Nachdem uns Gontscharow seine schwankenden Gestalten vor Oblomows Bett, also in das Zentrum geführt hat, beginnt er in Kapitel 1.5 wohl langsam die Hintergründe aufzurollen. Mir war nicht bewusst, dass es schon Mitte des 19. Jahrhunderts diese Methode gab, die wir heute aus so vielen Filmen kennen.
Oblomow fehlt wohl jedes Selbstbewusstsein, sonst hätte er sich bestimmt dem Tadel seines Vorgesetzten gestellt, aber er kann es sich ja leisten, wegen so einer Kleinigkeit aus dem Dienst in das Leben eines Rentiers zu flüchten. Wahrscheinlich braucht er aber Führung und Anleitung, denn später heißt es: „Sein Kopf stellte ein vielseitiges Archiv voll toter Dinge, Personen, Epochen, Ziffern, Religionen, zusammenhangsloser [...] Wahrheiten [...] und so weiter dar.“ Mir kommt auch irgendwie eine Ähnlichkeit mit Melvilles Bartleby in den Sinn und noch mit jemand anderem :-(
Sachar erscheint als Elefant im Porzellanladen. Doch wie vermutet, Sachar ist anhänglich und seine Unzulänglichkeiten kann man doch auch verstehen, schließlich muss er alle Launen seines Gebieters aushalten.
Ich muss auch gestehen, dass sich für meinen Geschmack Gontscharow etwas zu sehr in Einzelheiten verliert. Eigentlich bewundere ich Autoren, denen es gelingt, so weit in die Geschichte einzusteigen, dass sie neben den bedeutsamen Momenten auch das alltägliche und banale beschreiben können. Doch in O. ist noch keine richtige Spannung entstanden und so wirken die Details auf mich etwas langweilig.
@Robinson:
Aus meiner Sicht hat O. für das Problem der Gutsverwaltung schon Lösungen und einfach finde diese Aufgabe auch nicht. Sein Problem ist die Kraft für die Verwirklichung aufzubringen und für seine Pläne das entsprechende Vertrauen aufzubringen
Das Problem ist aber, dass er dann keinen der Vorschläge auch nur im Ansatz ernst nimmt und ständig fordert, die Leute sollen sich was Besseres einfallen lassen. Was auch keine Art ist.
Das qualifiziert ihn für eine Führungsposition in der Wirtschaft
