Autor Thema: Romananfänge  (Gelesen 25633 mal)

Offline Mrs.Dalloway

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Re: Der erste Satz
« Antwort #75 am: 4. Februar 2007, 19:38 »
Hier meine Favoriten unter den ersten Sätzen:

"Es war ein verrückter, schwüler Sommer, dieser Sommer, in dem die Rosenbergs auf den elektrischen Stuhl kamen und ich nicht wusste, was ich in New York eigentlich wollte."
Sylvia Plath, "die Glasglocke"

"This book was born when I was hungry."
Yann Martel, "Life of Pi" (dt.: Schiffbruch mit Tiger)

und jetzt der Klassiker...

"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt."
Franz Kafka, "Die Verwandlung"
The rest is silence - Hamlet

Offline Leibgeber

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Re: Der erste Satz
« Antwort #76 am: 5. Februar 2007, 21:19 »
Einst war er sehr häufig auf den Gefilden Neuseelands anzutreffen, jetzt ist er erloschen. Den letzten, dessen man habhaft wurde, hat man ausgestopft und schätzt ihn als eine große Seltenheit; und wie ihn, den Vogel Kiwi – den letzten Vogel Kiwi –, sollte man eigentlich auch den letzten Konrektor ausstopfen und als etwas nie Wiederkommendes verehren. Was wir an gutem Willen dazu zu bieten haben, geben wir gern her; vielleicht liefern andere nachher das Stroh, den Draht und den Kampfer – letzteren gegen die Motten; denn was die Grillen anbetrifft, so wünschen wir dieselbigen uns selber zur Ausrottung vorzubehalten.

Wilhelm Raabe, Horacker
Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei.
(G. C. Lichtenberg)

Offline AndiM

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Re: Der erste Satz
« Antwort #77 am: 5. Februar 2007, 23:21 »
Wenn hier schon der Anfang von Brechts Dreigroschenoper zitiert wird, hier doch ein anderes berühmtes Sätzchen aus nem Stück. Zumindest was das Gesprochene im Stück angeht:

"Nothing to be done"
(Beckett - Waiting for Godot)

Offline Hubert

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Re: Der erste Satz
« Antwort #78 am: 8. Februar 2007, 23:54 »
aus meinem aktuellen Lese-Buch:

"Ich hatte den Tod, den eiskalten Tod im Herzen, ja aus dem Innersten, aus dem Herzen heraus stach es wie mit spitzigen Eiszapfen in die glutdurchströmten Nerven."
[E.T.A. Hoffmann: Die Abenteuer der Silvester-Nacht]

und aus einem anderen Werk Hoffmanns:

"Unfern eines anmutigen Dorfes, hart am Wege, lag auf dem von der Sonnenglut erhitzten Boden hingestreckt ein armes zerlumptes Bauerweib."
[Hoffmann: Klein Zaches]

Übrigens gibt es hier schon seit längerem einen Thread mit zwar anderem Namen (Romananfänge) aber gleichem Inhalt:
http://www.klassikerforum.de/index.php?topic=321.0
« Letzte Änderung: 8. Februar 2007, 23:55 von Hubert »

Offline sandhofer

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Re: Romananfänge
« Antwort #79 am: 9. Februar 2007, 06:55 »
Hallo Hubert!

Schön, Dich wieder regelmässig zu lesen!

Danke für den Hinweis auf den doppelten Thread, die beiden sind nun zusammengeführt.

Grüsse

Sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline navigator

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Re: Romananfänge
« Antwort #80 am: 24. Februar 2007, 22:31 »
An dem Tag, an dem sie Santiago Nasar töten wollten, stand er um fünf Uhr dreißig morgens auf, um den Dampfer zu erwarten, mit dem der Bischof kam.

Gabriel García Márquez: Chronik eines angekündigten Todes
Man muss alles sehen, vieles übersehen, weniges korrigieren. Johannes XXIII

Offline Hubert

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Re: Romananfänge
« Antwort #81 am: 2. März 2007, 12:44 »

„Von Maike Anfangs Tod erfuhr ich durch eine SMS: Tut mir leid, es dir so zu sagen, kann jetzt aber nicht anders. Meine kollegin maike anfang ist gestorben, die mit uns noch whisky trinken war. Einfach so. Ich weiß gar nichts mehr. Liebe grüße, Korinna“


Dies ist der Anfang meiner aktuellen Lektüre, des Romans “Kurzmitteilung” von Navid Kermani der letzten Freitag erschienen ist.

Liebe Grüße

Hubert

Offline Hubert

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Re: Romananfänge
« Antwort #82 am: 15. März 2007, 01:38 »
"Mein Name ist Tito. Ich war sechsunddreißig Jahre lang Privatsekretär des römischen Staatsmannes Cicero - eine anfangs aufregende, dann überraschende, später mühsame und schließlich außerst gefährliche Aufgabe."


Dies ist der Anfang meiner (neben "1001 Nacht") aktuellen Lektüre, des Romans "Imperium" von Robert Harris

Liebe Grüße

Hubert


Offline Timo

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Re: Romananfänge
« Antwort #83 am: 23. März 2007, 19:28 »
Mein Liebling ist Kafkas Proceß-Anfang: "Jemand musste Josef K. verleumdet haben".

