Autor Thema: Oktober 2009 - Iwan A. Gontscharow: Oblomow  (Gelesen 11851 mal)

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #75 am: 20. Oktober 2009, 12:59 »
@Tom:

So ganz kann ich dir nicht folgen. Die Figuren eines Romans haben natürlich ihren individuellen Charakter, es erscheint mir aber, dass Gontscharow Oblomow eindeutig als Model für den Zustand Russlands und nicht als eine psychologische Studie angelegt hat. Dazu ist die gegenfigur Stolz zu eindeutig angelegt.

In den ersten Kapiteln klingt Widerstand zwar gegen die Welt an, aus der Kälte in die Wohnung O.s kommt, dann macht Gontscharow aus Oblomow aber einen recht gewöhnlichen, allerdings kraftlosen und unsicheren  Menschen.  Er ist sich im Geiste seiner Verantwortung ja bewusst, das ist auch mit ein Grund für seine Entscheidungsschwäche, denn er will keine Fehler machen und Risiko eingehen. Oblomow sieht auch keine Welt aus den Fugen gehen, sondern merkt, dass sie verändert(instandgesetzt) werden muss, kann es nur selbst nicht bewerkstelligen.
Die Figuren, die du nennst (Tanner kenne ich nicht) sind extremer, eigensinniger, oder Opfer (K). Bartleby z.B. nimmt den Tod in Kauf um sich selbst nicht zu verraten, K ist chancenlos einer anonymen Macht ausgeliefert.
Eine Oblomow im Kern ähnliche Figur ist vielleicht Hans Castrop im Zauberberg. Er lässt sich auch einspinnen in eine abgeschlossene Welt und verliert den Kontakt zur Außenwelt, nicht aus eigenem Antrieb, sondern auch aus Bequemlichkeit.

Offline Doris

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #76 am: 21. Oktober 2009, 21:48 »
Ich bin heute mit dem Buch fertig geworden, aber gedanklich habe ich es noch nicht ganz verarbeitet. Für mich ist es schwer zu verstehen, dass Oblomow letztlich an seiner Untätigkeit und Lethargie zugrunde geht, obwohl ihm klar ist, dass das nicht der richtige Weg ist. Selbst Stolz kann ihn nicht aus dieser Sackgasse retten, auch wenn er derjenige ist, der den größten Einfluss auf Oblomow hat. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass dies die wahre russische Mentalität ist. Oblomow wurde dieses Leben nur ermöglicht, weil er Adeliger ist, der auf Kosten seiner Dorfgemeinschaft lebt, aber das war doch nicht die Normalität beim Großteil der Bevölkerung.

Bei Olga lege ich mal heutige Erkenntnisse zugrunde und vermute, dass ihre psychischen Probleme ebensogut auf eine postnatale Depression zurückzuführen sein könnten. Damit wäre zumindest sie kein weiteres Beispiel für den Zustand Russlands. 

Grüße
Doris

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #77 am: 22. Oktober 2009, 11:17 »
Ich bin heute mit dem Buch fertig geworden, aber gedanklich habe ich es noch nicht ganz verarbeitet. Für mich ist es schwer zu verstehen, dass Oblomow letztlich an seiner Untätigkeit und Lethargie zugrunde geht, obwohl ihm klar ist, dass das nicht der richtige Weg ist. Selbst Stolz kann ihn nicht aus dieser Sackgasse retten, auch wenn er derjenige ist, der den größten Einfluss auf Oblomow hat. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass dies die wahre russische Mentalität ist. Oblomow wurde dieses Leben nur ermöglicht, weil er Adeliger ist, der auf Kosten seiner Dorfgemeinschaft lebt, aber das war doch nicht die Normalität beim Großteil der Bevölkerung.

Zu der Zeit als Gontscharow den Roman schrieb, dürfte Russland eine Bevölkerung von ca. 50 Millionen gehabt haben. Davon waren ca. 40 Millionen Bauern, die meisten davon politisch rechtlos.
Du hast natürlich Recht, diese Millionen lassen sich nicht mit Oblomow gleich setzen. Wenn ich Oblomow als Modell des russischen Zustands betrachtet habe, dann meinte ich die bestimmenden Schichten und Klassen in diesem Land, und das waren nicht zuletzt die Landadligen. Ich bin sicher, (und leider auch mit dem Mainstream einer Meinung) dass Gontscharow diese Zustände aufs Korn nehmen wollte und als Zensor wusste, wie sich das machen lässt, ohne die Behörden zu provozieren.

