Hallo zusammen!
Lese mit regem Interesse eure Kommentare. Bin jetzt durch mit dem Buch und frage mich, warum keiner von euch das Offensichtlichste anspricht, Mahlkes "Kennzeichen", diesen "fatalen Knorpel", seinen "Hüpfer", sein "Wappentier", die "Maus" ... Natürlich ist Mahlkes riesiger Adamsapfel nur ein vordergründiges Symbol, hinter dem sich was weiss ich nicht was verbirgt. Aber solange ich keine besseren Erklärungen finde, möchte ich mich einfach mal ans Sichtbare halten:
Da ist ein 14-jähriger Junge im Deutschland der Kriegsjahre, der einen riesigen entstellenden Kehlkopf mit sich rumschleppt unter dem er ungeheuer leidet. Originalton Mahlke:
"Konnte mich einfach nicht an das Ding da gewöhnen. Dachte, das ist eine Art Krankheit ..." Um von diesem Kainsmal abzulenken trägt er alles mögliche am Hals: Ketten, Medaillons, einen Schraubenzieher an einem Schnürsenkel ... Später versucht er es mit Krawatten, Schals, überdimensionierten Broschen ... - vergeblich. Alles, um
"von einem Leid abzulenken", von einem körperlichen Makel, von dem er glaubt,
"keine Schwärze vermag diese ausgewachsene Frucht zu schlucken, jeder sieht ahnt fühlt sie, möchte sie greifen ..." Als ein hochdekorierter ehemaliger Abiturient an die Schule zurückkehrt um einen Vortrag zu halten, "den begehrten Bonbon am Hals", glaubt Mahlke die Lösung zu seinem Dilemma gefunden. Zunächst entmutigt:
"Jetzt müssen sie schon vierzig runterholen, wenn sie das Ding haben wollen. Ganz zu Anfang [...] bekamen sie es schon, sobald sie zwanzig - wenn das so weitergeht?", ergreift er die erste sich bietende Gelegenheit und klaut sich seinen Orden einfach. Und zum ersten Mal hat sein Hüpfer
"ein genaues Gegengewicht gefunden. Still schlief er unter Haut [..], denn was ihm guttat und sich ausgewogen kreuzte, hatte Vorgeschichte, wurde schon anno achtzehnhundertdreizehn, da man Gold für Eisen gab, vom guten alten Schinkel als Blickfang und mit klassizistischem Formgefühl entworfen."Aus unbekannten Gründen aber stellt sich der Dieb selbst und wird prompt von der Schule verwiesen. Er meldet sich freiwillig, arbeitet sich zum Helden hoch und kehrt Jahre später - jetzt
"ohne Maus: denn er hatte den besonderen Artikel am Hals" - in seine ehemalige Lehranstalt zurück. Im Triumph, wie er glaubt, sein Makel getilgt, bereit als Vorbild vor versammelter Schulmannschaft ein Referat zu halten. Aber der Direktor zeigt sich unnachsichtig und lässt ihn abblitzen. Was er nicht verkraftet und woran er zerbricht: Selbstmord? Ertrunken? Untergetaucht? (
"Wenn dieser Winter doch bald vorbei wäre - ich will wieder tauchen und unter Wasser sein.")
Eine solche Zusammenfassung des Geschehens lässt natürlich vieles - zu vieles - aussen vor, vor allem auch die Rolle des Erzählers, von Pilenz. Aber momentan fällt mir nicht viel Besseres dazu ein. Zuviele Fragen wirft der Text auf und keine Antworten in Sicht ... -
Habe bisher viel Gewinn aus euren Gedanken gezogen und bin gespannt, was euch sonst noch so einfällt.
Gruss
riff-raff
P.S.:
In dem Fall scheint es mir kein Adjektiv, sondern ein Verb zu sein, dessen Personalpronomen (ich) weggekürzt ist.
Manchmal sehe ich vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr ... Danke!
