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  • Motte Fouqué: Der Zauberring: 2. Juli 2009

Autor Thema: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)  (Gelesen 4837 mal)

Offline Zola

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Hallo zusammen,

ich möchte einen wohl etwas weniger bekannten Klassiker zur gemeinsamen Lektüre vorschlagen: "Der Zauberring", von Friedrich de la Motte Fouqué.

Auf der Seite des Manufactum-Verlags heißt es u.A. zu diesem Roman:

"Ein Altvater der „Fantasy Fiction“

Bei der Lektüre von Fouqués 1813 erstmals erschienenem großen Mittelalter-Roman „Der Zauberring“ nähern Sie sich dem literarischen Urgrund der heutigen „Fantasy Fiction“ der Tolkiens, Normans und Endes und ihrer Nachfolger. Bei Fouqué ist bereits alles versammelt, was das Genre auch heute noch aus der Vergangenheit herbeizuholen pflegt, um „gegen- oder mittelirdische“ Szenarien jenseits der banalen Gegenwart zu entwerfen: heidnische Urmythen, ritterliche Männlichkeit und magisch begabte Weiblichkeit. Fouqués war auf diesem literarischen Feld wirklich fruchtbar und einflußreich – direkt und über Umwege. Edgar Allen Poe meinte: „Für einen Fouqué gebe ich vierzig Molières.“


Neugierig geworden?
Weitere  Infos zum Buch gibt's heute Abend.

Viele Grüße,
Zola
« Letzte Änderung: 5. Juni 2009, 01:21 von Zola »

Offline sandhofer

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #1 am: 14. Mai 2009, 11:05 »
Fouqué - auch so einer, den Arno Schmidt in höchsten Tönen lobte. Da werde ich immer misstrauisch ... Diese Leserunde werde ich wohl eher von weitem verfolgen ... Nix für Ungut!  :winken:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Giesbert Damaschke

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #2 am: 14. Mai 2009, 11:20 »
Fouqué - auch so einer, den Arno Schmidt in höchsten Tönen lobte. Da werde ich immer misstrauisch ...

Nicht ganz zu unrecht, aber den Alethes von Lindenstein und die Erzählungen habe ich schon ganz gern gelesen.
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline Zola

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #3 am: 14. Mai 2009, 13:17 »
Fouqué - auch so einer, den Arno Schmidt in höchsten Tönen lobte. Da werde ich immer misstrauisch ...

So kann man sich irren - ich dachte, dass man Euch mit dem Hinweis auf Arno Schmidts Empfehlung anlocken könnte...

Offline sandhofer

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #4 am: 14. Mai 2009, 13:48 »
So kann man sich irren - ich dachte, dass man Euch mit dem Hinweis auf Arno Schmidts Empfehlung anlocken könnte...

Na ja - ich warte jetzt mal Deine versprochenen weiteren Informationen ab. Und das Jahr 2010 ...  :zwinker:
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Offline Wolf

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #5 am: 14. Mai 2009, 13:51 »
Zitat von: Manufactum-Webseite
Fouqués war auf diesem literarischen Feld wirklich fruchtbar und einflußreich – direkt und über Umwege. Edgar Allen Poe meinte: „Für einen Fouqué gebe ich vierzig Molières.“

Statt "Fouqués" müßte es "Fouqué" heißen, statt "Allen" wäre "Allan" richtig, und die korrekte Zahl lautet nicht "vierzig", sondern "fünfzig".

Den "Zauberring" habe ich vor vielen Jahren gelesen, woran natürlich Arno Schmidt schuld war. Die künstlich archaisierende Sprache wirkt stellenweise unfreiwillig komisch und fast schon parodistisch; mich in die Figuren hineinfühlen konnte ich deshalb nicht. Das ganze ist gut geschriebener Kitsch, den man in dieser Qualität selten findet, insofern ist dieser Roman durchaus amüsant und sprachlich nicht uninteressant. :-)

Schöne Grüße,
Wolf

Offline Giesbert Damaschke

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #6 am: 14. Mai 2009, 14:14 »
Nach meiner Erinnerung ist Fouqué allemahl lesenswerter als Lafontaine.

