Autor Thema: November 2009: Halldór Laxness - Sein eigener Herr  (Gelesen 9473 mal)

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #15 am: 4. November 2009, 20:29 »
Dem deutschen Buchhandel bin ich, wie so oft, zu Dank verpflichtet. Gestern bestellt, heute abgeholt. Die Steidl-Ausgabe ist schön und preiswert. Ich danke euch für die Anregung  :winken:

Offline Monolith

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #16 am: 4. November 2009, 21:48 »
Guten Abend zusammen,

als Bjartur das erste mal auftauchte in Kapitel 2 mit seiner Hündin, da fiel es mir schwer, mir ein Bild von ihm zu machen. Ich hatte das Gefühl, dass keinerlei Emotionen oder Gefüle rüber kamen, oder kommen sollten (?) und er nur vage beschrieben wurde. Sogar den Hund hat Laxness genauer beschrieben, als dessen Herrchen.
Ging das nur mir so?

Nein, mir geht´s da genauso.  :zwinker: Das ist mein erster "Bauernroman" (das ist doch eine feststehende wertungsfreie Bezeichnung?) und ich finde es bis jetzt (gerade in Kapitel 10 angekommen) schwer, sich ein Bild von Bjartur zu machen. Zuerst erschien er sich allein durch seine praktische Natur und seinen unbedingten Unabhängigkeitswillen auszuzeichnen, jetzt, da sein Leben mit Rosa geschildert wird, erscheint er mir zwar immer noch zuallererst als praktisch veranlagter Mensch, allerdings tritt sein Stolz stärker hervor. So etwa, als er Rosa heimholt, die auf einem Nachbarhof Milch "erbetteln" wollte, wie er es nennt. Als er sich Gedanken um Rosas Herzleiden macht, kommt er sehr schnell auf eine mögliche Ursache- den Liebeskummer, der sie ja auch in der Tat zu bedrücken scheint (Kap. 9). Ich bin gespannt, welche Züge Bjarturs in den nächsten Kapiteln hervortreten.

zum Thema Blut und Boden:
"Island den Isländern" (Kap. 9) war mir neu. Absolut. Nachdem ich dasselbe aber auch in angepasster Form in Ungarn gehört habe, frage ich mich, ob es überhaupt irgendwo ein Land gibt, in dem diese Ideologie keine Rolle spielt? Die USA, traditionell Millionen von Einwanderern aufnehmend?  :|


Offline Steffi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #17 am: 5. November 2009, 16:21 »
Hallo !

Stimmt, mir sind die eher emotionslosen Schilderungen auch aufgefallen - es ist für mich auch keine eindeutige Erzählperspektive sichtbar. Mal scheint es ein auktorialer Erzähler, dann wieder eher ein Erzähler aus der Sicht Bjarturs oder womöglich eine Erzählhaltung aus der Sicht eines anderen Isländers ? Auch wechselt manchmal die Zeit ins Präsens, was zwar den Anschein von etwas absolutem hat, aber der Inhalt steht dem ja irgendwie entgegen.

Die Andeutungen auf eine Schwangerschaft Rosas sind mir auch schon aufgefallen, wie gesagt könnte es aber die Erzählhaltung Bjarturs sein, der das vermutet. Er hat ja seine eigenen Ansichten  :rollen:

Zitat von: JMaria:
Solche Sätze hauen mich einfach um. Es beginnt so nett idyllisch, aber dann ....

Das gibt auch die Natur Islands wieder - im einen Moment ist alles sonnig-idyllisch, plötzlich wird es bewölkt, neblig und kalt. Diese Gegensätze habe ich dort sehr stark empfunden, vielleicht muss man deshalb ein stoisches Wesen entwickeln, um damit zurecht zu kommen ?

Ich weiß nicht, ob jemand von euch schon mal die Mitternachtssonne bzw. sehr nördliche Länder erlebt haben. Richtig dunkel ist es kaum, sehr lange dämmrig. da Bjartur ja immer vor Sonnenaufgang aufsteht, habe ich mal die Aufgangs- und Untergangszeiten nachgeschaut: Juni - auf 3.20, unter 23.29, Juli - auf 3.04, unter 23.57, August - auf 4.32, unter 22.33.

