Hallo,
ja im Prinzip müsste man sich schon jeweils die beste Werkausgabe des jeweiligen Autors besorgen. Da habe ich allerdings das Problem, dass ich von den 5..20 Bänden jeweils nur 1/3 lesen werden / möchte. Der Rest sind Briefe, Tagebücher oder Lyrikbände. Für eine vollständige Bibliothek ist dies sicherlich nicht schlecht, aber für einen Lesenden reichen doch die wichtigsten Bücher des Autors aus. Dies machen eben die Klassikerverlage, mehr oder weniger gut.
Naja, das kommt auf den Leser an. Ich bin sicher kein Tolstoi-Experte, aber ich fand es extrem angenehm, sämtliche Tagebücher und Briefe zu haben. Ich habe während und nach meiner "Krieg und Frieden"- und "Anna Karenina"-Lektüre da viel reingelesen. Natürlich lese ich dann nicht jede Seite, aber es gibt schon einen guten Einblick in das Leben von Tolstoi und die Werkentstehung. Auch die Volkserzählungen und sein Engagement hinsichtlich einer Fibel fand ich spannend.
Nötig ist das sicher nicht, aber ich glaube, hier im Forum gibt es eben so einige "Freaks", die Werkausgaben wirklich nutzen.
Natürlich kauft man nicht als erstes eine Werkausgabe, wenn man den Schriftsteller noch nie gelesen hat. Werkausgaben kauft man in der Regel von Autoren, die man bereits kennt und für die man sich so interessiert, dass man möglichst viel von ihnen parat haben möchte.
Zu Deiner Frage kann ich nur nochmal sagen: Gerade wenn Du als Leser die Ausgabenfrage lösen willst, wirst Du um unterschiedliche Ausgaben nicht herum kommen. Entweder, weil nicht jeder Verlag alle Autoren hat, die Du suchst, oder weil Du vielleicht doch mit der Zeit die Unterschiede zwischen verschiedenen Übersetzungen merkst und eine billige TB-Ausgabe mit guter Übersetzung einer teuren Schmuckausgabe mit schlechterer Übersetzung vorziehst. Ich entscheide bei jedem neuen Buch neu, von welchem Verlag ich es möchte - ich gebe zu, der Entscheidungsprozess dauert manchmal und im schlimmsten Fall irrt man in der Auswahl.
Außerdem, ganz im Ernst - die meisten begeisterten Leser sind eher befremdet, wenn sie ein Bücherregal sehen, in dem sich nur ein Verlag befindet. Es geht doch noch immer eher um den Inhalt als um die äußere Aufmachung, oder? Oder bin ich jetzt ein allzu protestantisch geprägter Atheist?