Autor Thema: Bücher & Web 2.0  (Gelesen 18449 mal)

Offline Evelyne Marti

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Re: Twitter
« Antwort #30 am: 1. März 2009, 04:28 »
Moin, Moin!

Nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Jobbewerbungen via Twitter laufen.  :zwinker:

Das kenne ich schon von einigen als Website. Da stellen sie ihre ganze berufliche Laufbahn rein und schicken den Link an potenzielle Arbeitgeber, ersetzt wohl die Bewerbungsmappe.  :breitgrins:

Offline Evelyne Marti

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #31 am: 6. März 2009, 21:13 »
Dann sollte ich mich mal beeilen und einen Roman auf dem Örtchen schreiben und Notizen darüber führen, wie es ist, einen Roman auf dem Örtchen entstehen zu lassen.  :breitgrins:

Offline Lost

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #32 am: 16. Juli 2009, 12:33 »
Abgesehen davon, dass Arno Schmidt mit "Das steinerne Herz" schon dicht an diese Twitterei ranschrammte, frage ich mich: Was ist das Besondere und was ist das Charakteristische an so einem Roman, abgesehen von der willkürlichen Begrenzung von 147 Zeichen pro Kapitel oder Lieferung.
Kann sein, dass auch James Ellroy schon einen krimi in dieser Art verfasst hat. Werde nachsehen.

Marcel Reich-Ranicki könne dem nicht unbedingt abgeneigt sein. Er will ja auch bei den großen Romanen der Weltliteratur häufig einen merklichen Teil der Texte streichen.

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #33 am: 16. Juli 2009, 12:59 »
Abgesehen davon, dass Arno Schmidt mit "Das steinerne Herz" schon dicht an diese Twitterei ranschrammte,

äh - wiebitte?
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline Lost

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #34 am: 16. Juli 2009, 13:07 »
Abgesehen davon, dass Arno Schmidt mit "Das steinerne Herz" schon dicht an diese Twitterei ranschrammte,

äh - wiebitte?

Ist es nicht so, dass die Gliederung in diese kurzen "Gedankenbilder", wenigstens formal, ähnlich ist?

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #35 am: 16. Juli 2009, 13:26 »
Ist es nicht so, dass die Gliederung in diese kurzen "Gedankenbilder", wenigstens formal, ähnlich ist?
Was soll das denn heißen: "formal ähnlich"? Nur weil Schmidt mitunter kurze Sätze schreibt? Schon allein, dass Twitter reinen Text bringt, ohne Auszeichnungen, Fettungen, Einrückungen oder Kursivierungen lässt den Vergleich doch ein wenig seltsam erscheinen. Nehmen wir doch mal die ersten Absätze:

Zitat
In unserem Wassertropfen: Ein metallisch blauer Kegel kam mir entgegen; im Visierei 2 stumpfe Augenkerne.

Dann ein strohgelber: unter der trüben Plasmahaut schied man breite Zellen, Fangarme hingen; oben hatte es einen Wimpernkopf abgeschnürt, Romanoffskyfarbton; und zog naß tickend an mir vorbei. Volkswagen rädertierten. Nah hinten auf dem Platz trieb auch die Schirmqualle. (Genug nu!).

So hantierten wir im Stickstoff mit anaëroben Gebärden (eben machte Einer aus Armen ein schönes langes Beteuerungszeichen), wir, am Grunde unseres Luftteiches, und die Bäume schwankten wasserpflanzen. Mein linker Schuh betrachtete mich kühl aus seinen Lochreihen.

Das erinnert so auf Anhieb vielleicht an den Expressionismus. Aber bestimmt nicht an Twitter. Also mich jedenfalls nicht.

Zu den formalen Zeichen von Twitter gehören ja auch Dinge wie "@fritz", "RT @fritzchen", Links und Hashtags. Das ist ein vernetztes Stimmengewirr – und das trifft auf Schmidts Prosa nun nicht unbedingt zu ;-)

Btw - ich halte auch die "Twitter-Romane" nicht für Twitter-spezifisch, das sind einfach 140-Zeichen-Sätze, die in die Welt gepustet werden. Das geht mit Twitter. Das geht auch mit Facebook. Das geht mit SMS, mit Blogs, mit Mails. Das ist gewissermaßen der kleinste gemeinsame Nenner digitaler Kommunikation und erlaubt es imho nicht, diesen Texten das Etikett "Twitter" anzupappen. Anders gesagt: Die angeblichen Twitter-Romane teilen das genus proximum, aber es fehlt die differentia specifica, die daraus erst etwas Twitter-typisches machen würde.
« Letzte Änderung: 16. Juli 2009, 13:30 von giesbert »
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline Lost

