Hallo zusammen,
ich bin auch schon seit einiger Zeit an der Thelen-Lektüre und sehr davon angetan. Thelens sprachliches Feuerwerk (das ja grösstenteils nicht blosses Brimborium ist, sondern durchaus adäquat eingesetzt ist, d.h. die Sprache ist meines Erachtens dem Inhalt angemessen) und das originelle Konzept, das dieser Autobiographie zu Grunde liegt (ich denke an die "angewandten Erinnerungen" und den "doppelten Vigoleis") machen das Buch nicht nur lesenswert; eine Kanonisierung wäre für mein Dafürhalten gerechtfertigt. Es wird zwar immer von einem "Geheimtipp" gesprochen und es gibt ja auch so eine Art verschworene Thelenverehrer-Gemeinde, aber ich habe mal die Probe aufs Exempel gemacht: sowohl in Reclams Roman Lexikon (anfang der 90er) als auch im Harenberg (Buch der 1000 Bücher) wird Thelen aufgeführt. Dagegen habe ich von ihm während meines gesamten, bald abgeschlossenen Germanistikstudiums zugegebenermassen nie gehört...
@Sandhofer: warum findest Du den Helden nicht sympathisch? Das geht mir vollkommen anders: Vigoleis ist ja im Grunde ein Pikaro, der gerade durch sein Anderssein und aufgrund der Einräumung von Schwächen des Lesers Sympathie gewinnt, zumindest meine. Wenn man an die Pilar-Episode denkt, kann man sicherlich anderer Meinung sein, aber im Ganzen betrachtet?
Imrahil