Autor Thema: Juli 2009 - De la Motte Fouqué: Der Zauberring  (Gelesen 12069 mal)

Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #15 am: 5. Juli 2009, 08:27 »
Wieder ein paar Kapitel weiter. Die Geschichte plätschert tatsächlich ein bisschen vor sich hin; als wirklich langweilig habe ich sie aber noch nicht empfunden. Etwas chaotisch scheint sie zu sein - aber das ist vielleicht auch nur romantisches Program ...

Jedenfalls sind wir unterdessen in Frankfurt. Ich habe den Autor allerdings in Verdacht, dass es mit einer historischen Genauigkeit nicht so weit her ist bei ihm. Ein Kaufmann lädt einen Ritter zu sich nach Hause ein und startet dann als Reisiger mit ihm auf Tour? Ich weiss nicht, ich weiss nicht ...

Aber im Moment noch immer recht amüsant, das Ganze.
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Maja

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #16 am: 5. Juli 2009, 10:00 »
Hallo zusammen,
ich bin auch gestartet, bin bei Kapitel 6 und es geht mir ebenso:
Zitat von: sandhofer
...so muss ich mit Mephisto antworten: Von Zeit zu Zeit les' ich die alten Schwarten gern ...
Ich habe ein 80-100 jähriges Exemplar ausgeliehen erhalten, in alter Schrift natürlich, was wunderbar zu diesem Werk passt. Erster Eindruck: es liest sich angenehm, zügig, unterhaltsam, und ich kann mir vorstellen, dass es zum Vorlesen geeignet war, was ja in dieser Zeit wohl immer noch eine verbreitete Rezeptionsform war. Ein Ritter Truchsess soll sich das Werk dreimal hintereinander haben vorlesen lassen (Einleitung des Hrsg.).

Zitat von: sandhofer
Auch dieser Text wird wohl einer sein, den man nur in homöopathischen Dosen lesen
Mir geht es gerade umgekehrt: Es scheint einer der Texte zu sein, die man in grossen Einheiten lesen sollte, um so richtig aus dem Alltag heraus und in die Geschichte reinzukommen! Möglichst drei, vier Stunden am Stück...

In der Einleitung des Herausgebers wird auch erwähnt, dass Fouqué die Gestalt des Folko von Montfaucon besonders am Herzen lag und er ihn als Ahnherr seiner Familie bezeichnet (er teilte ihm auch die Farben seines eigenen Wappens, himmelblau und Gold, zu): Seine Familie habe in alten Zeiten Foulqué geheissen, abgeleitet von Folko oder Fulko, und eine Burg Montfaucon habe zu den Besitztümern der Familie gehört. Dadurch entsteht mE eine besondere Spannung, weil wir am Anfang als Leser bei der Gegenpartei sind und Falko als Widersacher erleben. Ausserdem scheinen sich Gabriele und Falko nicht gerade besonders abgeneigt zu sein?!

Ist die Sprache bewusst archaisierend?
Ich frage mich, ob das Werk das Rittertum auch schon ironisiert. Eine Stelle in Kapitel 3 Draussen im nächtlichen Dunkel hörte man am Gerassel der fallenden Rüstung, dass Archimbald am Boden lag. erinnert mich an die Stellen in Muschgs Rotem Ritter, wo er sich plastisch vorstellt, wie sich das in Wolframs Parzival immer wieder vorkommende "und setzte ihn hinters Ross" (wenn einer beim Lanzenstechen verliert) wohl in der Rüstung wirklich angefühlt haben muss.

Bis zum zehnten Kapitel im zweiten Buch (also da, wo ich gearde feststecke) taucht zwar gelegentlich Zauberisches auf, aber mit dem Familienring, um den es geht, hat das nichts zu tun. Dabei wird ja gleich am Anfang ein "Zauberring" genannt, was aber für die nächsten 200 Seiten erstmal folgenlos bleibt.
Offenbar hat Fouqué den ursprünglichen, recht passenden Titel "Waffenhallen und Minnelauben" auf den Vorschlag seiner Gattin hin in "Der Zauberring" geändert. Es würde also nicht überraschen, wenn der Ring eine geringere Rolle spielt als der Titel erwarten lässt.

Die Aufnahme des Werks bei den Zeitgenossen reichte offenbar auch schon von höchster Bewunderung bis zu totaler Ablehnung. Somit sind wir hier eine repräsentative Runde!

Grüsse, Maja
« Letzte Änderung: 5. Juli 2009, 20:08 von Maja »

Offline Zola

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #17 am: 5. Juli 2009, 12:43 »
Hallo zusammen,

ich habe jetzt die ersten 9 Kapitel gelesen. Ich finde das Buch sehr gut: Es ist unterhaltsam, kurzweilig, stellenweise durch seine Aneinanderkettungen von zufälligen Begegnungen verrückt, ironisch (inwieweit beabsichtigt oder nicht ist mir noch nicht ganz klar) und mysteriös. Von Seite zu Seite gibt es mehr offene Fragen zu den auftretenden Personen. Ich habe auch wie Maja den Eindruck, dass man das Buch am Stück lesen sollte. Die Sprache gefällt mir insgesamt auch sehr gut, sie ist es eigentlich was das Lesen interessant macht. In moderner Sprache verfasst würde ich das Buch vielleicht nur für einen langweiligen Fantasy-Schinken halten. Eine Verfilmung könnte ich mir auch gut vorstellen, entweder als schlechter Ritterfilm oder ironisch überspitzt im Stil von Monty Python.

Viele Grüße,
Zola

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Juli 2009 - De la Motte Fouqué: Der Zauberring
« Antwort #18 am: 5. Juli 2009, 16:16 »
Zitat
Hier [im „Zauberring“] zum ersten Mal betritt Fouqué das Gebiet des eigentlichen »Ritterromans«, des romantischen und damals so beliebten Mittelalters. Aber unter den Händen des Melancholikers wird etwas ganz anderes daraus, als bisher die Gebilde Cramers, oder der Naubert, oder auch Goethes Götz: es wird das Bild der Welt überhaupt.

Einer labyrinthisch verworrenen Welt, an deren Außenrändern wilde Länder und Völker als Übergang zum Chaos lauern. Im Süden die staubdunstende Wüste mit giftigem Zeug; im Norden in eisigen Felsklüften und verflochtenen struppigen Wäldern heidnische Zauberfinnen; im Westen wellt sich das graue Meer. Und die Söhne des Herrn Hugh, Eines nur in vielfacher Brechung, dringen durch die Gänge des Labyrinthes, fallen aus nach allen Richtungen, verwirren sich im »Wald der Welt«, wie es Fouqué später einmal formuliert. Das sollte man bei der Lektüre des Buches nie vergessen, daß es, ähnlich wie die ‹Insel Felsenburg›, ein Weltbild gibt; nur, daß bei Fouqué das strahlende, fast mythisch beruhigende Gegenbild der seligen Insel fehlt. (Noch einmal nur, in den »4 Brüdern«, ist ihm Ähnliches gelungen).

Die harmloseren Zeitgenossen erfreuen sich vielfach an der scheinbar gobelinbunten Manier, ohne die tiefe Schwermut, ohne das Gefühl der absoluten Exponiertheit zu empfinden; Einer erfreut sich sogar an dem »Christentum« des Werkes!

[…]

Fouqués Weltbild ist durchaus dämonisch, und wenn er im Leben nicht religiös genug sich gebärden kann – in echter Furcht vor dem Tode und der Hölle zumeist – ordnet sich in seinen Dichtungen die Weiße Lehre in einen größeren Rahmen ein: den der Zaubermittel gegen Angst und Unheil überhaupt. Fouqué ist gar kein Christ.

[…]

Der »Zauberring« ist ein bedeutendes Buch, und nicht nur sprachlich voll großer zahlreicher Schönheiten; bewundernswert auch die Kunst, mit der zwar die Haupterzählung auf einen kleinen, obwohl wandernden Ort fixiert wird, eben so weit der nähere »Gesichtskreis« geht – aber um diesen Ort wehen Wiesen, Lichter blinken aus fernen Waldbergen, Wege winden sich in einsamere Täler – immer bleibt im Unterbewußtsein des Lesers dieses »inselhafte« Gefühl wach, immer weiß er um die stark akzentuierte Landschaft hinter der Haupterzählung; immer regt der Dichter katalysatorisch die Phantasie des über dem Text Träumenden an.

(Arno Schmidt, Fouque und einige seiner Zeitgenossen, III/2, S. 203 ff.)
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #19 am: 5. Juli 2009, 16:24 »
Giesbert hat einen Ausschnitt aus Arno Schmidts Interpretation in den Materialien gepostet, den ich sehr interessant finde. Für die Topologie bzw. Topografie der von ihm gelesenen Werke hatte Schmidt ja ein Auge.

Die Sprache? Nun ja - ich habe mich daran gewöhnt. Ein wenig.

Ironisch? Ich glaube nicht. Fouqué war's wohl todernst mit seinem Roman. Ironie kam in die Romantik erst mit Heine; und damit war's dann aber auch gleich aus mit der Romantik.
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Offline Giesbert Damaschke

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #20 am: 5. Juli 2009, 17:15 »
Vielleicht bin ich ja milder gestimmt, aber ich habe jetzt mal ein paar Kapitel weiter gelesen und finde es jetzt ganz annehmbar. Der hohe Norden wird ein wenig spannender, auch wenn es da vor Nationalismen und "missgestalteten Heiden" nur so wimmelt und dramatische Kampfszenen nicht länger als 2 Seiten sind. Und am Ende natürlich Otto gewinnt, ganz gleich, welche finstren Horden da gegen ihn anrennen.

Es werden auch Erzählfäden aus dem Beginn wieder kurz aufgenommen, die eingestreuten Geschichten scheinen doch nicht nur Füllsel zu sein, wie ich erst mutmaßte. Nun, mal weiterlesen.
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Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #21 am: 5. Juli 2009, 17:39 »
Vielleicht bin ich ja milder gestimmt, aber ich habe jetzt mal ein paar Kapitel weiter gelesen und finde es jetzt ganz annehmbar.

Das macht mir Mut. (Obwohl ich jetzt schon - ich bin erst in Friesland bzw. Frankfurt - das Ganze annehmbarer finde, als mich der Beginn vermuten liess. Aber vielleicht ist es auch einfach ein Exempel dessen, dass man sich an allem gewöhnt - ausser am Dativ ...  :breitgrins: )
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Offline hastic

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #22 am: 5. Juli 2009, 19:33 »
Zitat von: Maja
Ich frage mich, ob das Werk das Rittertum auch schon ironisiert.
Eine andere Stelle, die auf jeden Fall Rittertum vs Bürger thematisiert, ist Kapitel 9, wo Otto in die Welt von Tebaldo eingeführt wird; es ekelt ihn natürlich. Und Tebaldo entschuldigt sich dann auch später für das Betragen der Seinen. Und will Reisiger werden, obwohl er ein erfolgreicher Kaufmann ist.
Auch vorher die Szene mit Folkos Falke zeigt, was der gute Tebaldo, trotz seiner anfänglichen Keckheit gegen den edlen Waidmann, zu erwarten hat, wenn er allzu aufrührerisch ist.
Damit bezieht mE Fouqué doch ganz klar Stellung. Ich stimme also eher Sandhofer zu, der meint das ernst. Er wäre sicher todtraurig und vergräzt, wenn er Zolas Vorschlag zu hören bekäme (auch wenn ich ihm zustimme):
Zitat von: sandhofer
Eine Verfilmung könnte ich mir auch gut vorstellen, entweder als schlechter Ritterfilm oder ironisch überspitzt im Stil von Monty Python.

Ich habe mich ein paarmal (mühsam vorangearbeitet bis ins 17. Kapitel) an der historischen Genauigkeit aufgehakt. Ich hatte Probleme einzusehen, dass Frankfurt am Main um 1200 schon als Großstadt dargestellt werden kann. Und siehe da, wikipedia sagt mir: 1220 wurde Frankfurt freie Reichsstadt.
Auch als meine Wahlheimat plötzlich im Text auftauchte, musste ich erstmal nachlesen, wie weit denn mit der Christianisierung gekommen war. Und ob die ungefähre Grenze zu den heidnischen Finnen stimmt. Und ja, Fouqué macht keine Fehler, was das bettrifft. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass die schwedischen Könige (oder was mal ein paar Jahrhunderte später König werden sollte) die finnische Grenze bewachten, wenn ich mich richtig erinnere, lebten da Samen, die mit ihren Rentieren zu tun hatten. Gekämpft wurde gegen die Norweger und die Dänen.

Zitat von: giesbert
Es werden auch Erzählfäden aus dem Beginn wieder kurz aufgenommen.
Ja, das mag wohl sein (ich bin noch so weit im Text :) ) und zeigt, dass Fouqué ein guter Handwerker ist, aber die Geschichte spreizt doch sehr. Mächtig viele Fäden, die da ausgelegt werden.
« Letzte Änderung: 5. Juli 2009, 19:43 von hastic »

Offline Giesbert Damaschke

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #23 am: 6. Juli 2009, 01:43 »
Ich stimme also eher Sandhofer zu, der meint das ernst.
Aber hallo ;-)

Zitat
Ich habe mich ein paarmal (mühsam vorangearbeitet bis ins 17. Kapitel) an der historischen Genauigkeit aufgehakt.
Da soll sich Fouque sehr genau am Kenntnisstand seiner Zeit orientiert haben; behauptet jedenfalls Schmidt. Ich poste das Zitat mal bei Gelegenheit im Materialien-Strang.

Mir persönlich ist dergleichen ja sowas von wurscht. Und je länger weg, desto, äh, wurschter ;-)

(Was die historische Genauigkeit angeht, wäre Wolf von Niebelschütz’ „Kinder der Finsternis“ wohl interessanter. Bei dem Turniere übrigens alles andere sind als ein edler Zeitvertreib (ich hab jetzt keine Lust, die Unfugszitate bei F. rauszusuchen, aber diese Verklärung eines, wienenntmandas, "Waffengangs" geht mir schon mächtig auf die Nerven.) Und das mit der hohen Minne hat bei N. auch sehr handfesten, oder sagen wir mal genauer: handgreiflichen Grund.)

Zitat
Mächtig viele Fäden, die da ausgelegt werden.
Und bis S. 250 wird nur ein Bruchteil eingeholt, dafür jede Menge neuer gesponnen 8-)
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Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #24 am: 6. Juli 2009, 05:24 »
Er wäre sicher todtraurig und vergräzt, wenn er Zolas Vorschlag zu hören bekäme (auch wenn ich ihm zustimme):
Zitat von: sandhofer
Eine Verfilmung könnte ich mir auch gut vorstellen, entweder als schlechter Ritterfilm oder ironisch überspitzt im Stil von Monty Python.

Da hat's Dir wohl die Zitierfunktion verhauen, der Satz stammt von Zola (dem Mitglied alldahier, nicht dem französischen Autor ...).

Ich bin im übrigen gestern noch bis und mit Kapitel 20 vorgedrungen. Die Zahl der Handlungsstränge hält sich für meinen Geschmack eigentlich in sehr engen Grenzen; genau betrachtet haben wir - neben den Abschweifungen in Erzählungen am Lagerfeuer - nur Otto einerseits, sein Mühmchen andererseits.

Und wunderschön, wie (sicher sehr zu Arno Schmidts Freude) hier in Nullkommanichts das Zauberische, Archaische, Chaotische das Christliche, Moderne, Geordnete übern Haufen wirft und Bertha mitsamt Bruder praktisch sturmflutartig von ihrem Refugium bei der Drude wegschwemmt.

Historische Genauigkeit: Im Groben folgt Fouqué sicher dem damaligen Stand der Kenntisse. Ob aber auch solche Details wie die Kontakte von Kaufmannstum und Ritterstand stimmen? (Wobei: Die Aufmüpfigkeit von Bauern und Bürgern gegenüber dem herrschenden Adel gab's ja tatsächlich. Nicht nur in den italienischen Stadtstaaten, die da auch ihre ganze eigene Geschichte fahren. Das ist mir an und für sich und im Grunde genommen genau so wurscht wie Giesbert - aber interessant ist es hier insofern, als dass dieses christliche Rittertum, das uns Fouqué schildert, sich noch nicht mal gegen die heidnischen Warlords und Zauberer durchgesetzt hat - und bevor das Mittelalter so richtig ein- und sich durchsetzen konnte, es bereits von der sog. Neuzeit eingeholt wird.)
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Offline BigBen

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Re: Juli 2009 - De la Motte Fouqué: Der Zauberring
« Antwort #25 am: 6. Juli 2009, 06:52 »
Schmidt erwähnt Fouqué im "Schwarzen Spiegel" und zieht dort einen Vergleich mit etwas älterem (habe das Buch gerade nicht zur Hand, kann ich aber nachreichen, falls Giesbert nicht schneller ist).
"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

bonaventura

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #26 am: 6. Juli 2009, 09:08 »
Ironisch? Ich glaube nicht. Fouqué war's wohl todernst mit seinem Roman. Ironie kam in die Romantik erst mit Heine; und damit war's dann aber auch gleich aus mit der Romantik.

Na, das sollte man so aber nicht stehen lassen. Ironie gehört zur Grundausrüstung beinahe aller Romantiker!

Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #27 am: 6. Juli 2009, 10:43 »
Ironisch? Ich glaube nicht. Fouqué war's wohl todernst mit seinem Roman. Ironie kam in die Romantik erst mit Heine; und damit war's dann aber auch gleich aus mit der Romantik.

Na, das sollte man so aber nicht stehen lassen. Ironie gehört zur Grundausrüstung beinahe aller Romantiker!

Hallo Bonaventura! Lange nichts mehr von Dir gehört. Leider.

Die Romantische Ironie - verkürzt ausgedrückt: das Durchbrechen der ästhetischen Illusion dadurch, dass man sie nachträglich wieder zerstört bzw. thematisiert (Tieck: Der gestiefelte Kater) - habe ich in Fouqué (nocht nicht? / nicht mehr?) gefunden. Aber ich meinte die viel banalere Ironie unseres alltäglichen Verständnisses: Dass wir etwas anderes meinen als wir sagen (oft das Gegenteil), dies einem dritten, unbeteiligten Zuhörer (oder dem Leser) auch zu verstehen geben, den zweiten, direkten Adressaten aber über unsere eigentliche Meinung im Dunkeln lassen.
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Offline hastic

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #28 am: 6. Juli 2009, 21:19 »
Halleluja, der Zauberring ist da (wenn er es denn ist). Im Kap 22 taucht er auf. Obwohl er bis jetzt wenig zauberisches an sich hat. Eher ein Anlass für eine Vendetta.

Zitat von: sandhofer
das Zauberische, Archaische, Chaotische
Das scheint immer wichtiger zu werden. Ich frage mich, ob eine kurze Bemerkung i Kap 7 (wer recht alchimistisch nach dem Innern zu fragen versteht) irgendwie eine Erklärung bieten kann, kenn mich da aber leider nicht aus. Mir fiel die Stelle bloss auf, weil kurz vorher sich der Erzähler selbst zu Wort gemeldet hatte. Kann genauso wenig was über Erzähltheorie, um entscheiden zu können, ob das wichtig ist.
Ähnlich aufgefallen ist mir die Sphärenmusik, die Frau Minnetrost hört. Da gehört doch eine Menge Theorie dazu? Die alten Griechen und wer weiss noch wer alles.
Wenn ich schon beim Fragen bin: Parallele Handlungsmotive (heisst das so?) bei Gerda und Schön-Sigrid. Beide werden beim Kräuterpflücken gestört und müssen noch mal von Anfang anfangen. Sollen wir jetzt wetten, ob Gerda und Heerdegen sich am Ende kriegen, so wie Sigrid und Svensson?

Pathos und Patriotismus, dass es nur so trieft, die armen Italiener kommen nicht gut weg (bunte Papageien). Folko dagegen, dass ist ein edler Normann, der betet sogar mit Otto vor dem Kampf.

PS: Sorry, Sandhofer. Ja, das mit dem Zitieren muss ich noch üben. Habs noch mal probiert...

Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #29 am: 7. Juli 2009, 05:42 »
Ich bin jetzt bei II,6. Das Buch liest sich, wenn man sich einmal an die Sprache gewöhnt hat, doch recht süffig. Es hat allerdings halt auch recht wenig Tiefgang. Die Handlung scheint voranzukommen, aber irgendwie täuscht der Schein und man bewegt sich nur im Kreis. Es findet zwar mal wieder ein Zweikampf statt, aber das Resultat wird annulliert, da man glaubt, Otto sei ein Zauberer. (Dabei wurde das arme Kerlchen doch verzaubert. Wider sein Wissen und seinen Willen. Nochmals so ein Einbruch des archaischen Zauberwesens in eine gesittete christliche Hochzeitsfeier. [War's eine Hochzeit? Müsste ich nochmals kontrollieren. Weil: Wenn das heidnische Zaubertum eines der christlichen Hochsakramente ruinieren könnte, wäre das doch recht interessant.])

Fouqué lässt Otto dann ein Jahr als Bärenmenschen leben (auch ein beliebtes Motiv der Romantiker!), ohne allerdings uns Leser daran teilhaben zu lassen. Wir finden Otto erst wieder, als ihn der Nordländer nach einem Jahr ebenfalls wieder findet. Der Nordmann nimmt den Alemannen (hätt' ich fast geschreiben: Steirer!) mit zu sich nach Hause, weil ja nicht nur im Heiligen Land, sondern auch hoch oben in Finnland den Heiden auf die Nüsse gegeben werden soll, und siehe da: Kaum angekommen, entpuppt sich der Fant, der Ott', als Meister aller Waffen und Kampftechniken, in der Lage, jeden Nordmann zu besiegen. So was kennen wir doch höchstens noch von einem andern Ottifanten: Old Shatterhand ...

Im Ernst: Ob unser Ottifant der erste seiner Art ist, müsste ich erst noch nachschauen. Aber er hat der (literarischen) Kinder, Enkel und Urenkel zu Hauf. Nicht nur Old Shatterhand ist einer, auch jener andere, über den dann auch der Film schon gedreht wurde, den Zola so gerne gedreht sehen möchte: Conan der Barbar. Mit einer steirischen Eiche als Ottifant. Ja.
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