Hamsun: Ich habe auch schon "Segen der Erde" gelesen und von den Hamsun vorgeworfenen Ideologie auch wenig gefunden, besser gefällt mir allerdings Hunger oder Victoria. Ich fand, dass "Segen der Erde" eher mit biblischen bzw. alttestamentarischen Anklängen ausgestattet ist.

Gruß von Steffi

Gruß von Steffi

Offline susi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #18 am: 5. November 2009, 19:18 »
Hallo :)

Ich muss noch einmal auf Bjarturs undurchsichtigen Charakter zurück kommen  :zwinker:
vielleicht SOLL der Leser ihn nicht verstehen oder durchschauen können. Ich war es bisher gewohnt Romane oder Novellen zu lesen, in denen sehr schnell der Charakter klar zu erkennen war. Nicht immer positive Charakterzüge, aber man kam doch in Verbindung mit der Figur. Vielleicht soll es nicht so sein, dass der Leser Bjartur gleich zu Beginn verstehen, geschweige denn durchschauen soll. Aber vielleicht bin ich da ja auch auf dem Holzweg.

Was mir auch auffiel, war diese enorm lange Rede der Dichterin, von der ihr ja auch vorher schon gesprochen habt. Sie hat mehrere Seiten lang gesprochen, aber ausgesagt hat sie eigentlich nichts, oder?
Ich frage mich wieso Laxness diese Rede an dieser Stelle und so ausführlich gebracht hat. Ob später noch einmal darauf bezug genommen wird?

Liebe Grüße  :winken:

Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #19 am: 5. November 2009, 19:45 »


Was mir auch auffiel, war diese enorm lange Rede der Dichterin, von der ihr ja auch vorher schon gesprochen habt. Sie hat mehrere Seiten lang gesprochen, aber ausgesagt hat sie eigentlich nichts, oder?
Ich frage mich wieso Laxness diese Rede an dieser Stelle und so ausführlich gebracht hat. Ob später noch einmal darauf bezug genommen wird?

Liebe Grüße  :winken:

Hallo !

vielleicht Ironie?

Die Dichterin spricht viel, doch nützliches zum Landleben bringt sie nicht ein. Es heißt ja auch irgendwo im Text, dass sie am Fenster sitzt und auf die Berge schaut, während ihr Mann die Arbeit übernimmt.

Oder / oder auch ...

...ein subtiler Hinweis darauf, dass es in dem Roman auch um die Künste geht. Künstler verso Natur . ? .

auch Laxness ist auf einem Gehöft aufgewachsen, hat aber so gut wie nicht mitgearbeitet und sich seinem Schreiben gewidmet.

Liebe Grüße
Maria
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Offline Steffi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #20 am: 6. November 2009, 12:32 »
Hallo zusammen !


Oder / oder auch ...

...ein subtiler Hinweis darauf, dass es in dem Roman auch um die Künste geht. Künstler verso Natur . ? .

auch Laxness ist auf einem Gehöft aufgewachsen, hat aber so gut wie nicht mitgearbeitet und sich seinem Schreiben gewidmet.

Dichter scheinen ja sehr hoch angesehen zu sein, das kommt immer mal wieder vor. Sie scheinen aber eher akzeptiert zu sein, wenn sie im Einklang mit dem Althergebrachten dichten, sowohl was die Themen als auch die Form angeht. Insgesamt kommen bisher die Frauen ziemlich schlecht weg, vielleicht sollten sich  nach Meinung des Erzählers (wer immer das auch ist ?) die Frauen lieber um ihre Angelegenheiten kümmern - dichten scheint bisher vor allem Männersache zu sein. Ich habe die Rede der Dichterin eher als Kritik an der ganzen sentimentalen Bauernliteratur und evtl. auch an Hamsuns "Segen der Erde" verstanden.

Rosa wird ja öfter als die herzkranke Frau bezeichnet - das verstehe ich nicht so ganz. Herzkrank aus Liebeskummer, Einsamkeit oder weil sie wohl schwanger ist ? Oder herzkrank, weil sie den Stolz Bjarturs nicht teilen kann ?