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #36 am: 16. Juli 2009, 15:51 »
Ist es nicht so, dass die Gliederung in diese kurzen "Gedankenbilder", wenigstens formal, ähnlich ist?
Was soll das denn heißen: "formal ähnlich"? Nur weil Schmidt mitunter kurze Sätze schreibt? Schon allein, dass Twitter reinen Text bringt, ohne Auszeichnungen, Fettungen, Einrückungen oder Kursivierungen lässt den Vergleich doch ein wenig seltsam erscheinen.

Kurze Sätze konnten schon vor Schmidt andere. Mir  geht es um die  eigenständigen kurzen Gedanken und Bilder, die Schmidt aneinanderreiht, die quasi eigene Kapitel bilden.




Zitat
In unserem Wassertropfen: Ein metallisch blauer Kegel kam mir entgegen; im Visierei 2 stumpfe Augenkerne.

Dann ein strohgelber: unter der trüben Plasmahaut schied man breite Zellen, Fangarme hingen; oben hatte es einen Wimpernkopf abgeschnürt, Romanoffskyfarbton; und zog naß tickend an mir vorbei. Volkswagen rädertierten. Nah hinten auf dem Platz trieb auch die Schirmqualle. (Genug nu!).

So hantierten wir im Stickstoff mit anaëroben Gebärden (eben machte Einer aus Armen ein schönes langes Beteuerungszeichen), wir, am Grunde unseres Luftteiches, und die Bäume schwankten wasserpflanzen. Mein linker Schuh betrachtete mich kühl aus seinen Lochreihen.

Das erinnert so auf Anhieb vielleicht an den Expressionismus. Aber bestimmt nicht an Twitter. Also mich jedenfalls nicht.

Es ist ja auch, wenigstens für mich, umgekehrt.



Zu den formalen Zeichen von Twitter gehören ja auch Dinge wie "@fritz", "RT @fritzchen", Links und Hashtags. Das ist ein vernetztes Stimmengewirr – und das trifft auf Schmidts Prosa nun nicht unbedingt zu ;-)

Schön=gut, da haben wir ja etwas Charakteristisches.



Btw - ich halte auch die "Twitter-Romane" nicht für Twitter-spezifisch, das sind einfach 140-Zeichen-Sätze, die in die Welt gepustet werden. Das geht mit Twitter. Das geht auch mit Facebook. Das geht mit SMS, mit Blogs, mit Mails. Das ist gewissermaßen der kleinste gemeinsame Nenner digitaler Kommunikation und erlaubt es imho nicht, diesen Texten das Etikett "Twitter" anzupappen. Anders gesagt: Die angeblichen Twitter-Romane teilen das genus proximum, aber es fehlt die differentia specifica, die daraus erst etwas Twitter-typisches machen würde.

Nun -,- Twitter steht ja eher im Zusammenhang Twitterroman ein Synonym für das, was du als Werkzeuge aufzählst, und  ein Rätsel ist mir: Was hat der Twitterroman Neues, was es nicht schon gab.


Offline Giesbert Damaschke

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #37 am: 16. Juli 2009, 16:04 »
Nun -,- Twitter steht ja eher im Zusammenhang Twitterroman ein Synonym für das, was du als Werkzeuge aufzählst, und  ein Rätsel ist mir: Was hat der Twitterroman Neues, was es nicht schon gab.
Eben. Deshalb sind die angelbichen Twitterromane auch keine, sondern einfach nur normale Texte, deren kurze Bausteine satzweis getwittert werden. (Ah, da schreib ich doch gleich mal ein Blogposting zu ;-))
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Offline Giesbert Damaschke

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #38 am: 16. Juli 2009, 16:25 »
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Offline Stoerte

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #39 am: 16. Juli 2009, 17:40 »
"The French Revolution" ist ein, von der Form her, konventioneller Roman, veröffentlicht via twitter. Nahezu jede Nachricht endet mit ... mitten im Satz, der dann in der nächsten Nachricht wieder aufgenommen wird.

Dem Vergleich mit Briefromanen halten wohl auch "Handy"romane nicht stand. Auch nicht, wenn sich die Beschränkung der Nachrichtenlänge auf die Form auswirkt.

