Nun ja, das sind belanglose Kleinigkeiten, womit man die Zeit vielleicht nicht vergeuden sollte
Also, ich gehe ganz gerne ins Detail, insbesondere bei einem Text, der doch so oft interpretiert wurde; vielleicht ergeben sich auf diese Weise neue Erkenntnisse? Ich bin mir auch sicher, dass bei Platon nichts "einfach so" dasteht.
"APOLLODOROS - FREUNDE"
Ja, das ist mir auch schon aufgefallen, dass hier "ich" und "wir" durcheinander gehen. So in der Übersetzung von Susemihl:
DER FREUND: ... Gewähre uns vielmehr unsere Bitte...
Spricht der im pluralis maiestatis? Oder wohl eher als Sprecher einer Gruppe von Freunden? Das kommt mir eher so vor.
Nochmal in Zusammenfassung aller Angaben: Apollodoros berichtet Freunden von einer Erzählung des Aristodemos d.Kleinen von einem Gastmahl bei Agathon. Die Wahrheit über den Eros wird darin von Diotima berichtet, von der wiederum Sokrates erzählt.
Ich versuch das mal graphisch, wobei die -> , <- und
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Richtungspfeile des Ansprechens darstellen sollen!

Freunde Glaukon <---.
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| | Unbekannter
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Apollodoros <---------. Phoinix
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|------------------+------'
Aristodemos |
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Gastmahl (Agathon...Sokrates)
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Diotima
Zur zeitlichen Struktur der ganzen Sache: Agathons Gastmahl: es findet 416 vChr statt, denn sein Sieg beim Tragödienwettbewerb fand 417 statt (vgl. Athen. 5.217a). Die Rede des Apollodoros wird auf ca. 400-403 geschätzt, kurz vor Sokrates' Tod. 407 ging Agathon an den makedonischen Hof, das wird 172c indirekt erwähnt. Das Gastmahl wurde von Platon um 380 geschrieben. Die meisten Teilnehmer dieses Gastmahls sind bei Abfassung des Dialogs von Platon schon tot, Aristophanes hat, glaube ich, da noch gelebt.
Tja, und was soll das Ganze - die zeitliche und erzählerische Distanz, ich meine die vielen Zwischenstufen des Erzählens? Komödiantisch? Hmm. Folgendes fiele mir ein:
1. sehe ich eine Vergewisserung der Glaubwürdigkeit des ganzen durch die direkte Linie Sokrates - Apollodor, die man in der Graphik schön sieht, diese bricht also die aufgebauten Indirektionen wieder auf.
2. Warum aber diese Indirektionen? Nimmt das Gastmahl nicht an Bedeutung zu, wenn es noch über Jahre hinweg - 416 bis 380 - erzählt wird und Gerüchte darüber im Umlauf sind?
3. Man glaubt aber (wie jener Glaukon), dass es gerade gestern stattgefunden habe. Es ist also alt wie auch - zumindest in den Köpfen der Menschen - ganz neu und aktuell.
Es muss also etwas Besonderes gewesen sein.
Das meine ich auch. Die unveränderte Wirkung bis heute bestätigt das!
Wozu dient die Missstimmung über die Philosophie in 173e?
Mein Interpretationsvorschlag (vorweggenommen): Hier geht es um die Frage der Philosophie "reich / arm": wer ist glücklicher? Könnte das ein Hinweis auf poros / penia im Diotima-Gespräch sein? Und: geht es in der Platonischen Erotik gerade nicht auch um Philosophie? Der Philosoph als der eigentiche Erotiker?
Puh, zu viel Text - aber auch so viele Fragen!

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