Autor Thema: Oktober 2008 - Homer: Die Odyssee  (Gelesen 16220 mal)

Nautilus

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #75 am: 2. November 2008, 13:04 »
Zitat von: Achim
Ich springe noch einmal zum 9. Gesang: War überrascht von der Brutalität, mit der man bei den Kikonen vorging. War das noch die Verrohung durch den Trojanischen Krieg?

Das war wohl eher die Norm.

Zitat von: Achim
Interessant auch die manchmal fast "aggressive" Form der Gastfreundschaft: Es wird damit gerechnet, dass Nestor schwer verärgert ist, dass Telemachos in Pylos keinen Stop einlegt.

Das kennt man auch heute noch. "Wollt Ihr wirklich schon gehen?" usw. :evil:

Zitat von: Lost
Wieder sehr detaillierte Beschreibungen von Nebensächlichkeiten und Wiederholungen, stückweise mit denselben Worten. Kann das der mündlichen Erzähltradition zugerechnet werden?

Ja. Die Verwendung von fertig vorformulierten Versen oder Versteilen sowie die Wiederholungen gaben dem Sänger Zeit, sich die nächsten Verse zurechtzulegen.

Offline Schweitzer

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #76 am: 2. November 2008, 14:24 »
@ Lost

Wie alt bist Du eigentlich? Praktisch jeder Satz von Dir zeigt, daß Du mit massivsten Verständnisproblemen zu kämpfen hast.
Vielleicht hilft es Dir ja bei der Lektüre daran zu denken, daß Homer und die Menschen der Bronzezeit weder einen schlechteren Charakter hatten, noch dümmer waren als wir. Was Du hier alles so schreibst ist manchmal wirklich schwer erträglich.

Offline Lost

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #77 am: 2. November 2008, 17:23 »
@ Lost

Wie alt bist Du eigentlich? Praktisch jeder Satz von Dir zeigt, daß Du mit massivsten Verständnisproblemen zu kämpfen hast.
Vielleicht hilft es Dir ja bei der Lektüre daran zu denken, daß Homer und die Menschen der Bronzezeit weder einen schlechteren Charakter hatten, noch dümmer waren als wir. Was Du hier alles so schreibst ist manchmal wirklich schwer erträglich.

@ Schweitzer

Ich lese nicht nur zu meinem Vergnügen, aber hauptsächlich! Ich habe weder die Kenntnisse, noch die Absicht den Altphilologen ihre Forschungsergebnisse nachzubeten. Wenn mir etwas bedeutsam erscheint, stelle ich Fragen oder schlage das nach. Ich lasse mich auch gerne korrigieren. Die Odyssee lese ich aber nicht als Sachbuch, und mit meinen Gedanken, die mir beim lesen kommen, beanspruche ich keine Allgemeingültigkeit. Falls dir das nicht erträglich ist, dann nimm es einfach als Altersstarrsinn und ignoriere es.
Lass aber bitte die Pöbeleien!

Das ist mein Schlusswort zu der Angelegenheit, die uns beide betrifft.

Offline Jaqui

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #78 am: 2. November 2008, 18:31 »
@Lost: Ich bleibe dran und wenn ich fertig bin, gibt es von mir sicher eine Rezension.  :winken:

Katrin

Nautilus

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #79 am: 2. November 2008, 19:54 »
15. Gesang
Kurz bevor Telemach Pylos verlässt, bekommt er noch einen neuen Mitreisenden: Theoklymenos, einen Mörder, Flüchtling und Seher. Anscheinend möchte er von Telemach aufgenommen werden. Ich vermute, nicht als Gast, sondern um seine Dienste als Seher anzubieten, weil man im 17. Gesang erfährt, dass das bei Sehern üblich war. Jedenfalls ist von Gastfreundschaft nicht die Rede, und Theoklymenos spricht Telemach als „mein Hausherr“ an. Aber Telemach empfiehlt ihm, sich an Eurymachos zu halten, einen der (weniger unangenehmen) Freier Penelopes. Erst in Ithaka ändert er seine Meinung, als Theoklymenos ein Zeichen der Götter so deutet, dass die Familie Odysseus‘ für immer auf Ithaka herrschen wird. Da gibt Telemach Theoklymenos einem Freund mit, um ihn später in sein Haus zu nehmen, wenn er von Eumaios zurück ist.
Das „Zeichen der Götter“: Ein Habicht mit einer Taube im Schnabel fliegt vorbei. Hm, wie kann man das so deuten, wie Theoklymenos es tut? In Sparta gab es ein ähnliches Zeichen (Ein Adler mit einer Gans im Schnabel flog vorbei). Helena hat den Adler als Odysseus gedeutet, der die Freier (Gans) tötet. Das lässt sich noch nachvollziehen. Man kann leicht den Eindruck bekommen, dass Theoklymenos sich vor allem beim Telemach beliebt machen will.