Ich bin heute mit dem Buch fertig geworden, aber gedanklich habe ich es noch nicht ganz verarbeitet. Für mich ist es schwer zu verstehen, dass Oblomow letztlich an seiner Untätigkeit und Lethargie zugrunde geht, obwohl ihm klar ist, dass das nicht der richtige Weg ist.

Ist das wirklich so? Hat O. nicht genau das bekommen womit er zufrieden sein kann?
Abgesehen davon, dass er seine Gesundheit ruiniert hat,  kommt er gegen Ende des Romans dort hin, wo der Roman begonnen hat. Nur, dass er jetzt sorgenfrei leben kann und auch noch eine Frau dazu bekommen hat, die ihn versorgt (auch sexuell) und sonst in Ruhe lässt. Was soll Oblomow sonst noch wollen? Das einzige, was ihm Sorgen bereiten könnte ist der Verlust seiner gesellschaftlichen Anerkennung.

Als Rentier zu leben war in vielen Ländern bei wohlhabenden Menschen nicht ungewöhnlich. Darwin z. B. hat  auch so gelebt. Nur hat er mehr daraus gemacht.

Offline Doris

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #78 am: 22. Oktober 2009, 21:49 »


Ich bin heute mit dem Buch fertig geworden, aber gedanklich habe ich es noch nicht ganz verarbeitet. Für mich ist es schwer zu verstehen, dass Oblomow letztlich an seiner Untätigkeit und Lethargie zugrunde geht, obwohl ihm klar ist, dass das nicht der richtige Weg ist.

Ist das wirklich so? Hat O. nicht genau das bekommen womit er zufrieden sein kann?
Abgesehen davon, dass er seine Gesundheit ruiniert hat,  kommt er gegen Ende des Romans dort hin, wo der Roman begonnen hat. Nur, dass er jetzt sorgenfrei leben kann und auch noch eine Frau dazu bekommen hat, die ihn versorgt (auch sexuell) und sonst in Ruhe lässt. Was soll Oblomow sonst noch wollen? Das einzige, was ihm Sorgen bereiten könnte ist der Verlust seiner gesellschaftlichen Anerkennung.

Zwischenzeitlich machte er nicht den Eindruck, dass er zur Gänze mit seiner Situation zufrieden ist. Es gab auch Momente, in denen ihm bewusst war, dass er fast zu einer Art Einsiedler geworden ist. Ich habe des öfteren seine Worte so interpretiert, dass er auch bedauert, so zurückgezogen zu leben, aber letztlich überwiegt seine anerzogene Passivität zu sehr. Es ist nicht Bequemlichkeit, die er sucht, sondern einfach die Unfähigkeit, sein Schicksal aktiv in die Hand zu nehmen. Angefangen mit seiner Familie, später von Sachar oder Stolz unterstützt, hat er nie gelernt, sich selbst um sein Leben zu kümmern. Da kam ihm die Witwe, die sich ihrerseits nach männlichem Beistand sehnt, gerade recht. Trotzdem war ihm immer bewusst, dass das nicht die richtige Art war, sein Leben zu verbringen.

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #79 am: 23. Oktober 2009, 06:50 »
Nun möchte ich mich noch abschließend zu meinen Eindrücken äußern, die die letzten Teile des Romans betreffen:

Zwei Männer, zwei Frauen. Daraus lassen sich vier Paare ableiten, wenn man sich auf  heterosexuelle Beziehungen beschränkt. Drei führt uns Gotscharow vor, setzt mit ihnen den Rahmen der Geschichte und in den Fassetten dieser Beziehungen spiegeln sich deutlich die Charaktere der beiden Männer wider. Die Persönlichkeiten der Frauen dienen mehr zur Unterstreichung und leider auch zur Aufblähung des Textes.

