Autor Thema: Juli 2009 - De la Motte Fouqué: Der Zauberring  (Gelesen 12067 mal)

Offline Zola

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Juli 2009 - De la Motte Fouqué: Der Zauberring
« am: 2. Juli 2009, 13:08 »
Hallo zusammen,

hiermit eröffne ich feierlich die Leserunde zu Fouqués Zauberring.

Mitlesen möchten:

Giesbert
Hastic
Sandhofer
Zola

Ich wünsche uns viel Spaß und eine lebhafte Diskussion!
Weitere spontane und ritterliche Mitstreiter sind natürlich noch herzlich eingeladen.

Viele Grüße,
Zola

Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #1 am: 2. Juli 2009, 17:55 »
Danke, Zola!

Eröffnest Du bitte noch einen Materialienthread? Auch dafür gleich im voraus: Danke!  :winken:

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #2 am: 2. Juli 2009, 20:10 »
Gut, ich werde jetzt dann gleich noch beginnen. Meine Erwartungen sind klein: Arno Schmidts Empfehlungen aus seinen Radio-Features sind meist obksur, bestenfalls als Kuriosa zur Kenntnis zu nehmen. Schmidt hatte eine ungeheure Hochachtung vor der Masse an Text, so sind seine Empfehlungen meist Riesenwälzer. (Andererseits hielt er die Lyrik und die Lyriker für masslos überschätzt. Die paar Zeilen ... )

Ok - starten wir.  :winken:
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Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #3 am: 3. Juli 2009, 06:48 »
Meine Erwartungen sind klein [...]

aber voll erfüllt worden *ggg*. Ich habe gestern dann nur noch die ersten beiden Kapitel gelesen. Auch dieser Text wird wohl einer sein, den man nur in homöopathischen Dosen lesen kann. Der Stil ist so hanebüchen, dass einem Tränen kommen - nur weiss man nicht, ob vor Lachen oder Heulen. Ein "enthelmtes Haupt" war bisher das schönste - das "Mühmchen" fehlt natürlich auch nicht. Und Zauberringe gab's bereits zwei.

Das kann ja heiter werden ...
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Offline Zola

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #4 am: 3. Juli 2009, 07:45 »
Hallo zusammen,

ich bin gestern bis ins vierte Kapitel gekommen und stimme mit dem was Sandhofer in seinem letzten Beitrag geschrieben hat voll überein. Langweilig ist es bislang jedenfalls nicht, wie der uns vorausgeeilte Giesbert in einem anderen Thread gemeint hatte.

Offline Zola

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Juli 2009 - De la Motte Fouqué: Der Zauberring
« Antwort #5 am: 3. Juli 2009, 07:48 »
Als Materialien zuerst einmal der Link auf den Text im  Projekt Gutenberg und der Verweis auf die Fouqué-Gesellschaft.

Offline Giesbert Damaschke

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #6 am: 3. Juli 2009, 09:04 »
Langeweile liegt im Auge des Lesers ;-). Mich jedenfalls ödet das ritterliche Rumgehampel, die platten Pappfiguren und der schwachbrüstige Tonfall doch eher an. Ich bin jetzt bei S. 225 und es ist eigentlich immer noch nichts passiert, was Arno Schmidts Diktum, dem Melancholiker Fouqué sei der  Stoff unter der Hand zum Abbild der Welt geworden, irgendwie plausibel erscheinen lassen könnte.
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Offline Giesbert Damaschke

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #7 am: 3. Juli 2009, 09:17 »
Gut, ich werde jetzt dann gleich noch beginnen. Meine Erwartungen sind klein: Arno Schmidts Empfehlungen aus seinen Radio-Features sind meist obksur, bestenfalls als Kuriosa zur Kenntnis zu nehmen. Schmidt hatte eine ungeheure Hochachtung vor der Masse an Text, so sind seine Empfehlungen meist Riesenwälzer. (Andererseits hielt er die Lyrik und die Lyriker für masslos überschätzt. Die paar Zeilen ... )

Sein erster Funkessay widmet sich immerhin dem Lyriker Brockes, der alles anders als obskur ist 8-)

Auch die anderen Autoren (lassen wir Massenbach und Johannes von Müller mal außen vor): Cooper, May, Wieland, Klopstock, Moritz, Joyce, Stifter, Herder, Wezel, Tieck, Dickens, Bronte, Gutzkow, Collins oder Bulwer sind ja nicht wirklich "obskur".

Bleiben:  Pape, Schnabel, Oppermann, Schefer, Frenssen, Lafontaine und Spindler.

Pape ist ganz nett, Schnabel imho nicht mehr lesbar, die "100 Jahre" von Oppermann habe ich gern gelesen, aber keine Erinnerung mehr daran, der vielgelobte "Waldbrand" von Schefer hat mich davon überzeugt, dass ich von dem Autor nichts mehr lesen möchte, den Frenssen habe ich eher angewidert abgebrochen, Lafontaine gelangweilt zur Seite gelegt und Spindlers "Vogelhändler von Imst" als ganz amüsant in Erinnerung (aber ich fürchte, heute fände ich den auch sterbensöde ;-))
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Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #8 am: 3. Juli 2009, 11:51 »
Langweilig ist es bislang jedenfalls nicht, [...]

Nun ja - vom Stuhl gehauen vor lauter Spannung und Interesse hat es mich bisher auch nicht. Und wie lange das Amüsement ob des Stils vorhalten kann?

Das ist jetzt OT:

Gut, ich werde jetzt dann gleich noch beginnen. Meine Erwartungen sind klein: Arno Schmidts Empfehlungen aus seinen Radio-Features sind meist obksur, bestenfalls als Kuriosa zur Kenntnis zu nehmen. Schmidt hatte eine ungeheure Hochachtung vor der Masse an Text, so sind seine Empfehlungen meist Riesenwälzer. (Andererseits hielt er die Lyrik und die Lyriker für masslos überschätzt. Die paar Zeilen ... )

Sein erster Funkessay widmet sich immerhin dem Lyriker Brockes, der alles anders als obskur ist 8-)

Auch die anderen Autoren (lassen wir Massenbach und Johannes von Müller mal außen vor): Cooper, May, Wieland, Klopstock, Moritz, Joyce, Stifter, Herder, Wezel, Tieck, Dickens, Bronte, Gutzkow, Collins oder Bulwer sind ja nicht wirklich "obskur".

Ja. Nein. Wer kennt heute denn noch Brockes? Bei den Autoren, die noch einigermassen bekannt und/oder lesenswert sind, versteift sich Schmidt dann gerne auf obskure Werke. Hauptsache, sie umfassen viele, viele Seiten. Als wirklich lesenswert habe ich nur die Buchtipps zu Collins und Bulwer Lytton in Erinnerung. (Brockes kannte ich schon vor ihm.)
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Offline BigBen

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #9 am: 3. Juli 2009, 12:03 »
Fouqué hat soeben meine Amazon-Wunschliste verlassen. 
"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

Offline Giesbert Damaschke

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #10 am: 3. Juli 2009, 12:59 »
Ja. Nein. Wer kennt heute denn noch Brockes?

Peter Rühmkorf nannte seine erste Gedichtsammlung "Irdisches Vergnügen in g.", was eine Anspielung auf Brockes ist.

Zitat
Bei den Autoren, die noch einigermassen bekannt und/oder lesenswert sind, versteift sich Schmidt dann gerne auf obskure Werke. Hauptsache, sie umfassen viele, viele Seiten. Als wirklich lesenswert habe ich nur die Buchtipps zu Collins und Bulwer Lytton in Erinnerung. (Brockes kannte ich schon vor ihm.)
Wezel, Wieland, Herder, Tieck, Moritz -- Allesamt lesenswert, auch die Bücher, die Schmidt von ihnen empfiehlt ;-). Auch Dickens "Bleakhouse". Schmidt hat gar nicht allzu abgelegene oder obskure Werke ausgegraben, sondern es gut verstanden, sich als Entdecker zu präsentieren ;-).
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Offline Giesbert Damaschke

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #11 am: 3. Juli 2009, 13:02 »
Aber zurück zum Thema: Bis zum zehnten Kapitel im zweiten Buch (also da, wo ich gearde feststecke) taucht zwar gelegentlich Zauberisches auf, aber mit dem Familienring, um den es geht, hat das nichts zu tun. Dabei wird ja gleich am Anfang ein "Zauberring" genannt, was aber für die nächsten 200 Seiten erstmal folgenlos bleibt.
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Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #12 am: 3. Juli 2009, 19:32 »
Dabei wird ja gleich am Anfang ein "Zauberring" genannt, was aber für die nächsten 200 Seiten erstmal folgenlos bleibt.

Interessant. Ich habe das Gegenteil vermutet.