Sonderbarerweise wird die Rückfahrt Telemachs nach Ithaka nicht beschrieben. Man erfährt nicht, wie sein Schiff an den Freiern vorbeikommt, die ihm auflauern.

Auch Eumaios hat ein bewegtes Leben hinter sich. Eigentlich der Sohn des Königs von Ortygia ist er als Kind entführt worden, und Laertes hat ihn gekauft und aufgezogen. Warum hat er nicht versucht, zu seinem Vater zurückzukommen? Warum hat Laertes ihm nicht dabei geholfen? Eumaios‘ Vater hätte ihm doch sicher den Kaufpreis zurückerstattet.

16. Gesang
Eumäus empfiehlt Telemach den Fremden (Odysseus) als Schützling. Telemach will ihm ein neues Gewand geben. Das deutet wieder eher auf ein Dienstverhältnis hin als auf Gastfreundschaft. Jetzt bemerkt man erst die Freundlichkeit der Phäaken, denn als Odysseus zu ihnen kam, war er auch nur ein armer Fremder, der nichts hatte, und er wurde trotzdem als Gast aufgenommen.
Odysseus gibt Telemach einen Rat: Er würde gegen die Freier kämpfen, auch wenn er dabei umkäme, aber sie nicht weiter im Haus dulden.

Odysseus gibt sich Telemach zu erkennen. Telemach will es erst nicht glauben. Viele Tränen. Dann erörtern sie die Lage.

Es sind nicht weniger als 108 Freier im Haus Odysseus‘.

Die Freier sind enttäuscht, dass ihr Anschlag misslungen ist. Sie fürchten mittlerweile die öffentliche Meinung - also hat es doch etwas genützt, dass Telemach im 2. Gesang die Versammlung alle Achaier einberufen hat. Antinoos möchte Telemach abfangen und erschlagen, wenn er von Eumaios zur Stadt geht. Amphinomos ist vorsichtig. Er fürchtet die Strafe der Götter und möchte ihren Rat einholen, ehe sie den einzigen Sohn des Königs ermorden.

Antinoos findet, Telemach sei selbständiger geworden, seit er aus Pylos und Sparta zurückgekommen ist (V. 374).

17. Gesang
Von Penelope wird gesagt, sie gleiche Artemis und auch der goldenen Aphrodite. Der Vergleich mit Aphrodite deutet sicher auf ihre Schönheit. Aber der Vergleich mit Artemis?Artemis habe ich als recht strenge, wenig freundliche Gottheit in Erinnerung. Mutter war sie auch nicht. Hm.

Theoklymenos sagt, Odysseus sei schon da. Das habe er während der Schiffsfahrt aus dem Vogelflug herausgelesen. Komisch dass er das erst jetzt sagt.

Auf dem Weg in die Stadt begegnen Eumaios und Odysseus Melantheus, einem Ziegenhirten in Odysseus‘ Diensten. Er beschimpft und misshandelt Odysseus. Damit beginnt die Reihe der Misshelligkeiten, denen Odysseus in seiner Rolle als Bettler ausgesetzt ist und die er erträgt, weil er sich erst dann als Odysseus zeigen will, wenn er eine gute Chance hat, gegen die Freier zu kämpfen.

Hier steht auch die Episode mit Argos, dem Hund, den Odysseus noch vor seiner Wegfahrt aufgezogen hat. Argos erkennt Odysseus, ist aber schon zu schwach, zu ihm zu gehen, und stirbt. Eine Kleinigkeit für Hundefreunde mit der Botschaft: „Hunden kann man nichts vormachen“? Na ja, vor allem zeigt sich hier, wie lange Odysseus aus Ithaka weg war. Beim Hund ist es jetzt unwiderruflich zu spät, dass er und Odysseus ihr gemeinsames Leben noch fortsetzen. Aber natürlich auch eine Erinnerung, dass auch andere Odysseus erkennen könnten und dass er in Gefahr ist.

Ich bin erstaunt, dass es im Prinzip geduldet wird, dass ein Bettler in Odysseus‘ Halle kommt. Später kommt noch Iros, der so eine Art „Bettler vom Dienst“ bei den Freiern ist. So wie der Abend weiter verläuft, waren die Bettler eine Art Hofnarren. Sie bekamen zu essen, mussten aber auch allerlei aushalten.

V. 383: Hier kommt anscheinend die Information, die ich bei Finley gefunden habe. Handwerker und andere Spezialisten zogen herum und boten ihre Dienste an. Sie gehörten nicht fest zum Haushalt eines Aristos. Seher, Arzt, Zimmermann und „göttlicher Sänger“, diese Berufe werden hier genannt.