Im 9. Kapitel trifft eine Gesellschaft auf dem Hof ein, Rosa versteckt sich - auch ein Hinweis darauf, dass sie vom Sohn seines früheren Herrn schwanger ist ? Außerdem schämt sie sich auch. Es könnte alles so idyllisch sein, wenn nicht Bjarturs Stolz wäre, der sich nicht einmal die Vögel und Fische schenken lassen will. 

Das 10. Kapitel hat mir auch ganz gut gefallen, die Gemeinschaft muss zusammenhalten, damit die Schafe zusammengetrieben werden können. In dieser Form kann Bjatur die Unterstützung der anderen annehmen und empfindet sie nicht als Almosen. Und er zeigt zumindest ein gutes Herz, weil er eines seiner geliebten Schafen Rosa dalässt. Für ihn wäre das sicher ein prima Trost, bin gespannt, wie es für Rosa wird.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #21 am: 7. November 2009, 16:16 »
Hallo !

 
 zum Thema Blut und Boden:
"Island den Isländern" (Kap. 9) war mir neu. Absolut. Nachdem ich dasselbe aber auch in angepasster Form in Ungarn gehört habe, frage ich mich, ob es überhaupt irgendwo ein Land gibt, in dem diese Ideologie keine Rolle spielt? Die USA, traditionell Millionen von Einwanderern aufnehmend?  :|




die Geschichte Islands ist sehr abwechslungsreich.
Zitat:
1262 kam Island unter norwegische Herrschaft. 1380 kam Norwegen unter dänische Herrschaft; 1397 entstand die Kalmarer Union und Island wurde mit Norwegen unter dänischer Krone regiert.

Im Jahre 1552 wurde in Island auf Anordnung des dänischen Königs Christians III. die Reformation eingeführt
...... 1904 gewährte Dänemark den Isländern die Autonomie (Hjemmestyre nach dem Vorbild der irischen Home Rule). Am 1. Dezember 1918 erlangte Island die Souveränität
http://de.wikipedia.org/wiki/Island#Geschichte

Zitat von: Steffi
..es ist für mich auch keine eindeutige Erzählperspektive sichtbar. Mal scheint es ein auktorialer Erzähler, dann wieder eher ein Erzähler aus der Sicht Bjarturs oder womöglich eine Erzählhaltung aus der Sicht eines anderen Isländers ? Auch wechselt manchmal die Zeit ins Präsens, was zwar den Anschein von etwas absolutem hat, aber der Inhalt steht dem ja irgendwie entgegen.

mir fällt sowas ja leider nie auf.  :redface:
Ich werde noch aufmerksamer an den Text herangehen :-)

Liebe Grüße
Maria
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Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #22 am: 8. November 2009, 12:43 »
Hallo zusammen,



Und er zeigt zumindest ein gutes Herz, weil er eines seiner geliebten Schafen Rosa dalässt. Für ihn wäre das sicher ein prima Trost, bin gespannt, wie es für Rosa wird.


Kapitel 11 ist ja abscheulich realistisch beschrieben, am Rande des Wahnsinns. Die Frau hat nun auf ihre Weise ihre Lust auf Fleisch gestillt. (*ich bräuchte hier ein Smilie mit Haaren zu Berge*)

das wird eine  Überraschung für Bjartur.

Nochmals zu den Personen. Es wird mMn sehr nüchtern erzählt, das hält mich etwas auf Abstand, was mir ganz recht ist. Dennoch, durch manche Handlungen oder auch durch geäußerte Meinungen, kann ich mir manchmal ein zu gutes Bild von den Zuständen und Personen machen. ´


Zitat
Rosa wird ja öfter als die herzkranke Frau bezeichnet - das verstehe ich nicht so ganz. Herzkrank aus Liebeskummer, Einsamkeit oder weil sie wohl schwanger ist ? Oder herzkrank, weil sie den Stolz Bjarturs nicht teilen kann ?


von allem etwas, würde ich sagen. Und noch ein Aspekt kam mir, den ich mir aus diesem Gedanken Bjartur zusammengereimt habe, als sich Rosa an die Brust ihres Vaters warf:

....kam ihm wie in der Hochzeitsnacht ein böser Verdacht, daß letzten Endes sein Königreich hier in der Heide nicht so uneingeschränkt war, wie er es sich einbildete.

absolute Ergebenheit? Ein sehr befremdlicher Gedanke.

