Hallo zusammen,
Da ich schon mal in Island war, kann ich mir die Natur und die Gegenden sehr gut vorstellen. Auch, dass Aberglaube sehr stark dort verwurzelt ist. Die Natur ist dort einfach übermächtig und den einzigen Halt können dort spirituelle Dinge geben.
auffallend ist für mich, dass Bartjur zwar keinen Stein auf Günnvors Grab werfen wollte, doch sich morgens gen Osten verneigt. Seiner Frau billigt er ihren Aberglauben nicht. Das kann nicht gut gehn. Die Ehe steht unter keinem guten Stern. Schon der Pfarrer spricht nicht mehr als ihm vorgeben wird. Man kann sich so manches ausmalen, was zwischen den Zeilen steht. Mich hat bereits stutzig gemacht, dass die Frauen sich neugierig um ein Baby scharten, das unehelich auf die Welt kam. Dann die Hinweise auf Rosas Übelkeit und Appetit ....
Das Kapitel "Hochzeit" fand ich voll tragikomischer Begebenheiten. Die Gespräche über Würmer, insbesondere dem Drehwurm und wie die Männer dann zu den elementaren Denkweisen zurückkehren, wie
ein Wurm ist ein Wurm, ein Mensch ist ein Mensch .. o.ä. Der Kreislauf der Jahreszeiten und der Kreislauf Geburt und Tod wird, so schätze ich mal, im Buch eine große Rolle spielen, so wie auch metapherartige Hinweise auf "Kreislauf", wie z.B. der Drehwurm oder im 2. Kapitel, als sich der Hund im Kreis dreht und Bjartur ihn ausschimpfte, keinen Unfug zu machen...
laufe ich im Kreis und belle?.. Doch genau das macht er ein paar Abschnitte weiter ...
Wahrscheinlich kam ihm in den Sinn daß er mit dieser Bemerkung unbekannte Mächten eine Angriffsfläche bot, denn plötzlich drehte er sich im Frühlingswind um, drehte sich ganz im Kreis und sagte in alle Himmelsrichtungen: ...vielleicht bilde ich mir einen Zusammenhang auch nur ein

Der erste Teil heißt ja "Besiedler Islands" - damit wird deutlich, dass Bjartur in einer alten Tradition steht. Er muss beweisen, dass er genausogut wie alle seine Vorfahren ist oder sogar noch stärker, wenn er sein besonders unheilvolles Land besiegen will. Die Mischung zwischen der ersten irischen Besiedlung durch Mönche und die nachfolgenden Wikinger mit ihren nordischen Göttern, dann Christianisierung, wobei daneben immer noch die alten Götter verehrt wurden, mal evangelisch, mal katholisch, wird von Laxness geschickt eingesetzt, um diese Traditionen und die vielfältigen spirituellen Werte zu zeigen.
ja, dieser Bjartur hat noch etwas urwüchsiges an sich. Seine Selbständigkeit ist ihm alles, da gibt es kein Weichen und kein Kompromiß.
Im dritten Kapitel, bei der Rede anlässlich Bjarturs und Rosas Hochzeit schien mir die "Dichterin" von Hölzchen auf Stöckchen zu kommen.
Mir kommen ihre Ideen sehr romantisch vor, vielleicht auch ein Seitenhieb auf die Bauernromane Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. "Sein eigener Herr" ist ja nach Hamsuns "Segen der Erde" geschrieben worden, vielleicht ein Gegenentwurf ? Übrigens, die Dame stammt ja aus Vik "...hatte sie den Bauern Jon aus lauterem Interesse am idyllischen Landleben geheiratet;" Ich schätze es könnte Vik i Myrdal, es hat knapp 280 Einwohner. Die Gegend und der schwarze Strand sind sehr beeindruckend, aber auch schon sehr einsam (guckt euch mal die Gegend auf google maps an). Sollten wir das als Ironie verstehen ?
Der Begriff "Bauernroman" kommt mir zum ersten Mal unter. Sehr interessant. Leider kenne ich Hamsuns "Segen der Erde" nicht. In der Biographie über Laxness heißt es, dass er zu diesem Autor eine Art Haßliebe entwickelte. Wenn in den 30iger Jahren das Bauerntum verherrlicht werden sollte, wie es Hamsun tat, so hatte es Laxness mit seinem Gegenentwurf schwer.
Habt ihr bereits etwas von Hamsun gelesen? Ich noch nicht.
Vik i Myrdal:
die Gegend wirkt auf mich stark und urwüchsig, sogar furchterregend in ihrer Ausstrahlung von Einsamkeit.
Ich komme zum 10. Kapitel.
Schöne Grüße
Maria