18. Gesang
Vor der Begegnung Odysseus‘ mit Penelope, auf die der Leser an dieser Stelle schon dringend wartet, schiebt Homer erst noch den Kampf mit Iros ein. Odysseus beeindruckt die Freier. Amphinomos wünscht ihm sogar den Segen der Götter. Daraufhin rät Odysseus ihm, rasch das Haus zu verlassen, denn Odysseus komme sicher bald zurück. - Odysseus, der eigentlich seine Identität noch nicht preisgeben kann, ist mehrmals etwas indiskret.

Auch Penelope kümmert sich um die Erziehung Telemachs. Sie macht ihm Vorwürfe, dass er die Freier nicht davon abgehalten hat, Odysseus zu misshandeln.

Ganz spät kommt eine entscheidende Information heraus (V. 269 f.). Bevor Odysseus nach Troja gefahren ist, hat er zu Penelope gesagt, wenn Telemach der erste Bart wächst, sei sie frei, eine neue Ehe einzugehen. Seltsam dass man das erst jetzt erfährt.

Penelope lässt sich von den Freiern Geschenke bringen. Odysseus findet das klug und freut sich darüber. Er meint, dass Penelope währenddessen an etwas ganz anderes denkt. An was denn? An die Verabredung mit dem Fremden, der Nachrichten von Odysseus bringt?

Nach Melantheus (und Melantho) verspotten jetzt auch die Freier Odysseus. Odysseus weist einen von ihnen zurecht (Eurymachos): Eurymachos sei hochmütig. Das liege daran, dass er der Größte inmitten von Zwergen sei (sinngemäß). Yep, hier kommt nochmal eine Bestätigung, welche Folgen die „vaterlose Gesellschaft“ hat. Den Freiern fehlen die Maßstäbe und sie verstoßen gegen die guten Sitten. Gleichwohl können sie sich mit „richtigen Männern“ wie Odysseus nicht messen.
Am Ende gibt es ein Handgemenge, bis Telemachos die Freier nach Hause schickt. Das tut er tatsächlich.

19. Gesang
Odysseus und Telemachos beginnen allmählich, ihren Plan in die Tat umzusetzen. Sie bringen die Waffen aus dem Saal.

Beim Gespräch zwischen Odysseus und Penelope bleibt Odysseus zuerst sehr zugeknöpft und will Penelope nicht erzählen, wer er ist und woher er kommt. Erst als sie ihm von ihrer Situation erzählt hat, erzählt auch er seine Geschichte (eine falsche natürlich). Ist das die „listige Vorsicht“, die Alkinoos früher schon an ihm bemerkt hat? Oder will er seiner Frau nicht so viele Lügen erzählen?
Wir erfahren auch jetzt erst, dass Penelopes Eltern sie heftig zur Ehe drängen. Wieder verstehe ich nicht, warum Homer uns das nicht früher wissen lässt.
V. 223: „Vielerlei log er zusammen und manches war ähnlich der Wahrheit.“
Im Laufe des Gesprächs kündigt Odysseus seine eigene Ankunft auf Ithaka zweimal an (V. 270 ff. und um zweiten Mal, als Penelope von der Bogenprobe spricht). Beim zweiten Mal verrät er sich fast, finde ich. Zumindest verrät er, dass er mehr weiß, als er sagt. Penelope solle den Wettkampf schnell vorbereiten, Odysseus komme, noch ehe die Freier den Bogen gespannt haben. Wie soll der fremde Mann das wissen, wenn er Odysseus wirklich vor ein paar Wochen zuletzt gesehen hat?

Eurykleia, Odysseus‘ alte Amme, meint sofort, als sie den fremden Bettler sieht, eine Ähnlichkeit zu Odysseus zu erkennen. Sie erkennt ihn dann wirklich an einer Narbe über dem Knie, die sie ertastet, als sie ihm die Füße wäscht. Wieder macht Homer es spannend. Er sagt erst, dass Eurykleia die Narbe findet, aber ehe er die Neugier des Lesers, wie das ausgeht und ob Odysseus‘ Inkognito Bestand behalten kann, befriedigt, erzählt er ziemlich umständlich, wie Odysseus die Narbe bekommen hat.
Odysseus ist nicht freundlich zu seiner alten Amme. Man meint fast, es gehe hier fast nur um Odysseus‘ Geistesgegenwart, Eurykleia zum Schweigen zu bringen. Bei dieser Wiedererkennung gibt es keine Gefühle bei Odysseus. Wenigstens ein Lächeln hätte er Eurykleia schenken können, finde ich.

Penelope ist aber im Gespräch mit dem Fremden, der angeblich etwas über Odysseus weiß, nicht so naiv und vertrauensselig, wie man erst leicht denken konnte. Sie fragt den Fremden, welche Kleidung ihr Mann trug… Wenn sie anderen, die ihr etwas vorgelogen haben, dann trotzdem etwas zu essen und etwas anzuziehen gegeben hat, war das vermutlich eher eine noble Geste als tief empfundener Dank für das Gehörte.

