Autor Thema: Orhan Pamuk - Rot ist mein Name  (Gelesen 8460 mal)

Offline Steffi

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Re: Orhan Pamuk - Rot ist mein Name
« Antwort #15 am: 2. August 2008, 14:41 »
Hallo Maria !

Ja, die Münze fand ich doch auch überaus ... interessant  :breitgrins: Ich musste eine gewisse Stelle meinen Kindern vorlesen, die verdrehten die Augen und meinten: "Was du wieder liest !"  :breitgrins:

In den nächsten Kapiteln, finde ich, bleibt die Geschichte etwas auf der Stelle - wie du schreibst, man lernt die Personen näher kennen und auch, wie hoch der Stellenwert des" richtigen" Bildes ist.

Seküre ist mir recht unsympathisch bzw. ihre Motive kann ich nicht richtig nachvollziehen, auch das "Spiel" zwischen ihr und Kara scheint sich doch deutlich von westlichen Gepflogenheiten zu unterscheiden.

Nun bin ich wieder beim Mörder angekommen - es könnte brenzlig für den Oheim werden (Kapitel 29). Die Farbe Rot kommt auch mal wieder vor - immer wieder wird auf die Bedeutsamkeit hingewiesen.
Etwas irritiert mich aber immer - ich kann mir nämlich einfach den Winter nicht vorstellen; jedesmal wenn erzählt wird, dass es schneit, zucke ich innerllich zusammen - für mich spielt das ganze irgendwie im Sommer. Vielleicht kann ich mir Istanbul einfach nicht kalt vorstellen, obwohl ich noch nie dort war.

Gruß von Steffi
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Offline JMaria

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Re: Orhan Pamuk - Rot ist mein Name
« Antwort #16 am: 2. August 2008, 19:42 »
Seküre ist mir recht unsympathisch bzw. ihre Motive kann ich nicht richtig nachvollziehen, auch das "Spiel" zwischen ihr und Kara scheint sich doch deutlich von westlichen Gepflogenheiten zu unterscheiden.

Nun bin ich wieder beim Mörder angekommen - es könnte brenzlig für den Oheim werden (Kapitel 29). Die Farbe Rot kommt auch mal wieder vor - immer wieder wird auf die Bedeutsamkeit hingewiesen.
Etwas irritiert mich aber immer - ich kann mir nämlich einfach den Winter nicht vorstellen; jedesmal wenn erzählt wird, dass es schneit, zucke ich innerllich zusammen - für mich spielt das ganze irgendwie im Sommer. Vielleicht kann ich mir Istanbul einfach nicht kalt vorstellen, obwohl ich noch nie dort war.

Gruß von Steffi

Hallo Steffi,

mir fiel auch auf wie orientalisch die Erzählweise ist, besonders wenn Seküre und Ester erzählen. Nicht immer leicht ihre Denkweise zu verstehen.

Winter und Schnee in Istanbul:
auch so ein Element (Schnee) das so unwirklich ist, so traumhaft wirkt. Wenn der Schnee schmilzt sind alle Spuren weg oder wenn es neu draufschneit, wie z.B. auf Seküres Schritte, dann sind sie nicht mehr zu sehen. Wie schnell Schnee auch dreckig aussehen kann, wenn es matschig wird, richtig eklig - wie ein Mord.

Also beim Stichwort "Schnee" geht die Fantasie mit mir durch  :rollen:

ein Satz hat mich beeindruckt, zu finden im Kapitel 28 "Sie werden mich Mörder nennen":
Allahs ist der Osten wie der Westen. Allah bewahre uns vor dem Wunsch, rein und unvermischt zu sein.

Gruß
Maria
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Offline JMaria

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Re: Orhan Pamuk - Rot ist mein Name
« Antwort #17 am: 8. August 2008, 12:09 »
Hallo Steffi

oh ich bangte mit dem Oheim und hoffte er könnte sich "herausreden". Am Ende war ich genauso bestürzt wie er, als der Mörder ihm mit dem Gefäß den Kopf einschlag.
 
Gut plaziert, in der Mitte der Geschichte, stellt sich "Rot" selbst vor. Dass es das Blut ist, habe ich bereits vermutet. Wie beschreibt man die Farbe Rot? Die Erklärungen in diesem Kapitel orientierten sich mehr in die orientalische Richtung und der dazugehörigen Zeit in der der Leser sich befindet. Wie würde man heute die Farbe Rot beschreiben? Ich bin ratlos, vielleicht auch fantasielos um die Farbe "Rot" zu beschreiben.

Seküre hat ihre Gründe, den Leichnam zu verstecken, obwohl noch nicht fest steht, wielange sie das machen möchte. Ich bin gespannt ob es Kara schafft, bis zum Abend die Auflösung von Seküres Ehe zu bewerkstelligen.

Ich komme zum 33. Kapitel.

Schöne Grüße
Maria

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Offline Steffi

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Re: Orhan Pamuk - Rot ist mein Name
« Antwort #18 am: 9. August 2008, 10:24 »
Hallo Maria !

Zitat
Gut plaziert, in der Mitte der Geschichte, stellt sich "Rot" selbst vor.
Ja, diese gesamte Komposition finde ich sehr ansprechend.

Ich war dann auch etwas erstaunt, vor allem von der Gewalt, sie sich da entlud. Diesen Konflikt hätte ich nicht so stark eingeschätzt.

Die Hochzeit passiert ganz im Stil eines orientalischen Märchens - wieder einmal stehen die Männer eher unbeholfen und ganz von ihren Gefühlen geleitet da und die Frauen lenken mit kühlem Verstand die ganze Sache. Dabei fällt mir ein, die Geschichten werden doch in den Kaffeehäusern erzählt, Frauen hatten da soch keinen Zutritt, oder ? Sie sind also evtl. gar nicht mit dem ganzen Geschichten-Gefühls-Kram belastet ?

Ich komme zu Kapitel 36.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline JMaria

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Re: Orhan Pamuk - Rot ist mein Name
« Antwort #19 am: 11. August 2008, 11:03 »
Hallo Steffi,

vermutlich waren die Frauen praktischer veranlagt und keine Zeit sich Geschichten anzuhören. Vielleicht gab es auch in privatem Raum treffen von Frauen. Das Geschichtenerzählen liegt den Orientalen ja im Blut.

Der Oheim sieht von oben seine Beerdigung und Allah zeigt ihn sozusagen verschiedene "Perspektiven", je weiter sich der Oheim entfernt, desto mehr überlagern sich die Ereignisse seines Lebens und er sieht alles auf einmal. Seine Angst wegen der heidnischen, der westlichen Sichtweise wird ihm genommen:

Kapitel 37:
Der Osten wieder Westen, beide sind mein

sehr effektiv wie der Autor den Glaubenskonflikt aus dem Blickwinkel der Buchmalerei zeigt und natürlich immer wieder die Farbe rot.

in diesem Satz (Kapitel 37) erklingt eine Weisheit:
... begreift man, welch ein knappes Hemd das Leben ist.

Wie wahr.

Ich komme zum 40. Kapitel.

Schöne Grüße
Maria
« Letzte Änderung: 11. August 2008, 11:06 von JMaria »
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Offline Steffi

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Re: Orhan Pamuk - Rot ist mein Name
« Antwort #20 am: 23. August 2008, 16:23 »
Hallo Maria !

Ich bin heute fertig geworden.

Die Mörderhatz war am Ende doch noch spannend und letztendlich nicht so überraschend. Naja, ein paar Überraschungsmomente gab es doch. Insgesamt ein runder Abschluss, wobei ich ja zwischenzeitlich nicht geglaubt hätte, dass Pamuk noch die Kurve kriegt und alles zusammenführt. Für mich jedenfalls bleiben keine und doch so viele Fragen offen, nein, eher das Gefühl, dass er eine unbeschreiblich reiche Kultur beschreibt, die nicht an dem Wunsch nach westlicher Anpassung scheitern sollte.

Für mich war es ein sehr interessanter und aufschlußreicher Blick nach Osten ! Faszinierend auch durch die Struktur und Erzählweise des Buches, die neben der Geschichte das Thema wunderbar ergänzten und vorführten. Und das Thema wurde ja wirklich von allen Seiten beleuchtet und betrachtet und erklärt.

Gruß von Steffi
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Offline JMaria

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Re: Orhan Pamuk - Rot ist mein Name
« Antwort #21 am: 1. September 2008, 14:22 »
Hallo Steffi,

ich bin nun ebenfalls durch. Die Auflösung war unspektakulär, doch gab es einige Überraschungselemente. Hasan war sicher der Held für die Söhne Seküres.
Die Erzählkunst, das orientalische darin, hat mir gut gefallen. Am Ende hat mich dann überrascht, dass Seküre es Orhan (!) erzählte, mit der Absicht, dass er es irgendwann niederschreibt.  :breitgrins:

mir hat das Buch viel gegeben. Das ist ein Schriftsteller der noch zu erzählen weiß und etwas zu erzählen hat.

es war schön mit dir in dieser Leserunde.
bis dann
Maria

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