Ist es nicht so, dass die Gliederung in diese kurzen "Gedankenbilder", wenigstens formal, ähnlich ist?
Was soll das denn heißen: "formal ähnlich"? Nur weil Schmidt mitunter kurze Sätze schreibt? Schon allein, dass Twitter reinen Text bringt, ohne Auszeichnungen, Fettungen, Einrückungen oder Kursivierungen lässt den Vergleich doch ein wenig seltsam erscheinen. Nehmen wir doch mal die ersten Absätze:
In unserem Wassertropfen: Ein metallisch blauer Kegel kam mir entgegen; im Visierei 2 stumpfe Augenkerne.
Dann ein strohgelber: unter der trüben Plasmahaut schied man breite Zellen, Fangarme hingen; oben hatte es einen Wimpernkopf abgeschnürt, Romanoffskyfarbton; und zog naß tickend an mir vorbei. Volkswagen rädertierten. Nah hinten auf dem Platz trieb auch die Schirmqualle. (Genug nu!).
So hantierten wir im Stickstoff mit anaëroben Gebärden (eben machte Einer aus Armen ein schönes langes Beteuerungszeichen), wir, am Grunde unseres Luftteiches, und die Bäume schwankten wasserpflanzen. Mein linker Schuh betrachtete mich kühl aus seinen Lochreihen.
Das erinnert so auf Anhieb vielleicht an den Expressionismus. Aber bestimmt nicht an Twitter. Also mich jedenfalls nicht.
Zu den formalen Zeichen von Twitter gehören ja auch Dinge wie "@fritz", "RT @fritzchen", Links und Hashtags. Das ist ein vernetztes Stimmengewirr – und das trifft auf Schmidts Prosa nun nicht unbedingt zu

Btw - ich halte auch die "Twitter-Romane" nicht für Twitter-spezifisch, das sind einfach 140-Zeichen-Sätze, die in die Welt gepustet werden. Das geht mit Twitter. Das geht auch mit Facebook. Das geht mit SMS, mit Blogs, mit Mails. Das ist gewissermaßen der kleinste gemeinsame Nenner digitaler Kommunikation und erlaubt es imho nicht, diesen Texten das Etikett "Twitter" anzupappen. Anders gesagt: Die angeblichen Twitter-Romane teilen das genus proximum, aber es fehlt die differentia specifica, die daraus erst etwas Twitter-typisches machen würde.