Offline Achim

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #80 am: 3. November 2008, 11:08 »
Bin auch beim 19. Gesang. Während ich überrascht war, wie schnell die Abenteuer in den Gesängen 9ff. abgehandelt wurden, finde ich nun, dass sich das etwas zieht. Obwohl ich schon einräumen muss, dass kunstvoll geschildert wird, wie sich das Netz ganz langsam um die Freier zusammenzieht. Die Ankündigungen und Zeichen der Rückkehr häufen sich. Aber es ist wohl zu spät für die Freier, selbst für Amphinomos - der Tod der Freier scheint beschlossen, sowohl von Athene (die Amphinomos am Verlassen des Palastes hindert) als auch von Odysseus.

Odysseus muss nun zeigen, dass er auch Geduld hat, dass er sich im Zaum halten kann und auf den rechten Augenblick warten kann. Athene stellt ihn geradezu auf die Probe, indem sie weitere Spötteleien der Freier zuläßt. Es wird an vielen Stellen deutlich, dass Odysseus sich nun fast völlig im Griff hat (anders als etwa noch beim Zyklopen, wo er mehrere Male sein Temperament nicht zügeln konnte). Er ist in der Tat sehr, sehr beherrscht bei Eurykleia und auch seiner Frau gegenüber.

Offline Lost

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #81 am: 3. November 2008, 19:59 »
@Nautilus

Lohnt es sich das Buch "Die Welt des Odysseus zu lesen?  Bei mir liegt auch noch die Ilias rum und vielleicht könnte ich mich doch ein wenig vorbereiten.

Nautilus

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #82 am: 3. November 2008, 23:32 »
@ Achim:
Ja, Odysseus handelt jetzt sehr geschickt. Er hat ja auch glücklicherweise wieder Athene in seiner Nähe, die ihm schon einen guten Ausgang seines Unternehmens vorausgesagt hat und ihn auch vor den Erniedrigungen gewarnt hat. Als Mensch des 20. Jhs. bin ich ja immer versucht, die Einflüsterungen Athenes als Äußerungen von Odysseus' gewachsenem Selbstvertrauen zu deuten.
Ich bin sicher, dass die Abenteuer Odysseus' Nebenwerk sind. Kyklopen und Sirenen - genausogut könnten es Greife und Magnetberge sein. Wichtig ist Odysseus' Heimkehr und die Wiedereroberung seines Platzes in der Welt Ithakas.

@ Lost:
Ich fand "Die Welt des Odysseus" lohnend. Aber ich bin ganz sicher keine Autorität in Sachen Homer-Literatur. Nach meiner Erinnerung spielt die "höfische Welt", die in der Odyssee so wichtig ist, in der Ilias sehr viel weniger vor. Sicher gibt es Bücher, die besser geeignet sind als Lektüre neben der Ilias.
Ich habe mir vor zwei Wochen auch noch das Buch von Uvo Hölscher über die Odyssee aus der Bibliothek geliehen. Aber das ist erheblich dicker als der Finley und muss noch warten, bis ich die Odyssee hinter mir habe.

20. Gesang
Odysseus kommen noch einmal Zweifel, ob er die Freier zu töten imstande sei und auch, was danach geschehe. Damit ist sicher gemeint, ob er danach mit Vergeltung durch die Angehörigen rechnen müsse. Athene beruhigt ihn.
Penelope wird von einem Traum heimgesucht: Ihr träumt, Odysseus, so wie er war, als er nach Troja fuhr, schlafe neben ihr. Es kommt ihr nicht wie ein Traum vor, sondern wie eine reale Erfahrung (V. 88 f.) Ja, der Traum als Wunscherfüllung, würde Freud sagen. Vermutlich hat auch die Ähnlichkeit des Fremden mit Odysseus, die auch Eurykleia schon aufgefallen ist, mit dazu beigetragen. Odysseus wiederum hört Penelopes Worte und glaubt, sie trete schon an sein Bett. Die beiden sind sich schon so nah, aber noch sind sie nicht zusammen.
Szenen aus dem Alltagsleben: Was morgens im Haus alles gemacht werden muss. Zwanzig (!) Mägde müssen Wasser holen gehen.

Philoitios, der später mit Eumäus Odysseus hilft. - Er sagt, er habe schon daran gedacht fortzugehen - mit seinen Kühen. Heißt das, er wollte die Kühe stehlen? Oder gehören ihm einige der Kühe, und nur die wollte er mitnehmen? Odysseus in der Verkleidung als Bettler ist wieder indiskret, als er Philoitios sagt, Odysseus werde noch kommen, während Philoitios im Haus ist und Philoitios werde miterleben, wie er die Freier tötet.

Telemach spielt seine Rolle als Hausherr immer besser. Er sagt den Freiern, sie sollten nicht wieder über die Stränge schlagen wie am Abend vorher.