Zitat
»Zu Anfang einer lauen Frühlingsnacht war Otto auf dem Verdeck eingeschlafen; es mochte schon fast gegen Morgen gehen, da weckten ihn einige kühle Seelüfte, über sein Gesicht hinstreifend, auf. Er richtete sich in die Höhe, vom hellsten Mondlicht umgossen, und eine Reihe schroffer, hoher Felsen starrte unfern des Schiffes gegen den tiefblauen Nachthimmel empor. Mächtige Buchenwälder rauschten auf der Steinberge Gipfeln, die Zinnen einzelner Warten und starke Bergtürme ragten hin und her zwischen den Bäumen und zwischen dem wilden Geklüft heraus. Adler, in den Klippen horstend, flogen rufend herunter, und über die Schiffe hin. Sehr schaurig war dem jungen Ritter zumut und doch so wohl .....«

Solche Stellen vermochte um 1813 Niemand ohne Herzklopfen zu lesen; und gleich beliebt wie dieser große Ritterroman vom »Zauberring« war auch sein Verfasser, Friedrich Baron de la Motte Fouqué. Heine, Hauff, Treitschke, sind unverwerfliche Zeugen, wie er ein Jahrzehnt lang den Büchermarkt der Metropole beherrschte; in den Leihbibliotheken der Provinz fand man ihn noch gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts. Daneben gewann seine große Kunst auch den Beifall strenger Kenner, und nicht nur Deutschlands: endlos sind die Reihen der Übersetzungen zumal in Englisch und die nordischen Sprachen. Und welch unermeßlichen, teils verhängnisvollen, Einfluß er auf die Regierenden seiner Zeit ausübte – und also über die Könige hinweg wieder auf das gesamte Volk – soll erst noch dargestellt werden.

Also eine in jeder Hinsicht wichtige Persönlichkeit! –
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Offline Giesbert Damaschke

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #7 am: 14. Mai 2009, 14:16 »
ah, er zitiert ihn noch mal ausführlicher:

Zitat
Stimme: »Durch üppig verzweigtes Gebüsch, über unwegsames Gestein hinauf, klommen die Ritter, während der Sturm heulend den waldigen Abhang hinunter zog, und in grausiger Tiefe mit den Wellen eines ungestümen Bergwassers brüllend rang. Endlich zeigte sich durch die bereiften Äste der Buchen, durch der Tannen schneebelastetes Dunkelgrün, ein freier Platz, welchen sie alsbald im Betreten für den vom Köhler angegebenen erkannten. Denn hoch in dessen Mitte, fast wie ein Felsengeklipp, ragte der heidnische Opferheerd gegen den Himmel an, und der Mond, plötzlich aus einer Wolke vorbrechend, warf seinen bleichen Totenschimmer auf schwarze Holzbrände und verwittertes Gebein, über der furchtbaren Oberfläche des Baues zusammengehäuft.

Noch standen die Ritter zweifelnd vor dem gewaltigen Heerde, ungewiß, ob sie hier die Erscheinungen der frevlen Abgötterei erwarten, oder lieber angreifend die Eingänge aufsuchen sollten. Da merkten sie mit einigem Schaudern unversehens, daß sie zu Viert waren: ein riesengroßer, aber ganz schattenartig aussehender Mann stand neben ihnen. Der sagte mit hohler windiger Stimme: ‹Ihr meint es gut, und ich möchte Euch doch lieber raten, abzustehen. Die drunten sind verzweifelt stark. Wollt Ihr aber durchaus nicht ablassen, da müßt Ihr an die Nordseite des Heerdes, wo die beste Einfahrt ist, dreimal mit den Klingen anklopfen und dazu sagen:

      Gieb uns guten Gang, du,
      Grieß, Gestein und Hartwuchs.
      Haußen harren Starke,
      haben Lust zum Abgrund. –

  Angriff ist immer das Beste: bei meinen Lebzeiten hab’ ich grimmige Tiere auch lieber angefallen, als mich von ihnen anfallen lassen!› – Da ihn die Ritter mit forschender Verwunderung anblickten, sagte er noch: ‹Ich möchte Euch gern ein Stückchen auf dem Jägerhorn vorblasen, damit Ihr desto kampflustiger würdet; aber ich darf mich jetzt hier nicht sehr laut machen. Glück auf, Ihr wackeren Bergleute!› – Damit schwand der wunderliche Waidmannsschatten in den Wald hinein, und die Herren beschlossen, seinem Rate zu folgen, weil er ja doch etwas recht Ritterliches und Tapfres enthalte. Sie schlugen mit den Klingen gegen die Nordseite des Opferheerdes, und Heerdegen, welcher die Beschwörungsworte am besten behalten hatte, sagte sie dazu her.