Grüß,
Maria
« Letzte Änderung: 8. November 2009, 12:50 von JMaria »
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Offline Monolith

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #23 am: 8. November 2009, 21:39 »
Guten Abend zusammen,

....kam ihm wie in der Hochzeitsnacht ein böser Verdacht, daß letzten Endes sein Königreich hier in der Heide nicht so uneingeschränkt war, wie er es sich einbildete.

Ja, bei diesem Satz habe ich auch aufgehorcht. Wobei mir Bjartur bisher nicht als besonders herrisch vorgekommen war. Dann ist "König" eher auf seine Unabhängigkeit als auf seine uneingeschränkte Autorität zurückzuführen?

Laxness Ironie zeigte sich für mich bisher am deutlichsten in Kapitel 10 an der Stelle, als die Männer sich über die Witterung unterhalten:
Die Männer setzten sich, zogen ihre Schnupftabakshörner hervor und begannen sich über die Witterung zu unterhalten, mit dem tiefen Ernst, der wissenschaftlichen Bedächtigkeit und der unerschütterlichen Stiltreue, die diesem Gesprächsthema ohne Ausnahme gebührt.

@Maria: Zu Kapitel 11 komme ich jetzt, ich bin gespannt, inwiefern sich mein Bild von Rosa ändern wird.

Viele Grüße,

Monolith


Offline Steffi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #24 am: 9. November 2009, 08:49 »
Hallo zusammen !

Ja, das 11. Kapitel hat es in sich ! Zuerst diese Angst und dann der animalische Ausbruch.  Und dann gegen Ende dieser Satz: Es war ihr erster glücklicher Tag in ihrer Ehe. Rosa scheint aus diesem Leben nicht mehr herauszukommen, sehr traurig !

Bjartur wird immer vielschichtiger gezeichnet. Er geht zum Arzt, um Pillen für Rosa zu besorgen, die er auch noch aus politischen Umständen umsonst bekommt. Es wird klar, dass es ihm zusätzlich zur Unabhängigkeit auch um Gewinn des Ansehens und der Macht geht.

Im 13. Kapitel klärt sich einiges um Rosa. So hat also Bjartur sein eigenes Land im Grunde Rosa zu verdanken. Ob er davon wusste ? Seine Freiheit und Unabhängigkeit hat er also doch wieder nur den Einflussreicheren zu verdanken.

Zitat von: Monolith
....kam ihm wie in der Hochzeitsnacht ein böser Verdacht, daß letzten Endes sein Königreich hier in der Heide nicht so uneingeschränkt war, wie er es sich einbildete.

Ja, bei diesem Satz habe ich auch aufgehorcht. Wobei mir Bjartur bisher nicht als besonders herrisch vorgekommen war. Dann ist "König" eher auf seine Unabhängigkeit als auf seine uneingeschränkte Autorität zurückzuführen?

Ich habe es auch in Richtung Unabhängigkeit verstanden. Wobei Laxness ja sehr sparsam mit seinen Hinweisen ist und vieles verschweigt.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #25 am: 9. November 2009, 15:42 »
Hallo zusammen,

  Ich weiß nicht, ob jemand von euch schon mal die Mitternachtssonne bzw. sehr nördliche Länder erlebt haben. Richtig dunkel ist es kaum, sehr lange dämmrig. da Bjartur ja immer vor Sonnenaufgang aufsteht, habe ich mal die Aufgangs- und Untergangszeiten nachgeschaut: Juni - auf 3.20, unter 23.29, Juli - auf 3.04, unter 23.57, August - auf 4.32, unter 22.33.


ich habe leider noch nicht die Mitternachtssonne erlebt. Das sind frühe Aufstehzeiten ! Der ehrgeizige Bjartur kann den Tag prächtig nutzen.
Die Menschen benutzen den Begriff schafshell (S. 82)
alles dreht sich um die Schafe, ein Nutztier, das den Menschen unabhängig bescheren kann.

