Autor Thema: April 2009 - Xenophon: Anabasis  (Gelesen 8525 mal)

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5012
Re: Xenophon: Anabasis
« Antwort #30 am: 19. Mai 2009, 09:27 »
Auch Buch 7 liegt nun hinter mir. Sehr interessant die Beschreibungen der internen Querelen und wie sich die Griechen ihren Sold mühsam erstreiten müssen von ihrem zeitweiligen Dienstherren. Interessant auch, wie selbst griechische Städte mit diesen halbwilden Söldnern eigentlich keinen Kontakt wünschen. Xenophon ist hier wirklich auf der Höhe seiner Kunst. Solche Dinge kann er glänzend beschreiben.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Regina

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 92
    • Kladde Band 3
Re: Xenophon: Anabasis
« Antwort #31 am: 21. Mai 2009, 18:43 »
Dank Thalys, bzw dessen anderthalbstündigen Verspätung habe ich nun bis einschließlich Band 5 gelesen. Wie auch Sandhofer stieß mir dort die Selbstrechtfertigung Xenophons unangenehm auf. Interessant wieder die Schilderungen des militärischen Vorgehens (ich bin mir sicher, da hat sich mehr als ein Fantasyautor draus bedient) und die innere Zerrissenheit des Heeres. Vertrauen war scheints Mangelware.

Die tätowierten Kühe sind in meiner Ausgabe übrigens "Kinder der Reichen, die gemästet und mit gekochten Kastanien ernährt wurden." Lesefehler? Übersetzungsfehler? Die tätowierten Kühe fand ich charmanter.

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5012
Re: Xenophon: Anabasis
« Antwort #32 am: 22. Mai 2009, 06:51 »
Wie auch Sandhofer stieß mir dort die Selbstrechtfertigung Xenophons unangenehm auf.

Ich vermute, dass die Selbstrechtfertigung einer der Hauptgründe war für Xenophon. Er hat ja das Werk m.W. auch pseudonym veröffentlicht - wurde allerdings, wenn ich mich recht erinnere, schon von seinen Zeitgenossen durchschaut.

Wegen der tätowierten Kühe müsste ich nochmals meine Ausgabe konsultieren. Mir sind sie deshalb aufgefallen, weil ich der Meinung bin, dass die Technik des Tätowierens in Europa eigentlich erst seit der sog. Neuzeit bekannt ist.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline xenophanes

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1887
    • christian köllerer.net
Re: Xenophon: Anabasis
« Antwort #33 am: 22. Mai 2009, 11:25 »
Auch Buch 7 liegt nun hinter mir. Sehr interessant die Beschreibungen der internen Querelen und wie sich die Griechen ihren Sold mühsam erstreiten müssen von ihrem zeitweiligen Dienstherren. Interessant auch, wie selbst griechische Städte mit diesen halbwilden Söldnern eigentlich keinen Kontakt wünschen. Xenophon ist hier wirklich auf der Höhe seiner Kunst. Solche Dinge kann er glänzend beschreiben.

Habe gestern ebenfalls Buch 7 gelesen. Bin gespannt, ob erzähltechnisch noch irgendein Finale kommt oder ob es in diesem Stil jetzt bis zum Ende weitergeht.

Werde mich später noch einmal ausführlicher zu Wort melden ...

CK

Offline xenophanes

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1887
    • christian köllerer.net
Re: Xenophon: Anabasis
« Antwort #34 am: 22. Mai 2009, 21:33 »

Muss mich korrigieren: Gestern las ich Buch 6 heute Buch 7, womit ich das Buch beendet habe.


Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5012
Re: Xenophon: Anabasis
« Antwort #35 am: 23. Mai 2009, 05:27 »
Ich habe mich noch gefragt, was Du nach Buch 7 noch lesen willst ...  :smile:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline xenophanes

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1887
    • christian köllerer.net
Re: Xenophon: Anabasis
« Antwort #36 am: 24. Mai 2009, 09:57 »

Mein Fazit für die Notizen:

Antike Historiker lese ich seit Jahren gerne und Thukydides zählt seit meiner ausführlichen Beschäftigung mit ihm und dem Peloponnesischen Krieges zu meinen bevorzugten Klassikern. Xenophon zählt zu den berühmtesten antiken Historikern, auch wenn seine “Popularität” im Laufe des 20. Jahrhundert deutlich nachgelassen hat. Höchste Zeit also, seine Anabasis zu lesen.

In ihr beschreibt Xenophon den Rückzug eines griechischen Söldnerheeres aus Mesopotamien. Der Perser Kyros wollte seinen Bruder mit militärischer Hilfe der Griechen stürzen. Bei der Entscheidungsschlacht wurde Kyros aber selbst getötet. Die Griechen waren nun abgeschnitten mitten in Feindesland und mussten sich durch unwirtliche Gegenden und unfreundliche Einheimische zurück ans Meer durchschlagen. Diese Expedition beschreibt Xenophon zu deren Führern er unerwartet wurde.

Literaturgeschichtlich wird die Anabasis gerne als erste Autobiographie verkauft und angesichts der apologetischen Tendenzen ist das eine plausible Perspektive auf die Lektüre. Xenophon rückt sich immer wieder ins beste Licht und stilisiert sich (oft mehr indirekt) als großen Feldherrn in der Nachfolge des Kyros, den er nach seinem Tod einer ausführlichen Würdigung unterzieht.