Da fing es an, sich zu regen und zu rollen in dem Gestein, und auseinander tat sich die moosige Wand, daß man tief hinein sehen konnte in einen langen, steil abschüssigen, sehr engen Gang. Lichtlein gaukelten, bald wie mutwillig, bald wie scheu, die Mauern entlängst, über die verfallenen Stufen hinab. Der Seekönig Arinbjörn schritt rasch in die Wölbung hinein; Otto ihm nach, einen Blick noch auf die lichte Mondscheibe zurückwerfend; dann folgte Heerdegen, ein altes Lied von Berggeistern vor sich hin summend. Der Falke schmiegte sich scheu an Ottos Brust, wohl fühlend, daß er zwischen diesen engen Wänden seinen kühnen Flug nicht entfalten dürfe. Bald aber ward es geräumiger. Der edle Wunsch, keiner Gefahr später als der Waffenbruder zu begegnen, trieb Otto und Heerdegen an des Seekönigs Seite vor; und nebeneinander gereiht, schritten die drei Genossen mitsammen fürder, ihre langen Schwerter wie Fühlhörner in die Dunkelheit vorausstreckend.

Sie trafen auf nichts Feindliches. Vielmehr, je tiefer sie stiegen, je mehr erweiterte sich das Gewölbe, je milder senkten sich die Stufen: plötzlich standen sie auf ganz ebenem Boden. Eine Zugluft hauchte sie an, wie aus freier Gegend; und sie meinten umsomehr in eine solche gelangt zu sein, da es hoch über ihnen, als von einer Himmelswölbung, herabfunkelte mit einzelnem Sternenlicht. Wie sie in dieser ungeheuren Tiefe zum Anschauen des Firmaments gelangt sein mochten, darüber sannen sie noch zweifelnd nach, als schon der Falke von Ottos Brust in die Höhe stieg, freudigen Schwunges den ungehemmten Raum begrüßend. Bald aber kam das mutige Tier verstört und taumelnd zurückgeflattert; sie sahen wohl, es hatte seine Jagd beginnen wollen, und war auf entsetzliche Gestaltungen gestoßen, die nun dicht über den Häuptern der Ritter hinwallten; man wußte nicht, war es riesiges Geflügel von unerhörter Art, waren es Höhlendämpfe, die in dieser unterirdischen Gegend in so zahlreichen Scharen und bedräuenden Bildern umherzogen.

Ein großer See lag zu ihren Füßen, das schwarze Gewölb und die Lampensterne recht freudlos rückspiegelnd. Die Ritter fühlten mit ihren Schwertern hinein, Arinbjörn endlich mit seiner langen Hellebarde: es war auch ganz dicht am Ufer an keinen Boden zu denken! Das kam ihnen ganz schauerlich vor, so ein Wasserabgrund tief noch unter den Bergen wo sie standen. Sie nahmen sich aber vor, ihr Abenteuer frisch zu Ende zu bringen, und schritten das Ufer des mächtigen Weihers entlängst; der Falke ruhte auf Ottos Helm.

Mehr als eine Meile lang waren sie schon am Borde hin gewandert, da tat es sich vor ihnen auf, wie ein steiler Hügel, auf dem eine getürmte Feste stand. Während sie sich ihr nähern wollten, bemerkten sie, daß der See hier einen wildrauschenden Fluß aufnehme, der sich gerade zwischen sie und das Ziel ihrer Reise hinzog. An Durchwaten oder Durchschwimmen war bei diesen entsetzlich schäumenden Wirbeln nicht zu denken: man hielt sich also stromaufwärts, um vielleicht irgendwo einen Übergang zu entdecken. Bald auch erreichten sie eine hohe, von lauterem Erz gewölbte Brücke, die unter den geharnischten Fußtritten der Wandelnden wie in Melodieen eines grausen Marsches zu tönen anhub. Jenseits angelangt, sahen sie ein weites ebenes Feld vor sich; man hätte es eine blühende Aue nennen mögen, denn es leuchtete wie von vielen Blumen darauf; aber diese gaben sich allzumal im Näherkommen als bleiche, wunderlich geformte und Schwefelduft aushauchende Flämmlein kund. Doch war es, als ob viele seltsame, über die Ebene bald einzeln, bald in Scharen hintrabende Tiere, halb wie Rosse, halb wie Stiere gebildet, ihre Nahrung daraus zögen, denn sie rupften oft solche Flämmlein ab und sprangen dann lustiger fürder.

