Sammlung lyrischer Zauberzeilen (von Goethe über Rilke bis zur Gegenwart)
Frost im Herzen, hilflos, durchzog mich (Anna Achmatova). Keine Posaune zurhand, keine Verkündigungen (Peter Rühmkorf). Wisst ihr denn, auf wen die Teufel lauern? (Goethe). Es ist ein Raum, den sie mit Milch getüncht haben (Trakl). Um sechs Uhr kam der Staatsanwalt (Johannes R. Becher). Flüchtig gelagert in dies mein Gartengeviert (Peter Rühmkorf). Die Silberpappel, eine ortsbekannte Schönheit (Brecht). Hier strotzt die Backe voller Saft (Wilhelm Busch).
Ein dicker Junge spielt mit einem Teich (Alfred Lichtenstein). Der Abendfrieden ist hereingebrochen (Hans Scheibner). In dem Zug, der von A nach B fuhr (Hans Arp). Das Fräulein stand am Meer (Heinrich Heine). Betrachtet die Fingerspitzen, ob sie sich schon verfärben (Günter Eich). Wenn der Schweigsame kommt und die Tulpen köpft (Paul Celan). Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand (H. v. Hofmannswaldau).
Der lag besonders mühelos am Rand (Walter Höllerer). Im Teerfass-Schatten kauen sie gelassen (Heinz Piontek). So gehen sie hin, Gelächter im Hals, und zeigen (Krolow). Wenn man kein Englisch kann (Benn). Nur noch zwei Bäume (Kaschnitz). In Ebenen, die qualmten von Regen (Stephan Hermlin). Nun rieseln weisse Flocken unsre Schritte ein (Ernst Stadler). Grau und trüb und immer trüber (Goethe).
Ach Liebste, lass uns eilen (Martin Opitz). Im Haselholz liebten sie sich (Wistawa Szymborska). Im Sessel du, und ich zu deinen Füssen (Theodor Storm). Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen (H.v. Hofmannsthal). Aus der Hand frisst der Herbst mir sein Blatt, - wir sind Freunde ( Paul Celan).
Unter türkischen Linden, die blühn, an Rasenrändern (Rilke). In Apfelbäumen lehnen weisse Leitern (Hans Egon Holthusen). Gestern fuhr ich Fische fangen (Werner Bergengruen). Stehend an meinem Schreibpult (Brecht). Immer wieder strecke ich meine Hand (Krolow). Ich bin im braunen Cognac-See ertrunken (Carl Zuckmeyer). Mir grauet vor mir selbst, mir zittern alle Glieder (A. Gryphius). In meinem Elternhaus hingen keine Gainsboroughs (Benn).
Ich bin wie schon gestorben (Alexander Xaver Gwerder). Wer kann gebieten den Vögeln (Goethe). Da es dunkelt, da es feuchtet (Wilhelm Lehmann). Schneefall, dichter und dichter (Paul Celan). Nun die Bäume wieder Blüten schnein (Villon). Die Hecken klirren (Siegfried Lang). Komm, wir gehen, du und ich (T.S. Eliot). Es kommen härtere Tage (Ingeborg Bachmann).
unaufhörlich begegnen sich in den gegeneinander bewegten strömen dieselben gesichter (Helmut Heissenbüttel). Die Menschen stehen vorwärts in den Strassen (Georg Heym). Die Faulen werden geschlachtet (Erich Fried). Achtung wir senden den Lachmöwenschrei (Günter Bruno Fuchs). Er liebte sie in aller Stille (Wilhelm Busch). Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt (Erich Kästner). "tut mir doch die fahne aus dem gesicht, sie kitzelt" (Hans Magnus Enzensberger).
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Es ist ein Heidekrug, den am Nachmittag ein Betrunkener verlässt (Trakl). Der erste Tag im Monat Mai (Friedrich von Hagedorn). Schon, horch, hörst du der ersten Harken Arbeit, - wieder den menschlichen Takt in der verhaltenen Stille (Rilke). "mehr weiss niemand, die disteln gehn rückwärts" (Franz Mon). Drei Nächte geflochten aus deinem Leib (Boletaw Taborski).
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Es schwamm der Mond in mein Gemach herein (Villon). Doch im Blauen eine weisse Taube (Josef Weinheber). In diesem Land kommt auf zwei Männer eine Zigarette (T.S. Eliot). Die Zeitung nehmen sie in die Finger wie Brei (Julian Tuwim). Geboren hat mich ein zwanzigjähriges Mädchen (Hans Egon Holthusen). Ach und weh! Mord! Zeter! Jammer! Angst! Pech! Polter! Folter! Henker! Geister! Kälte! Zagen! (Andreas Gryphius). In unseren Augenwimpern wimpern Widerhaken (Heike Doutiné).