Seine Wahl zum Feldherrn hat einen direkten Einfluss auf den Stil des Buches. Sind die ersten beiden Bücher nüchtern bis trocken beschreibend, wechselt der Text nach Xenophons Wahl zu einem erzählenden Duktus. Seine Erzählkunst ist denn auch die herausragende Eigenschaft der Anabasis. Er beschreibt den dramatischen Rückzug sehr anschaulich und spannend. Allerdings wünscht man sich ab und zu mehr kulturgeschichtliche und ethnographische Beobachtungen. Das konnte Herodot besser und natürlich muss man bei Xenophon ebenfalls auf elegant eingestreute mythologische Geschichten verzichten. Im Vergleich zu Thukydides fehlt ihm die analytische Schärfe und Selbstkritik.

Nur im ersten Buch gibt es einige scharfe Bemerkungen aus denen deutlich hervorgeht, dass die Griechen, wie alle Söldner vor und nach ihnen, nur eines im Kopf hatten: Geld und Beute.

Wer sich für antike Geschichte interessiert, ist mit der Lektüre des Buches gut beraten. Abschließend noch eine Bemerkung zur Ausgabe von Artemis & Winkler. Sie ist durchaus solide gemacht und greift auf die anerkannte Übersetzung von Walter Müri zurück. Allerdings ist der Text zu klein gesetzt, was angesichts der Kürze völlig unverständlich ist.

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5012
Re: Xenophon: Anabasis
« Antwort #37 am: 24. Mai 2009, 18:32 »
Es war wohl diese irreführende Behauptung, dass Xenophon mit der Anabasis ein historisches Werk geliefert hat, zusammen mit der völlig irregeleiteten Angabe (auch in der Wikipedia!), dass er uns einen Blick auf die Völker gönnt, deren Gebiete er durchzieht, die mich fehlgeleitet hat. Als autobiografischen Text finde ich die Anabasis eigentlicht sogar recht spannend. Um den Historiker Xenophon kennenzulernen, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als auch seine Hellenika zu lesen, fürchte ich.  :breitgrins:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline xenophanes

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1887
    • christian köllerer.net
Re: Xenophon: Anabasis
« Antwort #38 am: 24. Mai 2009, 19:10 »
Es war wohl diese irreführende Behauptung, dass Xenophon mit der Anabasis ein historisches Werk geliefert hat, zusammen mit der völlig irregeleiteten Angabe (auch in der Wikipedia!), dass er uns einen Blick auf die Völker gönnt, deren Gebiete er durchzieht, die mich fehlgeleitet hat. Als autobiografischen Text finde ich die Anabasis eigentlicht sogar recht spannend. Um den Historiker Xenophon kennenzulernen, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als auch seine Hellenika zu lesen, fürchte ich.  :breitgrins:

Sehe ich auch so. Schlägst Du gleich die Leserunde vor bitte?  :smile:

CK


Offline Regina

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 92
    • Kladde Band 3
Re: Xenophon: Anabasis
« Antwort #39 am: 26. Mai 2009, 20:30 »
So, nun ist auch die letzte Fußkranke angekommen. :breitgrins: Ich habe Buch Sechs und Sieben durch. Ein etwas lasches Ende, der berühmte Thalassa-Ruf hätte sich hier besser gemacht als in Buch Vier.

Wie immer interessant bei Xenophon die internen Querelen (wenn man ignoriert dass er der große Unbescholtene ist) und die Einblicke ins Soldatenleben. Immer auf der Suche nach dem nächsten Frühstück.

Insgesamt gerne gelesen. Manchmal hätte ich gerne mehr erfahren.
Bei seinen (seiner?) Hellenika zögere ich noch ob des Buchpreises. Wenn sie als Fortsetzung von Thukydides' Peloponnesischer Krieg gelten, sollte ich auch erste den lesen.
« Letzte Änderung: 26. Mai 2009, 20:33 von Regina »

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5012
Re: Xenophon: Anabasis
« Antwort #40 am: 27. Mai 2009, 06:40 »
Ein etwas lasches Ende, der berühmte Thalassa-Ruf hätte sich hier besser gemacht als in Buch Vier.

Ja  :smile: . Entweder waren die Griechen noch ganz anders gepolt, was den Aufbau von Spannungsbögen betrifft (was ich angesichts der Tatsache, dass die grosse Tragödie mit ihren Spannungsbögen ja gerade griechisch ist, nicht glaube) - oder Xenophon hat nicht realisiert, was er da geschrieben hat - oder seine Selbstverteidigung war ihm wirklich viel wichtiger. (Oder die Textsorte ist eben trotzdem eine ganz andere.)

Wie immer interessant bei Xenophon die internen Querelen (wenn man ignoriert dass er der große Unbescholtene ist) und die Einblicke ins Soldatenleben. Immer auf der Suche nach dem nächsten Frühstück.

*ggg*

Insgesamt gerne gelesen. Manchmal hätte ich gerne mehr erfahren.

Dasselbe hier.

Abschließend noch eine Bemerkung zur Ausgabe von Artemis & Winkler. Sie ist durchaus solide gemacht und greift auf die anerkannte Übersetzung von Walter Müri zurück. Allerdings ist der Text zu klein gesetzt, was angesichts der Kürze völlig unverständlich ist.

Ich hab' da einen Verdacht. Den werde ich in den nächsten Tagen abklären können ...  :winken:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Sir Thomas

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1675
Re: April 2009 - Xenophon: Anabasis
« Antwort #41 am: 1. Juli 2009, 07:26 »
Eine 60-minütige Hörspielbearbeitung des Stoffs sendet Deutschlandradio Kultur am 26. Juli um 18.30 Uhr. Es handelt sich dabei um eine Produktion aus dem Jahr 1959, was die Sache zusätzlich reizvoll macht.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/hoerspiel/979772/vorschau/

Schöne Grüße

Tom