Nachdem ich den ersten Beitrag in unserem Leseplan durch habe, bin ich überrascht wie leicht und interessant sich doch diese Literatur aus dem 16. Jahrh.!! heute noch liest. Was war den zu dieser Zeit in Deutschland modern? Ich glaube: Hans Sachs mit seinen Fastnachtspielen – und wer kann damit heute noch etwas anfangen. Also Frankreich war uns damals sicherlich voraus?
Montaigne hat seinen Essay „Von den Menschenfressern“ dazu benutzt, zu dem damals auch in der Reiseliteratur behandelten Thema des „edlen Wilden“ Stellung zu nehmen. Bei den neu entdeckten Naturmenschen in Nord- und Südamerika hatte man entdeckt, das es möglich ist, bedürfnislos und zufrieden ein paradiesisches Dasein zu führen. Der alte Menschheitstraum vom Paradies war plötzlich Wirklichkeit? – Montaigne verknüpft mit diesem Gedanken, seine Kulturkritik. Zunächst zählt er alles auf, was sich positives über diese „Menschenfresser“ sagen lässt: da es kein Privateigentum gibt, fehlt der Geiz und der Neid; durch ihren sittlichen Instinkt braucht es keine Sittenlehre; ihre Kriegsführung ist ehrenvoll, ihre Poesie zu rühmen. Den Kannibalismus findet er barbarisch im Hinblick auf die Vorschriften der Vernunft, aber nicht im Hinblick auf uns selbst. Wie kann ein Volk bei dem Folterungen und Hexenverbrennungen an der Tagesordnung sind, Totenverspeisung aus kultischen Beweggründen verurteilen. Was hätte Montaigne zu einem Volk gesagt, das anderen Völkern Demokratie bringen will, in dessen eigenem Land aber immer noch Menschen mit anderer Hautfarbe unterpriviligiert sind, die Kluft zwischen Reichen und Armen immer größer wird und die Todesstrafe praktiziert wird.?
1559 war Montaigne als Parlamentsrat in Bordeaux mehrmals in dienstlichem Auftrag an den Hof nach Paris gereist und begab sich 1562 mit dem königlichen Heere nach Rouen, wo er die Eroberung der Stadt, die im Besitz der Hugenotten war, mit erlebte. Dort traf er auch einen brasilianischen König (Häuptling), dessen einziges Privileg es war, im Kriegsfall voranzugehen. Dieser Brasilianer wundert sich, dass erwachsene Männer einem Kind gehorchen (König Karl IX., war damals erst 12 Jahre alt und stand noch unter der Regentschaft seiner Mutter Katharina von Medici) und nicht einen von ihnen wählen, um den Befehl zu führen. Ebenso wundern sich die Brasilianer, dass es in Europa Menchen gibt die im Überfluß leben während andere von Hunger und Armut ausgemergelt sind. Aber was zählt die Meinung der „Menschenfresser“, sie tragen ja noch nicht einmal Hosen, schließt Montaigne seinen Essay mit einer satirischen Bemerkung.