Dann erfahren wir auch etwas über Telemachs Einstellung zur Heirat seiner Mutter. Er rate ihr zwar zur Heirat, aber gegen ihren Willen will er sie nicht aus dem Haus schicken. Aber wie man im 21. Gesang sieht, ist seine Haltung doch eher ambivalent.

V. 346 ff.: Eine bemerkenswerte Szene. Ausgangspunkt ist, dass einer der Freier ein Stück Fleisch nach Odysseus wirft. Athene verwirrt den Geist der Freier. Sie scheinen das Unglück, das ihnen bevorsteht, unbewusst zu ahnen. Ihre Gesichter verzerren sich, Blut läuft aus dem Fleisch, das sie essen, ihnen kommen die Tränen. Aber das scheint ihnen gar nicht bewusst zu sein, denn sie lachen. Sie lachen sogar Theoklymenos aus, als der ihnen beschreibt, was gerade passiert.

21. Gesang
Die Herkunft des Bogens wird erzählt (die Herkunft der Gastgeschenke war ja immer wichtig). Odysseus suchte damals Sühne, d. i. wohl Bezahlung, für Rinder, die von Ithaka gestohlen worden waren. Also musste man nicht immer einen Krieg anfangen wie um Helena. Soll das für den Hörer noch einmal eine Erinnerung sein, wie sehr sich die Freier danebenbenehmen? Denn für sie gibt es nur den Tod als Strafe.

Penelope macht den Freiern dann das Angebot: Wer die Bogenprobe als Bester absolviere, könne sie heiraten. Das hatte sie am Abend zuvor schon dem Fremden erzählt. Man wüsste gern, was sie dabei denkt. Ob sie glaubt, dass Odysseus ins Haus kommt, noch ehe die Freier alle den Bogen versucht haben, wie der Fremde im 19. Gesang gesagt hat? Sie hat sich dazu bisher nicht geäußert.

Telemachos trifft die Ankündigung seiner Mutter unvorbereitet. Einerseits freut er sich. Andererseits ist er unzufrieden. Schließlich will er am Wettkampf teilnehmen, denn wenn er gewinnt, muss die Mutter doch nicht heiraten.

Als Telemach die Äxte aufbaut, staunen die Freier wieder, wie gut er es macht.

Odysseus sucht und findet Verbündete: Eumaios und Philoitios. Odysseus verspricht ihnen Frauen und Besitz und sie sollten „Gefährten“ werden, gewissermaßen Brüder Telemachs. (Hatte Eumäus nicht schon eine Frau??)
Wieder macht Homer es spannend: Das Gespräch zwischen Odysseus, Eumäus und Philoitios findet statt, bevor Eurymachos und Antinoos, die besten der Freier, den Bogen versucht haben. Es könnte also noch sein, dass es eine Entscheidung gibt, bevor Odysseus eingreifen kann.

Außer Antinoos haben wohl alle geschossen, und keinem ist es gelungen. Eurymachos sagt etwas zerknirscht, er sei weniger wegen der entgangenen Heirat mit Penelope enttäuscht, als weil alle die Freier bisher Odysseus nicht gewachsen waren.

Odysseus will den Bogen haben, als der Wettkampf eigentlich schon vertagt ist. Die Freier wollen nicht, aber Penelope spricht für den Fremden, sei es aus Pflichtgefühl gegenüber dem Gast, sei es aus Sympathie wegen seiner guten Worte am Abend zuvor.
Aber hier greift Telemach ein: Es sei seine Sache, wer mit dem Bogen schießt. Er schickt seine Mutter nach oben.

Odysseus schießt - und natürlich besteht er die Probe glanzvoll. Selbstbestätigung. Nach endlosen Leiden hat er noch die alte Stärke und Geschicklichkeit. Die Freier bekommen Angst (als wüssten sie schon, dass der Fremde Odysseus ist und nicht bloß irgendein starker und geschickter Mann), und Zeus lässt es donnern.
« Letzte Änderung: 3. November 2008, 23:36 von Nautilus »

Offline Achim

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #83 am: 4. November 2008, 18:45 »
@ Achim:
Ja, Odysseus handelt jetzt sehr geschickt. Er hat ja auch glücklicherweise wieder Athene in seiner Nähe, die ihm schon einen guten Ausgang seines Unternehmens vorausgesagt hat und ihn auch vor den Erniedrigungen gewarnt hat. Als Mensch des 20. Jhs. bin ich ja immer versucht, die Einflüsterungen Athenes als Äußerungen von Odysseus' gewachsenem Selbstvertrauen zu deuten.
Ich bin sicher, dass die Abenteuer Odysseus' Nebenwerk sind. Kyklopen und Sirenen - genausogut könnten es Greife und Magnetberge sein. Wichtig ist Odysseus' Heimkehr und die Wiedereroberung seines Platzes in der Welt Ithakas.

Du hast wohl recht, dass die Heimkehr und Wiedereroberung seiner Stellung in Ithaka das Zentrum des Werkes bilden. Aber habe doch das Gefühl, dass in den Abenteuern auch eine ganze Menge steckt und dass diese keineswegs zufällig sind. Dabei ist schon klar, dass wir Odysseus nicht unbedingt alles abnehmen müssen, was er da erzählt. Er ist sich der Situation sehr wohl bewußt und weiß, was er wie erzählt, um das gewünschte Resultat (Schiff in die Heimat, so schnell es geht) zu erhalten. Und dennoch. Warum hat der Dichter diese vielen Besuche bei den unterschiedlichsten Völkern aufgelistet? Wahrscheinlich will er neben dem Thema der Gastfreundschaft auch soziale und politische Vorstellungen transportiern (die Phäaken als hochstehende Zivilisation, der Zyklop als unterste Stufe, etc.).

Etwas merkwürdig die Frage des Essens / Fressens / Gefressen-werdens. Klingt etwas lächerlich, ich weiß, aber ständig klingt dieses Thema an - paß auf, was du ißt / was Du tust,  und wann Du es tust - sonst wirst Du vielleicht gefressen (Lotusesser, Lästrygonen, Rinder des Helios, Kirke-Episode, Zyklope, Skylla, etc.). Warum wird das andauernd betont (auch Odysseus immer wieder: der Magen, der Magen...)?

Ganz kurz etwas, was ich gerade gelesen habe: Thema Kalypso: In David Denby's "Great books" erzählt der Autor in einem Kapitel von einem Ansatz, wo die Kalypso-Episode zu einem Schlüssel des Werkes gemacht wird. Ich kann kein Griechisch, aber dort wird ausgeführt: Kalypso = verhüllen. Verhüllt in der Mitte des Meeres = in der Fruchtblase gewissermaßen. Das Ganze also als eine Art "Geburt", dh man muss sich entscheiden - Geburt bedeutet auch die entsprechenden Prüfungen / Leiden, andernfalls verbleibt eben nur "Unsterblichkeit", eingehüllt in der Mitte des Meeres. Weiterhin wird dort gesagt, Odysseus bedeute im Altgriechischen auch soviel wie "Schwierigkeiten machen". Wir sind geboren, um Schwierigkeiten zu machen, um "anzuecken", um unseren Platz im Leben zu finden?

Vielleicht etwas weit hergeholt, ich weiß nicht. Komme momentan nicht dazu, das in Ruhe durchzugehen. Nun, kein Wunder, dass es Berge von Literatur über dieses Werk gibt.

Ich komme im Moment nicht ganz nach, viel zu tun und dann vier Tage auf Reisen - wird etwas dauern, bis ich die letzten Gesänge abschließen kann.

Nautilus

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #84 am: 5. November 2008, 16:57 »
@ Achim:
Was Du über die verschiedenen Zivilisationsstufen schreibst, klingt wirklich vernünftig. Da war ich wohl zu oberflächlich, als ich gemeint habe, es käme nicht so drauf an, worin die Abenteuer bestehen.

Ich finde auch die Deutung von Kalypsos Insel als menschlichem und sozialem Niemandsland, aus dem Odysseus sich befreien muss, sehr interessant. Vielleicht finde ich "Great Books" in der Bibliothek meines Vertrauens.
"Der Groller" und "der Zürner" steht bei Weiher und Schadewaldt als Übersetzung von Odysseus' Namen. Ich kann natürlich nicht sagen, ob das eine bessere Übersetzung ist als "der, der Schwierigkeiten macht".

22. Gesang
Ohne Vorwarnung schießt Odysseus dann Antinoos in den Hals. Drastisch beschreibt Homer, wie er verletzt wird, wie er hinfällt und Brot und Fleisch vom Tisch mit sich reißt.
Odysseus gibt sich zu erkennen und trägt die Schuld der Freier vor. Besonders kreidet er ihnen an, dass sie Mägde „mit Gewalt“ in ihre Betten gezerrt haben. Dass das mit Gewalt geschehen sein soll, ging vorher aus dem Text nicht hervor.
Als die Freier erfahren, wen sie vor sich haben, versucht Eurymachos alle Schuld auf Antinoos abzuwälzen, aber Odysseus lässt das nicht gelten. Auch die Buße, die Eurymachos anbietet, lehnt er ab. Ebenso wenig zeigt er gegenüber Leiodes Gnade, der der Opferbeschauer der Freier war und - wie der Erzähler im vorhergehenden Gesang berichtet - ihr „schamloses Treiben“ nicht leiden konnte. Alle Freier im Saal müssen sterben.