Oblomow - Olga

Stolz - Olga

Oblomow - Agafja

In den beiden ersten Beziehungen finden wir zeitweise zweifelnde Männer. Beide ziehen aus ihren Zweifeln diametrale Schlüsse und handeln unterschiedlich. Oblomow weicht Olga aus und entscheidet einsam die Beziehung scheitern zu lassen. Der utilitaristische Stolz, Positivist, als wäre er vom Schoß A. Comptes gesprungen, will Gewissheit und überwindet Olgas Angst (und sie selbst) durch eine sophistische Analyse und Zerstreuung ihrer Bedenken.   Es folgt ein glückliches Leben (die 4. mögliche Beziehung ist dadurch obsolet ;-) ), das Stolz noch die Zeit und Energie lässt, seinem Freund O. aus den Unannehmlichkeiten zu helfen, in die er, durch seine Lebensuntüchtigkeit und sein Umfeld, immer wieder hinein gerät.

In der dritten Beziehung, Gotscharow deutet sie früh an, und mit Hilfe von Stolz, findet Oblomow eigentlich das, wonach er  am Anfang des Romans strebt: Weltabgeschiedenheit und Freiheit von materiellen Sorgen. In Kauf nehmen muss er den gesellschaftlichen Absturz.  Einen horizontalen Menschen stört das aber nicht sonderlich. Seiner äußeren Trägheit und innerer Phantasie stellt Gontscharow eine Frau mit äußerer Kraft aber innerer Leere zur Seite. Sie ist die unermüdliche Herrin von Küche, Garten und Markt, lässt ihren Mann aber in Ruhe.

Abgesehen davon, dass sich Oblomow durch seine ungesunde Lebensweise sein Grab gräbt wäre so ein Schluss recht versöhnlich. Ich sehe sonst keine Sorgen, die Oblomow noch plagen könnten.

„ Und Oblomow selber? Oblomow selber war ein vollkommenes und natürliches Abbild der Ruhe, der Zufriedenheit und der ungetrübten Muße“

Gontscharow führt uns allerdings  die Folgen für die überlebenden Figuren vor, und hier sehen wir, wie durch der Tod Oblomows, den Wegfall der materiellen Basis, die zerbrechliche Idylle der von ihm abhängigen Menschen zusammenbricht. Sie erleben in der Folge  Entbehrung und Elend und haben nicht die Erfahrungen sich davon zu befreien. Die Ähnlichkeiten zu unserem „Helden“ sind deutlich sichtbar. Haben sie es verdient?  Nur sein Sohn wird  von Stolz aus dem oblomowischen Milieu heraus genommen. Wir sehen seine Zukunft also in guten Händen.

Es ist eine Stärke des Romans, dass er nicht mit einem reinen Happyend ausklingt.


Gonschtarow hat uns am Anfang mit Oblomow eine extreme Figur präsentiert. Ab dem zweiten Teil wird er mehr und mehr zu einem nahezu gewöhnlichen Menschen, der gegen Ende in die Eindimensionalität der Horizontalen zurückfällt. Von den Figuren, die am Bett O.s aufmarschieren, fehlt im weiteren, bis auf eine, jede Spur. In einigen Kapiteln widmet sich G. ausführlich Nebensächlichkeiten um woanders große Sprünge zu machen. Das ist wohl auch seiner unregelmäßigen Arbeit an dem Werk zuzuschreiben.

Ich finde, er kann sich sehr gut in eine momentane Situation und Stimmung seiner Personen hinein versetzten. Auch bei den weiblichen Figuren gelingt ihm das aus meiner Sicht hervorragend. Vielleicht liegt es auch daran, dass er manchmal, für meinen Geschmack, zu tief einsteigt.

Werde ich den Roman noch ein Mal lesen? Kaum.  Bei den vielen ungelesenen Büchern, die noch auf mich warten, werde ich mir die Zeit nicht mehr nehmen wollen. Das Gerüst der Geschichte lässt sich einfach behalten, die Einzelheiten sind nicht so ergiebig. Vielleicht lassen sich einige Textstellen zum Zitieren ausbeuten ;-)

Die Leserunde hat mir aber sehr geholfen, meine Gedanken zu entwickeln und zu strukturieren. Dieses gemeinsame lesen motiviert zum Nachdenken, und ich freue mich auch darüber, dass es nicht eine unterkühlte Debatte über literaturtheoretische Aspekte oder Formfragen wurde. Irgendwie sind wir alle in die Geschichte eingestiegen, hätten sie am liebsten in unsere gewünschten Bahnen gelenkt und daraus einen Roman in verschiedene Richtungen gemacht.


