Autor Thema: November 2009: Halldór Laxness - Sein eigener Herr  (Gelesen 9469 mal)

Offline Steffi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #30 am: 14. November 2009, 15:55 »
Hallo !

Ich komme zum 21. Kapitel. Es passiert so einiges und ein bißchen verstehe ich Bjarutrs stoische Haltung. Er findet darin Halt, den man in dieser von Natur beherrschten Welt auch braucht. Vor allem, wenn man nur die Chance hat, so weit draussen sein eigener Herr zu werden.

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Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #31 am: 15. November 2009, 18:35 »
Hallo zusammen,

das 20. Kapitel fand ich typisch Laxness; dieses wunderliche Gespräch zwischen Bjartur und dem Pfarrer. Dieser Pfarrer ist ziemlich grillenhaft.

Wie gefällt euch eigentlich bisher das Buch?

bei Laxness muß ich immer erst wieder in seinen Erzählstil reinkommen. Er hat so eine ganz eigene, sehr starke Sprache, modern und altmodisch zugleich. Ich lese ihn immer wieder gern. Ein bißchen vermisse ich die starke Frauengestalt, die Laxness sonst immer in seinen Geschichten hat.

Gruß,
Maria
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Offline Steffi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #32 am: 16. November 2009, 11:41 »
das 20. Kapitel fand ich typisch Laxness; dieses wunderliche Gespräch zwischen Bjartur und dem Pfarrer. Dieser Pfarrer ist ziemlich grillenhaft.


Wunderlich - ja, das triff es. Immer drumrum und über alles andere wird geredet, als auf den Punkt zu kommen. Ist vielleicht unhöfllich ? Der Pfarrer ist soweiso ein sonderbarer Kauz, mag keine Schafe und züchtet eine besondere Rasse.

Ich komme nun zum zweiten Teil, mir scheint bzw. ich hoffe, dass die starken Frauen nun auf dem Hof eingetroffen sind. Zumindest spürt man eine positivere Einstellung, Rosa hat doch sehr deprimierende Eindrücke hinterlassen. Das "isländische" Vaterunser, das ihr Vater betete, war auch nicht gerade sehr ermutigend, oder ?

Mir gefällt der Roman sehr gut, auch wenn man sich vieles hinzudenken muss und auch etliches irgendwie so verschlungen ist, dass es schwer nachvollzihebar ist, kommt doch die Atmosphäre gut zur Geltung.

Gruß von Steffi

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Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #33 am: 16. November 2009, 14:57 »
[
Mir gefällt der Roman sehr gut, auch wenn man sich vieles hinzudenken muss und auch etliches irgendwie so verschlungen ist, dass es schwer nachvollzihebar ist, kommt doch die Atmosphäre gut zur Geltung.

Hallo zusammen,
hallo Steffi,

verschlungen, das ist der Roman tatsächlich. Laxness macht es uns manchmal schwer den Bogen zu erkennen. Am Ende des ersten Teils bringt er das Thema "Besiedler Islands" zuende. Es ist viel Blut geflossen, wie im Gedicht und Lied über die böse Gunnvör [S. 12 ....Fließt das Blut in der Spur. Ich wiege dich, mein Kind.]

Sagen, Aberglauben und Christenheit vereint sich in der Seele des Isländers. Am Ende spricht die Alte ein christliches Gebet um den bösen Fluch der Gunnvör zu brechen.

Hat mir sehr gut gefallen wie Laxness den ersten Teil zuende brachte.

Auch der Psalmen- und Nachrufdichter Einar Jonsson auf Undirhlid [S. 27] wird nicht vergessen und macht einen Nachrufreim auf Rosa [S. 165].

ich empfand den Nachruf sehr persönlich, als ob dieser Einar mehr wußte .... ...Menschenfüße und von Hunden trampeln auf der Brust wie Stein .... wo kein Sterblicher dem Hunde nah dem Tod sein Kind gebärt.

Ich tippe mal dieser Einar Jonsson ist ein Onkel von Ingolfur Arnarson Jonsson, der Sohn der Dichterin und des Gemeindevorstehers und der von uns verdächtige Kindsvater.

Gruß,
Maria
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Offline Lost

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #34 am: 24. November 2009, 12:06 »
Wer keine Ausdauer hat, muss eben schnell laufen, bzw. lesen. Nachdem ich bei Sue doch einen Monat eingespart habe, begann ich gestern mit "Sein eigener Herr".
Es fällt mir schwer das Buch aus der Hand zu legen. Am liebsten hätte ich die Nacht durchgelesen.
Bis jetzt habe ich das Kapitel, "Die Hochzeit" hinter mir und, auch wenn es vielleicht voreingenommen ist, der Stil, die Geschichte und die dezenten Bosheiten von Laxness machen viel Spaß.

