Heute ist ein antiquarisches Kleinod mit der Tagespost eingetroffen: Faulkners Gedichtsammlung "Ein grüner Zweig". Die Ausgabe des Stuttgarter Verlags Henry Goverts aus dem Jahr 1957 (Faulkner lebte damals noch) enthält eine Auswahl aus "A green bough" (1933) in englischer und deutscher Sprache.
Die Gedichte sind gewöhnungsbedürftig: Freie Verse, antikisierende und religiöse Themen ... na ja. Selbst wenn man die nicht immer gelungene Übersetzung beiseite lässt und das englische Original liest, kann man zu dem Schluss kommen: Lyrik war ganz offensichtlich nicht Faulkners Ding. Interessant ist sie dennoch, weil er die dort verwendeten Metaphern als Steinbruch für die Romane genutzt hat (so steht es im Nachwort - und anhand meiner aktuellen "Sartoris"-Lektüre kann ich das bestätigen). Die Amerikaner wussten Faulkners Poesie nicht zu würdigen. Sie war den meisten Feuilletonisten keine Erwähnung wert.
LG
Tom