Aber die Nachrichten der Gesprächspartner müssen nicht zu lesen sein, braucht also keine zwei Twitter-Nutzer, es genügt doch, wenn die weiteren Kommunikationspartner angenommen werden. Hölderlins Hyperion besteht, bis auf eine Ausnahme, auch nur aus den Briefen eines Absenders.

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #40 am: 16. Juli 2009, 18:36 »
Hölderlins Hyperion besteht, bis auf eine Ausnahme, auch nur aus den Briefen eines Absenders.
Und ist aus diesem Grund, wie der Werther, kein Briefroman. Der tut nur so ;-)
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bonaventura

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #41 am: 16. Juli 2009, 19:03 »
Hölderlins Hyperion besteht, bis auf eine Ausnahme, auch nur aus den Briefen eines Absenders.
Und ist aus diesem Grund, wie der Werther, kein Briefroman. Der tut nur so ;-)

Das ist natürlich Quatsch. Briefromane definieren sich nicht dadurch, dass Briefe von mindestens zwei fiktiven Schreibern in ihnen enthalten sind, sondern dadurch, dass sie die spezifische literarische Form des Briefes nutzen, um eine Handlung zu erzählen. Und deshalb sind sowohl der "Werther" als auch der "Hyperion" Briefromane. Was sollte denn, nach Meinung der kritischen Herrschaften, etwa in den Antwortbriefen Wilhelms oder Bellarmins stehen?

Offline Wolf

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #42 am: 16. Juli 2009, 19:11 »
Zitat von: giesbert
Und ist aus diesem Grund, wie der Werther, kein Briefroman.

Ich glaube, diese enge Definition von "Briefroman" findet man auch irgendwo bei Arno Schmidt, und zwar im Zusammenhang mit Wielands "Aristipp", der ein echter Briefroman sei, weil da nicht nur eine einzelne Person schreibt, sondern eine Vielzahl von Personen, die sich an unterschiedlichen Orten befinden, und durch diese Stimmenvielfalt ergebe sich dann ein Abbild der Welt, oder so ähnlich. Nur wurden wahrscheinlich sehr viele derartige "richtige" Briefromane geschrieben, die heutzutage niemand mehr liest, weil sie eben nicht viel taugen.

Schöne Grüße,
Wolf

Offline sandhofer

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #43 am: 16. Juli 2009, 19:14 »
Hölderlins Hyperion besteht, bis auf eine Ausnahme, auch nur aus den Briefen eines Absenders.
Und ist aus diesem Grund, wie der Werther, kein Briefroman. Der tut nur so ;-)

Das ist natürlich Quatsch. Briefromane definieren sich nicht dadurch, dass Briefe von mindestens zwei fiktiven Schreibern in ihnen enthalten sind, sondern dadurch, dass sie die spezifische literarische Form des Briefes nutzen, um eine Handlung zu erzählen. Und deshalb sind sowohl der "Werther" als auch der "Hyperion" Briefromane. Was sollte denn, nach Meinung der kritischen Herrschaften, etwa in den Antwortbriefen Wilhelms oder Bellarmins stehen?

Nix. Aber ob nun Hyperion bzw. Werther schreiben "Lieber Bellarmin" bzw. "Lieber Wilhelm" oder ob sie schrieben "Liebes Tagebuch", kommt aufs selbe hinaus. Insofern sind Hyperion und Werther eben als Briefromane problematisch. (Das grosse Gegenbeispiel, und bis heute gelesen, weil's noch sehr viel taugt ;), sind die Liaisons dangereuses, wo wirklich ein Briefverkehr geschildert wird, wo wirklich Fragen und Antworten existieren.)
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

bonaventura

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Re: Bücher & Web 2.0
« Antwort #44 am: 16. Juli 2009, 19:26 »
Nix. Aber ob nun Hyperion bzw. Werther schreiben "Lieber Bellarmin" bzw. "Lieber Wilhelm" oder ob sie schrieben "Liebes Tagebuch", kommt aufs selbe hinaus.

Möööp! Aber trotzdem Danke fürs Mitspielen!

Zitat
Du fragst, ob du mir meine Bücher schicken sollst? – Lieber, ich bitte dich um Gottes willen, laß mir sie vom Halse! Ich will nicht mehr geleitet, ermuntert, angefeuert sein, braust dieses Herz doch genug aus sich selbst; ich brauche Wiegengesang, und den habe ich in seiner Fülle gefunden in meinem Homer.

Und immer noch hat keiner die Frage beantwortet, was in den eingeforderten Antwortbriefen eigentlich stehen soll.