Mich erstaunt immer wieder dieser Fatalismus im Denken:
z.B. über den Fuchs als schlimmsten Feind der Nation...
"Er riß vorriges Jahr. er riß im Frühjahr. Und er reißt wieder im Herbst."

Zitat von: Steffi
Zitat von: Manjula
Wobei mir Bjartur bisher nicht als besonders herrisch vorgekommen war. Dann ist "König" eher auf seine Unabhängigkeit als auf seine uneingeschränkte Autorität zurückzuführen?

Ich habe es auch in Richtung Unabhängigkeit verstanden. Wobei Laxness ja sehr sparsam mit seinen Hinweisen ist und vieles verschweigt.

Ihr habt recht. Herrisch kann man ihn nicht bezeichnen. "König" zu sein bedeutet für Bjartur Unabhängigkeit, sein eigener Herr. Das steht über allem. Vieles in seiner Umwelt, insbesondere seine Frau, versteht er einfach nicht. Dann kommt er mir dickschädlig vor.

Er zeigt jedoch auch eine kaltherzige Seite, wenn er sich übergangen sieht:

Kapitel 14:
Ich weiß nur, daß mein Kind erst im Februar kommt. Aus anderer Leute Kindern mache ich mir nichts.

oha !

Viele Grüße
Maria
« Letzte Änderung: 9. November 2009, 16:53 von JMaria »
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Offline Steffi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #26 am: 10. November 2009, 08:38 »
Hallo !


Er zeigt jedoch auch eine kaltherzige Seite, wenn er sich übergangen sieht:

Kapitel 14:
Ich weiß nur, daß mein Kind erst im Februar kommt. Aus anderer Leute Kindern mache ich mir nichts.

Tja, Februar würde ja rein rechnerisch zum Hochzeitstermin passen ...

Ich empfinde Bjartur eher als ein Mensch, der sehr in den Traditionen lebt - Schafe, die alten Sagen, das ist seine Welt. Mit Dingen, die er als abweichend davon empfindet, will er einfach nichts zu tun haben, zumindest nach außen nicht. Er hat sehr feste Werte und Ziele, die ihm das Überleben sichern, das wird auch in dem Schneesturmkapitel deutlich. Ein Abweichen davon - wäre es tödlich oder wäre er dann wirklich sein eigener Herr ? So ist er doch mehr der Abhängige von diesen vielleicht schon vergangenen Werten und Traditionen und wird von den "neumodischen" Menschen z.B. der romatisierenden Dichterin manipuliert.

Gruß von
Steffi
Gruß von Steffi

Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #27 am: 10. November 2009, 09:19 »
Hallo !

  Er hat sehr feste Werte und Ziele, die ihm das Überleben sichern, das wird auch in dem Schneesturmkapitel deutlich. Ein Abweichen davon - wäre es tödlich oder wäre er dann wirklich sein eigener Herr ? So ist er doch mehr der Abhängige von diesen vielleicht schon vergangenen Werten und Traditionen und wird von den "neumodischen" Menschen z.B. der romatisierenden Dichterin manipuliert.

Gruß von
Steffi


meinst du das Kapitel, das den Kampf mit dem Rentier beschreibt? Fand ich sehr spannend, zeigt es doch, dass die Natur bzw. in dem Fall das Tier dem Menschen überlegen sein kann.


Übrigens, lt. Freud gilt das Rentier als Symbol für unterdrückte Sexualität.  :elch:

Werte und Traditionen:
die Röcke der Mädchen werden ja bereits kürzer und Seidenstrümpfe werden getragen, so wird es in den Männergesprächen beklagt. Für diese Männer ein Zeichen des Verfalls und Einzug von Unsittlichkeit.

Gruß,
Maria
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Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #28 am: 12. November 2009, 12:09 »
Hallo zusammen,

Bjartur kommt mir selbst schon wie ein Fabelwesen vor !

Ich komme zum 15. Kapitel. Wie weit seit ihr?

Gruß,
Maria
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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #29 am: 12. November 2009, 21:36 »
Hallo,

ich bin gerade in Kapitel 11, am Wochenende werde ich mich aber weiter vorarbeiten. Bin gespannt ob Bjartur noch wunderlicher wird, als er es jetzt schon zu sein scheint  :zwinker:

Viele Grüße,

Monolith  :blume: