Etwas verspätet kann ich mich nun auch der Leserunde anschließen. In Slowenien hatte ich kein Internet und in der freien Zeit war ich ziemlich abgespannt, weshalb meine Lektüre allerdings nicht sehr weit gekommen ist.
Die ersten Seiten wirken auf mich wie ein Kammerspiel. Gontscharow führt uns nach Oblomow nacheinander einige Charaktere vor, die mit Ausnahme von Sachar nach ihrem Auftreten zunächst spurlos wieder verschwinden verschwinden. Gegenwelten entstehen. Auf der einen Seiten, das symbiotisch lebende Paar O. und Sachar, auf der anderen Seiten die Bekannten aus der Außenwelt. Es ist für O. eine feindliche Außenwelt und wenn auch seine Bekannte keine Feinde sind, so bringen sie, die aus der Kälte kommen, die Gefahr von Krankheit mit in den kleinen, schäbigen Haushalt von O.
Meine sehr persönliche Sicht auf O. lässt ihn mir nicht unsympathisch erscheinen, doch möchte ich Sir Thomas widersprechen. Gontscharow hat bestimmt keine Sympathie für ihn. Als Zensor wusste G. bestimmt wie er über was schreiben durfte um nicht dem eigenen Amt zum Opfer zu fallen. O. steht hier für die Klasse der einflussreichen Gutsbesitzer, die nicht nur ihr Leben, sondern auch die Zukunft Russlands verschlafen. Ich neige im Augenblick dazu den Roman als eine Allegorie auf die damalige russische Gesellschaft zu sehen.
Das Verhältnis zwischen Oblomow Sachar, das Jaqui kritisiert ist, glaube ich, komplexer als es am Anfang ersichtlich ist. Möglicherweise ist hier eine Persönlichkeit in zwei Personen aufgespalten, die in einer gegenseitigen Abhängigkeit leben. Man denke sich nur einen von beiden weg. Ist die verbliebene Person dem Laben dann noch gewachsen?
Die ersten Kapitel sind voller Einzelheiten und ich vermute, viele davon werden sich noch als bedeutsam erweisen. Die weitere Lektüre wird zeigen was an meiner Vermutung richtig ist.
Vorerst ist es ein Vergnügen den Das Buch zu lesen.