‹Sollen wir uns doch solch ein Roß fangen? Und darauf einreiten in die Burg?› fragte Heerdegen mit einem dreisten Lachen; verhoffend, dadurch das Grauen in sein und seiner Gefährten Brust zu ersticken. Aber der vom Entsetzen geborene Scherz weckte auch wieder zum Entsetzen auf; sie schauderten alle Drei zusammen, daß die Harnische rasselten. Zudem kam ein kleiner häßlicher Zwerg auf einem Beine gesprungen, der sagte: ‹Nein, lasset Euch nach diesen Tieren nicht gelüsten: das sind der Göttin Freia Zauberrosse; damit jagt sie die Menschen, die ihr nicht opfern wollen: Ich aber bin der edlen Rosse Hirt.› Nach diesen Worten stieß er in ein ungeheures Horn, so gellenden und zugleich donnernden Tones, daß die Ritter sich des Zurückwankens kaum erwehren konnten. ‹Erschreckt Euch das?› lachte der Zwerg: ‹Ich spiele ja nur ein bißchen auf der Schalmei, wie es der Hirten Art und Weise ist: hier unten klingt ein eigner Schall, und blüht ein eigner Mai – da macht es denn die Schalmei den beiden nach. Aber wenn Ihr wollt, kann ich Euch auch unsre Hirtentänze sehen lassen; ich habe noch viel Genossen hier nahe bei –: ?› Die Ritter winkten ihn mit den beerzten Händen fort, und gingen schweigend auf die Burg zu. Gellend lachte der zwergische Hirt ihnen nach, und die Zauberrosse sprangen wildwiehernd auf der Flammenwiese umher.

Die drei Herren gingen über Zugbrücken, durch Tore hin, wie in eine ordentliche Ritterburg; einige erzgeharnischte Männer, schien es, hielten an den Eingängen Wacht. Sie neigten sich vor den Eintretenden mit strengem Waffengruß, ohne daß man doch eigentlich recht wissen konnte, ob es nicht bloß künstliche Bildsäulen wären, die so wunderlich zusammenrasselten und sich bückten und dann wieder grade ständen, in regungsloser Härte fest.

Durch leere Gemächer und Säle hin führte der Gang; die Tritte hallten schauerlich wieder in dem, es schien ganz erstorbenen, Gebäu. Flackernde Lampen hingen hin und her an den Wänden, den Weg der Wandernden wie mit Grabkerzen beleuchtend. Endlich kamen sie in ein wunderliches Zimmer; da saß ein Ritter darin, hinter einem langen leeren Tisch, und las in einem aufgeschlagenen Buche, auf dessen Blättern sich grauenvolle Züge, mit Runenschrift untermischt, wahrnehmen ließen. Dem Otto ward es zumute, als habe er ähnliches irgend einmal schon wo im Traume gesehen. Indem er sich noch darüber besann, schlug der Ritter sein Buch zu, richtete sich in die Höhe, und sagte hinausgehend: ‹Ihr hättet klüger getan, wegzubleiben; da Ihr nun aber einmal hier seid, will ich Euch melden.› .......«

1. Sprecher: Das war eine Probe aus dem berühmten »Zauberring«, dem »größten Roman aller Zeiten«, wie einst der junge Willibald Alexis, und mit ihm so mancher Burschenschaftler schwor: eben er eine jener »Vollendungen« mittelalterlicher Zustände und Denkweisen; vom naiv=verwegensten Sprachschatz genährt; Stichflammen von Metaphern; himmelsfarbene Lautkristalle, aneinander geschliffen und mit ihresgleichen in hinreißende Muster gelegt: tolle lege!
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Offline Giesbert Damaschke

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #8 am: 14. Mai 2009, 14:18 »
Vielleicht lese ich ihn ja doch ;-)
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline Zola

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #9 am: 14. Mai 2009, 19:19 »
Vielleicht lese ich ihn ja doch ;-)

Hoffentlich!

Hier noch der  versprochene Text:

Der Zauberring, der erfolgreichste Roman Fouqués und einer der wenigen großen Bestseller im Zeichen des Romantischen, ist ein Muster des deutschen Ritterromans, in dem Mythen- und Sagenstoffe "abenteuerlich" und phantasievoll vermischt, Auseinandersetzungen zwischen Heidentum und Christentum und den verschiedensten Schauplätzen des Okzidents und des Orients ritterlich ausgetragen werden. Fouqués Erzählkunst, die E.A. Poe "eine exquisite Manipulation der Einbildungskraft des Lesers durch den hohen Genius des Autors" nannte, erhebt die mittelalterliche Ritterwelt zu neuer poetischer Realität und treibt in der Darstellung von scheinbar längst Vergangenem ein ästhetisches Spiel mit der Gegenwart. Zauberspiegel, Doppelgänger, Opferherde, unterirdische Schlösser, gespenstische Erscheinungen, Zaubersprüche und -trünke: dies und vieles andere aus dem Arsenal schwarzer und weißer Magie verstört das Dasein der Ritter und ist zugleich Spiegel des Chaotischen in ihrem eigenen Innern, eine stets latente Bedrohung. Der Einfallsreichtum des Dichters bei der Inszenierung von "action" in romantisch-exotischer Dekor frappiert immer wieder aufs neue. "Erst mit dem 'Zauberring' hat Fouqué den Grundmechanismus seiner romantischen Visionen eingeführt: die Flucht aus dem beschirmten Idyll nach den Rändern einer von Grauen umlagerten Welt"
(vom Umschlag meiner Ausgabe abgetippt)

"Fouqués Kunst besteht in der stimulierenden Erregung unserer Phantasie - kein Wunder, dass ihn grade die Schöpfer künstlerischer Paradiese Hoffmann und Poe so schätzten." (FAZ)

Offline Wolf

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #10 am: 14. Mai 2009, 23:55 »
Zitat von: giesbert
Nach meiner Erinnerung ist Fouqué allemahl lesenswerter als Lafontaine.

Fouqué trägt eben richtig dick auf, deswegen geht's im "Zauberring" auch ziemlich fetzig zu.

Zitat von: Fouqué
Plötzlich rasselte ein schwergewaffneter Krieger zwischen den Klippen heraus. [...] ein einziger Blick in dessen Antlitz lähmte Ottos Kraft, goß die schneidende Eiskälte des Entsetzens durch sein Gebein.

Horror! :breitgrins:

Eine andere, ruhigere Szene:

Zitat von: Fouqué
Eines Abends saß er mit Walther an dem runden Tisch, die silbernen Becher voll edlen rheinischen Weines zwischen ihnen; draußen rauschte ein Frühlingsregenguß in Strömen herab, als wollte er nimmer wieder aufhören.

Die Becher müssen natürlich silbern sein und der Wein edel, das ist einfallslos und konventionell, aber das unaufhörliche Strömen des Regens ist sprachlich recht geschickt dargestellt; die entsprechende Stelle klingt sehr passend, wenn man sie laut vorliest. Für so etwas hatte Fouqué schon ein Gespür.

Und auf Sätze wie den folgenden muß man auch erstmal kommen. Ein "wunderschönes und wunderholdes Mädchen" ergeht sich in einem Garten und kommt zu einem Teich:

Zitat von: Fouqué
Hinwandelnd durch die Laubengänge von allerlei würzigen und goldbefruchteten Bäumen, gelangte sie endlich an den klaren Spiegel eines umbüschten Teiches, der aus den grünen Armen des zierlichen Gartengeheges als ein verliebtes und aller Schönheit dienstbares Auge heraufsah.

Aber solche feingezwirbelten Sätze wirken auf mich allzu gekünstelt. Das geschilderte Geschehen kann man dadurch nicht wirklich ernstnehmen. Etwas später findet das Mädchen im Garten ein prächtiges Schwert, nimmt es in die Hand und betrachtet es. Da tritt ein Ritter von "unbeschreiblicher Heldenherrlichkeit" hinzu und sagt: "Verletzet Euch nicht, Jungfräulein, mit diesem scharfen Spiel. Ich sähe lieber mein Herzblut vielfach strömen, als einen Tropfen des zarten Purpurs, der in Euren Adern wallt, aus diesen weißen Blumenfingern tröpfeln." Dann nimmt er ihr die Waffe "sittigen Anstandes" aus der Hand und geht sich ehrerbietig neigend von hinnen. Ja, so warns, die alten Rittersleut.