Falls es gestattet ist, werde ich ab und zu über meine Eindrücke hier schreiben.

Offline Steffi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #35 am: 24. November 2009, 12:25 »
Hallo zusammen !
Hallo Lost, ich freue mich auf deine Beiträge !

Ich habe nun den Anfang des zweiten Buches gelesen - die Erzählsituation klärt sich erst nach einigen Seiten und es ist wieder eine ganz andere, eigene Atmosphäre. Schon die Beschreibung des Tagesablaufs, des Morgens, wo der Junge das Erwachen herbeisehnt, hat Bedrückung und gleichzeitig Geborgenheit in sich. Man kann sich kaum vorstellen, wie die Menschen dort gelebt haben. (edit: soll heissen, es ist unglaublich, wie die Menschen dort gelebt haben - so anschaulich ist es beschrieben)

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« Letzte Änderung: 27. November 2009, 10:29 von Steffi »
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Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #36 am: 26. November 2009, 15:20 »
Hallo zusammen !
Hallo Lost, schön, dass du dabei bist !

ich komme gerade etwas langsam voran und bin nun im 27. Kapitel "Abend".
Der zweite Teil beginnt wie der erste Teil sehr märchen/sagenhaft. Ein seltsamer Junge, dieser Nonni, der das Geschirr sprechen hört und Geschichten über 'Wiedergänger' von seiner Großmutter hören möchte. Der angehende Künstler in der Geschichte? Lt. eines Traumes der Mutter soll er Sänger werden. Vielleicht ein Bewahrer der alten Geschichten?

Die Kapitel um einen Tageszyklus (Wintermorgen, Tag, Abend) fand ich sehr eindrücklich beschrieben. Der Besuch des Gemeindevorsteher zeigt, dass Bjartur nun zwar sein eigener Herr ist, doch ist er auch hierin sehr altmodisch und bleibt lieber in Verhandlung mit seinem Kaufmann, als seine Wolle auf dem freien Markt für mehr Geld zu verkaufen.

Schöne Grüße
Maria
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Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #37 am: 29. November 2009, 14:14 »
hallo zusammen,

ein Gedanke zu "Nonni" (dem Jungen im 2. Teil).
Laxness väterlicher Freund war Jon Sveinsson, ein Jesuit, mehr bekannt unter dem Namen Nonni, unter dem er Kinderbücher schrieb. Vielleicht eine Reminiszenz an ihn.

Die Nonni Bücher sind auch in D bekannt. Schwach erinnere ich mich an einen Mehrteiler Nonni und Manni.

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B3n_Sveinsson

Gruß,
Maria
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Offline Steffi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #38 am: 30. November 2009, 10:49 »
Hallo zusammen !

@JMaria: danke für den Hinweis, die Nonni-Bücher sagen mir jetzt zwar nichts, aber die Verbindung ist deutlich !

Ich komme zum 35. Kapitel "Gast". Es ist inzwischen einiges passiert - die Kuh ist ein schlechtes Omen und obwohl Bjartur sie eigentlich nicht wollte, konnte er sich dagegen auch nicht wehren. Nun ist er nicht mehr so frei wie vorher. Trotzdem wird die Kuh zu einer Art Symbol für eine neue Zeit, die Frau liebt sie und nun muss Bjartur auch noch eine Magd einstellen. Die Arbeit wird aber nicht leichter, sehr eindringlich schildert Laxness die Mühen während des verregneten Sommers.

Dabei fällt mir ein, der Name der Frau, Finna, wurde nur zu Beginn genannt. Nun heißt sie die Frau oder die Mutter. Hingegen Asta Sollilja hat einen wunderschönen klangvollen Namen. Das lässt vergessen, dass sie wohl nicht besonders hübsch ist und auch leicht schielt wie ihre Mutter. Ihr Name passt auch zu ihrer romantischen Einstellung, denn sie liebt Bücher und bekommt in der Stadt sogar ein Märchenbuch. Die Beschreibung dieses Ausflugs hat mir sehr gefallen, zuerst das Staunen über die Häuser und die Episode mit dem Taschentuch, danach aber auch die Angst vor dem Unbekannten, auch vor der Liebe.

Nun ist ein Gast angekommen, der fischen und jagen will. Ein bißchen frage ich mich, warum Bjartur dadurch nicht zum kärglichen Lebensunterhalt beiträgt. Aber wahrscheinlich verträgt sich das nicht mit seinen bäuerlichen Ansichten.

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #39 am: 30. November 2009, 10:55 »
Hallo nochmal,

ich habe grade nachgeschaut, Sollilja heißt Sonnenlilie. Ein sehr unpassender Name für die unwirtliche Heide.

