Hallo zusammen,
ich bin auch gestartet, bin bei Kapitel 6 und es geht mir ebenso:
...so muss ich mit Mephisto antworten: Von Zeit zu Zeit les' ich die alten Schwarten gern ...
Ich habe ein 80-100 jähriges Exemplar ausgeliehen erhalten, in alter Schrift natürlich, was wunderbar zu diesem Werk passt. Erster Eindruck: es liest sich angenehm, zügig, unterhaltsam, und ich kann mir vorstellen, dass es zum Vorlesen geeignet war, was ja in dieser Zeit wohl immer noch eine verbreitete Rezeptionsform war. Ein Ritter Truchsess soll sich das Werk dreimal hintereinander haben vorlesen lassen (Einleitung des Hrsg.).
Auch dieser Text wird wohl einer sein, den man nur in homöopathischen Dosen lesen
Mir geht es gerade umgekehrt: Es scheint einer der Texte zu sein, die man in grossen Einheiten lesen sollte, um so richtig aus dem Alltag heraus und in die Geschichte reinzukommen! Möglichst drei, vier Stunden am Stück...
In der Einleitung des Herausgebers wird auch erwähnt, dass Fouqué die Gestalt des Folko von Montfaucon besonders am Herzen lag und er ihn als Ahnherr seiner Familie bezeichnet (er teilte ihm auch die Farben seines eigenen Wappens, himmelblau und Gold, zu): Seine Familie habe in alten Zeiten Foulqué geheissen, abgeleitet von Folko oder Fulko, und eine Burg Montfaucon habe zu den Besitztümern der Familie gehört. Dadurch entsteht mE eine besondere Spannung, weil wir am Anfang als Leser bei der Gegenpartei sind und Falko als Widersacher erleben. Ausserdem scheinen sich Gabriele und Falko nicht gerade besonders abgeneigt zu sein?!
Ist die Sprache bewusst archaisierend?
Ich frage mich, ob das Werk das Rittertum auch schon ironisiert. Eine Stelle in Kapitel 3
Draussen im nächtlichen Dunkel hörte man am Gerassel der fallenden Rüstung, dass Archimbald am Boden lag. erinnert mich an die Stellen in Muschgs Rotem Ritter, wo er sich plastisch vorstellt, wie sich das in Wolframs Parzival immer wieder vorkommende "und setzte ihn hinters Ross" (wenn einer beim Lanzenstechen verliert) wohl in der Rüstung wirklich angefühlt haben muss.
Bis zum zehnten Kapitel im zweiten Buch (also da, wo ich gearde feststecke) taucht zwar gelegentlich Zauberisches auf, aber mit dem Familienring, um den es geht, hat das nichts zu tun. Dabei wird ja gleich am Anfang ein "Zauberring" genannt, was aber für die nächsten 200 Seiten erstmal folgenlos bleibt.
Offenbar hat Fouqué den ursprünglichen, recht passenden Titel "Waffenhallen und Minnelauben" auf den Vorschlag seiner Gattin hin in "Der Zauberring" geändert. Es würde also nicht überraschen, wenn der Ring eine geringere Rolle spielt als der Titel erwarten lässt.
Die Aufnahme des Werks bei den Zeitgenossen reichte offenbar auch schon von höchster Bewunderung bis zu totaler Ablehnung. Somit sind wir hier eine repräsentative Runde!
Grüsse, Maja