Die Darstellung der "Guten" und der "Bösen" ist manchmal äußerst platt: die einen sind groß, hell und schön, die anderen sind klein, schwarz und häßlich:

Zitat von: Fouqué
Wirklich auch stand er, wie ein wachthaltender Cherub, an der Bergespforte, der schöne, blonde Jüngling, vor dem schwarzen Gewimmel von kleinen, häßlichen Heiden, die auf ihn losstrudelten, und in rastlos flimmernden Kreisen flog seine Klinge schwirrend umher, und jedesmal, daß sie niedertauchte, schwang sie sich, von Blut gerötet, und Blutestropfen von sich sprühend, wieder in die Höh'. Schon lag es vor ihm wie ein Bollwerk, von mißgestalteten blutigen Leichen

Nach diesem Mißerfolg zieht sich der Feind zurück und beschießt den "blonden Jüngling" aus der Ferne mit Armbrüsten:

Zitat von: Fouqué
Das Schießen dauerte fort und fort, tat aber keinen Schaden. »Schlechtes Fechten«, sagte Otto in sich hinein. »Hilft ihnen nichts, und langweilt uns.« Und zugleich fing er zum Zeitvertreibe an, die Bolzen zu zählen, welche von seiner schwarzsilbernen Rüstung abprallten.

Da raschelte etwas dicht hinter seinen Füßen; er sah sich um, ein grinsendes Heidenantlitz brach aus einer ihm noch unbemerkten engen Höhle zwischen verschlungenen Gebüschen hervor. Das traf nun zwar alsbald seine Asmundurklinge gut, es in zwei blutige Hälften spaltend, aber eine Anzahl von finnischen Kriegern wimmelte dem Gefällten mit gräßlichem Geheule nach;

Aber der coole Held metzelt natürlich tapfer weiter, am Ende fängt er auch noch zu singen an:

Zitat von: Fouqué
Da erhub Otto, mit letzten Kräften fechtend, eine ernste Liederweise, wie er deren nach nordischer Art wohl hatte dichten und singen lernen. Sie hieß also:

»Baut Steine, Heldensteine auf,
Ins Sterbetal zum Denkmal her!
Hier haben die Schweden frisch gehaun,
Hier sind die Schweden gefallen kühn. -

Ein solcher Heldenkitsch ist schon ziemlich ärgerlich.

Schöne Grüße,
Wolf

Offline Giesbert Damaschke

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #11 am: 15. Mai 2009, 01:14 »
Zitat
Aber solche feingezwirbelten Sätze

nimmt Schmidt dann in ZT etymistisch unter die Lupe ;-). Es ist ja auch mit Händen zu greifen: umbüschter Teich, Schwert, Ritter, scharfes Spiel, strömendes (Deflorations)Blut etc.

Macht nichts, ich glaub, den setz ich mal auf meine Leseliste.
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline sandhofer

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #12 am: 15. Mai 2009, 06:29 »
Macht nichts, ich glaub, den setz ich mal auf meine Leseliste.

Eure Zitate machen einem tatsächlich Lust auf diesen Text ...  :winken:
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Offline sandhofer

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #13 am: 15. Mai 2009, 07:54 »
Ich habe mal bei amazon nachgeschaut. Was ist die Ausgabe des Verlags J.G.Hoof wert? Ist sie vollständig?

(Schön auch die Funktion "Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch", wo u.a. Bob Dylans Together Through Life und die Muppets Weihnachtsgeschichte aufgeführt werden.)
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Offline Wolf

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Re: de la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #14 am: 15. Mai 2009, 08:43 »
Zitat von: sandhofer
Ich habe mal bei amazon nachgeschaut. Was ist die Ausgabe des Verlags J.G.Hoof wert? Ist sie vollständig?

Das dürfte wohl die gleiche Ausgabe sein, die auch auf der Manufactum-Website angeboten wird. Vielleicht schreibt Zola ja hier noch etwas zu seiner Ausgabe.

Ich besitze die Dünndruckausgabe aus dem Winkler-Verlag (1984 erschienen), die ein sehr angenehmes Druckbild hat, außerdem ein Nachwort und einen einigermaßen ausführlichen Anhang (mit Worterklärungen, Personenverzeichnis usw.).

Die beiden Ausgaben von Winkler und Hoof sind anscheinend die einzigen modernen Zauberring-Ausgaben, wenn man mal von einer Faksimile-Ausgabe des Erstdruckes (1812) aus dem Olms-Verlag absieht.

Schöne Grüße,
Wolf