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Offline Lost

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #40 am: 30. November 2009, 13:28 »
So wie ich es erhoffte bin ich nicht weiter gekommen, aber schon jetzt, wo gerade die Vergnügungs- und Jagdgesellschaft über Bjarturs Hof gezogen ist kann ich sagen, dass mich Laxness Kunst, seine Figuren anzulegen, beeindruckt. Bjartur z. B. ist sicherlich ein schlichtes Gemüt, und die rohen Seiten sind nicht zu übersehen, aber seine Nachdenklichkeit und die Erkenntnisse, die ihm Laxness zugesteht, sind immer wieder erstaunlich ohne aufgesetzt zu wirken.

Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #41 am: 3. Dezember 2009, 14:37 »
Hallo zusammen,

was mich immer wieder erstaunt ist Laxness Fähigkeit sich in die Personen hinein zuversetzen. Er scheut sich nicht poetisch zu werden, denn sehr magisch ist Solliljas "Frühlingserwachen" beschrieben; S. 239:

Heute nacht will sie sich im Tau baden, als habe sie zum ersten Mal einen Körper. Das Odinshühnchen verneigte sich vor ihr auf jedem Kolk des Flusses, kein Vogel im ganzen Wiesenmoor hat feinere Gesten in der Johannisnacht.... Die Frühlingsnacht, sie herrscht über das Tal wie ein junges Mädchen....

eigentlich ist es zugleich sehr christlich-mythisch. Sollilja badet sich im Tau...

Zitat:
Der Johannistag (auch Johanni, Johannestag) ist der Gedenktag der Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni http://de.wikipedia.org/wiki/Johannistag


@Steffi:
Sollilja heißt Sonnenlilie. Ein sehr unpassender Name für die unwirtliche Heide.

danke fürs Nachforschen. Wirklich sehr passend.

@Lost:
Bjartur z. B. ist sicherlich ein schlichtes Gemüt, und die rohen Seiten sind nicht zu übersehen, aber seine Nachdenklichkeit und die Erkenntnisse, die ihm Laxness zugesteht, sind immer wieder erstaunlich ohne aufgesetzt zu wirken.

stimmt, ich kann mir Bjartur sehr glaubhaft vorstellen.

@Steffi:
Trotzdem wird die Kuh zu einer Art Symbol für eine neue Zeit, die Frau liebt sie und nun muss Bjartur auch noch eine Magd einstellen. Die Arbeit wird aber nicht leichter, sehr eindringlich schildert Laxness die Mühen während des verregneten Sommers.


ja, die Kuh. Das ist ein Einschnitt in sein Bauerntum. Interessant, es kommt also deswegen eine Magd auf den Hof und zusätzliche Kosten auf ihn zu. So ähnlich habe ich das erwartet, bin aber noch nicht soweit.

Ich bin noch mit Sollilja in der Stadt Fjord [Kapitel 32].

weit weit seit ihr denn, Susi und Monolith? Seid ihr noch dabei?

Gruß,
Maria



« Letzte Änderung: 4. Dezember 2009, 14:24 von JMaria »
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Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #42 am: 4. Dezember 2009, 14:23 »
Hallo !

Kapitel 33 [Die Unterdrückung der Menschen] mit seiner Beschreibung der Heuernte und Kapitel 34 [Große Ereignisse] und am ende das Schlachten des Kalbes, haben mich überzeugt: Laxness ist der Zola des rauen Islandes !

Gruß,
Maria
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Offline sandhofer

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #43 am: 4. Dezember 2009, 16:49 »
Laxness ist der Zola des rauen Islandes !

Tatsächlich? Danke für die Warnung!  :winken:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #44 am: 5. Dezember 2009, 10:46 »
Laxness ist der Zola des rauen Islandes !

Tatsächlich? Danke für die Warnung!  :winken:

Hallo Sandhofer,

Ich weiß nicht mehr, was dir an Zola nicht gefällt. Eine nähere Erklärung von meiner Seite:  mit meiner Aussage meinte ich insbesondere das schonungslose Aufdecken von Mißständen, eingebettet in der rauen Natur mit samt ihrer Hässlichkeit.

Laxness war nichts mehr verhasst als die Glorifizierung des Landlebens, das zu seiner Zeit gang und gäbe war. Auch die Stellung der Frau in Island zu seiner Zeit prangerte er an.

Zitat von Laxness persönlich:
..."wenn ein Mann einen Hausstand gründete, war die Frau das wichtigste Möbelstück darin".... war die Frau zu Hause bei den Kindern und "erteilte Anordnungen desn Haferbrei betreffend, hysterisch, ungebildet und schwanger."

und wenn man im Buch Finna betrachtet, dann hält er der Gesellschaft ein Spiegel vor.

Neben dem Naturalismus gibt es dann wieder sehr mystische, poetische Texte. Also lieber selbst ein Bild von Laxness machen.

Viele Grüße
Maria
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