Jetzt wird es aber Zeit zum Ende zu kommen. Raus aus dem Bett, Zähne putzen und ab nach Paris und zu seinen Geheimnissen . Na ja, nicht sofort, vielleicht noch frühstücken, es ist noch kalt, es ist noch Zeit. Nichts überstürzen, der Tag ist noch lang, ein wenig kann ich noch liegen bleiben und vielleicht noch einen Tee trinken. Und dann erst... na man wird sehen...

SACHAR



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Re: Oktober 2009 - Iwan A. Gontscharow: Oblomow
« Antwort #80 am: 23. Oktober 2009, 10:00 »
Gestern Abend noch entdeckt:

http://seidel.jaiden.de/oblomow.php

Seidel gehört zwar zu den Philosophen, die bemüht sind, einfache Weisheiten durch verwickelte Texte unter das Volk zu bringen (das ist ja das Hauptgebiet der Philosophie), er kann aber auch Polemiken in flotter Sprache schreiben.

Offline Jaqui

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #81 am: 27. Oktober 2009, 12:03 »
Meine Endanalyse kommt, sobald ich fertig bin. Ich habe es noch immer nicht geschafft das Buch zu beenden.

Katrin

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #82 am: 27. Oktober 2009, 16:02 »
Meine Endanalyse kommt, sobald ich fertig bin. Ich habe es noch immer nicht geschafft das Buch zu beenden.

Katrin

Du willst wohl Oblomow nacheifern  :breitgrins:

Mach dich auf die Socken, ab Sonntag ziehen wir durch die Spelunken von Paris.

Offline Jaqui

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #83 am: 27. Oktober 2009, 18:16 »
Du willst wohl Oblomow nacheifern  :breitgrins:

So ungefähr komme ich mir derzeit vor. Nach der Zeitumstellung könnte ich den ganzen Tag nur schlafen  :breitgrins:


Mach dich auf die Socken, ab Sonntag ziehen wir durch die Spelunken von Paris.

Darauf freue ich mich schon sehr. Den Oblomow schaffe ich bis dahin schon noch. Ich werde heute noch ein wenig weiterlesen und morgen habe ich auch viel Zeit und hoffentlich auch Muse dazu.

Katrin

Offline Doris

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #84 am: 27. Oktober 2009, 23:10 »
In meinem Buch gab es noch ein aufschlussreiches Nachwort, das manche Situationen im Buch in ein etwas anderes Licht gerückt hat. Es wäre nicht schlecht gewesen, mir das vorher schon zu Gemüte zu führen, dann hätte die Geschichte teilweise ganz anders auf mich gewirkt. Vor allem Olgas Ängste, die sich in ihrer Ehe entwickeln, habe ich ganz anders gedeutet. Ich halte es durchaus für möglich, dass ich das Buch in späteren Jahren nochmals lese, dann aber unter ganz anderen Vorzeichen als jetzt. Gefallen hat es mir auf jeden Fall.

Die Leserunde hat mir Spaß gemacht und auch Lust auf die kommende Sue-Leserunde. Für eine unbedarfte Klassikerleserin wie mich ist es immer wieder aufschlussreich, Gedanken von Lesern nachzuvollziehen, die literarisch einen fundierten Background haben und wissen, wovon sie reden. 

Grüße
Doris

Offline Lost

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #85 am: 28. Oktober 2009, 13:23 »
In meinem Buch gab es noch ein aufschlussreiches Nachwort, das manche Situationen im Buch in ein etwas anderes Licht gerückt hat. Es wäre nicht schlecht gewesen, mir das vorher schon zu Gemüte zu führen, dann hätte die Geschichte teilweise ganz anders auf mich gewirkt. Vor allem Olgas Ängste, die sich in ihrer Ehe entwickeln, habe ich ganz anders gedeutet. Ich halte es durchaus für möglich, dass ich das Buch in späteren Jahren nochmals lese, dann aber unter ganz anderen Vorzeichen als jetzt. Gefallen hat es mir auf jeden Fall.


Romane zu denen sich eine eigene, nicht durch fremde Analysen verstellte, Sicht entwickeln lässt machen mir am meisten Freude.  Oblomow lässt sich ja als individuelle Geschichte lesen, in die sich eigene oder gedachte Erfahrungen und Positionen einbringen lassen. Von einem Buch wie dem Ulyssess kann ich das nicht sagen. Also mag für solche Werke ein Vor- oder Nachwort, ein Studium des Umfelds in dem der Roman entstanden ist, gewiss einiges mehr erklären und für die Einordnung helfen, die Gechichte die sich selbst erklärt, in der sich etwas über ihre Zeit und das Leben in dieser Zeit erfahren lässt ist mir aber lieber, solange ich nicht den Anspruch eines Literaturforschers erhebe.

Offline Doris

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #86 am: 28. Oktober 2009, 21:59 »
Romane zu denen sich eine eigene, nicht durch fremde Analysen verstellte, Sicht entwickeln lässt machen mir am meisten Freude. 

So geht es mir mit zeitgenössischer Literatur. Da mag ich es nicht besonders, wenn ich vorher schon in eine bestimmte Richtung geleitet werde oder gar den Ausgang der Geschichte kenne. Bei Klassikern ist das anders, weil da sehr viel Neues auf mich einströmt, vor allem, was den geschichtlichen Hintergrund anbelangt, denn hierbei mangelt es mir in jeder Hinsicht an Grundwissen. Gerade das von Dir genannte Ulysses hätte ich mit mehr Kenntnissen ganz anders gelesen und verstanden.

Es fällt mir auch oft schwer, mich mit meiner (gemessen an Klassikern) modernen Denk- und Handlungsweise in die Protagonisten der alten Werke einzufühlen. Ich interpretiere Handlungen zu sehr nach meinem Gegenwartsempfinden und eigenen Erfahrungen und liege dann meist falsch mit meinen Gedanken. Deshalb ist es hilfreich, wenn ich einen Ansatz zur richtigen Auslegung des Inhaltes habe, weil ich ihn dann besser auf mich wirken lassen kann und nicht immer in das moderne Denkschema verfalle.

Grüße
Doris
« Letzte Änderung: 29. Oktober 2009, 21:39 von Doris »

Offline Lost

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #87 am: 29. Oktober 2009, 09:12 »
[

Es fällt mich auch oft schwer, mich mit meiner (gemessen an Klassikern) modernen Denk- und Handlungsweise in die Protagonisten der alten Werke einzufühlen. Ich interpretiere Handlungen zu sehr nach meinem Gegenwartsempfinden und eigenen Erfahrungen und liege dann meist falsch mit meinen Gedanken. Deshalb ist es hilfreich, wenn ich einen Ansatz zur richtigen Auslegung des Inhaltes habe, weil ich ihn dann besser auf mich wirken lassen kann und nicht immer in das moderne


Ich gebe zu, das gilt (galt) auch für mich und nicht nur bei Romanen, sondern auch wenn ich Bücher zur Geschichte lese.

Allerdings habe ich mich in den letzten Jahren so mit der Geschichte des 19. Jahrhunderts beschäftigt, dass ich quasi da hinein gewachsen bin und nun eher die zeitgenössische Kultur nicht mehr nachempfinden kann  :zwinker:

Im Vorwort zu seiner Philosophiegeschichte bittet B. Russel seine Leser darum, die Gedanken und Theorien der vorgestellten Philosphen zunächst mit  mildenr Sympathie aufzunehmen, bevor man die eigene kritische Position auf die Widersprüche loslässt. Mir hat diese Mahnung (als Philosphiehasser) geholfen das Buch zu genießen, und wenn ich das auf meine andere Lektüre anwende, hilft das in der Regel auch.

Offline Jaqui

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #88 am: 29. Oktober 2009, 12:55 »
Jetzt fehlt mir nur mehr der letzte Abschnitt, dann bin ich auch fertig.

Gerade hat Olga mit O. Schluss gemacht und ich kann sie auch verstehen. Denn ich hatte immer das Gefühl, dass sie nicht in O. verliebt ist, sondern in ein Bild von ihm, dass sie sich zusammen gebastelt hat. Sie hat O. zwar so gesehen wie er wirklich war, aber sie hatte immer die Hoffnung, dass er sich ändert. Aber man kann Männer nicht ändern, das musste nun auch Olga erfahren.  :breitgrins:

Katrin

Offline Lost

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Re: Iwan A. Gontscharow - Oblomow
« Antwort #89 am: 31. Oktober 2009, 17:43 »
Fehlen hier Beiträge, oder habe ich nur geträumt?