ich werde mich mal nach dem Buch umsehen.

Hallo, thopas,

es ist nicht einfach, an dieses Buch zu kommen. Ich habe einige Internet-Versandantiquariate "abklappern" müssen, bevor ich erfolgreich war. Und rabenteuer war es auch!

Viele Grüße

Sir Thomas

Offline Evelyne Marti

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Re: Juni 2008 - Th. Mann: Der Tod in Venedig
« Antwort #12 am: 15. Juni 2008, 12:45 »
Hallo zusammen

Ich schlage vor, wir wenden uns erstmal dem 1. Kapitel zu. Sekundärliteratur kann man ja immer noch an den passenden Stellen einflechten. Mich interessiert vor allem die Werkimmanenz und unsere literarischen, geisteswissenschaftlichen und empirischen Assoziationen zum Werk.

Offline thopas

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Re: Juni 2008 - Th. Mann: Der Tod in Venedig
« Antwort #13 am: 15. Juni 2008, 12:48 »
... Ich werde mich mal nach dem Buch umsehen.

Hallo, thopas,

es ist nicht einfach, an dieses Buch zu kommen. Ich habe einige Internet-Versandantiquariate "abklappern" müssen, bevor ich erfolgreich war. Und rabenteuer war es auch!

Viele Grüße

Sir Thomas

...das habe ich inzwischen auch schon festgestellt, nachdem ich mal bei Amazon vorbeigeschaut habe. Alles vergriffen, egal ob auf deutsch oder englisch. Ich werde das Buch mal auf meine geistige Liste setzen und falls es sich mal zufälligerweise auftut, dann zugreifen  :smile:.

Viele Grüße
thopas

Offline thopas

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Re: Thomas Mann - Der Tod in Venedig
« Antwort #14 am: 15. Juni 2008, 12:54 »
Eine Sache, die mir sofort auffiel, möchte ich Euch nicht verschweigen: "Der Tod in Venedig" ist eine der meist analysierten deutschen Novellen, weshalb es mir schwer fällt, einen neuen und originellen Gedanken zu entwickeln. Ich habe das Gefühl, bislang ausschließlich Bekanntes wiederkäuen zu können.

Wie geht es Euch diesbezüglich?

Das ist mir auch aufgefallen. Man muß ja bloß auf die Wikipedia-Seite zum diesem Buch schauen und schon bekommt man alles fertig serviert und analysiert. Vielleicht hätten wir zum Thema "Dekadenz" doch eine andere Erzählung von Thomas Mann auswählen sollen...

Aber einige hier in der Leserunde kennen die Erzählung, glaube ich, noch nicht. Warten wir einfach mal ab, was sich ergibt.

Viele Grüße
thopas