Nach dem Gemetzel lässt sich Odysseus von Eurykleia sagen, welche Mägde sich mit den Freiern eingelassen haben. Es sind zwölf von fünfzig. Sie müssen die Leichen hinausschaffen und den Saal säubern. Dann werden nach draußen gebracht und alle zusammen an einem Strick zusammen aufgehängt.
Melantheus, Odysseus‘ Schafhirt, der den Freiern noch zu Waffen verholfen hat, wird verstümmelt (Nase ab, Ohren ab, Genitalien ab, Hände und Füße ab).
Athene erscheint kurz in Mentors Gestalt und führt die Entscheidung des Kampfes herbei, indem sie den Freiern die Aigis zeigt.
Den Saal reinigt Odysseus, indem er ihn mit Schwefel ausräuchert. Das machte man nur gegen Ungeziefer, glaube ich.
Die „treuen Mägde“ begrüßen dann Odysseus.
Ein richtiges Blutbad.
Durch das Eintreten Eurykleias gegen Ende des Gesangs bekommt Homer noch einmal Gelegenheit, Odysseus nach den Mord zu zeigen, wie ein Unbeteiligter ihn sieht: überall voller Blut…

23. Gesang
Eurykleia verständigt Penelope, dass Odysseus gekommen ist. Während des Dialogs zwischen Eurykleia und Penelope bekommen wir auch einen Eindruck, wie das Gemetzel sich von außen für einen Unbeteiligten anhörte. Aber Penelope glaubt der alten Frau nicht. Sie erkennt ihren Mann auch nicht, als sie ihn im Saal sieht. Erst später, als sie allein sind, und er ihr sagt, wie er ihre gemeinsame Kammer gebaut hat, lässt sie sich überzeugen. Das erste Zusammentreffen Penelopes und Odysseus‘ im Saal ist irgendwie schwierig. Keiner von beiden sagt etwas, und Telemachos tadelt seine Mutter, dass sie Odysseus nicht anspricht.
Aber als Penelope sicher ist, dass der Fremde ihr Mann ist, kann sie ihn gar nicht mehr loslassen. Athene verlängert sogar die Nacht, damit die beiden genug Zeit für alles haben.
Ich habe erst gedacht, die Kammer und das Bett, das Odysseus aus dem Ölbaum gemacht hat, ist ein viel äußerlicheres Zeichen als die Narbe, an der doch schon Eurykleia ihren Zögling erkannt hat. Aber andererseits ist es ein intimes Element ihres gemeinsamen Lebens und vielleicht deshalb besser geeignet. Etwas ähnliches geschieht im letzten Gesang zwischen Odysseus und Laertes.

Aber schon nach der gescheiterten Wiedererkennung im Saal macht Odysseus sich Sorgen, dass der Mord an den Freiern in der Stadt ruchbar wird. Der Sänger singt und spielt die Leier, die Mägde sowie Eumäus und Telemach tanzen, damit es sich von außen nach einer Hochzeit anhört. Odysseus will aufs Land zu Laertes, wo er noch mehr tatkräftige Knechte hat, wie wir im 24. Gesang erfahren.

Ein Detail am Rande: Odysseus plant seine durch die Freier dezimierten Schafherden wieder zu ergänzen - durch Raub.

24. Gesang
Der erste Teil spielt im Hades, als die Seelen der Freier, von Hermes geführt, ankommen. Agamemnon und Amphinomos waren Gastfreunde. Agamemnon erzählt kurz vor der Ankunft der Freier Achill von dessen aufwendiger Bestattung; natürlich als Kontrast zu den zu einem Haufen aufgeschichteten Leichen der Freier, um die sich keiner kümmert.
Auch wird ein letztes Mal das Verhalten Klytaimnestras als Kontrast zur Standhaftigkeit und Treue Penelopes herangezogen.

Odysseus geht zu Laertes. Er kann die Lügengeschichten nicht lassen und schwindelt seinem Vater erst einiges vor. Auch bei Laertes verlässt sich Odysseus nicht auf die Narbe als Erkennungszeichen (aber er zeigt sie ihm). Die Kenntnis, welche Obstbäume ihm der Vater geschenkt hat, als er noch ein Junge war, sind das entscheidende Erkennungszeichen.

Dolios und seine sechs Söhne begrüßen Odysseus ehrerbietig. Soweit ich sehe, erfahren sie bis zum Ende der „Odyssee“ nicht, dass Melantheus und Melantho, der Sohn und Bruder bzw. die Tochter und Schwester von Odysseus getötet wurden. Würden sie den Tod als gerechte Strafe empfinden? Wir erfahren es nicht.

Der Tod der Freier wird in der Stadt bekannt. Eupeithes, der Vater des Antinoos, ermuntert die anderen Väter und die Brüder der Freier sich zu bewaffnen und Odysseus Rache zu nehmen. Medon gibt allerdings zu bedenken, dass ein Gott Odysseus geholfen hat. Die Väter bekommen von Halitherses, dem alten Ithakesier, ein paar deutliche Worte zu hören: Auch sie trügen eine Mitschuld, weil sie ihre Söhne gewähren ließen.