Offline xenophanes

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Re: Romananfänge
« Antwort #84 am: 23. März 2007, 21:04 »
Hallo!

"Mein Name ist Tito. Ich war sechsunddreißig Jahre lang Privatsekretär des römischen Staatsmannes Cicero - eine anfangs aufregende, dann überraschende, später mühsame und schließlich außerst gefährliche Aufgabe."

Halte uns bitte auf dem Laufenden. Ich habe hier das Hörbuch (im Original) und bin mir noch unschlüssig, wann/ob ich es hören soll.

CK

Offline Friedrich-Arthur

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Re: Romananfänge
« Antwort #85 am: 23. März 2007, 22:17 »
Mein Lieblingsbeginn ist immer noch "Aber Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen." aus dem Roman "Mutmassungen über Jakob" von Uwe Johnson. Grüße, FA
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

Offline Yoshu

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Re: Romananfänge
« Antwort #86 am: 7. April 2007, 13:08 »
"Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß nicht." A.Camus, Der Fremde


Offline Zola

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Re: Romananfänge
« Antwort #87 am: 5. Mai 2007, 23:07 »
"Ich bin jemand, den es immer wieder zu den Orten hinzieht, wo er früher gewohnt hat, zu den Häusern und ihrer Umgebung."

(Truman Capote: Frühstück bei Tiffany)

Offline Nachttraum

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Re: Romananfänge
« Antwort #88 am: 6. Mai 2007, 12:59 »
Einen wunderschönen Sonntag!

Ich bin nun leicht verwirrt ob Eurer Beiträge: Geht es um die Lieblings- Romananfänge oder um die der Bücher, die gerade gelesen werden/ wurden? Oder um beide?

Zur letzteren Kategorie kann ich beisteuern:

" Aber, aber, mögen Sie einwenden, wir haben Sie doch gebeten, über Frauen und Literatur zu sprechen - was hat das mit einem eigenen Zimmer zu tun?"
V. Woolf "Ein Zimmer für sich"
-> Wer ist "Sie"? und: ist Woolfs Antwort wirklich so einfach?

und wenn das nicht gilt, da kein Roman:

"  1  Sprechen Sie nie mit Unbekannten

An einem ungewöhnlich heißen Frühlingstag erschienen bei Sonnenuntergang auf dem Moskauer Patriarchenteichboulevard zwei Männer."
Michail Bulgakow: "Meister und Margarita".

Hier fand ich natürlich die Kaptelüberschrift überaus fangend und fragte mich vieles, wie z.B. Ist es wichtig, dass es (trotz Sonneuntergang) immer noch ein ungewöhnlich heißer und dann auch noch Frühlingstag ist? Warum heißt der Teich "Patriarchenteich"- gibt es den wirklich in Moskau oder/ und hat der Name Relevanz? Schließlich ist ja offensichtlich zuerst der Boulevard da, auf dem die Männer "erscheinen" und nicht die Männer, die zu ihm gehen... usw. usf.

Also durchaus gelungene Anfänge, die mich fragen und lesen gemacht haben.
Einen Lieblingsanfang zu nennen, oder zumindest einen stark favorisierten, würde mir jetzt allerdings eher schwer fallen.
lg.,
n.

Offline Hubert

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Romananfang: Nachsommer
« Antwort #89 am: 9. Februar 2011, 00:58 »
Poesie würde ich Stifter aber dann auch zusprechen.  :winken:
.....
Schau doch nur schon die ersten paar Sätze an:
Zitat
Mein Vater war ein Kaufmann.

Kurz, fast Stakkato. Dann aber holt Stifter Luft und lässt seine Sätze vom Stapel. Der Erzähler hat eine zwei Jahre jüngere Schwester? Mitnichten:

Zitat
Mein Vater hatte zwei Kinder,
mich, den  erstgeborenen Sohn,
und eine Tochter,
welche zwei Jahre jünger war als  ich.



Hallo Sandhofer,
hallo zusammen,

ich wollte mich nicht in eure Leserunde einmischen und habe deshalb diesen zu Unrecht vergessenen Thread ausgegraben. Zur Form von Stifters Romananfang will ich nichts sagen, außer: Du hast Recht, wenn das keine Poesie ist, was dann?

Mein Anliegen ist der Inhalt. Es gibt ja einige Romane (nicht die schlechtesten) die mit „Mein Vater …. „ anfangen und dann etwas über Anzahl der Geschwister sagen und die eigene Stellung innerhalb der Geschwister. Nie wird in diesen ersten Sätzen eine Mutter erwähnt, obwohl der Vater sicher nicht alleinerziehend ist und der Ich-Erzähler kein Halbwaise. Ist das nicht eine Schande?

Meine Theorie ist, dass all diese Romane den folgenden berühmten Romananfang zitieren wollen und damit könnte man ja Stifter keinen Vorwurf mehr machen:

„Mein Vater besaß ein kleines Gut in Nottinghamshire; ich war der Dritte seiner fünf Söhne.“.

Wie seht Ihr das?

Grüße

Hubert