Katrin, mir sind die Romane die Liebsten, wenn ich darin etwas von mir, von meinem Leben oder auch von meinen (Alb)Träumen finde. Ich steige dann auch in die Geschichten hinein, und lebe mit den Figuren, schaffe mir Freunde und Gegner. Wir müssen jedoch auch dem Autor sein Recht lassen, uns seine Sicht der Dinge zu zeigen, und in diesem „Männerroman“ stellt er uns eben eines der wenigen unvollkommenen Exemplare vor

Für Frauen kann das verstörend sein. Welche Frau kann auch schon den Mann den sie sich wünscht, von dem unterscheiden, mit dem sie es zu tun hat

Für einen verliebter Mann, noch in der Phase der Unsicherheit, lauert hinter jeder Geste, hinter jedem Wort die Panik, er liegt nachts wach und grübelt über die möglichen Fehler, die er am Tag gemacht hat und die Folgen die das haben kann. Er lauert auf jedes Zeichen und verliert die Fähigkeit es zu deuten, er wird zum Nervenbündel und wehe, schwankend zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Wehe ihm, wenn das nicht vorüber geht. Oblomow kann ich da sehr gut verstehen.
Ich kann Doris auch zustimmen. Wenigstens am Anfang seiner Werbung um Olga zeigt Oblomow den Willen zur Veränderung, leider fehlt ihm dazu der Hintergrund und vielleicht hat er sich dafür auch überschätzt. Das ist aber auch das zentrale Thema dieses Romans.
Was die Frauen des niederen Adels und des Bürgertums im 19. Jahrhunderts betrifft, ganz pauschal: eine Frau war in ihrer Jugend Tochter und dann möglichst früh Ehefrau, sonst war sie nichts, im besten Fall konnten die „Späten Mädchen“ Gouvernante werden, in „schlimmeren“ Fällen Nonne oder vertrocknete Jungfer. Die standesgemäße Ehe war das große Ziel, die Erziehung danach ausgerichtet und das hat auch die Fähigkeit geförsert sich tief zu verlieben, den mit dem Mann kam die Aussicht auf Sicherheit und Anerkennung. Wir kennen einige Fälle in denen Frauen aus dieser Rolle ausgebrochen sind, oft mit dramatischen Folgen (man braucht nur Fontane, Flaubert, Stendal, Zola u.u.u. zu lesen) manchmal mit Erfolg, aber vorherrschend war die Unterordnung unter den Mann Ziel, Schicksal und durch die Gesetze erzwungen (vielleicht ist ja auch deshalb das 19. so ein grandioses Jahrhundert

)
Unsere beiden gegenwärtigen Hauptpersonen gehören zu denen die keinem Broterwerb nachgehen. Sie haben also viel Zeit für Gefühle und können sich darauf konzentrieren. Die Konventionen zwingen sie in ein enges Korsett und Olga ist zu bewundern, wie frei sie sich macht und eigentlich ein Vorbild für Oblomow darstellt. Von Oblomow können wir nicht das Gleiche erwarten, sonst wäre er nicht Oblomow.