Der Ausgang der „Odyssee“ wird wiederum auf dem Olymp entschieden, nach dem bekannten Muster. Athene fragt Zeus, was geschehen solle und er antwortet, das, was sie ohnehin schon geplant hat, nämlich Versöhnung. Die Ithakesier sollen Odysseus den Treueeid schwören und den Tod ihrer Söhne und Brüder hinnehmen.
So geschieht es dann auch. Laertes darf noch einmal seine Tapferkeit und Stärke beweisen, desgleichen Telemachos. Athene bremst durch ihr Geschrei Odysseus, als der nicht aufhört, auf die Angehörigen der Freier loszuschlagen. Die Versöhnung und der Treueeid werden in knappen Worten berichtet. Eigentlich ein sehr unvermitteltes Ende.

Das Fazit fällt mir schwer. Die „Odyssee“ war sicher eine interessante Lektüre. Aber ich merke immer wieder, wie groß der Abstand zwischen mir und den Personen der „Odyssee“ ist. Das Gefühl „so hätte ich das jetzt auch gemacht“ oder „diese Person ist mir ähnlich“ oder „das kann ich gut verstehen“ stellte sich nicht sehr oft ein.
Das nächste Buch, das ich mir vornehme, ist Hölschers „Die Odyssee. Epos zwischen Märchen und Roman“. Vielleicht gibt mir das ein paar Verständnishilfen. Das Buch von Finley war nicht schlecht, da steht viel über die grundlegenden Bedingungen und Verhältnisse der Zeit drin, die Homer beschreibt. Aber über das Innenleben der Menschen zur Zeit Odysseus‘ erfährt man nicht sehr viel.

Diese Leserunde - meine erste - hat etwas unter dem abbröckelnden Teilnehmerkreis gelitten, finde ich. Aber etliche hilfreiche Informationen, Anregungen und einiger Austausch unter den Teilnehmern waren schon gut. Das war besser, als wenn ich das Buch nur für mich im stillen Kämmerlein gelesen hätte. Nun ja, es muss ja nicht meine letzte Leserunde gewesen sein.

Offline Achim

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #85 am: 5. November 2008, 18:11 »

Diese Leserunde - meine erste - hat etwas unter dem abbröckelnden Teilnehmerkreis gelitten, finde ich. Aber etliche hilfreiche Informationen, Anregungen und einiger Austausch unter den Teilnehmern waren schon gut. Das war besser, als wenn ich das Buch nur für mich im stillen Kämmerlein gelesen hätte. Nun ja, es muss ja nicht meine letzte Leserunde gewesen sein.


Ja, schade, das Buch hätte eine größere Mitleserzahl verdient gehabt. Seine Länge macht es wohl unvermeidlich, dass das Leserfeld nach und nach etwas auseinanderfällt. Naja, es ist uns ja nicht verboten, hierher noch mal zurückzukommen, wenn wir noch auf etwas Interessantes stoßen. Ich werde mich auf jeden Fall noch mal melden, wenn ich durch bin - wohl erst nach dem Wochenende. Und ich warte gerade auf den berühmt-berüchtigten Vandimer-Kurs... mal schauen.

21-24 habe ich also noch nicht gelesen, aber nach dem, was ich jetzt weiß, kommt mir 24 etwas "drangeklebt" vor. Spontan erschiene mir ein Ende mit Gesang 23 einleuchtend(er).

Die Abrechnung mit den Freiern - und den Mägden - ist ja eine unglaubliche Gewaltorgie. Diese (nach heutigen Maßstäben, selbstverständlich) völlig unverhältnismäßige Metzelei überrascht mich, gerade auch, wenn man dem gegenüberstellt, wie Odysseus im gesamten Werk beschrieben wird.

Offline Achim

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Re: Homer: Die Odyssee
« Antwort #86 am: 10. November 2008, 10:25 »
@ Achim:

Ich finde auch die Deutung von Kalypsos Insel als menschlichem und sozialem Niemandsland, aus dem Odysseus sich befreien muss, sehr interessant. Vielleicht finde ich "Great Books" in der Bibliothek meines Vertrauens.
"Der Groller" und "der Zürner" steht bei Weiher und Schadewaldt als Übersetzung von Odysseus' Namen. Ich kann natürlich nicht sagen, ob das eine bessere Übersetzung ist als "der, der Schwierigkeiten macht".

Nautilus,

Es gibt auch eine deutsche Übersetzung von "Great books" von David Denby (heißt logischerweise "Große Bücher"). Erwarte aber nicht, darin allzu viel über die Odyssee zu finden, das ist nur ein Kapitel. Der Autor, ein Mittvierziger, nahm eine Auszeit von einem Jahr, um an seiner alten Universität die großen Bücher der Weltliteratur wiederzuentdecken (von der Ilias bis hin zu Virginia Woolf). Er beschreibt, wie die Universitätsdozenten den Stoff angingen, wie er in den Seminaren diskutiert wurde und setzt ihn in Beziehung zu seinem Leben. Ganz interessant, finde ich.

Achim