Und wenn man mich jetzt fragt: Warum liest du das denn überhaupt, so muss ich mit Mephisto antworten: Von Zeit zu Zeit les' ich die alten Schwarten gern ... ;)
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Offline hastic

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #13 am: 3. Juli 2009, 21:32 »
Vorbemerkungen:
Ich lese eine digitale Version, die ich von Gutenberg (oder sowas ähnliches) runtergeladen habe. Ich kann also nicht mit Seitenangaben kommen.
Zu der Diskussion um Schmidt kann ich nichts beitragen, meine Motivation den Zauberring zu lesen ist ja eine andere.
Ich liege weit hinter den anderen. Habe zwar etwas gemogelt und hie und da gelesen, aber bin ernsthaft erst bei Kapitel 4.

Zur Sprache haben ja schon einige kommentiert. Schon in der Einleitung geht es los: günstiger Leser und den lieben Gott mit rechter Inbrunst um Hülfe anrufen. Und so geht es weiter. Sprachlich ist das Buch in meinem Augen nicht gut gealtert.
Imho ist auch die Lyrik etwas "gedrechselt", klingt fast so als ob ich mich an Gelegenheitspoesi versucht hätte (Dann, wo Christ gelitten, Wird ein Kampf gestritten; Wer da fällt, hat Gloria, Wer da lebt, Victoria! - reim dich oder schüttel dich).

Zur Story (ja, ich weiss, es ist vermessen nach vier Kapiteln schon eine Meinung dazu zu haben, aber ich wage es eben dennoch). Auch hier kling einiges gedrechselt, unrealistisch:
  • Gabrieles Angel, die gerade passenderweise auftaucht.
  • Das Hin und Her mit dem Ring, als er das erste Mal auftaucht.
  • Folko klettert von einem Baum runter, da ist Gabriele schon auf und davon nach England. Überhaupt, die reinste Globalisierung, die Welt als Dorf, es klingt so als ob das europäische Parlement hin und her reist.
  • Ein Ritter im vollen Harnisch springt (!) vom Pferd, um zu fechten. Er konversiert natürlich galant, schlägt die Laute.
Ich vermute, es geht so weiter.

Das ist also nichts. Will sagen: weder die Sprache noch die Story können Anlass sein, das der Roman heute noch gelesen wird (wer weiss, vielleicht sind wir - und natürlich A. S. - die letzten Mohikaner  :zwinker:). Was also?
In Kapitel 2 wird Otto und Bertha die reinste Märchenwelt vorgeführt, die Gesellschaft mit der Dame und ihrem Ritter, die dann ihre fantastische Geschichte erzählt. Ende des dritten Kapitels ist dann der Spuk genauso schnell zu Ende, wie er aufgetaucht ist. Puff macht es, und Otto und Bertha stehen plötzlich alleine da auf ihrer Donauwiese.
Eine Menge ist aber passiert: Otto, der absolut nicht weg wollte von seinem Mühmchen, will jetzt Ritter werden und auf und davon. Ein paar Personen sind uns vorgeführt, die offenbar - ja was eigentlich - irgendwas stimmt auf jeden Fall nicht. Selbst der greise Herr Hugh scheint ein tieferes Wasser zu sein, als der Anschein vorgibt.

Ich glaube, es ist das, was den Roman ausmacht: eine Fantasy-Story (schauriges Wort, aber so heisst das wohl). Ich werde es ja sehen.

Grüsse aus den hellen schwedischen Nächten,
hastic

Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #14 am: 4. Juli 2009, 06:01 »
Ich liege weit hinter den anderen. Habe zwar etwas gemogelt und hie und da gelesen, aber bin ernsthaft erst bei Kapitel 4.

Ich bin gestern Abend noch bis Kapitel 5 vorgedrungen. Soooo weit hinten liegst Du also nicht. Zumal das Buch wohl wirklich eines ist, das ich nur in hmöopathischen Dosen zu mir nehmen kann, wenn ich denn ganz bis ans Ende vordringen will.

Ich frage mich nämlich jetzt schon, wenn ich die Zusammenfassung der ersten vier Kapitel von Dir lese, was denn nun eigentlich in Kapitel 5 neu war.

Will sagen: weder die Sprache noch die Story können Anlass sein, das der Roman heute noch gelesen wird (wer weiss, vielleicht sind wir - und natürlich A. S. - die letzten Mohikaner  :zwinker:). Was also?

Ich vermute, diese Deine Frage wird uns noch des öftern beschäftigen in dieser Leserunde ...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen