Autor Thema: Juli 2009 - De la Motte Fouqué: Der Zauberring  (Gelesen 12068 mal)

Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #90 am: 21. Juli 2009, 16:43 »
warum Schmidt aus dem Zauberring vor allem einen Ausschnitt aus dem Höhlen-Kapitel zitiert. Das ist eine der ganz raren besseren Partien.

Hat's nun der Schmidt oder haben es die deutschen Trivialautoren so mit Höhlen? Eine der schönsten Szenen von Karl Mays Im Reiche des Silbernen Löwen findet doch auch in so einer Höhle statt, und ich meine, Schmidt hätte die ebenfalls zitiert.

Ich frage mich, ob der Autor vorher einen Handlungs-Plot festgelegt hatte, oder ob er nur einfach drauf los geschrieben hat und ihm dabei ein paar spontane Ideen gekommen sind.

Ich vermute schon einen Plan. Immerhin geht das Gebrüdere und Geschwestere inkl. aller Love Stories so einigermassen auf, auch wenn die Motivation der einzelnen etwas ... nun, nennen wir's: schwach ist. Was passiert, wenn der Autor keinen Plan hast, kannst Du ebenfalls beim gerade schon angezogenen Karl May in seinen grossen Trivial-Schinken sehen: Da landen Unschuldige im Gefängnis und werden vom Autor dort schlicht vergessen. Oder eine Protagonistin verlobt sich mit einem Protagonisten, um 400 Seiten lang zu verschwinden, und bei ihrem erneuten Auftauchen dann ganz selbstverständlich mit einem andern verlobt zu sein, ohne dass Autor oder Protagonisten ein Wort darüber verlören. Oder ... oder ... oder ...
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Offline Giesbert Damaschke

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #91 am: 21. Juli 2009, 17:30 »
Kleiner Lesehinweis am Rand zum Thema "Trivialschinken, Personal, Verwicklung, fehlender Überblick": Mario Vargas Llosa, Tante Julia und der Kunstschreiber.
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Offline Giesbert Damaschke

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #92 am: 21. Juli 2009, 17:33 »
Hat's nun der Schmidt oder haben es die deutschen Trivialautoren so mit Höhlen?

"Höhlen" dürften ein universales Motiv der Weltliteratur sein.
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Offline Zola

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #93 am: 22. Juli 2009, 08:56 »
Ne, wo der Zauberring lt. Schmidt "bedeutend" sein soll, hat sich mir noch nicht erschlossen.

Mal abgesehen davon, dass ich von Arno Schmidt selbst recht wenig kenne: Er hat ja auch den "Andreas Hartknopf" von Karl Philipp Moritz empfohlen, den wir ebenfalls hier im Forum gemeinsam gelesen haben und der auch nicht so dolle war.

Offline Giesbert Damaschke

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #94 am: 26. Juli 2009, 14:11 »
Mal abgesehen davon, dass ich von Arno Schmidt selbst recht wenig kenne: Er hat ja auch den "Andreas Hartknopf" von Karl Philipp Moritz empfohlen, den wir ebenfalls hier im Forum gemeinsam gelesen haben und der auch nicht so dolle war.

Ohne das jetzt nochmal nachzulesen: Er hat vor allem den Anton Reiser empfohlen. Und damit hatte er auch Recht.

Ad rem: Zauberring endlich beendet. So schnell werde ich nichts mehr von Fouqué lesen, jedenfalls keinen Roman mehr. Die Erzählungen sind wohl ganz ok. Vielleicht linse ich noch mal in den Alethes rein, den ich in guter Erinnerung habe. Aber ich vermute, dass er mir heute auch nicht mehr zusagen würde.

Seltsames Christentum, bei Fouqué, btw. Unterscheidet sich vom haidnischen Zauberwerk nur durch seine höhere Wirksamkeit. Ob man nun mit irgendwelchen Zauberringen herumfuchtelt oder mit Weihwasser herumspritzt, macht ja keinen Unterschied. Zauberzeug das eine wie das andere.
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Offline Giesbert Damaschke

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #95 am: 26. Juli 2009, 14:15 »
Ohne das jetzt nochmal nachzulesen: Er hat vor allem den Anton Reiser empfohlen.

Ne, doch nicht, hat er nicht:

Zitat
Leider ist der ‹Andreas Hartknopf› – vom rein dichterischen Standpunkt aus dem ‹Reiser› zumindest ebenbürtig, vielleicht gar überlegen – dem Durchschnittsleser absolut unzugänglich.
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Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #96 am: 26. Juli 2009, 14:21 »
Seltsames Christentum, bei Fouqué, btw. Unterscheidet sich vom haidnischen Zauberwerk nur durch seine höhere Wirksamkeit.

Ja. Eigentlich gehörte Fouqué exkommuniziert ...  :breitgrins:

Btw: Brandt's Haide - ne?
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Maja

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #97 am: 28. Juli 2009, 10:29 »
Fertig! :ohnmacht:

Offline sandhofer

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Maja

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #99 am: 28. Juli 2009, 19:41 »
Fertig! :ohnmacht:
Und?  :teufel:
Tja, was Und? Für ein salbungsvolles Schlusswort fehlen mir die Worte. Im Moment habe ich dem, was hier schon geschrieben wurde, nichts mehr anzufügen. Das erste Buch fand ich recht schön und unterhaltsam zu lesen, im zweiten hielt mich eine gewisse handlungsmässige Spannung über Wasser, und anstelle des dritten hätte ein kurzer Epilog für die romantisch notwendigen Zusammenfügungen und Kreisschlüsse genügt.
Trotzdem werde ich noch eine Weile bei Fouqué bleiben, die Undine gelegentlich wiederlesen und in den Sammelband "Rittergeschichten und Gespenstersagen" hineinschauen. Das Thema Ritterromane stand schon länger auf meinem Programm, und es ist doch schön zu wissen, dass es nach diesem Start nur noch besser werden kann!  :winken:
« Letzte Änderung: 28. Juli 2009, 19:42 von Maja »

Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #100 am: 29. Juli 2009, 05:39 »
Das erste Buch fand ich recht schön und unterhaltsam zu lesen, im zweiten hielt mich eine gewisse handlungsmässige Spannung über Wasser, und anstelle des dritten hätte ein kurzer Epilog für die romantisch notwendigen Zusammenfügungen und Kreisschlüsse genügt.

Ja? Mich hat die sinnlose Klopperei schon im ersten Buch genervt (im dritten dann wieder, im zweiten eigentlich auch, wenn ich's recht bedenke ...); im zweiten war der Krieg im Norden ganz ok, die doofen Weiber allerdings hätte Fouqué sich und mir sparen können, besonders, nachdem er in einem Kapitel eine wirkich gelungene Differenzierung der drei und eine zart angedeutete Love Story gebracht hat, leider nur, um das Ganze im nächsten Kapitel dann wieder zu Mus zu hauen; das dritte hingegen hatte mit der Höhle und der Schlacht am Ende die besten Momente des ganzen Romans. Auf des Papstes geweihtes Wasser und die paarweise Zusammentreibung hätte ich dann wieder verzichten können.

es ist doch schön zu wissen, dass es nach diesem Start nur noch besser werden kann!  :winken:

Du kennst ja das Standard-Prozedere in jeder US-amerikanischen Comedy-Show, wo eine Figur gerade seufzt: "Schlimmer kann es nicht werden!", und es dann an der Tür klingelt und die Schwiegermama steht davor?
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Offline Zola

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #101 am: 29. Juli 2009, 09:11 »
Seltsames Christentum, bei Fouqué, btw. Unterscheidet sich vom haidnischen Zauberwerk nur durch seine höhere Wirksamkeit.

Das Christentum als Heldenreligion. Dazu passt gut, dass Gerda das Kreuz in Gestalt des Schwertes anbeten sollte. Ich glaube aber, dass das von dem mittelalterlichen Glauben leider gar nicht allzu weit entfernt ist. In Gil Vicentes geistlichen Spielen kamen die Kreuzritter auch alle direkt in den Himmel (dafür aber mancher Papst in die Hölle).

Ich bin 50 Seiten vor Schluß. Endspurt ;-)

Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #102 am: 29. Juli 2009, 13:46 »
Gerda

Auch so eine verpasste Gelegenheit, wie ich finde. Welche Möglichkeiten hätten der Zwiespalt zwischen eigenem, überkommenem Glauben und der Liebe zu einem Andersgläubigen doch geboten! Und das einzige, was Fouqué in den Sinn kommt, ist, dass sie dieses depperte Schwert küssen soll. (Vielleicht hätte es sich ja, wenn sie es nur lange genug geküsst hätte, auch aufgerichtet und ...?  :teufel: )
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Offline Giesbert Damaschke

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #103 am: 29. Juli 2009, 14:13 »
Wieso aufrichten? Rammt er das nicht in den Boden? Könnte man nochmal nachlesen. Ach ne ...
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Offline sandhofer

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Re: De la Motte Fouqué: Der Zauberring (Ein Ritterroman)
« Antwort #104 am: 29. Juli 2009, 15:11 »
Wenn ich mich recht erinnere, hast Du Recht. Schade. Damit geht mein schönes sitarisch-Schmidt'sches Bild flöten ...  :winken:
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