Mittlerweile habe den Kampf ums Dasein hinter mir gelassen

Die Erörterung der Begriffe und deren Unklarheiten am Anfang von Kapitel 2 tut gut, denn ich kam wirklich im ersten ins schwimmen weil sich die Begriffe nicht richtig abgrenzen ließen. Es lässt sich nun auch gut verstehen, warum Darwin mit der Diskussion der Züchtung beginnt. Da er wenig belegbare Beispiele für den Einfluss des Daseinskampfes auf die Entwicklung zur Verfügung hat, sucht er mehr nach Analogien um seine Hypothesen aufzustellen. Teilweise ließt sich das wie Vorschläge für Forschungsarbeiten. Er hätte an einer Uni bestimmt eine große Horde von Schülern beschäftigen können.
Einerseits bin ich erstaunt, wie viel die Naturforscher zu dieser Zeit schon untersucht haben, andererseits zeigt der Text auf, wie wenig das noch ist. Eine Auswirkung von Darwins Buch könnte sein, dass nun die Forscher einen Leitfaden zur Verfügung haben, der ihnen bei ihren spezifischen Untersuchungen vorzeichnet auf was sie besonders zu achten haben. Die Biologie hat quasi damit die Wechselwirkung zu einem Kernthema gemacht. Gefährlich, wenn man sich auf vorgegebene Pfade beschränkt, deshalb ist die Kritikfähigkeit in der Wissenschaft noch immer die Eigenschaft die mit an erster Stelle stehen sollte.
Zu Beginn des dritten Kapitels findet er richtig poetische Sätze. Ich sehe ihn da in seinem bequemen Sessel am Fenster sitzen, mit dem Schreibbrett über den Armlehnen. Soweit ich mich noch an eine Biografie über ihn erinnere, war das sein bevorzugter Schreibplatz.
Nun habe ich mich eingelesen und hoffe in den nächsten, ziemlich ausgefüllten Wochen, einige zusammenhängende Stunden für Darwin abzwicken zu können in denen mir nicht ständig die Augenlider herunterklappen
Das Buch hätte eine kommentierte Ausgabe verdient. Es gibt doch so viel arbeitslose Biologen, die kann man doch dafür ausbeuten
Die meisten können allerdings leider nicht schreiben. Was Darwin hingegen durchaus konnte
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Das Biologen bzw. Naturwissenschaftler nicht schreiben können halte ich für ein unangemessenes Vorurteil. Wer sich einmal amerikanische Lehrbücher anschaut, findet spannende, didaktisch gut aufbereitete Texte, und ich möchte nur die Bücher von Mayr erwähnen, die auch gehobenen sprachlichen Ansprüchen gerecht werden.
Wenn ich dagegen an den Kommentarband zum "Zauberberg" oder die Kommentare zum "Ulysses" denke, finde ich bei naturwissenschaftlichen Sachbüchern häufig mehr Einfühlungsvermögen für die Leser (allerdings auch nicht immer).
EIn Kommentarband zum "Ursprung der Arten" dürfte deutlich umfangreicher sein als das Buch selbst. Jedenfalls ist er überfällig!