Nach meiner Erinnerung ist Fouqué allemahl lesenswerter als Lafontaine.
Fouqué trägt eben richtig dick auf, deswegen geht's im "Zauberring" auch ziemlich fetzig zu.
Plötzlich rasselte ein schwergewaffneter Krieger zwischen den Klippen heraus. [...] ein einziger Blick in dessen Antlitz lähmte Ottos Kraft, goß die schneidende Eiskälte des Entsetzens durch sein Gebein.
Horror!

Eine andere, ruhigere Szene:
Eines Abends saß er mit Walther an dem runden Tisch, die silbernen Becher voll edlen rheinischen Weines zwischen ihnen; draußen rauschte ein Frühlingsregenguß in Strömen herab, als wollte er nimmer wieder aufhören.
Die Becher müssen natürlich silbern sein und der Wein edel, das ist einfallslos und konventionell, aber das unaufhörliche Strömen des Regens ist sprachlich recht geschickt dargestellt; die entsprechende Stelle klingt sehr passend, wenn man sie laut vorliest. Für so etwas hatte Fouqué schon ein Gespür.
Und auf Sätze wie den folgenden muß man auch erstmal kommen. Ein
"wunderschönes und wunderholdes Mädchen" ergeht sich in einem Garten und kommt zu einem Teich:
Hinwandelnd durch die Laubengänge von allerlei würzigen und goldbefruchteten Bäumen, gelangte sie endlich an den klaren Spiegel eines umbüschten Teiches, der aus den grünen Armen des zierlichen Gartengeheges als ein verliebtes und aller Schönheit dienstbares Auge heraufsah.
Aber solche feingezwirbelten Sätze wirken auf mich allzu gekünstelt. Das geschilderte Geschehen kann man dadurch nicht wirklich ernstnehmen. Etwas später findet das Mädchen im Garten ein prächtiges Schwert, nimmt es in die Hand und betrachtet es. Da tritt ein Ritter von
"unbeschreiblicher Heldenherrlichkeit" hinzu und sagt:
"Verletzet Euch nicht, Jungfräulein, mit diesem scharfen Spiel. Ich sähe lieber mein Herzblut vielfach strömen, als einen Tropfen des zarten Purpurs, der in Euren Adern wallt, aus diesen weißen Blumenfingern tröpfeln." Dann nimmt er ihr die Waffe
"sittigen Anstandes" aus der Hand und geht sich ehrerbietig neigend von hinnen. Ja, so warns, die alten Rittersleut.
Die Darstellung der "Guten" und der "Bösen" ist manchmal äußerst platt: die einen sind groß, hell und schön, die anderen sind klein, schwarz und häßlich:
Wirklich auch stand er, wie ein wachthaltender Cherub, an der Bergespforte, der schöne, blonde Jüngling, vor dem schwarzen Gewimmel von kleinen, häßlichen Heiden, die auf ihn losstrudelten, und in rastlos flimmernden Kreisen flog seine Klinge schwirrend umher, und jedesmal, daß sie niedertauchte, schwang sie sich, von Blut gerötet, und Blutestropfen von sich sprühend, wieder in die Höh'. Schon lag es vor ihm wie ein Bollwerk, von mißgestalteten blutigen Leichen
Nach diesem Mißerfolg zieht sich der Feind zurück und beschießt den "blonden Jüngling" aus der Ferne mit Armbrüsten:
Das Schießen dauerte fort und fort, tat aber keinen Schaden. »Schlechtes Fechten«, sagte Otto in sich hinein. »Hilft ihnen nichts, und langweilt uns.« Und zugleich fing er zum Zeitvertreibe an, die Bolzen zu zählen, welche von seiner schwarzsilbernen Rüstung abprallten.
Da raschelte etwas dicht hinter seinen Füßen; er sah sich um, ein grinsendes Heidenantlitz brach aus einer ihm noch unbemerkten engen Höhle zwischen verschlungenen Gebüschen hervor. Das traf nun zwar alsbald seine Asmundurklinge gut, es in zwei blutige Hälften spaltend, aber eine Anzahl von finnischen Kriegern wimmelte dem Gefällten mit gräßlichem Geheule nach;
Aber der coole Held metzelt natürlich tapfer weiter, am Ende fängt er auch noch zu singen an:
Da erhub Otto, mit letzten Kräften fechtend, eine ernste Liederweise, wie er deren nach nordischer Art wohl hatte dichten und singen lernen. Sie hieß also:
»Baut Steine, Heldensteine auf,
Ins Sterbetal zum Denkmal her!
Hier haben die Schweden frisch gehaun,
Hier sind die Schweden gefallen kühn. -
Ein solcher Heldenkitsch ist schon ziemlich ärgerlich.
Schöne Grüße,
Wolf